Dissertation / Kommunikationswissenschaft

Alexander Christian

Arbeitstitel: Piktogramme im Dialog

Die Entstehung moderner Piktogramme und ihr rapide anwachsender Gebrauch können sowohl auf das menschliche Bedürfnis nach Orientierung in fremder Umgebung als auch auf den Drang zur Gestaltung der Umwelt zurückgeführt werden. Zwar bieten sich nahezu unbegrenzte Möglichkeiten der Weltbeherrschung durch Technik, doch wird es zunehmend schwieriger, sich ohne Hilfe in komplexen Umgebungen zurechtzufinden. Uniformer werdende Stadtbilder und Architekturen erschweren Rückschlüsse auf Gebäudenutzungen, aber auch viele unserer Werkzeuge und Maschinen lassen sich nicht ohne entsprechende Anweisungen Bedienen.

Das Promotionsvorhaben knüpft unmittelbar an die Ergebnisse der Arbeit „Piktogramme. Kritischer Beitrag zu einer Begriffsbestimmung“ an, die Definitionen und Forderungen an die Gestaltung von Piktogrammen herausstellt. Unter Berücksichtigung verschiedener Erscheinungsformen und aktueller Tendenzen der Verwendung von Piktogrammen führt das interdisziplinär angelegten Vorhaben diese Überlegungen weiter und vertieft sie.

Das Erkenntnisinteresse richtet sich zunächst auf die Regelhaftigkeit und die Kombinationsmöglichkeiten mehrerer Piktogramme auf der Schnittstelle zwischen grafischen Gebrauchsanweisungen und Schildern. Wurde bisher eine Tafeldimension, d. h. eine ganzheitliche Erfassung von Piktogrammen auf einen Blick verlangt, lassen Kombination verschiedener Piktogramme auf einem Zeichenträger die Frage nach einer Sequenzialität ihrer Rezeption aufkommen. Weiter richtet sich das Augenmerk auf die Darstellung von Gestik, Mimik und emotionaler Gesichtsausdrücke. Diese stehen zwar im Widerspruch zum Neutralitätsanspruch von Piktogrammen, sind aber immer häufiger dort zu beobachten, wo Piktogramme – wie etwa bei den Olympischen Spielen – identitätsstiftend wirken und zur Imagebildung beitragen sollen. Können der Einsatz von Gestik und Mimik oder die Darstellung emotionaler Gesichtsausdrücke das Verständnis von Piktogrammen verbessern? Eine Voraussetzung dafür ist eine gewisse Universalität. Durch welche kulturindizierenden Merkmale entfernt sich die gestalterische Ausführung aber entscheidend davon?

Ausgehend vom ergänzenden Warnzeichen vor ionisierender Strahlung (ISO 21482) sieht das methodische Vorgehen zunächst eine Auswertung der einschlägigen Fachliteratur in Bezug auf das Erkenntnisinteresse vor. Von zentraler Bedeutung sind die nach ISO genormten grafischen Symbole, wie sie z. B. in Katalogen von Schilderherstellern zu finden sind. Herangezogen werden außerdem Belege für die Verwendung von Piktogrammen im öffentlichen Raum, im Journalismus, in der Werbung, in der Kunst usw.. Der Rückgriff auf verschiedene Bildbände und Bilddatenbanken ermöglicht eine Länder- und Kulturgrenzen überschreitende Materialsammlung.

Betreuer

Prof. em. Dr. H. W. Schmitz

Zeitraum

2010 bis 2015

Geplanter Output

Dissertation

Yuliya Fadeeva, M.A.

Inkommensurabilität von Begriffsschemata: Zur Plausibilität der Idee einer Verstehensgrenze.

