Universität Duisburg-Essen   Fakultät für Bildungswissenschaften
  Institut für Psychologie

FAKULTÄT FÜR BILDUNGSWISSENSCHAFTEN


PROF. DR. GISELA STEINS - ALLGEMEINE PSYCHOLOGIE UND SOZIALPSYCHOLOGIE

Schriftenreihe Psychologie in Bildung und Erziehung: Vom Wissen zum Handeln

Herausgeberin:
Prof. Dr. Gisela Steins (Universität Duisburg-Essen)

Wissenschaftlicher Beirat:
Prof. Dr. Stephan Dutke (Westfälische Wilhelms-Universität Münster)
Prof. emr. Dr. Maria Limbourg (Universität Duisburg-Essen)
Prof. Dr. Marcus Roth (Universität Duisburg-Essen)
Prof. Dr. Birgit Spinath (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg)

Ziele der Schriftenreihe

Die Schriftenreihe richtet sich an alle Personen, die ihr und eigenes Handeln in Bildung und Erziehung besser verstehen und konstruktiv verändern wollen. Da Erkenntnisse aus der Psychologie in Bildung und Erziehung vielfältig sind und eine Rolle in vielen Handlungsfeldern der Erziehung und Bildung spielen, freuen wir uns einer breiten Palette an Themen mit dieser Schriftenreihe Raum geben zu können.
Wissen im beruflichen Handeln umzusetzen ist nicht immer einfach. Mitunter handeln wir trotz besseren Wissens falsch und manchmal handeln wir falsch, weil wir es nicht besser wissen. Auch: Obwohl wir Wissen anwenden, kann Wissen falsch sein. Gesichertes Wissen gilt nur so lange als gesichert, bis wir es besser wissen.
Das Wissen der Akteure/innen im Bildungssystem wird nicht immer koordiniert, sondern Wissen und Handeln scheinen häufig nach dem Zufallsprinzip zusammen zu hängen. Praktiker/innen wenden ihr Wissen nicht immer an und Wissenschaftler/innen schaffen Erkenntnisse, deren praktische Umsetzbarkeit nicht immer erprobt ist und/oder realitätsfern zu sein scheint. Im Alltag jedenfalls wird das, was wir wissen, aus vielen Gründen oft nicht gelebt. Die eigene Erfahrung steht oft gegen sicheres Wissen, eine Skepsis gegenüber dem Wissenschaftlichen ist weit verbreitet und manchmal ist es einfach bequemer die eigenen Erfahrungen zu leben als Neues auszuprobieren.
Diese Schriftenreihe möchte Anregungen bieten, psychologisches Wissen produktiv und systematisch mit Handeln in Bildung und Erziehung zu verbinden und, auch umgekehrt, Praxis als Bereicherung für die Anwendungsmöglichkeiten von Wissensgrundlagen aufzufassen. Da weder Wissenschaft noch Praxiserfahrung den Anspruch auf ewige Allgemeingültigkeit erheben können, bleibt eine kritische und selbstkritische Beobachtung von Handlungen und deren Wirkungen in beruflichen Kontexten eine Metakompetenz von Personen, denen es wichtig ist, ihren Beruf gut auszuüben. In der Schriftenreihe versuchen wir psychologisches Wissen an praktischen Beispielen zu veranschaulichen ohne Rezepte anzubieten und ohne die Garantie schneller erfolgreicher Lösungen; denn die gibt es in Bildung und Erziehung nicht und wohl auch kaum in anderen Lebensbereichen.

Zusammengefasst verfolgen wir mit dieser Schriftenreihe zwei Ziele:
(1) Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Psychologie sollen mit praxisnahen Herausforderungen von Bildung und Erziehung kombiniert werden.
(2) Das in einem Band zu einem Thema zusammengetragene Wissen wird aus praxisorientierter Perspektive handlungsleitend reflektiert, so dass Leser/innen mit konkreten Herausforderungen in Bildung und Erziehung ihr eigenes Handeln systematisch und selbstkritisch reflektieren können.
Beide Ziele zusammengenommen regen an, die Forschungs- und Berufsfelder in Erziehung und Bildung aus neuen Perspektiven zu betrachten und mit neuen Ideen zu gestalten.

