Laufzeit: 2003 - 2011

DAAD

Die deutsch-afghanischen Kulturbeziehungen reichen zurück bis in die Zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Seither gibt es Hochschulpartnerschaften mit deutschen Universitäten. Nach der deutschen Wiedervereinigung übernahm der DAAD die Betreuung der bisher von der DDR geförderten afghanischen Studierenden.

Auf der Grundlage des 1. Petersberg-Abkommens 2001 erhielt der DAAD den Auftrag zum akademischen Wiederaufbau in Afghanistan. Bereits 2002 wurde mit dem afghanischen Hochschulministerium ein Memorandum of Understanding unterzeichnet.

Oberziel ist die Unterstützung des afghanischen Demokratisierungsprozesses durch die Förderung und Schaffung adäquater akademischer Strukturen. Gleichzeitig gilt es, gezielt eine akademisch gut ausgebildete Nachwuchselite heranzubilden.

 

Lage in Afghanistan

Viele der während der sowjetischen Besatzungszeit und während des Taliban-Regimes emigrierten Afghanen haben Deutschland als Exilland gewählt. Die Verbindungen zu Deutschland sind dadurch eng und die deutsche Sprache hat in Afghanistan einen hohen Stellenwert, was sich auch in der hohen Bewerberzahl für das Studium in Deutschland niederschlägt. Jedes Jahr bewerben sich weit mehr als 100 Interessenten für ein Germanistikstudium, von denen aber maximal 30 aufgenommen werden können. Nach einem Besuch des Rektors der Universität Kabul an der Universität Duisburg-Essen durch Vermittlung des DAAD im Jahr 2003 erklärte sich Prof. Baur bereit, den Wiederaufbau der Deutschabteilung an der Universität Kabul von Essen aus zu unterstützen.

Nach wie vor besteht ein Mangel an qualifizierten Lehrkräften. Zudem macht die angespannte Sicherheitslage deutschen Dozenten einen Aufenthalt unmöglich. Seit 2002 hatte der DAAD drei Lektorenstellen und zwei Sprachassistenzen an den Universitäten Kabul und Herat eingerichtet, die aber aufgrund der Sicherheitslage seit 2009 vakant sind.

 

Überblick

Im Rahmen des Stabilitätspaktes Afghanistan sowie einer Germanistischen Institutspartnerschaft zwischen der UDE und der Universität Kabul fördert der DAAD die von der UDE unter Leitung von Prof. Baur geplanten und koordinierten Maßnahmen. Seit 2003 besteht ein Kooperationsvertrag  zwischen der Deutschabteilung Kabul und der Germanistik der UDE.

Seit 2004 leitet die UDE zentral den Auf- und Ausbau der Deutschabteilung in Kabul und unterstützt die Bestrebungen, auch an anderen afghanischen Universitäten Deutschabteilungen zu gründen. Erste Schritte erfolgten 2005 in Herat.

Gemeinsam mit dem Leiter der Deutschabteilung in Kabul, Prof.Behboud, und einem ehemaligen Absolventen der UDE, dem stellvertretenden Leiter Dr. Nassimi, wurden die Projekte in Angriff genommen.

Seit 2008 wird verstärkt Deutsch als Fremdsprache für Hörer anderer Fakultäten an anderen Universitäten eingeführt und Lehrkräfte für diese Aufgabe ausgebildet.

Seit 2010 wird eine trilaterale Beziehung zwischen der UDE, der Universität Kabul und der der Pädagogischen Universität Duschanbe aufgebaut. Hintergrund ist die notwendige Weiterqualifzierung und –schulung afghanischer Dozenten sowie von BA-Absolventen, die einen Masterstudiengang absolvieren können sollen. Es soll versucht werden, diese Maßnahmen in Duschanbe durchzuführen, weil die geografische und kulturelle Nähe zu Kabul (Dari und Tadschikisch sind eng miteinander verwandte Sprachen) eine Kooperation möglich erscheinen lässt.

 

UDE

Die UDE hat im Einzelnen bereits folgende Aufgaben wahrgenommen:

  1. Entwicklung und Konsolidierung eines Curriculums für einen 4-jährigen BA-Studiengang Deutsch mit den Fächern Linguistik, Literaturwissenschaft, Landeskunde und wissenschaftliches Schreiben in Kabul
  2. Schulung auf dieses Curriculum für BA-Absolventen
  3. Fortbildung afghanischer Dozenten für das Fach Deutsch und Spezialisierung für einzelne Arbeitsgebiete
  4. Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses mit Semesterstipendien in Essen
  5. Sprachliche und fachliche Qualifizierung afghanische Lehrkräfte in Essen
  6. Sprachkurs für afghanische Studierende des 3. und 4. Studienjahres aus Kabul und Herat in Essen
  7. Technische Ausstattung der Deutschabteilungen
  8. Aufbau der Bibliotheken und Mediatheken in Kabul und Herat.

Die UDE hat (bis 2006) mehrfach Dozenten an die Universität Kabul entsandt, eine große Zahl von afghanischen Studierenden und Dozenten wurden bereits an der UDE geschult. Einige der afghanischen Studierenden absolvieren einen Masterstudiengang DaF an der Universität Jena.


Trilaterale Beziehungen zwischen Essen, Kabul und Duschanbe (Tadschikistan)

Aufgrund der verschlechterten Sicherheitslage in Kabul ist es nicht möglich, dass Essener Dozenten nach Kabul reisen, um im Anschluss an den bereits etablierten BA-Studiengang einen Masterstudiengang Germanistik/Deutsch als Fremdsprache in Kabul aufzubauen. Dieser Studiengang soll jetzt im benachbarten Tadschikistan in Kooperation mit der Pädagogischen Universität Duschanbe eingerichtet und danach auch nach Kabul übertragen werden. An Veranstaltungen in Duschanbe, die von Essener Dozenten angeboten werden, können sowohl afghanische wie auch tadschikische Studierende teilnehmen. Die Germanistische Institutspartnerschaft zwischen allen drei Hochschulen (Duisburg-Essen, Kabul und Duschanbe) wird vom DAAD unterstützt.

Nach der Entwicklung des entsprechenden Curriculums ist der Start des Masterprogramms in Duschanbe ab dem Studienjahr 2012/13 geplant. Neben der Entwicklung des Curriculums übernimmt die UDE hier auch die notwendige Fortbildung und Qualifizierung afghanischer und tadschikischer Dozenten für das Master-Curriculum.

Neuigkeiten zum Projekt

TestDaF in Kabul