Diese Dissertation beschäftigt sich mit der Frage, ob es zwischen verschiedenen Sprachen bzw. Begriffssystemen grundsätzliche Verstehens- und Verständigungsgrenzen gibt, wie sie etwa in der Metapher vom ’Leben in verschiedenen Welten’ verkörpert werden. Diese Frage taucht in verschiedenen Disziplinen auf. Verstanden als eine These über Inkommensurabilität von Begriffssystemen bzw. Unübersetzbarkeit von Sprachen, wird sie von Donald Davidson zurückgewiesen. Ich untersuche kritische Reaktionen auf Davidsons Argumentation, die sich vor allem auf den ’späten’ Wittgenstein berufen und verteidige Davidson gegen die Einwände. Meine These ist, dass die Ausgangsfrage ohne einen systematischen Bezug zur menschlichen Kommunikation nicht zufriedenstellend beantwortet werden kann. Sprechen und Interpretieren sind kommunikativ organisierte Prozesse, die nur unter Berücksichtigung der Erfolgsbedingungen von Kommunikationsakten hinreichend beschrieben werden können. Aus der Zusammenführung sowohl analytischer als auch kommunikationstheoretischer Argumente wird deutlich, dass die Rede von prinzipiellen Verstehensgrenzen falsch ist.

Leiter

Prof. Dr. Jens Loenhoff
Prof. Dr. Martin Kusch (Universität Wien, Philosophie)

Zeitraum

2014-2018

Geplanter Output

Interdisziplinäre Cotutelle-Promotion

Dr. Robin Kurilla

Über kommunikative und präkommunikative Konstitutionsprozesse von Gruppe und Gruppenidentität

Diese als Habilitationsschrift bei der Fakultät für Geisteswissenschaften der Universität Duisburg-Essen einzureichende vorwiegend theoretische Untersuchung verfolgt das Ziel, den Bedarf an einer abstrakten Bestimmung des Gruppenbegriffs zu decken – und zwar so, dass er in verschiedenen Disziplinen der Human- und Sozialwissenschaften zur Anwendung gebracht werden kann. Die Untersuchung betrachtet die Gruppe als genuin soziales Phänomen und nähert sich ihr daher in Hinsicht auf diejenigen sozialen Prozesse, die zu ihrem Entstehen, Erhalt und Zerfall beitragen. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Gruppenidentität. Es gilt, sozialtheoretische, gruppendynamische und identitätstheoretische Diskussionsfäden unter einem einheitlichen theoretischen Dach zusammenzuführen, unter dem auch kulturspezifische und historische Besonderheiten kenntlich gemacht werden können. Der besonders für die Kommunikationswissenschaft relevante Erkenntnisgewinn der Untersuchung liegt in einer Bestimmung der kommunikativen und präkommunikativen Prozesse der Produktion, Reproduktion und Destruktion von Gruppe und Gruppenidentität.

Prof. Dr. Jens Loenhoff

„Meinen Sie uns, Herr Giordano?“ Zur Explikation kultureller Differenz im Kontext urbaner Kommunikation am Beispiel des Baus der Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld

Diskurse über die Anerkennung kultureller Identitäten werden primär durch Differenzerfahrungen in urbanen Lebensformen angestoßen. Diesbezügliche Kommunikationsräume stimulieren aufgrund der Kopräsenz der Akteure, der Sichtbarkeit fremder Lebensformen, der sozialen Differenzierungen innerhalb der Milieus und der Eigendynamik der vielschichtigen Kommunikationsprozesse die Artikulation von Selbstverhältnissen kultureller Gruppen einschließlich ihrer Ansprüche an multikulturelle Gesellschaften. Der hier zu beobachtende enge Zusammenhang zwischen spezifisch urbanen Kommunikationsformen und der Darstellung kultureller Alterität legt es nahe, diejenigen Kommunikationspraxen genauer zu untersuchen, in denen die Selbstexplikation kultureller Milieus erfolgt. Hierzu eignet sich der öffentlich kontrovers diskutierte Bau der Zentralmoschee in Köln-Ehren­feld in besonderer Weise. Die wechselseitige Bezugnahme öffentlicher Akteure, interessierter Gruppen und bekannter Persönlichkeiten auf die lokalen Dissensquellen, Missverständnisse und Differenzerfahrungen bieten geeignete Ansatzpunkte für die Analyse der theoretisch und empirisch bislang weitgehend unterbestimmten Verdichtungseffekte und der damit verbundenen Dynamik spezifischer Formen interkultureller Kommunikation in urbanen Kontexten. Die leitenden Forschungsfragen des Projekts sind die folgenden: Welche Merkmale kennzeichnen die Kommunikation über kulturelle Differenz und Interkulturalität insbesondere in lokalen Kontexten? Wie wirkt sich die Typik urbaner Kommunikation auf die Praktiken der Selbstexplikation kultureller Milieus aus? Welche Rückschlüsse können daraus hinsichtlich der Bestimmung von Realisierungsformen urbaner Kommunikation gezogen werden?

