SKILL

Soziale Kompetenzen von Lehrkräften zur Entwicklung von Bildungschancen für Kinder in besonderen Lebenslagen (SKILL)


 

Projektleitung/-team
 

Dr. Stephan Drucks (Leitung/Antragsteller/Bearbeitung)

Silvia Leban (SHK)

Claudia Schmitz (SHK)

 


Projektlaufzeit

01.07.2014 - 31.12.2017

Projektförderung

SKILL wird gefördert mit Mitteln zum 'Aufbau der Zentren für Lehrerbildung' des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft und Forschung (MIWF), im Kontext des Förderprogramms "Bildungsforschung in der Lehrerausbildung", ein Kooperationsprojekt von ZeB und ZLB.

 

 

Projektziele

Im Mittelpunkt steht die Erforschung des Umgangs mit sozialer Heterogenität vor der Zieldimension fairer Bildungschancen für Kinder in besonderen Lebenslagen im Primarschulbereich. Das Projekt zielt auf die ihre Handlungsbefähigung von Lehrkräften, handlungsrelevantes Wissen, Habitus-Struktur-Sensibilität und Selbstreflexion zu institutionalisierten Mechanismen struktureller Reproduktion.

Theoretischer Hintergrund

Internationale empirische Bildungsforschung fokussiert im Kontext von Bildungs- und Lebenschancen auf life-skills, literacy und Kompetenzen von Schüler/innen. Weniger beachtet werden lehrkraftseitige Kompetenzen, die ihrerseits wesentlich die Optionen zur Herstellung von Bildungschancen gerade solcher Schüler/innen bestimmen, die nicht von Haus aus vorgebildet sind und durchgängig störungsfrei lernen können. Lehrer/innen-Kompetenzen sind mit entscheidend zur Einlösung schulischer Chancengerechtigkeit, die dem Anspruch nach durch die Institution Schule gewährleistet (vgl. Bertelsmann Stiftung et al. 2013: 7) wird.

Dieser Anspruch steht rezenten empirischen Befunden gegenüber: Die Bildungsgerechtigkeit des deutschen Schulsystems hat sich in den letzten Jahren nur leicht verbessert. Bildungschancen bleiben stark abhängig von sozialer Herkunft (OECD 2010; Bertelsmann Stiftung et al. 2013). Mit der Herkunft korrespondierende Chancenungleichheiten werden während der Schulzeit nicht kompensiert, sondern verstärkt (Bartnitzky 2003). Als Ursachen markierten die PISA-Studien schulsystemische Selektion sowie häufige Ab- und Sonderbeschulung. Zu beforschen ist aber noch, wie Lehrkräfte Kindern mit besonderen Unterstützungsbedarfen im schulischen Alltag faire Chancen bieten können. Das Forschungsvorhaben SKILL bedient einen Bedarf an sozialwissenschaftlichem Grundlagenwissen für eine Erziehungsreflexion, die die eigene milieuspezifische Sozialisation und die der Schüler/innen einbezieht (Matter/Brosziewski 2014). Im Zentrum stehen erlernbare soziale Kompetenzen, die es den Lehrkräften ermöglichen, Schüler/innen unabhängig von sozialer und ethnischer Herkunft gleichermaßen Anerkennung und Lernfähigkeit zu vermitteln, zusammengefasst als Sozioanalysekompetenz.

Hinter dem Schlüsselbegriff Sozioanalysekompetenz steht die Adaption eines forschungsleitenden erkenntnistheoretischen Prinzips von Pierre Bourdieu (1987), demzufolge analytische Objektivität der Reflexion des eigenen Beobachterstatus, insbesondere des eigenen kultur- und milieuspezifischen Sozialisationshintergrundes, sowie der damit einhergehenden Normalitätsvorstellungen und Dispositionen – des Habitus – bedarf. Die von Bourdieu so genannte Sozioanalyse adaptieren wir an die Lehrerausbildung als Vermittlung theoretischen Wissens und als Konzept lehrkraftseitiger Kompetenz: Sozioanalysekompetenz umfasst die Fähigkeit, Motivation und Möglichkeit – mithin Disposition (Kurtz/Pfadenhauer 2010) – durch Vorurteile, Routinen und institutionalisierte Legitimationen motivierte Förder- und Laufbahnentscheidungen durch analytisch fundierte zu ersetzen. Durch Kontrolle der eigenen sozialen und professionellen Praxis, insbesondere der habituellen Ebene von Passungsproblemen soll deren Auswirkung auf die schulische Vergabe von Bildungs- und Lebenschancen an den institutionellen Übergängen verringert werden. Dieses Vermögen bedarf der Analyse institutionalisierter Machtstrukturen (Definitionsmacht, symbolische Macht) und der eigenen Rolle darin.

Forschungsfragen

Das beantragte Vorhaben untersucht die bezeichneten Kompetenzen zur Förderung schulischer Partizipations-, Bildungs- und Teilhabechancen bei Lehrkräften der Primarstufe in der Selbstwahrnehmung und in der Wahrnehmung der Schüler/innen. Die forschungsleitenden Fragen richten sich einerseits auf das empirische Ausmaß von Sozioanalysekompetenz sowie andererseits auf Optionen, das Konzept entlang im pädagogischen Feld vorhandener Auffassungen von kompetenter Beobachtung, sicherer Urteilskraft und Chancenverteilungsgerechtigkeit begrifflich zu konturieren und an die Lehrerbildung zu adaptieren:

- Inwiefern ist Sozioanalysekompetenz bei Lehrkräften vorhanden?

- Inwieweit empfinden sich Lehrkräfte subjektiv sozioanalysekompetent?

- Welche Auffassungen kompetenter Beobachtung und Einschätzung von Schüler/innen sind unter Lehrkräften verbreitet und wie (graduell abweichend oder kontradiktorisch?) verhalten sich diese zur gemeinten Sozioanalysekompetenz?

-  Welche Bedarfe (Information, Supervision, Fortbildung, Freiraum) sehen Lehrkräfte hinsichtlich ihrer Sozioanalysekompetenz?

- Inwiefern erfahren sich Kinder von ihren Lehrkräften empathisch anerkannt?

- Inwiefern erfahren Kinder ihre Lehrkräfte als gerecht und als unterstützend?

- Welche Bedarfe sehen und welche Wünsche äußern Kinder in dieser Hinsicht?

 

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