Arbeit, Personal, Organisation - Hauptseminar im Sommersemester 2016

Home

Lehrstuhl

Studium

* KritikWiki?

Forschung

* Download

English Information

Links

* Film BWL-Studium

Impressum Datenschutz

Das Thema des Hauptseminars im Sommersemester 2016:

Negative Unternehmenspraktiken

Inhalte der Veranstaltung

Häufig ist in der Betriebswirtschaftslehre die Rede von „best practices“, selten jedoch von „bad“ oder „worst practices“. Dabei können wir von den schlechten möglicherweise mehr als von den guten Praktiken lernen. Daher widmen wir uns im Seminar den negativen, gesellschaftlich schädlichen Unternehmenspraktiken.

Zahlreiche Unternehmen bedienen sich bei der Gestaltung ihrer Organisationsstrukturen, der Allokation ihrer Ressourcen und beim Umgang mit ihren Stakeholdern Praktiken, die einer Gewinnmaximierung zwar zuträglich sein mögen, aber auch gesellschaftlich unerwünschte Effekte beinhalten können. Beispiele hierfür sind die Wahl komplexer multinationaler Organisationsstrukturen zur Steuervermeidung, die Auslagerung problematischer Geschäftspraktiken in Länder mit niedrigeren Arbeitsstandards und geringer staatlicher oder gewerkschaftlicher Kontrolle, die Umgehung und Behinderung der Arbeitnehmer-Mitbestimmung, die Gewährung unverhältnismäßig hoher Managergehälter zu Ungunsten der Aktionäre und anderer Stakeholder oder die bewusste Inkaufnahme gesundheitlicher Risiken durch die Produkte oder die Art und Weise der Produktion. Solche Praktiken können als negative externe Effekte, als Wirkungen zu Lasten Dritter, verstanden werden.

Ziel des Seminars ist es, negative Unternehmenspraktiken aufzuzeigen und zu analysieren, warum solche Praktiken entstehen und wie man diese verhindern kann. Die Aufgabe der Studierenden besteht darin, jeweils eine Fallstudie einer negativen Unternehmenspraktik zu erstellen. Die Fallstudien sollen die Praktik in einem konkreten Fall beschreiben. Darüber hinaus soll kurz gezeigt werden, was man in der Literatur vermutet, warum es zu dieser Praktik gekommen ist und was diskutiert wird, um solche Praktiken zu verhindern. Der Schwerpunkt liegt auf der systematischen Beschreibung des jeweiligen Falles. Dabei geht es um deutsche Unternehmen, gleich, ob diese im In- oder Ausland tätig sind, aber auch um ausländische Unternehmen mit ihren Praktiken in Deutschland.

Voraussetzungen

Beachten Sie Ihre jeweilige Prüfungsordnung! Aktuell gilt für BWL Studierende im Bachelor, dass Sie mindestens 72 Credits im Kernstudium absolviert haben müssen, um an einem Seminar teilnehmen zu können.

Neben den formalen Teilnahmevoraussetzungen wird für die Teilnahme vorausgesetzt, dass Sie mindestens eine Klausur im Haupt- bzw. Vertiefungsstudium des Lehrstuhls erfolgreich abgeschlossen haben - für Bachelorstudierende also in "Personalmanagement", "Personal- und Organisationsforschung" oder "Organisation". Die erfolgreiche Teilnahme an "Unternehmensführung" allein reicht nicht aus.

Hinweis: Es muss zum Zeitpunkt der Anmeldung eine erfolgreich bestandene - d.h. bereits benotete - Klausur aus dem Vertiefungsbereich des Lehrstuhls vorliegen. Nicht ausreichend für eine Anmeldung sind also folgende Fälle:

  • Sie haben bereits eine Klausur des Lehrstuhls geschrieben, diese aber nicht bestanden.
  • Sie haben sich für eine Klausur des Lehrstuhls angemeldet, diese aber noch nicht geschrieben.