Zeitraum

Sommer 2014 eingereicht, in Begutachtung

Förderinstitution

DFG

Prof. Dr. Jens Loenhoff

Wissenschaftlicher Nachlass von Professor Dr. Gerold Ungeheuer  (6.7.1930 – 12.10.1982)

Digitalisierung und Verschlagwortung des schriftlichen wissenschaftlichen Nachlasses des Bonner Kommunikationsforschers Gerold Ungeheuer. Der Nachlass dokumentiert die außerordentlich fruchtbaren interdisziplinären Diskussionen soziologischer, psychologischer und linguistischer Perspektiven im Zusammenhang mit der Begründung und theoretischen Fundierung einer kommunikationswissenschaftlichen Forschung in Deutschland der 1960er bis 1980er Jahre.
Neben dem Ziel, die schriftlichen und auditiven Archivalien in einer digitalen Edition der wissenschaftlichen Lehre und Forschung zugänglich zu machen, soll die Aufarbeitung mit einer Publikation abschließen, die den Nachlass vorstellt, kritisch einordnet und über ein Repertorium verfügen wird.

Namen der Beteiligten

Prof. Dr. Jens Loenhoff
Dr. Karin Kolb
Julia Fadeeva, M. A.
Barbara Stöckmann

Zeitraum

2013 bis auf weiteres

Geplanter Output

- Nutzerdatenbank
- Publikation

Weblink

Prof. Dr. Jens Loenhoff

Graduiertenkolleg „School of International and Intercultural Communication (SIIC)

Das Anfang 2014 eingerichtete Zentrum bündelt interkulturelle ausgerichtete Forschungsvorhaben, die Entwicklungen der politischen und/oder grenzüberschreitenden Kommunikation in gegenwärtigen Transformationsländern und Länder bzw. Regionen des globalen Südens behandeln.
Das Graduiertenkolleg bietet Promotionsstipendien für 10 Nachwuchsforscher und wird von MERCUR (Mercator Research Center Ruhr) gefördert.

Namen der Beteiligten

Prof. Dr. Jens Loenhoff, Essen
Prof. Dr. Susanne Fengler, Dortmund
Prof. Dr. Barbara Thomaß, Bochum

Zeitraum

2014 bis 2016

Output

Dissertationen

Milan Mihajlovic

Jugend debattiert eine pragma-dialektische Studie

Mit der Pragma-Dialektik liegt ein argumentationstheoretischer Ansatz vor, der verspricht, anhand eines überschaubaren Regelwerks (zehn an der Zahl) Meinungsverschiedenheiten einer sachlichen Lösung zuzuführen. Angesichts der kommunikativen Realität, die vielerorts (nicht nur in unterhaltungsorientierten TV-Diskussionsformaten) zu beobachten ist, erscheint dieses Versprechen ebenso interessant wie begrüßenswert. Zur Untersuchung des Ansatzes und seiner Anwendbarkeit wird dieser in meinem Dissertationsprojekt zunächst auf theoretischer Ebene kritisch durchleuchtet, um dann reale Argumentationsweisen auf ihre Übereinstimmung mit diesem Ansatz zu überprüfen. Als empirische Quelle wird dafür der renommierte Jugend debattiert Wettbewerb herangezogen. Trotz der rhetorischen Schulung und sachlichen Anleitung, welche die Teilnehmer erfahren, sind ihnen die pragma-dialektischen Regeln freilich nicht bekannt. Umso interessanter ist es, sich anzuschauen, ob sie diesen Regeln quasi unbewusst folgen oder nicht, und ebenso interessant und wichtig ist die Frage, welche Folgen Regelverstöße nach sich ziehen: führen sie eher zum Erfolg oder zum Misserfolg des Redners?