Die Ursache der Kluft zwischen Wissen und Handeln, zwischen Wissenschaft und Praxis, zwischen Theorie und Anwendung, liegt oft in der Vorstellung begründet, dass je nach eigener Selbstdefinition als Praktiker/in oder Wissenschaftler/in, das eine besser als das andere sei. Dies wird manche/n Wissenschaftler/in davon abhalten, diese Schriftenreihe als wissenschaftlich und manche/n Praktiker/in sie als praxisnah zu bezeichnen. Dieser Schwierigkeit sind wir uns wohl bewusst und wir nehmen hiermit diese große und auch großartige Herausforderung gerne an.

Die Schriftenreihe wird in den nächsten Jahren durch eine Vielfalt von Werken gestaltet werden. Interessante Forschungsarbeiten finden hier ihren Platz, aber auch Sammelbände und wissenschaftlich fundierte Praxishandbücher zu ausgewählten Themen in Bildung und Erziehung aus psychologischer Perspektive. Einige Themen werden sich mit elterlicher und schulischer Erziehung auseinandersetzen, andere mit Förderungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche. Auch die Erwachsenenwelt, die Rolle der Psychologie für die Bildung erwachsener Menschen, wird Beachtung finden.

Instruktionen für Autoren/innen

Bislang erschienene Bände der Schriftenreihe

Folgende Bände sind bereits erschienen, alle im Verlag für Sozialwissenschaften/Springer.

Band I Steins, G., Weber, P., Welling, V. (2013). Von der Psychiatrie zurück in die Schule: Reintegration bei Schulabsentismus. Konzepte - Begründungen - Materialien.

auch als e-book.

Auftakt der Schriftenreihe bildet das Thema Schulabsentismus. Über Schulabsentismus sind in den letzten Jahren zahlreiche Erkenntnisse zusammengetragen worden, die in der gelebten Realität nicht immer gewinnbringend umgesetzt werden. Sei es die Schule der betroffenen Kinder und Jugendlichen, sei es das Elternhaus: Ein Konzept, den Problemen der betroffenen Schüler/innen und Familien konstruktiv zu begegnen, findet man in der Fachliteratur durchaus, in der Realität selten. Wenn ein Konzept im Alltag vorhanden ist, basiert es häufig auf heuristischen Regeln, die weder rational begründet werden können, noch unbedingt hilfreich sind.
In diesem Band werden verschiedene Maßnahmen am Beispiel einer ausgewählten Stadt beschrieben, schulabsente Schüler/innen wieder zurück in die Schule zu holen. Zentral werden die Maßnahmen eines eigenen mehrjährigen Forschungsprojekts begründet und dargestellt, die schulabsente Schüler/innen bei ihrer Reintegration von der Psychiatrie zurück in die Schule unterstützen. Diese Maßnahmen werden konkret an ausgewählten Fällen beschrieben und bewertet. Unsere entwickelten Materialien und Ideen stellen keine Garantie für eine erfolgreiche Unterstützung dar, aber sie zeigen den Schülern/innen Möglichkeiten auf, ihre Probleme zu bewältigen und die Schule wieder regelmäßig zu besuchen.
Wenn schulabsente Schüler/innen in ihren Schulalltag reintegriert werden, dann ist es sinnvoll, alle potenziell helfenden Subsysteme (Elternhaus, Schule, Psychiatrie und oft genug das Jugendamt) in ein Boot zu holen. Deswegen wird es bei der Darstellung der individuellen Problematiken der hier ausgewählten Schüler/innen nicht nur um Schule gehen, sondern um den jeweiligen Gesamtkontext. Dabei werden kritische Momente in der Kooperation der unterstützenden Systeme aufgedeckt.
Dieser Band richtet sich in erster Linie an alle Personen und Gruppen, die die Möglichkeit haben, schulabsente Schüler/innen dabei zu unterstützen, ihren schulischen Pflichten nachzukommen. In dieser Hinsicht ist die Lektüre durchaus auch für Eltern schulabsenter Kinder und Jugendlicher sinnvoll, besonders aber für Schulen aller Formen, Jugendämter und anderen Gruppen mit unterstützender Funktion.

Band II Heinecke, M. (2013). Berufliche Bildung erfolgreich gestalten - Schlüsselkompetenzen für eine Gesellschaft in Bewegung.

