Kirche und Staat in der Frühen Neuzeit I (bis 1648)

Wir haben reiflich erwogen, daß jene Pragmatische Sanktion, oder richtiger, jenes verderbliche Schriftstück, ..., die Autorität, Freiheit und Würde dieses Stuhles verletzt und veringert und die Befugnis des römischen Papstes ... gänzlich aufhebt, andererseits den Kirchenprälaten jener Länder Anlaß gibt, den heiligen Nerv des Gehorsams gegenüber der kirchlichen Disziplin zu verletzen und zu zerreißen ... Wir sind zu der Erkenntnis gelangt, daß die Pragmatische Sanktion offensichtlich ungültig ist ...
Leo X., Bulle «Pastor aeternus» (1516), COD 640-45
worum geht es letztlich im päpstl.-frz. Konflikt?
Besetzung der (höheren) geistlichen Pfründen

Zum ersten, daz wir in zeit solicher kuniglichen wirde, ambts und regierung die cristenheit und den stul zu Rom, auch bestliche Heiligkeit und die kirchen als derselben advocat in guetem bevelch und schirm haben, darzue in sonderheit in dem heiligen reiche friden, recht und ainigkeit phlanzen und aufrichten und verfugen sollen und wellen, daz die iren geburlichen gang dem armen als dem reichen gewinnen und haben, auch gehalten und denselben ordnungen,... und löblichem herkommen nach gerichtt werden sol
Karl V., Wahlkapitulation (1519), [GiQIII.109]
wozu trägt die kaiserliche Advokat- bzw. Vogtfunktion bei?
Rechtssicherheit Rechtskontinuität

Dieweil denn nun die weltliche Gewalt ist gleich mit uns getauft, hat denselben Glauben und Evangelium, so müssen wir sie lassen Priester und Bischof sein und ihr Amt zählen als ein Amt, das da gehöre und nützlich sei der christlichen Gemeine. Denn was aus der Taufe gekrochen ist, das mag sich rühmen, daß es schon zum Priester, Bischof und Papst geweihet sei ... Drum soll weltliche Gewalt ihr Amt üben frei unbehindert, unangesehen, ob's Papst, Bischof oder Priester sei, den sie trifft; ...
Martin Luther, An den christlichen Adel deutscher Nation (1520), WA6.408 0
welche Bibelstelle sabotiert die Autonomie der Gemeinde?
Römer 13

Da nun die Sache dermaßen verlaufen ist ... haben wir ... entsprechend der Bulle, die ... der Papst, als ordentlicher Richter in diesen Angelegenheiten, verkündet hat, festgesetzt, daß Ihr den erwähnten Martin Luther als ein von Gottes Kirche abgesonder-tes Glied und einen verstockten Häretiker und offenbaren Ketzer von uns und Euch allen und jedem insbesondere zu achten und zu halten erkennet und erkläret und dasselbe kraft dieses Schreibens bewußt in die Tat umsetzt. Und weiter gebieten wir Euch ...
Wormser Edikt (1521), RTA.JR 2, 643-659
Was wird den Ständen weiterhin geboten?
Gefangennahme Festnahme Inhaftierung Bücherverbrennung

34. Die sogenannte geistliche Gewalt hat für ihre Pracht keinen Grund in der Lehre Christi; 35. aber die weltliche Gewalt hat Kraft und Begründung in der Lehre und Tat Christi [Mt 22,21]. 36. Alle Gerichtsbarkeit, welche sich die sogenannte geistliche Gewalt anmaßt, kommt der weltlichen Gewalt zu [Lk 12,13f], sofern diese christlich sein will. 37. Der weltlichen Gewalt sind auch alle Christen, niemand ausgenommen, Gehorsam schuldig [Röm 13,1f], 38. insofern sie nichts gebietet, was wider Gott ist
Ulrich Zwingli, Die 67 Schlußreden (1523), [KTGQ 3, 98]
der biblische Beleg für die 38. These?
Apg (Apostelgeschichte) 5,29

Wenn nun dein Fürst oder weltlicher Herr dir gebeut, mit dem Papst zu halten, so oder so zu glauben, oder gebeut dir, Bücher von dir zu tun, so sollst du also sagen: «Es gebürt Lucifer nicht, neben Gott zu sitzen. Lieber Herr, ich bin euch schuldig zu gehorchen mit Leib und Gut, gebietet mir nach eurer Gewalt Maß auf Erden, so will ich folgen. Heißt ihr aber mich glauben und Bücher von mir tun, so will ich nicht gehorchen. Denn da seid ihr ein Tyrann und greift zu hoch, ... »
Martin Luther, Von weltlicher Obrigkeit, wie weit ... (1523), [GiQIII.133]
«Widerstandsrecht» des Untertans nach Luther?
Verweigerung des Gehorsams

