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DFG fördert Telemedizin-Projekt: Geringere Ansteckungsgefahr durch kontaktlose Messtechnik
(Stand: 01.03.2021, Link zur UDE-Mitteilung)

Forschende der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) entwickeln ein mobiles Messsystem, mit dem der Gesundheitszustand von Menschen mit ansteckenden Krankheiten kontaktlos, kontinuierlich und ortsunabhängig ermittelt werden kann. Dadurch würde nicht nur das Infektionsrisiko drastisch gesenkt, zum Beispiel bei COVID-19; auch könnte man kritische Verschlechterungen bei Betroffenen schneller erkennen und eine Verlegung ins Krankenhaus veranlassen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Projekt neon* für 3 Jahre mit 900.000 Euro.

Wie gut oder schlecht es unserem Körper in einem bestimmten Moment geht, können Medizinerinnen und Mediziner zuverlässig und schnell durch die Messung der sogenannten Vitalparameter herausfinden. Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines miniaturisierten Sensorsystems zur kontaktlosen Bestimmung von Vitalparametern, zum Beispiel Sauerstoffsättigung, Körpertemperatur, Atemfrequenz und Puls.

Wenn sich der Gesundheitszustand von hochgradig ansteckenden Patientinnen und Patienten in ihrem Zuhause verschlechtert, könnten Ärztinnen und Ärzte dank eines solchen Messgeräts eine Behandlung aus der Ferne individuell anpassen und einen Krankenhausaufenthalt verhindern. Sollte eine Verlegung unvermeidlich sein, wäre ein kontaktloses Erfassungsgerät weiterhin von großem Nutzen: Da zur Messung und Überwachung keine Berührungen mehr nötig wären, würde das Risiko einer möglichen Infektionsübertragung minimiert. Das schützt Erkrankte und Personal gleichermaßen.

„Der Einsatz von solchen Methoden bietet ein hohes Innovationspotential“, betont Prof. Dr. Christian Taube, Direktor der Klinik für Pneumologie an der Ruhrlandklinik der Universitätsmedizin Essen. „Klinische Studien haben gezeigt, dass telemedizinisches Management von Menschen mit chronischen Krankheiten sehr erfolgreich sein kann: In den untersuchten Fällen starben weniger Betroffene, deren Lebensqualität verbesserte sich und ihre Behandlungskosten sanken.“

Wie sehr Telemedizin in Pandemie- bzw. Epidemie-Zeiten helfen kann, ist noch unklar. „Für eine evidenzbasierte Bewertung ihres Nutzens gibt es derzeit keine ausreichenden Daten“, sagt Prof. Taube. Aus der Praxis wissen sein Team und er aber bereits, dass es Patientinnen und Patienten gibt, die aus Angst vor einer Infektion ärztliche Untersuchungen während eines Lockdowns meiden. „Ein kontaktloses Messgerät könnte ihnen diese Angst nehmen. Zudem würde es Kontrolluntersuchungen ermöglichen, die in Zeiten wie diesen ansonsten ausfallen müssten. Schließlich könnten mehr Distanz-Behandlungen helfen, das Bettenbelegungsproblem zu lösen, mit dem Krankenhäuser bei steigenden Infektionszahlen zu kämpfen haben.“

Zu den Projektverantwortlichen

Am Essener Standort verantworten Prof. Dr. Christoph Schöbel und Dr. Sivagurunathan Sutharsan von der Klinik für Pneumologie das Projekt neon. Eingereicht haben sie den erfolgreichen DFG-Antrag gemeinsam mit Prof. Dr. Gunther Notni (Technische Universität Ilmenau) und Prof. Dr. Karsten Seidl (Universität Duisburg-Essen, Fraunhofer IMS).

* neon steht für „Akut- und Permanentmonitoring von infektiösen Patienten mit Hilfe von kontaktlosen, multispektralen, optischen Messsystemen“

Neues DFG-Graduiertenkolleg InnoRetVision erforscht künstliches Sehen
(Stand: 01.10.2020, Link zur RTG-Homepage )

Graduiertenkollegs (GRKs) sind spezielle Forschungsprogramme für herausragende Doktorand*innen, die meist interdisziplinär und hochschulübergreifend angelegt sind.
Mit dem GRK "Innovative Schnittstellen zur Retina für optimiertes künstliches Sehen – InnoRetVision" fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ein von der RWTH Aachen geleitetes Konsortium bei dem der UDE-Lehrstuhl für Elektronische Bauelemente und Schaltungen (EBS) als Partner mit zwei Themengebieten dabei ist:

Im Teilprojekt "High-Density adaptive Stimulation for Retina Implants" (Betreut von Prof. Rainer Kokozinski) werden für die Einbettung in künftige Netzhautimplantate hochintegrierte und mechanisch flexible elektronische Schaltungen entwickelt, mit denen die Funktion der natürlichen Sehzellen (Rezeptoren) der Netzhaut nachgebildet werden können und die diese Sehinformationen so "codieren", dass die nachfolgenden verarbeitenden Zellschichten diese "verstehen" können. Diese "Codierung" muss sich dabei dynamisch anpassen, um Alterungseffekte an der Technik-Gewebe-Schnittstelle auszugleichen, was als "Closed-loop-Stimulation" bezeichnet wird.

Das zweite Themengebiet "Nano-needles on CMOS for Intra-Cellular Retinal Contacts" behandelt die Entwicklung von sehr kleinen Nadelelektroden (kleiner 2 tausendstel Millimeter im Durchmesser und 10 bis 100 tausendstel Millimeter in der Höhe), die zu einem großen, hoch dichten Elektrodenfeld gruppiert werden können (mehr als 1000 Elektroden) und in die Netzhaut des Auges implantierbar sind. Die in der Netzhaut für die Verarbeitung der Lichtreize zuständigen Zellen lassen sich damit quasi einzeln kontaktieren, wodurch die Qualität des "künstlichen Sehens" gegenüber existierenden Lösungen erheblich verbessert werden soll.

Virtuelle inHaus-Führung im Rahmen des Ringpraktikums Medizintechnik
(Stand: 25.06.2020, Link: Fraunhofer IMS)

In Zeiten vor der Corona-Pandemie konnte Wolfgang Gröting, Leiter des Fraunhofer-inHaus-Zentrums, jährlich 5.000 Besucher in der kreativen Ideenschmiede am Forsthausweg begrüßen. Aktuell sind aufgrund der geltenden Hygiene- und Abstandregelungen keine Gruppenführungen vor Ort möglich. Doch das Interesse an solchen Besuchen – vor allem im Hospital-Engineering-Labor –  ist ungebrochen groß. Auf einer Demonstrationsfläche von etwa 350 Quadratmetern erstreckt sich das »Krankenhaus der Zukunft« – ein Anwendungslabor des FraunhoferinHaus-Zentrums, in dem Prototypen vor dem Einsatz in der Praxis in realitätsnaher Umgebung getestet werden.