CENIDE: News

„Keine Technologiepfade vorgeben“ Positionspapier aus den Ingenieurwissenschaften

[08.07.2020]

Eine technologieoffene Herangehensweise auf dem Weg zu einem globalen klimaneutralen Energiesystem – das empfehlen mehr als 50 Professoren führender deutscher Universitäten und Forschungseinrichtungen, darunter auch Prof. Christof Schulz vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE). Ein gemeinsam mit Ingenieurwissenschaftlern der TU Darmstadt und der RWTH Aachen erarbeitetes Positionspapier lenkt das Augenmerk auf die thermische Nutzung chemischer Energieträger. Diese seien neben der elektrochemischen Energiewandlung unverzichtbar für eine sichere Stromerzeugung und Energieversorgung von Fahrzeugen, Industrie und Wohngebäuden.

„In der derzeitigen Klimaziele-Diskussion ist es wichtig, verschiedene technische Optionen, die aus ökologischer und ökonomischer Sicht für unsere Gesellschaft unverzichtbar sind, parallel fortzuentwickeln“, sind sich die Autoren des Positionspapiers sicher.

Unter der Federführung der TU Darmstadt plädieren rund 50 international renommierte Wissenschaftler, die zu chemisch-reaktiven Strömungen und Energieverfahrenstechnik forschen, für einen starken Ideen-Wettbewerb. „In Forschung und Entwicklung wünschen wir uns von der Politik Leitplanken, nicht jedoch vorgegebene Technologiepfade.“ Die Autoren begrüßen das von der EU-Kommission vorgestellte EU-Förderprogramm für die Wasserstofftechnologie ebenso wie die Nationale Wasserstoffstrategie der Bundesregierung. Mit ihrem Positionspapier wollen sie zusätzlich Optionen aufzeigen, mit denen die Ingenieur- und Naturwissenschaften Herausforderungen, die der Umbau unserer Energiesysteme bedingt, verantwortungsbewusst bewältigen wollen. Sie weisen auf die in Deutschland umfangreich vorhandene Expertise zu thermochemischen Energietechnologien hin.

Fossile Energieträger ersetzen

Das Positionspapier skizziert einen schrittweisen Umbau des Energiesystems mithilfe chemischer Energieträger in Richtung Klimaneutralität. Verfahren zur thermochemischen und elektrochemischen Energieumwandlung von Brennstoffen, wie sie beispielsweise in Gaskraftwerken und Brennstoffzellen praktiziert werden, sollen fortentwickelt werden.

Gasturbinen in der Stromwirtschaft oder Hybridantriebe in Fahrzeugen seien auch weiterhin sinnvoll und notwendig, um die angestrebten Ziele in der Reduktion der Klimaerwärmung zu erreichen. Bisher eingesetzte fossile Energieträger müssten jedoch zunehmend durch regenerativ erzeugte, zum Beispiel CO2-neutrale synthetische Kohlenwasserstoffe ersetzt werden. Der Anteil kohlenstofffreier chemischer Energieträger wie Wasserstoff, der mit erneuerbarer Energie erzeugt wurde, soll zunehmen.

„Verantwortung für ein belastbares Energiesystem"

Die Autoren heben hervor, dass ein rein auf elektrische Antriebe und Speicher ausgerichtetes Energiesystem den Bedarf nicht zuverlässig decken kann. Wichtige nachhaltige Energiequellen wie Windkraft und Photovoltaik unterliegen Produktionsschwankungen. Es mangelt an Kapazitäten, um elektrische Energie in großem Umfange zu speichern. Der Einsatz chemischer Energieträger aus regenerativen Quellen zur Rückverstromung in Kraftwerken sei eine notwendige Komponente des Energiesystems nach Atom- und Kohleausstieg. Auch im Luft- und Schiffsverkehr können synthetische Treibstoffe einen Beitrag zur Energiewende leisten.

Nach Ansicht der Wissenschaftler sollte gerade in Deutschland die Forschung und Entwicklung beispielsweise an Energiekonvertern für den Betrieb mit nicht-fossilen Brennstoffen und an Anlagen mit hohen Wirkungsgraden und geringen Schadstoffemissionen vorangetrieben werden.

 

Weitere Informationen:
Positionspapier
Prof. Christof Schulz, Institut für Verbrennung und Gasdynamik – Reaktive Fluide, Tel. 0203 37 9-8161, christof.schulz@uni-due.de

Redaktion: Jörg Feuck, TU Darmstadt