Universität Duisburg-Essen, Institut für Evangelische Theologie 

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Schart, Aaron, Stand: 2007-04-05

Einführung in die historisch-kritische Methode der Textinterpretation
von Aaron Schart

Es ist die selbstverständliche Grundlage kritischer Wissenschaft, dass sie sich nicht über ihre Ergebnisse definiert, sondern allein darüber, ob diese methodisch an den dafür in Frage kommenden Fakten geprüft wurden. Jede wissenschaftliche Disziplin, also auch die Theologie hat sich deshalb über ihre Methoden Rechenschaft zu geben. Erhebt die Methode der Interpretation den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit, so muss sie den Standards wissenschaftlichen Vorgehens genügen. Im Bereich der biblischen Exegese geht es dabei um die Interpretation von schriftlichen Texten. Methodisches Vorgehen beinhaltet in diesem Fall die intersubjektive Nachprüfbarkeit der am Textmaterial gemachten Beobachtungen (möglichst objektive, exakte Beschreibung der Texte), deren Auswertung nach einsehbaren Regeln, das Operieren mit dem Gegenstand angemessenen Begriffsapparaten und den Diskurs mit anderen Wissenschaften, die vergleichbare Aufgaben wahrnehmen (Literaturwissenschaft, Altorientalistik, ...). Seit der Aufklärung hat sich die Auffassung herausgebildet, dass wir denjenigen Sinn eines Textes herausarbeiten müssen, den der/die Autor/in im historischen Ursprungs-Kontext zum Ausdruck gebracht hat, und nicht den, den spätere Leserschaften ihm zuerkannt haben oder zuerkennen. Diese Herangehensweise macht die historisch-kritische Methode aus.

Die heutige Zeit ist weitgehend geprägt von einer Krise der historisch-kritischen Methode, auch im Bereich der wissenschaftlichen Exegese. Dies liegt daran, dass historisches Denken in unserer Gesellschaft insgesamt in die Krise gekommen ist.  Die biblische Exegese folgt hier einem Trend, der auch die Literaturwissenschaften insgesamt prägt. Die Krise erkennt man zum einen daran, dass die historisch-kritische Methode oft nur noch als eine, überdies veraltete, Methode verstanden wird, neben der andere genauso gut wissenschaftlich vertretbar seien. Zum anderen zeigt sich die Krise daran, dass das entscheidende Ziel des Textverstehens, die historische Sinnbestimmung, in Zweifel gezogen wird. Entweder man hält ein solches Ziel für faktisch nicht mehr erreichbar oder man erachtet es nicht mehr als sinnvoll. Alle diese Einwände erweisen sich bei näherem Zusehen nicht als stichhaltig oder tragfähig, vielmehr gilt es, die historisch-kritische Methode unter den ohne Zweifel gewandelten Bedingungen weiter zu entwickeln.

1. Die historisch-kritische Methode: Geschichte und gegenwärtige Gestalt, Aufteilung und Ordnung der Methodenschritte

2. Kanonkritik

3. Textkritik

4. Übersetzungskritik (umfasst auch: Übersetzungsvergleich)

5. Formkritik (umfasst auch: Formgeschichte, Gattungskritik, Textsortenbestimmung)

6. Traditionskritik / Semantik

7. Bestimmung des Historischen Ortes (umfasst auch den sogenannten "Sitz im Leben" (Gunkel))

8. Literarkritik (auch: Redaktionskritik, Redaktionsgeschichte)

9. Überlieferungskritik

10. Auslegungsgeschichte (auch: Wirkungsgeschichte, Rezeptionsgeschichte)

11. Hermeneutik

12. Theologische Stellungnahme (auch: theologische Zusammenfassung)

13. Literaturhinweise, Rezensionen