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Forschungsprojekt
Besetzung und Struktur von Hochschulräten in deutschen Universitäten

Ein Arbeitspapier mit ausführlichen Befunden, das in Heft 3, 2008, in der Zeitschrift "Hochschulmanagement" veröffentlicht wurde, finden Sie hier. Und hier noch eine weitere Publikation... (download).

Projektbearbeiter, Finanzierung und Projektdauer

  • Projektleitung und -bearbeitung: Prof. Dr. Werner Nienhüser (Tel.: 0201-183-3622/-2260)
  • Ehemalige Projektmitarbeiter: Anna Katharina Jacob; Maria Wegener; Dirk Nötzel; Tim Krüger
  • Finanzierung: Eigenfinanzierung
  • Laufzeit des Projekts: 1.1.2007ff.
  • Fragen? Schreiben Sie uns: Werner Nienhüser

Gegenstand, Ziele und Untersuchungsfragen des Forschungsprojektes

Gegenstand der Studie sind die seit wenigen Jahren eingerichteten Hochschulräte deutscher Hochschulen. Diese Gremien werden im Hinblick auf ihre soziale Struktur und deren Bestimmungsgründe untersucht. Die Fragen des Projekts lauten daher:

  1. Gibt es Muster in der institutionellen Herkunft und Sozialstruktur von Hochschulratsmitgliedern?
  2. Inwiefern hängen diese etwaigen Muster zusammen mit grundlegenden Merkmalen der Hochschulen (Größe, Standort, föderaler Gesetzesrahmen, Typ und Fächerstruktur)?
  3. Lassen sich Zusammenhänge nachweisen zwischen der Zusammensetzung der Hochschulräte einerseits und den Forschungsschwerpunkten sowie Drittmittelanteilen der jeweiligen Hochschulen andererseits? Spielen hierbei auch Faktoren wie Reputation von Hochschulen eine Rolle?
  4. Welche Netzwerke zwischen Hochschulen und den Organisationen bzw. sozialen Gruppen, aus denen die Hochschulratsmitglieder kommen, lassen sich identifizieren?

Warum ist dieses Forschungsprojekt von wissenschaftlichem Interesse?

Bei Hochschulräten handelt es sich um ein relativ neuartiges Phänomen in der deutschen Hochschullandschaft. Nach der Novellierung des Hochschulrahmengesetzes von 1998 erhielten die Landesgesetzgeber vollständige Gestaltungsfreiheit in der Regelung der Hochschulleitung und Hochschulorganisation. Darüber hinaus sollte die Autonomie der Hochschulen gestärkt werden. Die Rektorate sollten einerseits größere Entscheidungsfähigkeit erhalten, andererseits durch ein nicht-staatliches Gremium kontrolliert werden – eben den Hochschulrat. Der Hochschulrat fungiert, so ein weiterer Leitgedanke der Reform, als Bindeglied zwischen Hochschule, Wirtschaft und Gesellschaft, da er sich aus hochschulangehörigen und externen Mitgliedern rekrutiert. Zusammensetzung und Einflusspotential der Hochschulräte variieren allerdings erheblich je nach Landesgesetzgebung.

Aufgrund der relativen Neuheit der Institution finden sich in Deutschland keine tiefergehenden und größerzahligen Untersuchungen, die sich mit der Zusammensetzung und politischen Funktion von Hochschulräten beschäftigen. Dabei ist das Thema nicht nur deskriptiv-empirisch ergiebig, sondern auch analytisch-theoretisch: Erstens schließt unsere Forschung konzeptionell an die Forschung zur Zusammensetzung von Kontroll- und Aufsichtsgremien in Profitorganisationen an, insbesondere an die angloamerikanische Forschung über die Struktur der "board of directors". Wir greifen ebenfalls auf die Resource Dependence-Theorie (siehe hierzu vor allem Pfeffer, J.; Salancik, G. 2003: The External Control of Organizations. A Resource Dependence Pespective. Stanford) zurück. Die theoretische Grundidee lautet: In Gremien sind diejenigen Akteure vertreten, die für die Organisation wichtige Ressourcen kontrollieren. So lässt sich die Mitgliedschaft in einem Hochschulrat insb. unter dem Gesichtspunkt der Kontrolle über Wissen, über soziales Kapital, aber auch ökonomisches Kapital interpretieren.

