Bulle "Unigenitus Dei Filius", 27. Jan. 1343
Unigenitus Dei Filius ... "factus nobis a Deo sapientia, iustitia, sanctificatio et redemptio" [l Cor 1,30], "non per sanguinem hircorum aut vitulorum, sed per proprium sanguinem introivit semel in sancta, aeterna redemptione inventa" [Hbr 9,12]. Non enim corruptibilibus, auro et argento, sed sui ipsius agni incontaminati et immaculati pretioso sanguine nos redemit [cf. 1 Pt 1, 18s], quem in ara crucis innocens immolatus non guttam sanguinis modicam, quae tamen propter unionem ad Verbum pro redemptione totius humani generis suffecisset, sed copiose velut quoddam profluvium noscitur effudisse ita, ut "a planta pedis usque ad verticem capitis nulla sanitas" [Is 1,6] inveniretur in ipso. Der einziggeborene Sohn Gottes ... "uns von Gott zur Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung geworden" [l Kor 1,30], "trat nicht durch das Blut von Böcken und Rindern, sondern durch sein eigenes Blut ein für allemal in das Heiligtum ein, wodurch er ewige Erlösung erwirkte" [Hebr 9,12]. Denn nicht mit Vergänglichem, mit Gold und Silber, sondern mit seinem eigenen, des unversehrten und unbefleckten Lammes kostbarem Blut, erlöste er uns [vgl. 1 Petr 1, 18f], das er bekanntlich, auf dem Altar des Kreuzes unschuldig opferte, wobei er nicht nur einen Tropfen Blut - der gleichwohl wegen der Einung mit dem Logos für die Erlösung des ganzen Menschengeschlechts genügt hätte -, sondern in reichem Maße gleichsam einen Strom vergossen hat, so daß man "von der Fußsohle bis zum Scheitel des Hauptes nichts Heiles" [Jes 1,6] an ihm fand.
Quantum ergo exinde, ut nec supervacua, inanis aut superflua tantae effusionis miseratio redderetur, thesaurum militanti Ecclesiae acquisivit, volens suis thesaurizare filiis pius Pater, ut sic sit "infinitus thesaurus hominibus, quo qui usi sunt, Dei amicitiae participes sunt effecti" [Sap 7,14]. Deshalb hat er also solch großen Schatz für die ecclesia militans erworben, damit nicht das Erbarmen eines solchen großen Blutvergießens unnütz, vergeblich und überflüssig würde; als guter Vater wollte er seinen Kindern Schätze ansammeln, damit so "die Menschen einen unerschöpflichen Schatz besäßen und die, die ihn gebrauchten, Anteil an der Freundschaft Gottes erhielten" [Weish 7,14].
Quem quidem thesauram ... per beatum Petrum caeli clavigerum, eiusque successores, suos in terris vicarios, commisit fidelibus salubriter dispensandum, et pro piis ac rationabilibus causis, nunc pro totali, nunc pro partiali remissione poenae temporalis pro peccatis debitae, tam generaliter, quam specialiter (prout cum Deo expedire cognoscerent), vere paenitentibus et confessis misericorditer applicandum. Diesen Schatz ... nun hat er zur heilsamen Austeilung an die Gläubigen durch den seligen Petrus, den Schlüsselträger des Himmels, und dessen Nachfolger, seine Stellvertreter auf Erden, hinterlassen und zur barmherzigen Zuwendung für alle, die wahrhaft Reue empfinden und gebeichtet haben, aus gerechten und vernünftigen Gründen, bald für einen vollständigen, bald für einen teilweisen Nachlaß der für die Sünden geschuldeten zeitlichen Strafe, sowohl allgemein als auch im besonderen (je nachdem sie es mit Gott als dienlich erkennen).
Ad cuius quidem thesauri cumulum beatae Dei Genitricis omniumque electorum a primo iusto usque ad ultimum merita adminiculum praestare noscuntur; de cuius consumptione seu minutione non est aliquatenus formidandum, tam propter infinita Christi (ut praedictum est) merita, quam pro eo, quod quanto plures ex eius applicatione trahuntur ad iustitiam, tanto magis accrescit ipsorum cumulus meritorum. Zum Übermaß dieses Schatzes leisten nun bekanntlich die Verdienste der seligen Gottesgebärerin und aller Erwählten vom ersten Gerechten bis zum letzten einen Beitrag; um sein Aufbrauchen bzw. seine Verminderung ist nicht im geringsten zu fürchten, sowohl wegen der unbegrenzten Verdienste Christi (wie vorher gesagt wurde), als auch deswegen, weil das Übermaß der Verdienste selbst umso mehr anwächst, je mehr aufgrund seiner Zuwendung zur Gerechtigkeit gezogen werden.