Falls Sie eine Klausur des Lehrstuhls (z.B. die Klausur „Organisation“ zum Nachtermin) bereits geschrieben haben, jedoch noch auf die Benotung warten, ist eine Anmeldung zum Seminar unter Vorbehalt möglich. Die aktuelle Notenübersicht können Sie nach Bestehen der Klausur nachreichen. Sollten Sie in diesem Fall jedoch die Klausur nicht bestehen, wird die Anmeldung automatisch ungültig.

Hinweis: Für Master-Studierende sind keine Zugangsvoraussetzungen zu erfüllen.

Einstiegs- und Pflichtlektüre für alle SeminarteilnehmerInnen

  • Corporate Reform Collective (2014): Fighting Corporate Abuse. Beyond Predatory Capitalism. London; insb. Kapitel 1, 5, 6, 8, 10, 14.
  • Rügemer, W./Wigand, E. (2014): Union Busting in Deutschland. Die Bekämpfung von Betriebsräten und Gewerkschaften als professionelle Dienstleistung. Otto-Brenner-Stiftung Arbeitsheft Nr. 77. Frankfurt / Main (online hier verfügbar).
  • Martin, A. /Bekmeier-Feuerhahn, S./Jochims, T./Weisenfeld-Schenk, U. (2014): Bad Practices in Unternehmen und die Mechanismen ihrer Etablierung. Der Fall Enron. In: Zeitschrift für Personalforschung 28 (4), S. 452–484. (Online hier verfügbar).
  • Martin, A./Hollborn, M./Jochims, T./Rogée, A./Saggau, C./Wüst, S. (2015): Bad Practices in deutschen Unternehmen. Mechanismen im Umgang mit fragwürdiger Moral. Lüneburg: Universität Lüneburg Institut für Mittelstandsforschung (Schriften aus dem Institut für Mittelstandsforschung, Heft 45). (PDF hier verfügbar).
  • Nienhüser, W./Magnus, M. (2003): Die wissenschaftliche Bearbeitung personalwirtschaftlicher Prolemstellungen – Eine Einführung, Essen, insb. S. 23ff. (PDF hier verfügbar).
  • Nienhüser, W./Wolfslast, M./Cichon, J. (2014): Die Fallstudien-Methode in wissenschaftlichen Arbeiten. Essen (PDF hier verfügbar).
  • Nienhüser, W./Wolfslast, M./Cichon, J. (2018): Ergänzung zu unserem Text ‚Die Fallstudien-Methode in wissenschaftlichen Arbeiten‘. Essen (PDF hier verfügbar).

Weitere Literatur werden wir im Laufe der Vorbereitung des Seminars sowie im Proseminar spezifisch für die jeweiligen Themen angeben. Zusätzlich müssen Sie vor dem Hintergrund der von Ihnen bearbeiteten speziellen Fragestellung weitere relevante Quellen verwenden. Wir empfehlen Ihnen daher unbedingt die Teilnahme an der Veranstaltung zur Literaturrecherche, die im Rahmen des Proseminars in Kooperation mit der Bibliothek angeboten wird.

Themen für die Seminararbeiten

Bitte bedenken Sie, dass die hier von uns vorgeschlagenen Themenblöcke noch keine Fragestellungen darstellen. Eine persönliche Fragestellung, die in unserem Seminar zunächst die Auswahl eines konkreten Falles voraussetzt, sowie eine geeignete Vorgehensweise müssen Sie selbst entwickeln. Diese problemorientierte Vorgehensweise muss sich in einer systematischen Gliederung und in der Einleitung (bzw. im Exposé) widerspiegeln. Zu solchen und anderen wichtigen Aspekten des wissenschaftlichen Arbeitens bieten wir Ihnen insbesondere in dem begleitenden Proseminar Unterstützung an.

Themenblock 1: Steuerhinterziehung und legale Steuervermeidung

Hierzu bietet insbesondere das Kapitel 1 aus Corporate Reform Collective 2014 einen ersten Einstieg.

Themenblock 2: Kapitalakkumulation bei der Unternehmensleitung und den Eigentümern

Ein Thema in diesem Bereich sind beispielsweise die zu hohen Managergehälter (zu Lasten der Stakeholder, in diesem Fall der Aktionäre; s.a. Kapitel 5 in Corporate Reform Collective 2014).