Methoden der Datenerhebung und -auswertung

Bereits weitgehend abgeschlossen ist eine Primärerhebung der Daten von Hochschulräten an deutschen Hochschulen (Name, Vorname, akademischer Titel, Geschlecht, Geburtsjahr, internes/externes Mitglied, ggf. Professur, Vorsitzender des Hochschulrats, Aufsichtsrats- oder Vorstandsmitglied in Wirtschaftsunternehmen sowie weitere Positionen, Branche und Bundesland der jeweiligen Hochschule). Als Datenquelle dienten in erster Linie die Webseiten der Universitäten, zum anderen zusätzliche Erhebungen mittels Telefon- und Email-Anfragen.

In einem weiteren Schritt sind über die Zusammensetzung des Hochschulrates hinausgehende Merkmale der Hochschulen erhoben worden, etwa deren Größe, Anzahl der Studierenden, Fächerstruktur, Höhe und Zusammensetzung der finanziellen Mittel usw.

Die Datenauswertung zielt erstens auf eine Beschreibung der Zusammensetzung der Hochschulräte. Zweitens werden die Zusammenhänge zwischen den Strukturmerkmalen der Hochschule und der Hochschulratsstruktur auch mittels multivariater Verfahren untersucht. Drittens ist geplant, mittels einer quantitativen Netzwerkanalyse Organisationsnetzwerke zu identifizieren.

Erste Befunde

  • Eine sehr kurze Zusammenfassung ausgewählter Resultate können Sie hier lesen.
Hier finden Sie zwei Aufsätze von uns:
  • Wer besetzt die Hochschulräte deutscher Hochschulen? Eine empirische Analyse der Zusammenhänge zwischen Hochschulratsstruktur und Merkmalen der Hochschule. In: Arbeitskreis Fortbildung im Sprecherkreis der deutschen Universitätskanzlerinnen und -kanzler (Hg.): Alle Macht den Hochschulräten.? Weimar: 81-98. (download)
  • Changing of the Guards. Eine empirische Analyse der Sozialstruktur von Hochschulräten In: Hochschulmanagement 2008: 67-73 (zusammen mit Anna Katharina Jacob) (Arbeitspapierfassung zum download)
  • Hier können Sie eine Zusammenfassung des Inhaltes sowie eine Übersicht über die Aufsätze des Heftes Nr. 3 der Zeitschrift Hochschulmanagement ansehen.

Berichte in Medien

Die Befunde unseres Projektes über Hochschulräte finden eine deutliche Resonanz in den Medien. Hier ausgewählte Links auf Berichte:

Weitere Projekte zu Hochschulräten

  • Ein ähnliches Projekt wie das unserige wird an der Ruhr-Universität Bochum bearbeitet. Den Projektbericht (Jörg Bogumil, Rolf G. Heinze, Stephan Grohs, Sascha Gerber: Hochschulräte als neues Steuerungsinstrument? Eine empirische Analyse der Mitglieder und Aufgabenbereiche. Abschlussbericht, Düsseldorf 2007), der sich auch kritisch mit unseren Ergebnissen auseinandersetzt, kann man hier downloaden.

*Informationen für Bachelor- und Master-Studierende

Universität Duisburg-Essen
Fakultät Wirtschaftswissenschaften
Lehrstuhl für BWL, insb.
Arbeit, Personal und Organisation
45117 Essen

Telefon:
0201 / 183-2260
E-Mail:
sekretariat.nienhueser[at]uni-due.de
Fax:
0201 / 183-2283

Zuletzt geändert am 28.01.2017 11:16 Uhr