Leiter

Prof. Dr. H. W. Schmitz

Zeitraum

2008 bis 2012

Geplanter Output

Dissertation
Ende 2012, Anfang 2013

Kommunikationswissenschaft / Dissertation

Rafael Mollenhauer

Tomasellos Kooperationsmodell. Zur explikativen Reichweite der Arbeiten Michael Tomasellos im Kontext kommunikationstheoretischer Fragestellungen

Michael Tomasellos Arbeiten haben in den vergangenen Jahren zunehmend an Einfluss auch auf sprach- und handlungstheoretische Diskurse gewonnen. Für die kommunikations-wissenschaftliche Forschung scheint dabei insbesondere das Werk „Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation“ (2009), in dessen Rahmen Tomasello gestützt auf seine zahlreichen empiri¬schen Studien die ontogenetischen und phylogenetischen Wurzeln humanspezifischer Kommunikation aufzudecken versucht und mit seinem Kooperationsmodell nicht weniger als eine Prototheorie der Handlungskoordination anbietet, ein reichhaltiges Angebot zu stellen. Doch birgt diese Theorie aus kommunikationstheoretischer Perspektive ein gehöriges Irritationspotential, das wohl vor allem auf einer Tomasellos Forschung schon früh kennzeichnenden kognitionstheoretischen Grundorientierung beruht.

Im ersten Schritt meiner Dissertation werden daher die kognitionstheoretischen Grundlagen des Ansatzes anhand Tomasellos früherer, noch nicht schwerpunktmäßig mit Kooperation und Kommunikation befassten Arbeiten offengelegt. Zum Ausdruck gelangen sie vor allem durch (a) Tomasellos stetige Suche nach den entscheidenden Fähigkeiten humaner Kognition, (b) seine Orientierung an kognitiv ausgerichteten Methodologien wie der Kognitiven Linguistik und der Kognitiven Verhaltensforschung, (c) die Art und Weise seiner Bezugnahme auf prominente Theoretiker von Piaget bis Mead sowie (d) nativistisch-modultheoretische Züge innerhalb des Ansatzes.

In einem zweiten Schritt wird gezeigt, dass eben diese kognitive Ausrichtung auch die späteren, verstärkt Formen der Interaktion und Kommunikation thematisierenden Arbeiten entscheidend bestimmt und dass ein mit derartigen Vorentscheidungen belasteter Ansatz nicht mehr anbieten kann als eine Theorie der Entstehung von Kommunikationsmitteln, nicht aber eine Theorie der Entstehung von Kommunikationsprozessen. Losgelöst vom Kommunikationsprozess und erst nachträglich um Intersubjektivitätsdimensionen ergänzt können anhand der Kommunikations¬mittel und der dahinterstehenden kognitiven Fähigkeiten aber weder sinnvolle Aussagen über den Prozess noch über die bei Tomasello im Fokus stehenden Bestandteile des Prozesses (Kommunikationsmittel, kognitive Fertigkeiten) getroffen werden, stellt der Prozess doch mehr dar als nur die Summe seiner Teile, die sich von Anfang an nur in ihm entwickeln. Gerade auf der Grundlage der klassischen Arbeiten Karl Bühlers offenbaren sich sodann auch zahlreiche Widersprüche und Zirkularitäten in Tomasello theoretischem Gefüge.

Verbunden mit der Kritik an Tomasellos Forschungsprogramm, dem man vor allem aber die Identifikation der besonderen Qualität von Interaktionen gemeinsamer Aufmerksamkeit anrechnen muss, ist letztlich das Plädoyer für eine an der Ganzheitlichkeit von Interaktionspro¬zessen ausgerichteten Forschung zur kommunikativen Entwicklung des Kindes (Ontogenese) und für eine Art „Vergleichende Interaktionswissenschaft“ (Phylogenese).

