Universität Duisburg-Essen, Fachgebiet Evangelische Theologie 

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Schart, Aaron, Stand: 2006-04-01

Proseminar: Einführung in das Neue Testament
Dozent: Aaron Schart
last edited: 2006-04-01

Die Jünger Jesu – Maria Magdalena, Jakobus der Herrenbruder und Petrus

vorgelegt von Claudia Gerstenkorn


1. Die Jünger

 1.1 Tabellarische Auflistung über einige Bibelstellen

In der folgenden Tabelle werden einige Bibelstellen aufgelistet (mit einer kurzen Zusammenfassung über den Inhalt), in denen man etwas über die Jünger erfährt.

 

Berufung der

ersten Jünger

 

Mt 4,18-22

Mk 1, 16-20

Lk 5, 1-11

Joh 1, 35-51

Jesus ging am See von Galiläa entlang und sah dort die beiden Brüder Simon (Petrus) und Andreas. Die beiden waren Fischer und warfen dort ihre Netze in den See. Jesus sagte ihnen, dass sie ihm folgen sollen, er würde sie zu Menschenfischern machen. Die Brüder ließen alles liegen und folgten ihm.

Als sie weiter gingen, trafen sie die Brüder Jakobus und Johannes (Söhne des Zebedäus). Auch sie ließen alles zurück und folgten Jesus.

 

 Die Wahl der Zwölf

 

Mt 10, 1-4

Mk 3, 13-19

Lk 6, 12-16

Jesus rief seine 12 Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, zu predigen, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen. Die Namen der 12 sind: an erster Stelle Simon (Paulus) und sein Bruder Andreas, die Brüder Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus, Thomas, Matthäus (der Zöllner), Jakobus (Sohn des Alphäus), Thaddäus, Simon Kananäus und Judas Iskariot (hat Jesus später verraten). ( Jesus nannte die Jünger auch Apostel.)

Von den wahren Verwandten Jesu

Mt 12, 46-50

Mk 3, 31-35

Jesus bezeichnet alle, die den Willen seines himmlischen Vaters erfüllen, als seine Brüder, Schwestern und Mutter. Demnach auch die Jünger!

 

Die Aussendung der zwölf Jünger

 Mt 10, 5-15

Mk 6, 6b-13

Lk 9 1-6

Jesus rief seine Jünger zusammen und gab ihnen die Vollmacht, Dämonen auszutreiben, Kranke zu heilen, und das Reich Gottes zu verkünden. Er sagte aber, dass sie nichts mit auf den Weg nehmen sollen (keine Vorratstaschen, kein Brot und Geld). Sie sollen auch das Haus, in dem sie einkehren, nicht mehr verlassen, bis sie den Ort wieder verlassen. Und wenn sie in einer Stadt nicht aufgenommen werden, so sollen sie sich den Staub von den Füßen schütteln (als Zeugnis gegen sie) und weiter gehen.

Die Jüngerflucht

Mt 26,56
Mk 14,50
Joh 18,8

Bei Matthäus und Markus verließen die Jünger Jesus  bei seiner Gefangennahme.

 

 

1.2 Allgemeines über die Jünger

In allen Evangelien gehört die Jüngerberufung zu Jesu ersten Akten.

1.2.1 Merkmale der Jüngerschaft

 Es sind drei Merkmale mit der Jüngerschaft verbunden:

  1. Die Jünger folgen Jesus freiwillig und sind bereit, alles aufzugeben. Sie teilen seine Heimatlosigkeit und geben ihre Familien für ihn auf (Bsp.: Mt 8,21f „Ein anderer aber, einer seiner Jünger, sagte zu ihm: Herr, lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben! Jesus erwiderte: Folge mir nach; lass die Toten ihre Toten begraben“).
  2. Die Jünger haben von Jesus die Gabe zum Heilen und die Vollmacht zum Austreiben von Dämonen erhalten.
  3. Den Jüngern wird eine hoheitliche Stellung in der Endzeit verheißen. Sie werden „sitzen auf den (zwölf) Thronen und richten die zwölf Stämme Israels (Mt 19,28/Lk 22,30) Den Jüngern wird eine messianische Vollmacht zugesprochen.

1.2.2 Die Jünger in den vier Evangelien

Die Jünger haben nicht in allen Evangelien den gleichen Stand. Bei Markus und Matthäus wird das Versagen der Jünger betont und bei Johannes und Lukas werden sie schonender dargestellt.

Die Jünger im Markus Evangelium

Markus bezeichnet die Jünger in seinem Evangelium als unverständige Anhänger Jesu. Sie verstehen vieles nicht und fragen nach.

Petrus hat die wichtigste Rolle. Er tritt gelegentlich als Sprecher der Jünger auf und gehört zusammen mit den Zebedaiden Brüdern zu dem engeren Jüngerkreis. 

 

Die Jünger im Matthäus Evangelium

Auch Matthäus sieht ein Versagen bei den Jüngern. Obwohl sie Jesus als Sohn Gottes anerkannt haben, fliehen sie bei der Festnahme.

 

Die Jünger im Lukas Evangelium

Lukas hat ein etwas anderes Bild von den Jüngern. Bei ihm haben die Jünger zu Jesus gestanden und es gibt auch keine Jüngerflucht. Die Jünger haben die Kreuzigung beobachtet.

Bei Lukas kommen zwei Jüngeraussendungen vor, weil er von zwei Jüngergruppen erzählt. Zum einen die Zwölf und zum anderen die 72. Die Aussendung der Zwölf deckt sich in etwa mit der aus den anderen Evangelien (Lk 9,1-6). Bei der Aussendung der 72 werden die Boten immer paarweise ausgesandt um das Kommen Jesu in den Orten vorzubereiten (Lk 10,1-16).

 

Die Jünger im Johannes Evangelium

Johannes hat ein ähnliches Bild von den Jüngern wie Lukas. Bei Johannes fliehen die Jünger nicht, sondern Jesus sorgt dafür, dass die Jünger unbehelligt gehen dürfen (Joh 18,8). Nur den Lieblingsjünger steht mit den Frauen am Kreuz (Joh 19,26). Im Johannes Evangelium spielt ein Jünger eine besondere Rolle, dessen Name jedoch nicht genannt wird (der „Jünger, den Jesus liebte“).