Antonius der Große und Paulus von Theben
Mathis Neithart Gothart, gen. Grünewald
Isenheimer Altar, um 1512 - 1516
linker Flügel nach der zweiten Öffnung
Colmar, Museum Unter den Linden
Bild
Antonius und Paulus sind, wie der Gestus der Arme andeutet, in einem lebendigen Gesprächs begriffen. Antonius ist prächtig gekleidet, Paulus trägt sein aus Palmstroh geflochtenes Kleid. Zwischen beiden ist der Wolf zu erkennen, der Antonius in die Felsenschlucht geleitet hat. Oben im Bild nähert sich der Rabe, der Paulus täglich mit Brot versorgt. Im Schnabel trägt er, des Gastes wegen, diesmal ein Doppelbrot. Die bizarre Felsenlandschaft den rauen Charakter der Einsiedelei.
Kontext
Antonius und Paulus können als die Erzväter des christlichen Mönchtums betrachtet werden.
Durch die Biographie des Athanasius, die Vita Antonii, die kurz nach seinem Tode 356 erschienen ist, wird Antonius schnell berühmt und gilt als der Vater des christlichen Möchtum, auch wenn Paul von Theben der ältere ist.
Im 11. Jh. beginnt mit der Gründung eines nach Antonius benannten Ordens eine neue Popularitätswelle des Heiligen. Der Antoniusorden, die Antoniter oder Antonianer, wurde 1059 in St-Didier-de-la-Motte (St. Antoine) in der Dauphiné in Südfrankreich gegründet. Der französische Edelmann Gaston soll ihn als Dank für die Heilung seines Sohnes vom "Antoniusfeuer", einer im Mittelalter in Europa verbreiteten ansteckenden Seuche, gestiftet haben und die Überführung seiner Reliquien veranlasst haben. Papst Urban II. bestätigte 1095 den Orden als Laienbruderschaft, Papst Bonifatius VIII. wandelte ihn 1298 in einen Chorherrenorden um. Von 1217 an widmeten sich die Antoniterchorherrenstifte besonders der Krankenpflege, 365 Spitäler wurden in den 3 folgenden Jahrhunderten gezählt.
Die Angehörigen des Ordens tragen über schwarzem Chorkleid den schwarten Mantel mit hellblauem Kreuz.
Ein Schwein als Attribut deutet auf das Privileg der Schweinezucht des Ordens, zeigt aber auch Antonius als Patron der Haustiere, die er gegen Wundrose und Pest schützt. Eine Glocke warnt die Gesunden und kündigt den Pestkranken seine Heilung verheißene Ankunft. Da ihm Feuer nichts anhaben kann, wird er auch als Nothelfer in Feuersgefahr angerufen.
Quellen- und Literaturverweise, Links
Hiltbart L. Keller, Reclams Lexikon der Heiligen und der biblischen Gestalten. Legende und Darstellung in der bildenden Kunst, 8. Aufl., Stuttgart 1996

Matthias Grünewald - Isenheimer Altar - Antonius, der Große - Paulus von Theben

André Stohmann