Berufliche Bildung formt die erwachsene Persönlichkeit durch Lernen. Dabei sind eine Vielzahl lernerseitiger Faktoren beteiligt, die sich unter dem Konstrukt personaler Kontrolle zusammenfassen lassen. Eine längsschnittliche Felduntersuchung begleitet 175 typische Teilnehmer beruflicher Fortbildungsmaßnahmen in Deutschland. Mithilfe von Selbsteinschätzung, Verhaltensbeobachtung und objektivierten Leistungskriterien werden kontrolltheoretische Aspekte von Persönlichkeit und Handlung sowie der Lernerfolg erhoben. Die Auswertung zeigt eine enge Verknüpfung von Kompetenzmeinung, Kontrollverhalten und Lerngewinn. Wer sich viel zutraut ist erfolgreicher, weil er Lernanforderungen aktiver begegnet, aber auch die eigenen Fähigkeiten besser zu berücksichtigen weiß. Das wiederum prägt die Kompetenzmeinung. Die Gestaltung von (Online-) Lernumgebungen sollte sich diesen Wirkungskreislauf zunutze machen und die Schlüsselkompetenz personale Kontrolle durch Rückmeldung im Lernprozess gezielt fördern.

Band III Altmann, T. (2014). Empathie in sozialen und Pflegeberufen: Entwicklung und Evaluation des Trainingsprogramms. Mit Empathie arbeiten - gewaltfrei kommunizieren.

Empathie wird in den sozialen und Pflegeberufen wie selbstverständlich vorausgesetzt, doch mit anderen mitzufühlen kann auch ein Risikofaktor für die eigene seelische Gesundheit sein. Depressivität und Burnout als Folgen einer gut gemeinten aber langfristig unausgewogenen Empathie sind typisch, aber vermeidbar. Das Trainingsprogramm Mit Empathie arbeiten gewaltfrei kommunizieren befasst sich mit der Frage, wie ein reflektierter, authentischer und langfristig gesunder Umgang mit Empathie in sozialen und Pflegeberufen entwickelt und gestärkt werden kann. Im vorliegenden Buch werden diese Zusammenhänge erläutert, das Trainingsprogramm in seiner Entwicklung beschrieben und Ergebnisse einer empirischen Untersuchung zur Wirksamkeit des Trainingsprogramms vorgestellt.

Rezension

Band IV Behnke, Kristin (2015). Umgang mit Feedback im Kontext Schule. Erkenntnisse aus Analysen der externen Evaluation und des Referendariats.

Das Erteilen und Empfangen von Feedback stellt einen zentralen Bereich des schulischen Arbeitens dar und übt darüber hinaus diverse wichtige Funktionen aus. Doch wie gehen Menschen, deren Beruf es ist, Rückmeldungen zu geben, selbst mit Feedback um? Welche universellen Schwierigkeiten ergeben sich im Umgang mit Rückmeldungen? Wann wird Feedback angenommen, wann wird es abgelehnt und aus welchen Gründen geschieht dies? Dieser Band betrachtet exemplarisch den Umgang zweier schulischer Personengruppen, der Referendar/-innen und Schulleitungen, mit Feedback und beleuchtet aus einer sozialpsychologischen und auf die Interaktionsgestaltung fokussierenden Perspektive die Chancen und Risiken, die sich innerhalb von Feedbackinteraktionen ergeben können.

Band V Tanja Jungmann, Katja Koch (Hrsg.) (2016). Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen - Konzept und Wirksamkeit des KOMPASS-Projektes

unter Mitarbeit von Maria Etzien, Marlene Meindl, Ulrike Morawiak, Anke Schmidt, Andrea Schulz, Daniel Stockheim, Timo Tresp