Betreuer

Prof. Dr. H.W. Schmitz; Prof. Dr. J. Loenhoff

Zeitraum

2011-2015

Bisheriger Output

Dissertation, 2 Artikel

Geplanter Output

Projektantrag, weitere Artikel

Prof. Dr. Jo Reichertz

Der Forensische Markt

Seit mehr als einem Jahrzehnt boomen im Fernsehen die Forensik-Formate wie CSI und deren Fast-Kopien. Durch den großen Erfolg dieser Formate geriet auch die Berufspraxis der deutschen Rechtsmediziner/innen bzw. deren idealisierte Repräsentation durch Fernsehproduktionen in den Blick der Öffentlichkeit. Diese Mediatisierung führte auch dazu, dass sich in den letzten Jahren das soziale Feld der Rechtsmedizin geändert hat, dass es um neue Mitspieler erweitert wurde. Diese Markterweiterung durch den Eintritt neuer Akteure hat zur Folge, dass auch völlig neue Produkte, Dienstleistungen und Wissensbestände durch neue Akteure angeboten werden. Sukzessive entsteht ein Markt der Rechtsmedizin (forensischer Markt), auf dem nicht nur die Rechtsmediziner/innen, die Massenmedien und der Staat Akteure sind, sondern auch die User/Prosumenten/Experten und kommerzielle Unternehmen, die sich von dem Markt Gewinne erhoffen und ihn und seine Entwicklung deshalb genau beobachten, weiter vermessen und strategisch beeinflussen.

Leiter

Prof. Dr. Jo Reichertz

Zeitraum

10/2014 - 10/2016

Förderinstitution

DFG - Fortsetzungsantrag im SPP 1505 Mediatisierung (DFG)

Prof. Dr. Jo Reichertz

Affective computing und Weiterentwicklung von Gruppenemotionserkennung aus Sicht der Polizei

Grundlagentheoretische Forschung zur automatischen Erkennung von Emotionsprozessen in Großgruppen wird angestellt. Ziel ist die Erforschung der Möglichkeit einer Erstellung von Software im Bereich des AC, welche Indikatoren auswertet und eine automatische Erkennung von Emotionen in Gruppen mit Entwicklungsprognose bietet. Die Forschung versucht die Verbindung von Personen- und Emotionserkennung (mittels Gesichts-, Gesten-, Ton- und Wärmebilddaten). Als Forschungsfeld wird das polizeiliche Gegenüber bei Großveranstaltungen gewählt.

Leiter

Prof. Dr. Jo Reichertz

Namen der Beteiligten

Prof. Dr. Jo Reichertz

Prof. Dr. Schöner, Informatik RUB Bochum

Zeitraum

07.2014 – 07.2017

Förderinstitution

im November 2013 bei der DFG eingereicht

Prof. Dr. Jo Reichertz

Ethnographie der Sequenzanalyse

Das beantragte Forschungsprojekt untersucht, wie in sog. Interpretationsgruppen die kommunikative Generierung sozialwissenschaftlichen Wissens über die soziale Welt stattfindet. Interpretationsgruppen sind Kleingruppen, die in der qualitativen Sozialforschung seit den 1970er Jahren flächendeckend eingesetzt werden, um Dokumente beliebiger Art (z.B. Interviews oder Gruppendiskussionen) so zu nutzen, dass sie zu der Beantwortung einer Forschungsfrage beitragen. Erstaunlich ist, dass trotz des disziplin- und methodenübergreifenden Einsatzes weitgehend unbekannt ist, nach welchen expliziten und impliziten Regeln der soziale Prozess des Interpretierens in Gruppen im Einzelnen vor sich geht. Über die Vollzugswirklichkeit des gemeinsamen Interpretierens ist fast nichts bekannt. Das Projekt strebt daher eine wissenssoziologische Aufklärung der Grundlagen einer verbreiteten Methode qualitativer Sozialforschung an und will damit das Reflexionswissen über Möglichkeitsbedingungen qualitativer Forschung vermehren. Hierfür soll die Verstehens- und Interpretationspraxis von neun deutschsprachigen Interpretationsgruppen teilnehmend beobachtet, aufgezeichnet und mit Mitgliedern der Gruppen Interviews geführt werden. Die Analyse des Datenmaterials nimmt drei inhaltliche Faktoren in den Blick, die einen maßgeblichen Einfluss auf die Generierung und Validierung von Interpretationen in sozialwissenschaftlichen Interpretationsgruppen haben: Kommunikationsmacht, Sozioemotionalität und kultureller Denkstil. Bei der miteinander verzahnten Auswertung werden (zugeschnitten auf die jeweiligen Fragestellungen) die Hermeneutische Wissenssoziologie, die Tiefenhermeneutik und die Dokumentarische Methode eingesetzt.

