Nach der schriftlichen Planung können Sie mit der eigentlichen Lernarbeit beginnen.

In der Regel müssen Sie sich dabei nicht mehr einen Lernstoff völlig neu erarbeiten (d.h. lesen, strukturieren, zusammenfassen, visualisieren), sondern eher bereits Gelerntes wiederholen und vertiefen. Je länger dabei das Gelernte zurückliegt, desto größer ist Ihre Vergessenskurve. Denn Vergessen hängt von der seit dem Lernen verstrichenen Zeit ab. Dabei wird am Anfang mehr vergessen als später.

 


Abb.: Verlauf der Vergessenskurve

 

Vergessen ist eine Folge neuer Eindrücke, die das Gehirn ständig aufnimmt. So können Sie eine Formel, die Sie zu Beginn des Semesters gelernt, in der Zwischenzeit aber nicht mehr wiederholt haben, am Semesterende völlig vergessen haben. Nach Frick und Mosimann wird innerhalb von 24 Stunden 80 % des Gelernten vergessen: "Die optimale Zeit für eine erste Repetition ist 10 Minuten nach der Lernperiode, im Moment, wo der Höhepunkt der Erinnerung erreicht ist. Durch dieses Einprägen bleibt die Information vollständig erhalten. Weitere Repetitionen sollen nach 24 Stunden, einer Woche, einem Monat, einem halben Jahr erfolgen"(1999, 31).


Wiederholungen helfen Ihnen, den Lernstoff besser und länger zu behalten. Am allerbesten behalten Sie ihn, wenn Sie den Lernstoff aufteilen und ihn in zeitlichen Intervallen wiederholen. Der Lernerfolg ist dann wesentlich größer als beim kurzfristigen, intensiven (täglichen) Üben vor Prüfungen.

 


Abb.: Lern-Intervalle (In: Frick und Mosimann, 1999, 31)

 


Vergessen Sie auch beim Wiederholen die Pausen nicht.

Messungen der Gehirnströme haben gezeigt, dass nach dem bewussten Lernen eine Phase des unbewussten Lernens folgt, die sog. Nachwirkzeit. Regelmäßige Pausen unterstützen die Nachwirkzeit, in der das Gelernte - für Sie unbewusst - nochmals nachwirkt und eingeprägt wird. Wenn Sie dagegen ohne Pausen ständig neuen Lernstoff aufnehmen, kann durch die Nachwirkzeit z.B. das zuletzt Gelernte entweder nicht mehr effizient behalten oder Neues noch nicht aufgenommen werden.

 

 

Abb.: Nachwirkzeit (In.: Frick und Mosimann, 1999, 30)

 

Nutzen Sie beim Wiederholen auch die 5 Bearbeitungsschritte der SQ3R-Methode, mit der der Prüfungsstoff übersichtlich und schnell nachvollziehbar aufbereitet werden kann.

 

 

Abb: SQ3R-Methode (vgl. Lesetechnik)

 


Setzen Sie beim Wiederholen auch verschiedene Wahrnehmungskanäle ein (Hören, Sehen, Sprechen, Schreiben, Zeichnen, Handeln). Diese abwechslungsreiche Wissensaufnahme erleichtert Ihnen das Verstehen und gewährleistet eine gute Verankerung im Gedächtnis.

Benutzen Sie als Übung bei Ihrem nächsten Lernen möglichst viele der folgenden Wahrnehmungskanäle:

Lesen = Lesen Sie den Lernstoff in einem, besser in zwei verschiedenen Texten nach (z.B. im Vorlesungsskript und in einem Fachbuch).

Schreiben = Fassen Sie den Inhalt schriftlich zusammen.

Sprechen = Sprechen Sie den zusammengefassten Inhalt auf eine Kassette.

Hören = Hören Sie sich die Kassette an.

Zeichnen = Stellen Sie den Sachverhalt graphisch dar.

Sprechen = Diskutieren Sie den Lernstoff mit Kommilitonen; erklären Sie den Lernstoff einem Freund.

Handeln = Bauen Sie ein Modell zum Thema / Realisieren sie ein entsprechendes Projekt.

