Platon:
Der Staat


Platon entwirft in seinem philosophischen Dialog Politeia (Der Staat) das Bild eines idealen Staates. Ausgehend von der Kritik an den herkömmlichen Regierungsformen (Oligarchie, Demokratie, Tyrannis), zeichnet er als Gegenentwurf das Bild eines Staates, in dem Gerechtigkeit und Glück die konstitutiven Elemente sind. Dieser Staat besteht aus drei Ständen: den Gewerbetreibenden, denen die Aufgabe der Ernährung und des Erwerbs zukommt, und die insofern die Grundlage des Staates sind; den "Wächtern" oder Kriegern, welche die Aufgabe haben, die Verteidigung nach außen zu gewährleisten; den Herrschenden, die nach den Prinzipien von Gerechtigkeit und Vernunft die Leitung übernommen haben. Es stellt sich nun die Frage, nach welchen Prinzipien die Herrschenden ausgewählt werden. Platon antwortet: Nach dem Prinzip einer Auslese durch Erziehung. Zunächst sollen alle Kinder gleich sein. Durch die Konfrontation mit den Grundelementen der Erziehung – Gymnastik und Musik – soll eine erste Charakterbildung vorgenommen werden. Darauf folgen Rechnen, Mathematik, Vorübungen in Dialektik, das Aushalten von Schmerzen, Entbehrungen und Anstrengungen und die Probe der Standhaftigkeit gegenüber der Versuchung. Im Alter von zwanzig Jahren dann eine erste Prüfung: Nur die besten werden die Anwärter für die höchsten Ämter. Diese Auslese wiederholt sich immer wieder bis zum Alter von fünfzig Jahren, erst dann darf der so Erzogene Verantwortung übernehmen. Zentrales Element der weiteren Bildung war bis dahin die Philosophie, deswegen spricht man auch vom "Herrscher als Philosophen".

In dieser zentralen Idee der philosophischen Bildung liegt auch die Ablehnung der Dichtung durch Platon begründet, denn er fürchtet, daß bestimmte literarische Werke der Erziehung zur Tugend und der Eindämmung des Lasters nicht förderlich sind. Deswegen lehnt er auch einige der bedeutendsten Schöpfungen seiner eigenen Kultur ab, z.B. die Dichtungen Homers. Gleichzeitig huldigt Platon den poetischen Mitteln, die seine Dichterkollegen benutzen und schafft selber philosophische Werke von höchster literarischer Meisterschaft.

Eine weitere Eigenheit dieses Entwurfs eines idealen Staatswesens ist die Idee, daß der Stand der später Herrschenden ein völlig besitzloser sein soll. Sowohl der materielle Besitz (Haus, Gold, Güter) als auch der familiäre Besitz (Ehefrau, Kinder) soll den Staatslenkern verweigert werden, um die allzumenschliche Habgier zu verhindern: "Würden sie aber jemals ein eigenes Heim oder Land oder Gold erwerben, so würden sie zu Hausherren und Gutsbesitzern statt Wächtern werden, rauhe Gebieter statt Verbündete der anderen Bürger sein; sie würden die anderen hassen und sie belauern und wären selber Gegenstände des Hasses und der Belauerung und würden ihr Leben in größerer Angst vor in- als vor ausländischen Feinden verbringen; und die Stunde des Zusammenbruchs für sie selbst und für den Staat wird nahe sein."

©rein