Leiter

Prof. Dr. Jo Reichertz

Namen der Beteiligten

Prof. Dr. Jo Reichertz

Prof. Dr. Rolf Haubl – Universität Frankfurt/Main

Katharina Liebsch – Universität Hamburg

Zeitraum

10/2014 - 10/2017

Förderinstitution

im Oktober 2013 bei der DFG eingereicht

Prof. Dr. Jo Reichertz

Identitätsarbeit unter Druck. Mit welchen Praktiken bearbeiten überschuldete Menschen aus der Mittelschicht ihre gefährdete soziale Identität und welche Handlungsoptionen und Handlungsrestriktionen erwachsen daraus?

Das Forschungsvorhaben will untersuchen, welche Art von Identitätsarbeit Menschen erbringen müssen, die aufgrund von nachhaltiger Überschuldung von sozialem Abstieg bedroht sind bzw. diesen Abstieg entweder schon ganz oder teilweise bereits hinnehmen mussten. Deshalb sollen Menschen im Fokus stehen, die aufgrund ihrer Ausbildung und aufgrund ihres Berufs keine grundlegenden Exklusionserfahrungen durch Überschuldung gemacht haben (Angehörige der Mittelschicht). Für die Identitätsarbeit des um Orientierung und um Handlungsfähigkeit bemühten Subjekts ergeben sich aus dem Überschuldungsprozess erhebliche Herausforderungen: Sie müssen das Problem der Überschuldung individuell innerhalb der eigenen Familie und dem eigenen Nahfeld bearbeiten – und zwar mittels Interaktion und Kommunikation. Dabei stehen vor allem die Identität und die Handlungsfähigkeit des Subjekts im Zentrum, das (a) in die Familie und (b) in verschiedene Gruppen (Nachbarschaft, Arbeitskollegen/innen, Vereine etc.) eingebettet ist und dessen Identität ganz wesentlich von der Interaktion mit Angehörigen dieser Gruppen und den Zuschreibungen von staatlichen und/oder privaten Organisationen (Banken, Sozialamt) beeinflusst ist. Einerseits hat das Subjekt vor der Verschuldung aus der Interaktion mit seiner sozialen Gruppe Gewissheit über seine Zugehörigkeit und damit über seinen sozialen Ort erfahren, andererseits muss es jetzt zur Kenntnis nehmen, dass diese Zugehörigkeit durch eben diese Gruppe zur Disposition gestellt ist.

Leiter

Prof. Dr. Jo Reichertz

Zeitraum

Oktober 2012 bis September 2015

Förderinstitution

DFG

Prof. Dr. Jo Reichertz

Die Medien als neue Akteure innergesellschaftlicher Ordnungsbildung (bewilligt im Schwerpunktprogramm Gesellschaftlicher Wandel der Universität Duisburg-Essen)

Schreiben eines DFG-Antrages für eine Studie, die zum Ziel hat zu ermitteln, inwieweit die Medien nicht nur als Übermittler von Wissen, Werten und Normen agieren, sondern auch als deren Anbieter (Reichertz 2010) und damit in Konkurrenz zur Schule, der Kirche und anderen Agenturen der Wertevermittlung treten. Von besonderer Bedeutung sind hier (Scipted) Reality-Formate, die seit Jahren eine enorme Zuschauernachfrage verzeichnen.