 

Nach einer gewissen Lernzeit werden Sie allerdings feststellen, dass sich Ihr Lerntempo verlangsamt und dass Sie trotz großer Anstrengung geistig weniger aufnehmen. Untersuchungen haben ergeben, dass Sie 80 % eines Lernstoffes in 50 % der Zeit erlernen und dass Sie für die restlichen 20 % nochmals 50 % Ihrer Zeit benötigen.


Lassen Sie sich von solchen Lernplateaus nicht entmutigen.

Es gibt beim Arbeiten ständig Phasen, in denen Ihnen das Lernen mal leichter oder auch sehr schwer fällt: Nach anfänglichen (großen) Lernerfolgen gibt es dann plötzlich Zeiten, in denen Sie kaum noch etwas behalten. Geben Sie dann aber nicht auf, sondern lernen Sie weiter. Wechseln Sie evtl. zur Gruppenarbeit und vertrauen Sie darauf, dass es - wenn Sie trotzdem weiter lernen - bald wieder Fortschritte gibt.

 


Abb.: Lernplateau (In.: Frick und Mosimann, 1999, 31)

 


Wichtig:

  • Halten Sie beim Lernen Ihre Zeitplanung ein (vgl. Planungstechnik).
  • Setzen Sie die Lerninhalte individuell und anwendungsbezogen um (vgl. Lern-Strategien).
  • Nutzen Sie verschiedene Wahrnehmungskanäle und unterschiedliche Lern-Techniken.
  • Lernen Sie nicht zu lange (ca. 10 - 45 Minuten), aber regelmäßig.
  • Planen Sie Pausen (Nachwirkzeit, als Erholungs- und Belohnungsphasen).
  • Lernen Sie keine ähnlichen Lern-Inhalte nacheinander (Interferenzstörungen).
  • Berücksichtigen Sie die Lern-Intervalle (10 Minuten, 24 Stunden, 1 Woche, 1 Monat, 1 Jahr).
  • Lassen Sie sich von Lern-Plateaus nicht entmutigen (sie kündigen einen sprunghaften Lernfortschritt an).
  • Überprüfen Sie regelmäßig das Gelernte (verstanden und behalten? - vgl. Lern-Kontrolle).

      Übung: Behaltensstrategien

Nach Koeder (1998, 53f) gibt es diverse Faktoren, die das Behalten von Wissensinhalten maßgeblich beeinflussen. Diese Faktoren sollten Sie kennen, damit Sie sie bei Ihrem Studium berücksichtigen können:

1. Arbeitshaltung

- geistige Bequemlichkeit
- Konsumverhalten
- Neigung, notwendige Anstrengungen aufzuschieben
- Hoffnung, alles später nachholen zu können
- Hoffnung, den Lernstoff von anderen erklärt zu bekommen

2. Psychische Ursachen

- Motivationsmängel
- Konzentrationsprobleme
- Seelische Belastung
- Misserfolgstrauma / Erfolgszwang

3. Fachkenntnisse

- Unkenntnis der Stoffproblematik
- Wissenslücken und Wissensrückstände
- Fehlender Überblick und Durchblick
- Schlechte Vorbereitung
- Fehlende Übung
- Überforderung / Unterforderung (Informationsgehalt ist größer /
  kleiner als Aufnahmekapazität)

4. Persönlichkeitsfaktoren

- überwiegend visueller Lerntyp
- überwiegend motorischer Lerntyp
- überwiegend auditiver Lerntyp

5. Lerninhalte / Lernmaterial

- sinnvoll / sinnlos
- einfach / schwierig
- strukturiert / unstrukturiert

6. Person des Lehrenden

- Auftreten, Haltung, Erscheinungsbild
- Sprache und Betonung, Tonlage
- Lehrmethode (Vortrag, fragend-entwickelnd, Fallstudie...)
- Eingehen auf und Behandlung von Fragen
- Abschweifen vom Thema
- Ersichtlichkeit des "roten Fadens"
- Methodik (z.B. Tafeleinsatz, Projektor)

7. Sonstige Ursachen / Störfaktoren

- Lärmpegel in der Gruppe
- Lichtverhältnisse, Temperatur, Lüftung
- Raumgröße
- Raumunter- / -überbesetzung
- Sitzanordnung
- Sitzbequemlichkeit
- Unzureichender Arbeitsplatz / Arbeitsfläche
- Plaudernde Nachbarn / unsympathische Nachbarn