So sprichst du abermal: Ja, weltlich Gewalt zwingt nicht zu glauben, sondern wehret nur äußerlich, daß man die Leute mit falscher Lehre nicht verführe; wie könnt man sonst den Ketzern wehren? Antwort: Das sollen die Bischöfe tun, denen ist solch Amt befohlen, und nicht den Fürsten. Denn Ketzerei kann man nimmermehr mit Gewalt wehren, es gehört ein andrer Griff dazu, und ist hie ein anderer Streit und Handel denn mit dem Schwert. Gottes Wort soll hie streiten;... Ketzerei ist ein geistlich Ding, ...
Martin Luther, Von weltlicher Obrigkeit (1523), [GiQ III.135]
welche frühere Schrift scheint hier vergessen?
Adelsschrift, An den christlichen Adel

Denn sie haben euch genarret, daß ein jeder zu den Heiligen schwür, die Fürsten sind heidnische Leute ihres Amts halber, sie sollen nichts andres denn bürgerliche Einigkeit erhalten. Ach, Lieber, ja, da fällt ... der große Stein balde drauf und schmeißt solche vernüftige Anschläge zu Boden, da er saget, Mt 10,34: «Ich bin nicht gekommen, Fried zu senden, sondern das Schwert.» Was soll man aber mit demselbigen machen? Nichts anders denn die Bösen, die das Evangelium verhindern, wegtun und absondern, ...
Thomas Müntzer, Fürstenpredigt (1524), Schriften u. Br. 25
welche politische Staatsform folgt daraus?
Theokratie

Zum dritten, daß sie solche schreckliche, greuliche Sünde mit dem Evangelio decken ... Womit sie ... Gotteslästerer und Schänder seines heiligen Namens werden und ehren und dienen also dem Teufel unter dem Schein des Evangelii, daran sie wohl zehnmal den Tod verdienen an Leib und Seele, ... Drum, liebe Herren, löset hie, rettet hie, erbarmet euch der armen Leute, steche, schlage, würge hie, wer da kann. Bleibst du drüber tot, wohl dir, seliglichern Tod kannst du nimmermehr überkommen.
Martin Luther, Wider die räuberischen und mörderichen Rotten (1525)
welche Interpretation des Evangeliums sei «greuliche Sünde»?
soziale sozialrechtliche

Es haben sich auch churfürsten und stende des reichs ... vereinigt, mit iren underthanen in mitlerzeit des concilii .. also zu leben, zu regiren und zu halten, wie ein ieder solichs gegen gott und irer Mat. hofft und getraut zu verantworten, uf das fried und einigkeit destobaß gehalten und sovil mentschlich und muglich kunftig ufrur und entborung im reich furkommen [vermieden] werde ...
Reichstagsabschied von Speyer (1526), [SG 5.181]
welches Ereignis hat den religösen Dissens verdrängt?
Bauernkrieg

Nun wird von vielen ... gefragt, ob auch ein Christ das Schwert gegen den Bösen zum Schutz und Schirm des Guten und um der Liebe Willen führen könne und solle. Die Antwort ist einmütig folgendermaßen geoffenbart: Christus lehrt und befiehlt uns [Mt11,29] daß wir von ihm lernen sollen; ... Nun sagt Christus zur heidnischen Frau, die im Ehebruch ergriffen worden war, nicht, daß man sie steinigen solle nach dem Gesetz seines Vaters ..., sondern spricht 'nach dem Gesetz'der Barmherzigkeit und Verzeihung ...
Michael Sattler, Schleitheimer Artikel (1527), VI
welches lutherische Modell ist gegen Luther konsequent angewandt?
Zwei-Reiche-Lehre

Wo aber etliche sich mutwillig ihr [der Visitation] widersetzen würden ... müssen wir dieselben sich von uns, wie die Spreu von der Tenne, trennen lassen und können um ihretwillen unser Gemeinsames nicht lassen;... Denn obwohl Sr.Kurfürstl. Gnaden zu lehren und geistlich zu regieren nicht befohlen ist, so sind sie als weltliche Obrigkeit doch schuldig, darauf zu achten, daß nicht Zwietracht, Spaltungen und Aufruhr sich unter den Untertanen erheben (wie auch der Ks. Konstantin die Bischöfe nach Nicea ...
Martin Luther, Vorrede zu Melanchthons Unterricht (1528), LD² 6.73
Topos in der konfessionellen Propaganda: religiöser Dissens führt zu ...
politischer Unruhe, Aufruhr