Leiter

Prof. Dr. Jo Reichertz

Zeitraum

März 2012 bis Oktober 2014

Förderinstitution

DFG

Prof. Dr. Jo Reichertz

Verbundantrag: Sichere Ruhr. Badegewässer und Trinkwasser für das Ruhrgebiet Risikokommunikation und Partizipation

Allgemein geht es um die Entwicklung eines dialogisch angelegten Kommunikations- und Partizipationskonzeptes für die ‚Sichere Ruhr’, das den Stakeholdern (Schwerpunkt: Raum Essen und Anrainer) vermittelt, dass die Ruhr in der Regel ein sicheres Bade- und Trinkgewässer ist, und verlässlich darüber informiert, wann die Ruhr aus welchen Gründen nur eingeschränkt als Badegewässer und Trinkwasser zu nutzen ist, das proaktiv eine gesellschaftlichen Diskurs über mögliche Risiken der Nutzer der Ruhr als Trink- und Badegewässer initiiert und moderiert, das es ermöglicht, auch bei allen Projektbeteiligten eine geteiltes Verständnis von Risiko und dessen Bewertung zu erarbeiten, das in einem internetgestützten Netzwerk (social community) alle relevanten Stakeholder (Experten, Wassernutzer, beteiligte Institutionen, NGOs etc.) miteinander verbindet und in einem fairen Kommunikationsprozess Interessensdifferenzen der Stakeholder erkundet, Handlungsspielräume auslotet und Lösungen erarbeitet, die von möglichst vielen Teilnehmer akzeptiert und mitgetragen werden, das alle Bürger für die Bedeutung anthropogener Spurenstoffe sensibilisiert und Akteure, die (bewusst oder unbewusst) für diffuse Einleitungen (Medikamente, Chemikalien, Gülle etc.) in die Ruhr verantwortlich sind, motiviert, ihre Werte und Handlungen zu überdenken und auch zu verändern, also weniger anthropogene Spurenstoffe in den Wasserkreislauf einzubringen, das auch in akuten Krisen begleitend einsetzbar ist, und das auch mit anderen regionalen Umweltinformationssystemen (Schwerpunkt: Nachhaltigkeit) verbindbar ist und das auch auf andere Risikolagen prinzipiell übertragbar ist.

Leiter

Prof. Dr. Jo Reichertz

Beteiligte

IWW Zentrum Wasser

Ruhrverband

Zeitraum

März 2012 bis Februar 2015

Prof. Dr. Jo Reichertz

Die Praxis des Entscheidens. Internetgestützte Entscheidungsprozesse in Organisationen am Beispiel der Ermittlungsarbeit der Polizei

Die Einführung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien hat Organisationen in ihrer Steuerung, im Wissensmanagement, in der Mediennutzung und in alltäglichen Arbeitspraxen maßgeblich verändert. Vor diesem Hintergrund will das geplante Projekt untersuchen, inwieweit sich Formen der Kooperation, der Wissensverarbeitung und der Entscheidungsfindung in Organisationen wandeln, wenn Internet und Intranet Teil der Arbeitspraxis werden. Im Mittelpunkt des Interesses steht, die verteilte Herstellung von Entscheidungen in Arbeitsgruppen zu analysieren – mit dem Ziel, neue Erkenntnisse darüber zu erlangen, wie Entscheidungen in Organisationen getroffen werden und welche Bedeutung den neuen Medien in Prozessen der Entscheidungsfindung zukommt. Als empirisches Beispiel für die geplante Untersuchung soll die Ermittlungsarbeit in der Polizei herangezogen werden.

Namen der Beteiligten

Prof. Dr. Jo Reichertz

Prof. Dr. Sylvia Wilz (FernUniversität Hagen)

