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© UDE/Salamon
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Fakultät für Physik Trauer um Prof. Werner Keune

[30.03.2021]

Die Fakultät für Physik trauert um Prof. Dr. Werner Keune, der am 27. März 2021 in Folge einer Krebserkrankung verstarb. Mit Prof. Keune blicken wir auf eine vielseitige und erfolgreiche wissenschaftliche Karriere zurück, welche die Experimentalphysik am Standort Duisburg-Essen maßgeblich mitgestaltet hat.

Nach seiner Diplomarbeit an der TU München 1965 entschied er sich für das damals neue und herausfordernde Feld der Mößbauerspektroskopie, und begann seine Promotion unter Edgar Lüscher, welche er zwischenzeitlich in Thousand Oaks, Kalifornien, in der Gruppe von Ulrich Gonser weiterführte. 1969 kehrte Werner nach München zurück, um seine Promotion abzuschließen, mit dem Nobelpreisträger Rudolf L. Mößbauer als Teil seiner Prüfungskommission.

Im selben Jahr schloss er sich zusammen mit Alfred X. Trautwein einer neuen Gruppe zur Mößbauerspektroskopie an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken an, wo er auch seine zukünftige Frau Ingeborg kennenlernte. Von dort initiierte er viele erfolgreiche Kooperationen mit Gruppen in Ungarn, Indien und Japan, wobei er besonders mit letzteren einen noch viele Jahre währenden Austausch pflegte. Nach seiner Habilitation 1975 folgte Werner einem Ruf an die Gesamthochschule Duisburg, heute Universität Duisburg-Essen, und nahm eine Professur zur Angewandten Physik an. Hier baute er ein neues Labor zur Mößbauerspektroskopie auf, welches bis zum heutigen Tag in Betrieb ist.

Während seiner Laufbahn erarbeitete er sich einen beachtlichen Ruf auf seinem Gebiet, und beging mehrere Forschungsjahre bei engen Kooperationspartnern wie Yutaka Maeda und Teruya Shinjo (Kyoto, 1979), Brent Fultz (Pasadena, 1991), Dominique Givord (Grenoble, 1996) und Sam D. Bader (Argonne, 1996). In den 80er Jahren wurde sogar eine offizielle Kooperation zwischen Kyoto und Duisburg beschlossen, welche den Rahmen für einen regelmäßigen Austausch von Wissenschaftlern zwischen den Universitäten schuf. Besonders eng ist bis heute auch die Kooperation mit den Wissenschaftlern an der Advanced Photon Source (APS) in Argonne, nahe Chicago, eine Synchrotron-Strahlungsquelle, welche 1995 in Betrieb ging und bis heute eine Vorreiterrolle in der Forschung einnimmt.

Im Jahr 2006 ging Prof. Keune in den Ruhestand, blieb aber zeitlebens ein aktives Mitglied der Fakultät für Physik. Sein Nachfolger, Heiko Wende, brachte seine eigenen Methoden und Expertisen aus Berlin mit, führte aber die Mößbauerspektroskopie nahtlos weiter, sodass die Forschungsgruppe Wende auf einen großen Schatz an Erfahrung und Ausstattung aufbauen konnte. Prof. Keune betreute in den Jahren seines Ruhestandes weiterhin aktiv Gruppenmitglieder von Bacheloranden bis Doktoranden, und nahm noch bis 2016 aktiv an Strahlzeiten an der APS teil. Selbst in seinen letzten Jahren war er in den neuesten Projekten und Planungen involviert, und teilte seinen unermesslich wertvollen Erfahrungsschatz mit den jüngsten und ältesten Mitgliedern der Forschungsgruppe.

Wir alle sind dankbar für die Zeit, die wir mit ihm verbringen konnten, und sehen in ihm nicht nur einen sehr geschätzten Kollegen, sondern auch einen guten Freund. Wir denken stets mit Freude an seine immerzu positive, hilfsbereite und herzliche Art, die ihn auch in schwierigen Zeiten immer auszeichnete. Wir erinnern uns gerne an die vielen Jahre der harmonischen und fruchtbaren Zusammenarbeit, trauern aber ebenso um einen geduldigen Mentor, der vielen jungen Wissenschaftlern zu den Anfängen ihrer Laufbahn verhalf.

Wir möchten allen Angehörigen, insbesondere seiner Frau Ingeborg Keune, seinen Kindern, Enkeln und Freunden unser tiefes Mitgefühl aussprechen.

Im Namen der Kolleginnen und Kollegen und aktiven und ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AG Wende und Keune, sowie der Fakultät für Physik der Universität Duisburg-Essen.

Soma Salamon und Heiko Wende