Mit dem aktuellen Fokus pädagogisch-psychologischer Forschung auf Bildungsverläufe über die Lebensspanne wird der Kindertageseinrichtung als erster Bildungsinstitution ein immer höherer Stellenwert beigemessen. Im Zuge der Optimierung von Erziehungs- und Bildungspotentialen innerhalb der Einrichtungen steigen die Anforderungen an das Wissen, die Handlungskompetenz und die professionelle Responsivität pädagogischer Fachkräfte (Hopp, Thoma & Tracy, 2010). Vor diesem Hintergrund erscheinen gezielte Fortbildungen notwendiger denn je, deren Inhalte derzeit allerdings häufig nur unzureichend in die pädagogische Praxis implementiert werden (Jungmann, Koch & Etzien, im Druck). Zusätzliche Coachings pädagogischer Fachkräfte gelten als vielversprechende Methode, um entstehende Transferlücken zu schließen (Neumann & Wright, 2010; Mischo & Fröhlich-Gildhoff, 2011). Im Rahmen des Projektes Kompetenzen alltagsintegriert schützen und stärken (KOMPASS) der Universität Rostock werden die Handlungskompetenzen von pädagogischen Fachkräften in den Entwicklungsbereichen Sprache/Literacy, emotional-soziale Entwicklung und mathematische Kompetenzen durch eine Kombination aus Fortbildungseinheiten und einem anschließenden pädagogischen Coaching erweitert. Durch die verbesserte alltagsintegrierte Förderung aller Kinder soll diesen der Übergang in die Schule erleichtert und das Auftreten kindlicher Entwicklungsbeeinträchtigungen verhindert werden. Zur Evaluation der relativen Effektivität des zusätzlichen Coachings wird ein Prä-Posttest-Design mit gestuftem Treatment realisiert. Während die Interventionsgruppe I eine Kombination aus grundlegenden, fachspezifischen Fortbildungen und sieben Coachingterminen erhält, finden in der Interventionsgruppe II nur die Fortbildungen statt. Über einen Zeitraum von vier Jahren wird die Professionalitätsentwicklung von ca. 40 pädagogischen Fachkräften sowie die Entwicklung von ca. 400 Kindern, die zu Beginn der Maßnahmen zwischen 3;0 und 4;11 Jahre alt sind, mit einem Mixed-Methods-Ansatz (Beobachtungen der Qualität der Kindertageseinrichtungen, Videointeraktionsanalysen, Eltern- und Erzieherfragebögen, Entwicklungstests) erfasst.

In dem Band Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte wird einleitend auf die Notwendigkeit von Professionalisierungsmaßnahmen angesichts der gestiegenen Anforderungen an Fachkräfte in Kindertageseinrichtungen eingegangen und der Stand der Professionalisierungsforschung zusammengefasst. Im Praxisteil des Bandes (Teil I), werden die übergreifenden und fachspezifischen Fortbildungsinhalte für die verschiedenen Entwicklungsbereiche dargestellt. Das Coachingkonzept und dessen Umsetzung werden beschrieben und aus den gewonnenen Erkenntnissen und Erfahrungen Implikationen für die weitere pädagogische Praxis abgeleitet.
Im Forschungsteil des Bandes (Teil II) werden die gewonnenen Ergebnisse zu den direkten Effekten auf die pädagogischen Fachkräfte und den indirekten Effekten auf die kindliche Entwicklung vorgestellt und diskutiert. Nach einer differenzierten Betrachtung der Befunde in den drei Entwicklungsbereichen erfolgt eine integrierende Zusammenschau im Hinblick auf die wechselseitige Bezogenheit der Bereiche aufeinander (z.B. unter den Fragestellungen: Steht die Fachkraft-Kind-Beziehung im Zentrum von Bildungsprozessen? Wie viel Sprache steckt in der alltagsintegrierten Förderung mathematischer Kompetenzen?, Welche Zusammenhänge bestehen zwischen sprachlichen und sozial-emotionalen Kompetenzen?). Abschließend werden Implikationen für die weitere Forschung und Praxis abgeleitet.

Band VI Heike Wadepohl, Katja Mackowiak, Klaus Fröhlich, Dörte Weltzien (Hrsg.) (2016). Interaktionsgestaltung in Familie und Kindertagesbetreuung

In diesem Band werden unterschiedliche Perspektiven auf Erwachsenen-Kind-Interaktionen im Kontext Familie und/oder Kindertagesbetreuung anhand von Beobachtungsstudien vorgestellt. Dabei steht zunächst die differenzierte Analyse des Interaktionsprozesses bzw. einzelner Facetten im Mittelpunkt. Daneben interessieren weitere Variablen (z.B. personelle und strukturelle Aspekte) und deren Einfluss auf die Interaktionsgestaltung zwischen Erwachsenen und Kind(ern). Abschließend werden die Ergebnisse in der Zusammenschau diskutiert und Implikationen für die Forschung und Praxis abgeleitet. Informationen zum Band

Band VII Ina Langenkamp (2018). Stärkung des kindlichen Selbstkonzepts. Vom Patenschaftsprojekt bis zur (Grund-)Schule.

Aufgrund von Interviews mit Teilnehmenden eines Patenschaftsprojektes (Kinder und Paten) werden wichtige Erkenntnisse zur Stärkung der verschiedenen Facetten des kindlichen Selbstkonzepts aus der 1:1 Situation im Patenschaftsprojekt auf die 1:29 Situation in einer Klasse übertragen.

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