Würde er aber davon nicht lassen [Abweichung des Predigers in Lehre und Leben] noch abstehen wollen und sonderlich zu erweckung falscher lere und des auffrhurs, so soll der Superattendens solch unverzuglich dem Amptman anzeigen, Welcher denn solchs furt unserm Gnedigsten Herrn dem churfürsten vermelden sol, Damit seine Churfürstliche Gnaden hirynn ynn der zeit billichen versehung fürwenden mügen.
Philipp Melanchthon, Unterricht der Visitatoren (1528), WA 26.235
Welche zuvor verworfene Kirchenstruktur zeichnet sich wieder ab?
Hierarchie

... müssen wir dieselben [«wilde Köpfe», «die aus lauter Bosheit nicht können etwas Gemeines oder Gleiches tragen»] sich lassen von uns, wie Spreu von der Tenne, sondern, und mit ihretwillen unser Gleiches nicht lassen ... Denn obwohl Sr. Kurfürstl. Gnaden zu lehren und geistlich zu regieren nicht befohlen ist, so sind sie doch schuldig als weltliche Obrigkeit darob zu halten, daß nicht Zwietracht, Rotten und Aufruhr sich unter den Untertanen erheben.
Martin Luther, Vorrede zu Melanchthons Unterreicht der Visitatoren (1528)
Welche Schrift scheint nach dem Bauernkrieg vergessen?
Von weltlicher Obrigkeit, II. Teil

Nachdem auch kürzlich eine neue Sekte der Wiedertaufe entstanden ist, die durch allgemeines Recht verboten und vor vielen hundert Jahren verdammt worden ist [Cod.Iust. I,6,1-3] ..., hat Ihre Majestät ... eine rechtmäßige Konstitution, Satzung und Verordnung erlassen ..., daß alle Wiedertäufer und Wiedergetauften ... vom natürlichen Leben zum Tod mit dem Feuer, Schwert oder dergleichen nach Gelegenheit der Personen ohne vorhergehende Inquisition der geistlichen Richter gerichtet und gebracht werden ...
Reichstag zu Speyer 1529 Abschied (1529), 6
wem kommt der kirchliche Rechtsverzicht zugute?
Staatskirchenrecht Staat

... das in sachen gottes ere und unser selen haile und seligkeit belangend ain jeglicher fur sich selbs vor gott steen und rechenschaft geben mus, also das sich des orts keiner auf ander minders oder merers machen oder beschließen entschuldigen kan ... So protestirn und bezeugen wir hiemit offenlich vor Gott ... das wir ... in alle handlung und vermeint abschied, so wider gott, sein h. wort, unser aller selen hail und gut gewissen ... beschlossen ... nit willigen, sonder ... fur nichtig ... halten
Protestation ev. Reichsstände auf dem Reichstag zu Speyer (1529), 3
was wäre demnach im Reichskirchenrecht ausgeschlossen?
Mehrheitsbeschlüsse

Denn sie [die Mönche] haben dieses ein evangelisch Leben genennt, daß man nichts Eigens hätte, daß man nicht Straf und Rache übet ... Solche Lehren haben die reine evangelische Lehre ganz unterdrückt, ... Denn das Evangelium zureißet nicht weltlich Regiment, Haushaltung Käufen, Verkäufen und ander weltliche Polizei, sondern bestätigt Oberkeit und Regiment, und befiehlt denselbigen gehorsam zu sein als Gottes Ordnung, nicht allein um der Strafe willen, sondern auch um des Gewissens willen.
Philipp Melanchthon, Apologia der Confession (1531), XVI
was bewirkt die gewissensmäßige Bindung an das äußere Recht?
Sakralisierung

Dass wir demnach zu mehrer und beständiger erhaltung solches obgemelten gemeinen friedens gnädiglich gewilligt und zugesagt, alle rechtfertigung in sachen, den glauben belangende, so durch unsern fiscal und andere wider den churfürsten zu Sachsen und seine zugewandte angefangen wären oder noch angefangen werden möchten, anstellen wollen biß zu nechstkunftigem concilio oder, so das concilium nicht gehalten, durch die stände gemelter massen in andere wege darain gesehen würde
Karl V., Bestätigung des Nürnberger Anstandes (1532), [Fabian 78]
Grund für das Aussetzen das Reichsrecht gegen Protestanten?
Türkengefahr

