16.05.2012 - 19:08:56

Nachruf auf Dankwart Danckwerts

Am 11. Mai starb Dankwart Danckwerts neunundsiebzigjährig in seiner Heimatstadt Hamburg. Bis ein Semester vor seinem Tod war er kontinuierlich in der Lehre und in Forschungsvorhaben an der Hochschule aktiv. Sein Verantwortungsgefühl für alle, die bei ihm einmal zu studieren angefangen oder sich bei ihm graduiert hatten, ließ ihm keine andere Wahl als das Bleiben.

Danckwerts war bereits seit der Gründung der Gesamthochschule in Duisburg dabei. Als Assistent von Schelsky trieb er in der Studienreformkommission der damaligen sozialliberalen Landesregierung die Schaffung integrierter Diplomstudiengänge unter Einschluß soziologischer, berufs- und anwendungsorientierter Kurzzeitstudiengänge voran. Und so erhielt Danchwerts 1972 die erste Professur „allgemeine Soziologie + allgemeine Sozialpädagogik“ für den geplanten integrierten sozialwissenschaftlichen Diplomstudiengang. 1974 war es dann soweit, daß der dem traditionellen Wissenschaftsbetrieb gegenüber skeptische, antielitäre Soziologe seine „Praxisorientierten Sozialwissenschaften / Soziale Arbeit und Erziehung“ an der Gesamthochschule installieren konnte. Ganz in seinem Sinn war SAE eine als Projektstudium nach Oskar Negts Konzept vom „exemplarischen Lernen“ organisierte Theorie- und Anwendungseinheit: in den Sozialwissenschaften ein eigenes Fach, in den Erziehungswissenschaften ein Studien- und Berufsschwerpunkt im Hauptstudium der Diplompädagogik.

Danckwerts politische Sozialisation erfolgte in der bündischen Jugendbewegung und währende der Arbeit für die Adenauer-Stiftung in Chile. Der erlebte eklatante Widerspruch zwischen der Bevormundung und Ausbeutung der sog. Dritten Welt und der Überheblichkeit der „jungen Demokratie“ in Westdeutschland machte ihn zum kritischen Begleiter der außerparlamentarischen Opposition der 1960er Jahre.

Sein Engagement, das er als Selbstaufklärung verstand, war immer auch publizistisch: Er gründete die Zeitschrift „Verkehr und Logistik“ als Organ einer arbeitnehmerorientierten Hafen- und Frachtforschung, war Herausgeber der Reihe „Sozialpädagogik“ bei Beltz, und nach der sog. Heimrevolte gab er die wissenschaftliche Jugendhilfezeitschrift „Demokratische Erziehung" mit heraus.

Wir vermissen den klugen und warmherzigen Skeptiker, der so wenig den Ressentiments seines damaligen Chefs gegenüber der „skeptischen Generation“ entsprach.



Prof. Dr. Jochen Zimmer