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Batterieforscher mit Leidenschaft
(c) FZ Jülich/Judith Kraft

Interview mit Prof. Martin Winter

Batterieforscher mit Leidenschaft

[11.12.2018]

Im September erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse für sein Engagement in der Batterieforschung, der er sich seit mehr als 25 Jahren verschrieben hat: Der Chemiker Prof. Dr. Martin Winter ist Gründungsdirektor des Institute of Energy and Climate Research des Helmholtz-Instituts Münster (Forschungszentrum Jülich) sowie wissenschaftlicher Direktor des MEET Batterieforschungszentrums (Universität Münster). Seit Oktober 2018 ist er CENIDE-Mitglied. Ein Interview.

CENIDE: Sie sind Leiter des Wissenschaftlichen Beirats für Batterieforschung des BMBF und sprechen auf internationaler und nationaler Ebene für die deutsche Batterieforschung. Im MEET Batterieforschungszentrum befassen Sie sich mit unterschiedlichen Speichersystemen. Welche sind aus Ihrer Expertensicht die vielversprechendsten für welchen Zweck – können Sie da zwei Beispiele nennen?
Winter: Diese Frage ist nicht so leicht zu beantworten, denn Lithium-Ionen-Batterien zum Beispiel kann man sehr unterschiedlich auslegen bezüglich ihres Designs und ihrer Chemie. Je nach Auslegung eignen sie sich deshalb gut für Autos, Mobiltelefone, Akkuwerkzeuge oder Notebooks, eigentlich überall dort, wo eine geringe Größe entscheidend ist. Lithium-Metall-Systeme mit ihrer Variante der Lithium/Schwefel-Batterie dagegen bieten pro Gewichtseinheit hohe Energieinhalte. Sie eignen sich daher gut für den Einsatz in Drohnen und werden auch in Satelliten verbaut. Generell sind Lithium-Ionen-Batterien nach heutigem Stand unschlagbar in Kosten pro Kilowattstunde. Ihre einzelnen Zellen sind zwar teurer, dafür bieten sie aber auch eine höhere Energiedichte als andere Systeme.

CENIDE: MEET hat 2011 den Betrieb aufgenommen und ist neben einer starken Grundlagenforschung auch bewusst anwendungsorientiert konzipiert. Können Sie uns ein dahingehendes Erfolgsbeispiel benennen?
Winter: Oh, da gibt es viele. Aber wenn ich etwas benennen sollte, dann vermutlich unsere zahlreichen Patente mit der Chemie- und Automobilindustrie. Wir halten allein mehr als 40 Patente im Elektrolytbereich.

CENIDE: Sie haben schon in der Vergangenheit viel mit CENIDE-Mitgliedern, vor allem mit Prof. Christof Schulz und PD Dr. Hartmut Wiggers, zusammengearbeitet. Was hat Sie nun dazu bewogen, selbst Mitglied zu werden?
Winter: Unsere Zusammenarbeit war immer angenehm und fruchtbar und unsere Kompetenzen zum Thema Energiespeicher ergänzen sich hervorragend. Da ich der Meinung bin, dass solch wichtige und vielschichtige Themen konzertiert angegangen werden sollten, bin ich Mitglied geworden.

CENIDE: Welche gemeinsamen Projekte gehen Sie nun an?
Winter: Wir kooperieren ja bereits bei ProZell, dem Kompetenzcluster zur Batteriezellproduktion. Und momentan arbeiten wir mit Kollegen aus Aachen, Münster, Jülich und Duisburg-Essen an einem Konzept, wie sich NRW bei der Batteriezelle groß aufstellen kann.

CENIDE: Sie haben schon viele Auszeichnungen erhalten. Zuletzt hat Ihnen Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, am 4. September 2018 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen. Ist diese Ehrung dennoch etwas Besonderes?
Winter: Sehr! Diese Auszeichnung habe ich ja nicht nur für meine Arbeit als Forscher bekommen, sondern auch oder gerade für den Aufbau einer deutschen Batteriecommunity. Es ist mein persönliches Bestreben und meine Leidenschaft, sicherzustellen, dass Deutschland sich mit dieser Technologie stark aufstellt – nicht nur auf der Forschungsseite, sondern auch in der Industrie. Wir müssen gemeinsame Ziele definieren und gut vernetzt sein. Alles Weitere darf gern auch in Konkurrenz passieren, aber in unserem Engagement für den Standort müssen wir uns in der Community einig sein. Die Aufbauarbeit dafür wird auch in der Auszeichnung deutlich.

CENIDE: Wenn Sie sich vorstellen, dass Sie irgendwann auf Ihre Karriere zurückblicken: Welches Resümee würde Sie glücklich machen?
Winter: Ich möchte gern sagen können: Ich habe mein Bestes gegeben, damit Deutschland in dieser Schlüsseltechnologie gut dasteht. Ich habe einen großen Teil dazu beigetragen, die entsprechende Community aufzubauen und war immer mit Engagement und Leidenschaft dabei. Erfolg kann man nicht erzwingen, aber man muss die richtige Einstellung haben.

CENIDE: Welche Entwicklungsrichtung sehen Sie bei CENIDE?
Winter: Ich denke, es wäre von Vorteil, bei Nanomaterialien stärker deren systemisches Verhalten im Auge zu haben. Das Material nicht für sich, sondern im Verbund zu betrachten – dabei könnten wir in Münster sicherlich helfen.

Wir danken Prof. Winter für das Interview.

 

Redaktion und Interview: Birte Vierjahn, 0203 379-8176, birte.vierjahn@uni-due.de