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Wie sicher ist Nano?
© Kuhlbusch

Neues Buch zur Risikobewertung

Wie sicher ist Nano?

[05.05.2015]

Welches Risiko bergen Nanopartikel für Verbraucher und Arbeitnehmer? Welchen Einfluss haben sie auf die Umwelt? Und was passiert, wenn die winzigen Partikel in den menschlichen Körper gelangen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich PD Dr. Thomas Kuhlbusch vom Institut für Energie und Umwelttechnik (IUTA) der UDE in einer neuen Publikation.

In dem Buch, das der CENIDE-Forscher mitherausgegeben hat, wird nun erstmals die Sicherheit von Nanomaterialien in ihrem gesamten Lebenszyklus bewertet – von ihrer Herstellung bis zum Recycling.Unter dem Titel „Safety of Nanomaterials along Their Lifecycle: Release, Exposure, and Human Hazards“ wird der aktuelle Stand zur Sicherheitsforschung und Risikobewertung von Nanomaterialien vorgestellt. Dabei präsentiert das Buch wesentliche Ergebnisse des 2013 abgeschlossenen BMBF-Projekts nanoGEM („Nanostrukturierte Materialien - Gesundheit, Exposition und Materialeigenschaften“) sowie weitere Beiträge internationaler Experten.

Die Einsatzfelder von Nanomaterialien werden immer vielfältiger. Sie werden etwa beim energieeffizienten Bau von Autos oder Flugzeugen verwendet, stecken aber auch in Kosmetika, Textilien oder Haushaltswaren. Dabei ist ein Nanopartikel nicht wie das andere. Verschiedene Substanzen weisen unterschiedliche Eigenschaften auf – individuell abhängig von der chemischen Zusammensetzung, der Größe, der Form oder der Oberflächenbeschichtung.

Dies ist auch im vorliegenden Buch eines der wichtigsten Erkenntnisse zur Freisetzung und Wirkung von Nanomaterialien: Die Untersuchungen zeigen, dass „Nano“ nicht gleich auch toxisch bedeutet. Ob und wie die kleinen Partikel die Gesundheit beeinträchtigen, hängt nicht nur von ihrer Größe, sondern insbesondere von der Struktur und der Gestaltung ihrer Oberfläche ab. „Nanopartikel, die oral verabreicht wurden, egal ob funktionalisiert oder nicht, zeigten in allen unseren Untersuchungen keine signifikanten toxischen Effekte“, erklärt Dr. Kuhlbusch. „Werden die Partikel hingegen eingeatmet oder direkt auf Zellen aufgebracht, lässt sich beobachten, dass die Funktionalisierung der Partikel die Wirkung beeinflusst“ Dieses Ergebnis unterstreicht, wie stark die Partikeloberfläche die Eigenschaften und Effekte von Nanopartikeln bestimmt.

Das Buch behandelt nicht nur Fragen zur Freisetzung und Exposition von Nanomaterialien, sondern stellt auch toxikologische Mechanismen und Wirkungen vor. In vielen Fallbeispielen kommt es zu einer integrativen Betrachtung, z.B. von leitenden Plastikmaterialien, die auf Kohlenstoff-Nanoröhren basieren, sowie von Lacken und Beschichtungen. Erläutert werden auch Messstrategien, mit denen sich Nanopartikel in der Atemluft bestimmen lassen. Dies dient vor allem zur Arbeitsplatzüberwachung. Im Buch werden die wichtigen Erkenntnisse integrativ betrachtet und relevante Eigenschaften von Nanopartikeln identifiziert. Die Kriterien vereinfachen die Gruppierung auf Basis bestimmter physikalisch-chemischer Eigenschaften und damit die Risikobeurteilung. Auch bei der Entwicklung neuer, sicherer Materialien können die Erkenntnisse der Forscher verwendet werden. Mit dem Buch fördern die beteiligten Autoren einen Beitrag zur allgemeinen Sicherheit der Nanotechnologie und deren Akzeptanz.

Weitere Informationen:
PD Dr. Thomas Kuhlbusch, Tel. 02065/418-267, tky@iuta.de

Thomas A.J. Kuhlbusch, Claus-Michael Lehr, Jürgen Schnekenburger, Wendel Wohlleben (Hrsg.): „Safety of Nanomaterials along Their Lifecycle: Release, Exposure, and Human Hazards“, 2014. ISBN 9781466567863 – CAT# K16366

Redaktion: Carmen Tomlik, Tel. 0203/379-8176