Iam ad alios artifices pertinet praecepta tradere de singulis partibus gubernationis reipublicae. Evangelium amplificat dignitatem rerum civilium, ut reverentiam alat erga Magistratus et totum ordinem politicum, et admoneat nos, ut Deo gratiam habeamus pro tantis beneficiis. Ad haec in genere docet et Magistratus et subditos de suo officio, ut prohibeat et tyrannidem et seditiones. Iam cum ornantur res politicae, sciendum est ad eas pertinere leges, artes, literas et doctrinam.
Philipp Melanchthon, Loci theologici (1533), 2. Aufl. CR 21.554
dies bedeutet quasi eine ... politischer Institutionen
Sakralisierung

... ut Deus glorificetur. Hic fines praecipue sapienti gubernatori reipublicae propositus esse debet; ita vere erunt beatae respublicae. ... Debent igitur Magistratus prohibere impios cultus et impiorum dogmatum professionem, debent punire haereticos. ... Estque Ecclesiae membrum ipse etiam Magistratus, quem decet suis oculis maxime videre. Deus ornat reges honore nominis sui: Ego dixi, dii estis [Ps 81,6], videlicet ut sciant sui officio esse, ut res divinas intelligant et conservent in mundo ...
Philipp Melanchthon, Loci theologici (1533), 2. Aufl. CR 21.554
entsprechende kirchenrechtliche Vorstellung von Obrigkeit?
principuum membrum

Wie die weltlich Oberkeit schuldig ist, offentliche Gotteslesterung, blasphemias und periuria, zu wehren und zu straffen, Also ist sie auch schuldig, offentliche falsche leer, unrechten Gottesdienst und ketzereien jnn eigen gebieten ... zu wehren und zu straffen [Leviticus 24,16] ... Es sol aber die Oberkeit zuvor sich bestendiglich und recht unterrichten lassen, damit sie gewis sey und niemand unrecht thue. Denn das ist nicht recht, allein nach gewonheit richten wider Gottes wort, ...
Daß weltlich Oberkeit den Wiedertäufern mit leiblicher Strafe zu wehren schuldig sei, ... (1536), WA 50,12
Was soll die Informationspflicht der Obrigkeit verhindern?
den Rechtsanspruch altgläubiger Obrigkeiten

Kommentar:
"Forts.: ""Gewohnheit ist ein großer Tyrann""; = Abwehr altgläubiger Inanspruchnahme, zugunsten der Tradition gegen die Reformatoren zu intervenieren"

Finis societatis humanae proprius et praecipuus est, ut Deus innotescat. Magistratus est custos societatis humanae: ergo multo magis custos illius praecipui finis esse debet, ... Errant igitur magistratus, qui divellunt gubernationem a fine, et se tantum pacis et ventris custodes esse existimant. Aliud habent maius officium, videlicet defensionem totius legis primae et secundae tabulae, quod ad externam disciplinam attinet. Propter hoc coeleste munus impertit eis Deus societatem sui nominis ...
Philipp Melanchthon, Philosophiae moralis epitomes (1538), I CR 16.92
rechtl. Begriff für «quod ad externam disciplinam attinet»?
ius circa sacra

Und damit sölcher fried auch der spaltigen Religion halben ... angestellt, aufgericht und erhalten werden möchte, so sollen die Kei. Mai., wir, auch churfürsten, fürsten und stende des heil. reichs keinen stand des reichs wegen der Augspurgischen confession und derselbigen lehr, religion und glauben halb mit der tat gewaltiger weiß uberziehen, beschedigen, vergewaltigen oder in andere wege wider sein conscienz, gewissen und willen von diser Augspurgischen confessions religion, glauben, ... tringen ...
Augsburger Religionsfrieden (1555), [15]
welches religiöser Anspruch ist damit außer Kraft gesetzt?
Wahrheit

Wo dann solche vergleichung durch die wege des generalconciliums, ... nit erfolgen würde, so alsdann nichts destoweniger diser friedstand in allen oberzelten puncten und articuln bei creften biß zu endlicher vergleichung der religion und glaubenssachen bestehn und pleiben; und sol also hiemit obberührter gestalt und sonst in alle wege ein beständiger beharlicher unbedingter, für und für, ewig werender fried aufgericht und beschlossen sein und pleiben
Augsburger Religionsfrieden (1555), 25
wer hat hier den Primat vor der Religion bzw. Konfession?
Politik Recht

