Humanismus

lat. humanitas: Menschlichkeit


 

Als Humanismus wird eine Geisteshaltung bezeichnet, die zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert die historische und kulturelle Epoche der Renaissance kennzeichnete. In Anlehnung an die Antike zielte sie auf ein Idealbild des Menschen, der seine Persönlichkeit auf der Grundlage allseitiger theoretischer und moralischer Bildung frei entfalten kann.

Als Humanisten galten zunächst die Männer, die sich wissenschaftlich mit der Kultur und vor allem den Sprachen der Antike (zunächst dem Lateinischen, später auch dem Griechischen) beschäftigten. Eine verstärkte Hinwendung zur Naturwissenschaft und die (häufig satirische) Kritik an kirchlichen Dogmen charakterisieren die Schriften vieler Humanisten.

Ausgangspunkt der humanistischen Bewegung war Italien, wo Francesco Petrarca mit seinem Canzoniere (1470) das innerweltliche Schönheitsideal seiner Geliebten Laura pries und Giovanni Boccaccio in Il Decamerone (1353) die Sinnenfreude feierte. Zum führenden Kopf des Humanismus wurde Erasmus von Rotterdam, dessen anti-klerikale Satire Das Lob der Torheit (1509) zur europaweiten Verbreitung humanistischen Denkens beitrug. Im deutschen Sprachraum gelten unter anderen Johannes Reuchlin als Begründer der hebräischen Sprachforschung und Ulrich von Hutten mit seinen teils auf Deutsch verfaßten satirischen Dialogen als wichtige Vertreter des Humanismus.

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Sekundärliteratur:

  1. A. Buck: Humanismus. Seine europäische Entwicklung in Dokumenten und Darstellungen, Freiburg im Breisgau. 1987.
  2. H. Engler: Humanuismus in Europa, Heidelberg 1998.