Themenblock 3: Verantwortungsvermeidung

Hier geht es um Praktiken wie „Greenwashing“, den Entzug von Verantwortung für die Folgen gesundheitsschädlicher Produkte oder Produktionsverfahren (Beispiel „Contergan-Skandal“, Textilproduktion deutscher Unternehmen in wirtschaftlich „gering entwickelten“ Ländern), außerdem um die Auslagerung illegaler Geschäftspraktiken ins Ausland.

Themenblock 4: Negative arbeitspolitische Praktiken

Themenfelder sind hier die Umgehung von Mitbestimmung auf Unternehmens- und Betriebsebene, die Ver- und Behinderung von Betriebsräten u.ä. (siehe z.B. Rügemer/Wigand 2014) oder die „Ausbeutung“ von Beschäftigten in Arbeitsverhältnissen, wie wir sie z.T. bei Leiharbeitern oder Werkvertragsbeschäftigten beobachten können.

Die Seminararbeiten sollten erstens und in erster Linie den jeweiligen Fall gut fundiert darstellen. Um gut begründet darstellen zu können, was „der Fall ist“, was sich in der Realität zugetragen hat, ist eine gründliche Recherche möglichst vieler und zugleich guter (glaubhafter) Quellen erforderlich. Hier wird viel Literaturrecherche notwendig sein. Dabei sind auch Internetrecherchen unverzichtbar, z.B. die Suche nach Dokumenten von Untersuchungsausschüssen des Deutschen Bundestages. Sie werden auch auf viele Webseiten von politischen Aktivisten und Organisationen (z.B. Verbände der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Ärztevereinigungen, Patienteninitiativen, Greenpeace, Oxfam etc.), Zeitungsnachrichten, TV-Beiträge und ähnliches stoßen. Sie werden entscheiden und begründen müssen, ob die jeweilige Quelle zuverlässig ist. Wissenschaftliche Quellen haben Vorrang vor anderen. Zweitens soll in den Arbeiten dargestellt werden, was man vermuten kann (immer literaturgestützt), warum eine bestimmte negative Praktik (Beispiel: Contergan-Fall, VW-Abgasmanipulation) zustande gekommen ist. Ist das „Versagen“ auf bewusste Entscheidungen, auf menschliches Versagen oder auf ein Systemproblem (z.b. bestimmte Organisationsstrukturen) zurückzuführen? Drittens soll skizziert werden, was vorgeschlagen wird, um die entsprechende negative Praktik zu vermeiden. Der Schwerpunkt liegt zwar auf der systematischen Beschreibung des Falles. Wenn Sie aber zu den beiden anderen Punkten nicht ebenfalls fundiert etwas schreiben, wird die Arbeit als nicht bestanden bewertet. In jedem Themenblock werden die Arbeiten so vergeben, dass es möglichst wenig inhaltliche Überschneidungen gibt. Ein Themenfeld (z.B. zu hohe Managergehälter) kann maximal zwei Mal bearbeitet werden, es ist aber bei einer Doppelbesetzung jeweils ein anderer Fall zu wählen.


  • Professor Werner Nienhueser will no longer consider applications from prospective PhD students.

* Vorlesung Unternehmensführung am 26.11.2019 - Beitrag zur Public Climate School
"Unternehmen im Klimawandel". Dienstag, 26. November, 18 bis 19.30 Uhr, Hörsaal S05 T00 B08. (Mehr Informationen hier.)

*Informationen für Bachelor- und Master-Studierende *Neue Voraussetzungen für die Vergabe von Bachelor- und Masterarbeiten

Universität Duisburg-Essen
Fakultät Wirtschaftswissenschaften
Lehrstuhl für BWL, insb.
Arbeit, Personal und Organisation
45117 Essen

Telefon:
0201 / 183-2260
E-Mail:
sekretariat.nienhueser[at]uni-due.de
Fax:
0201 / 183-2283

Zuletzt geändert am 11.07.2018 15:45 Uhr