Wo das also so ist [wo es populares magistratus gibt], da verbiete ich diesen Männern nicht etwa, der wilden Ungebundenheit der Könige entgegenzutreten, nein ich behaupte geradezu: wenn sie Königen, die maßlos wüten und das niedrige Volk quälen, durch die Finger sehen, so ist solch ihr absichtliches Übersehen immerhin nicht frei von schändlicher Treulosigkeit; denn sie verraten in schnödem Betrug die Freiheit des Volkes, zu deren Hütern sie, wie sie wohl wissen, durch Gottes Anordnung eingesetzt sind
Jean Calvin, Institutio christianae religionis (1559), IV,31
wer ist der eigentliche Souverän im Widerstandsrecht?
das Volk

Kommentar:
"im Gegensatz zum einfachen Untertan (s.o.); problematisch: populares magistratus ""forte"" 3 Stände =(!) Volksvertreter; Idee der Volkssouveränität (Marsilius, Jean Quidort); im Gegensatz dazu: Bodin, absolute Souveränität des Herrschers"

Wir aber sollen uns unterdessen nachdrücklich hüten, diese Autorität der Obrigkeit, die ... Gott durch die ernstesten Gebote bekräftigt hat, zu verachten oder zu schänden - selbst wenn sie bei ganz unwürdigen Menschen liegt ... Denn wenn auch die Züchtigung einer zügellosen Herrschaft Gottes Rache ist, so sollen wir deshalb doch nicht gleich meinen, solch göttliche Rache sei uns aufgetragen ... Dabei rede ich aber stets von amtlosen Leuten. Anders steht nun die Sache, wo Volksbehörden eingesetzt sind ..
Jean Calvin, Institutio christianae religionis (1559), IV,31
was darf der 'normale' Christ nicht in Anspruch nehmen?
im Auftrag Gottes Gewalt anzuwenden

Kommentar:
zunächst wie Luther: Untertan hat zu gehorchen und zu leiden, bestenfalls passiven Widerstand; dann aber: populares magistratus (hist. Belege u.a. Volkstribunen), heute vielleicht (!) die drei Stände

Sollte aber auch über alles Verhoffen ein König dennoch wider die Religions-Concessiones, Uniones, auch diese aufgerichtete Verfassung was attentiren, so diesen allem zuwider, also daß die Länder zu der Defension gedrungen würden; auf solchen Fall sollen alle Stände dieser unierten Königreiche und Privinzen ipso facto ihrer getanen Pflicht [gegen den König] los und ledig sein, und dieses, was sie hernach fürnehmen werden, zu einiger Beleidigung der Königlichen Hoheit ... nicht angezogen ... werden
Böhmische Konföderationsakte (1619), 30
auf welche Konzession spielen die Stände an?
bömischer Majestätsbrief Rudolf II. 1609

Was aber über einige darin befindliche streitige Artikel in diesem Vertrag durch gemeinsamen Beschluß der Parteien bestimmt worden ist, das soll für eine immerwährende Erläuterung des besagten Friedens ... gehalten werden, bis man sich durch Gottes Gnade über die Rel. verständigt haben wird, ungeachtet des von Geistl. oder Laien innerhalb oder außerhalb des Reiches zu irgendeiner Zeit dagegen eingelegten Widerspruchs od. Prot. die sämtlich kraft gegenwärtigen Vertrags für null u. nichtig erklärt werden.
Westfälischer Frieden (1648), V.1
auf welchen «besagten Frieden» wird Bezug genommen?
Augsburger Religionsfrieden

Da aber die Beschwerden, die zwischen den Kurfürsten, Fürsten und Reichsständen beider Religionen obwalteten, großenteils Ursache und Anlaß zum gegenwärtigen Kriege gegeben haben, so hat man sich ihretwegen wie folgt vereinbart und verglichen: 1. Der im Jahre 1552 zu Passau abgeschlossene Vertrag und der diesem zufolge im Jahre 1555 vereinbarte Religionsfriede soll in all seinen ... Artikeln für gültig gehalten und gewissenhaft und unverletzlich beobachtet werden.
Westfälischer Friede (1648), Art. V
Kriterium für konfessionellen Besitzstand?
Normaljahr 1624