Habil

Handlungs- und Bildungskompetenzen von funktionalen Analphabeten

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Projektleitung und -durchführung

  • Prof. Dr. Ullrich Bauer
  • Prof. Dr. Uwe H. Bittlingmayer
  • Prof. Dr. Klaus Hurrelmann
  • Dr. Gudrun Quenzel
  • Dr. Stephan Drucks
  • Dipl. Soz. Tuba Hastaoglu
  • Katrin Linthorst M.A.
  • Dipl. Soz. Igor Osipov
  • Dipl. Soz. Hidayet Tuncer

 

Laufzeit

01.04.2008 - 29.02.2012

 

Hintergrund/Zielsetzung

 

Das Projekt HABIL wird im Rahmen der BMBF-Förderrichtlinie „Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Alphabetisierungs- und Grundbildungsarbeit im Kontext von Wirtschaft und Arbeit für Erwachsene“ über einen Zeitraum von vier Jahren gefördert. Es gehört zu dem Projektverbund „Chancen erarbeiten“, mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW), dem Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft (BWHW) und dem Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung (BVAG e.V. / Verbundleitung).

Das Projekt HABIL umfasst neben der Forschungsarbeit mit grundlagentheoretischer Ausrichtung auch die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation der anwendungsorientierten Projekte im Projektverbund. Als Projektleitung fungieren Ullrich Bauer (Essen-Duisburg), Uwe H. Bittlingmayer (Freiburg), Klaus Hurrelmann (Berlin/ Bielefeld) und Gudrun Quenzel (Bielefeld).

Im Mittelpunkt der Forschungstätigkeit steht die Analyse der Lebenssituationen, Mentalitäten und Motivationen von bildungsfernen Gruppen, von Menschen mit wenig formalem Bildungskapital und von funktionaler Analphabeten.

Herausgearbeitet werden verfügbaren Ressourcen und Kompetenzen sowie Barrieren des erfolgreichen Bildungserwerbs. Entlang der sozialstrukturanalytischen Milieukonzeption wird der Forschungsfokus auf die Analyse der Ausgangsbedingungen, Mentalitäten und Motivationsstrukturen konzentriert. Gemäß der allgemeinen Anlage des Health Literacy-Konzepts werden Forschungsfragen zusätzlich mit einbezogen, die auf die Genese von gesundheitsrelevanten Kompetenzen in den Problemgruppen zielen (Gesundheitsverhalten, Präventionsverhalten etc.).

Die Forschungserkenntnisse zielen im Rahmen der Gesamttätigkeit des Projektverbundes auf ein hohes Maß an Anwendungsorientierung (Transfer von Grundlagenwissen in eine kompensatorische Pädagogik der milieuspezifischen Bildungsförderung). Anknüpfungspunkte für eine praxisbezogene Pädagogik der Bildungsförderung liegen zum einen in der weiten, Milieuspezifika wertfrei berücksichtigenden Konzeption von Kompetenz, zum anderen in der Suche nach idealtypischen Konstellationen der Bildungsarmut. Beides ermöglicht Zielgruppenbeschreibungen, die ggf. bislang unterbelichtete Bedarfe und Stärken bildungsbenachteiligter Menschen hervorheben.

 

Vorgehensweise

Die Forschungstätigkeit umfasst...

  • eine für Deutschland repräsentative, fragebogengestützte Erhebung im Paneldesign in der Risikogruppe der Haupt- und FörderschülerInnen (Klassen 9 und 10)
  • ein zusammen mit der Repräsentativerhebung durchgeführtes Screening von Rechtschreibkompetenzen mit der Hamburger Schreibprobe 5-9B
  • die Erstellung einer Typologie von Bildungsbenachteiligung auf der Grundlage leitfadengestützter Interviews mit bildungsfernen (vor allem ethnisch marginalisierten und ressourcenschwachen) Gruppen und ExpertInnen in verschiedenen Praxisfeldern
  • die Rekonstruktion beruflicher und schulischer Verläufe von funktionalen Analphabeten auf der Grundlage leitfadengestützter berufs- und schulbiographischer Interviews
  • eine explorative Befragung in Unternehmen zu Einstellungen und Einstellungsbereitschaft gegenüber Menschen mit geringer Schriftkompetenz sowie  einer Bewertung von Schriftproben  in Hinblick auf deren Aussagekraft hinsichtlich Ausbildungsfähigkeit und Ausbildungschancen
  • ein Screening internationaler Best Practice-Modelle der Alphabetisierungsarbeit und -forschung
  • eine Auswertung von Erstgesprächsprotokollen zweier Volkshochschulen (Hamburg und Bremen)

 

Einbindung des Forschungsvorhabens in die Lehrforschung

  

Von Anfang an ist das Projekt eng mit der universitären Lehrtätigkeit verbunden (Themenspektrum Ungleichheitssoziologie, Bildungsforschung, Sozialisation und funktionaler Analphabetismus). Am Institut für Soziologie der Universität Siegen, an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld, am Institut für Sozialwissenschaften der PH Freiburg sowie an der Fakultät für Bildungsforschung der Universität Duisburg-Essen wurden in diesem Kontext Forschungsseminare durchgeführt.