Zeitraum

Juli 2010 bis Juni 2012

Förderinstitution

DFG

Prof. Dr. Jo Reichertz

Faszinierungsprozesse – Die Attraktivität islamischer Predigten für Jugendliche

Ziel der geplanten Vorstudie ist (unter Einbeziehung des DJI) die Ausarbeitung und theoretische, methodische wie praktische Vorbereitung eines interdisziplinären Verbundprojektes zum Thema ‚Radikale Prediger – ihre Auftritte, ihre Programme und die Wirkungen auf Jugendliche’. Der Fokus des Hauptprojekts soll dabei auf Jugendlichen liegen, die von den Ansprachen islamischer und islamistischer Prediger (d.h. nicht allein salafistischen Predigern) und ihrem Umfeld fasziniert und auch bereit sind oder waren, ihr Handeln ganz oder zeitweise danach auszurichten.
Die beteiligten Partner des Verbundprojekts werden (nach Schaffung der notwendigen Rahmenbedingungen für eine fruchtbare Kooperation) in der Vorstudie die gemeinsam verwendeten Konzepte (Islamismus, Radikalisierung) aufeinander abstimmen, eine gemeinsame konkretisierte Fragestellung und Projektperspektive entwickeln und ein Forschungsdesign entwickeln und erproben, das (a) den Besonderheiten des Feldes (erschwerter Feldzugang) gerecht wird und (b) in der Lage ist, tragfähige Ergebnisse zu erlangen. Der hier vorgelegte Vorantrag zielt also – obwohl erste Einsichten zum Thema zu erwarten sind – nicht vorrangig auf die Klärung der Frage nach der Radikalisierung von Jugendlichen, sondern auf die vorgelagerte Klärung der Frage, wie solche Radikalisierungsprozesse angemessen sozialwissenschaftlich zu erfassen sind.

Namen der Beteiligten

Prof. Dr. Jo Reichertz

Prof. Dr. Schirin Amir-Moazami (FU Berlin)

Zeitraum

März 2012 bis August 2014

Förderinstitution

Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Prof. Dr. Jo Reichertz

Fremde Eigenheiten und eigene Fremdheiten. Interkulturelle Verständigung und transkulturelle Identitätsarbeit

Mit dem Forschungsvorhaben verfolgen wir das Ziel, typische Aspekte transkultureller Identitätsarbeit in Arbeitskontexten in einer qualitativ angelegten und wissenssoziologisch ausgerichteten Untersuchung herauszuarbeiten. Gegenstand unserer Untersuchung ist die Interaktion von indischen und deutschen Flugbegleitern, die in Teams auf Flügen der German-Air (wie wir die Fluggesellschaft hier nennen möchten) zusammenarbeiten. Dieses Interaktionsfeld ist für unsere Belange sehr gut geeignet, weil hier Interaktion unter Globalisierungsbedingungen exemplarisch auf die Spitze getrieben ist, so dass die Ausdifferenzierung kultureller Identitäts(trans)formationen unter Globalisierungsbedingungen empirisch greifbar wird. Da für eine Rekonstruktion der transkulturellen Identitätsarbeit in interkulturellen Arbeitsgruppen und für die entsprechende Beschreibung der kommunikativen Aushandlung lokalspezfischer transkultureller Diskurse die Einbeziehung der organisationssoziologischen Dimension unabdingbar ist, wird die transkulturelle Identitätsarbeit der Flugbegleiter aus dem Ineinandergreifen von organisationellen Rahmenvorgaben des Unternehmens und interkultureller Aushandlung im Arbeitsalltag in ihrer Typik zu analysieren sein.

Namen der Beteiligten

Prof. Dr. Jo Reichertz

Prof. Dr. Ronald Kurt (Kulturwissenschaftliches Institut Essen)

Zeitraum

August 2009 bis Juli 2012

Förderinstitution

DFG

Prof. Dr. Jo Reichertz

Mediatisierung der Sicherheitspolitik. Governing Through Media Crime? – SPP 1505 Mediatisierung

Post-industrielle Gesellschaften sind durch Mediatisierung gekennzeichnet. Dazu gehört ganz wesentlich, dass die Medien (und hier v.a. das Fernsehen) nicht mehr nur vermitteln, informieren und irritieren, sondern dass sie sich aus ökonomischen Interessen als eigenständige Akteure mit eigener Perspektive an dem gesellschaftlichen Diskurs beteiligen und diesen oft auch mit gestalten. Das hier beantragte Projekt möchte den gesellschaftlichen Diskurs über die Innere Sicherheit und hier speziell den Diskurs über die technische Intelligenz polizeilicher Aufklärungsarbeit untersuchen und dessen Folgen. Am Beispiel forensischer Medienformate (z.B. CSI – Den Tätern auf der Spur, Ermittlungsakte etc.) soll die aktuelle Mediatisierung des Sicherheitsdiskurses in Deutschland erfasst, vermessen und verstanden werden, um dann Hypothesen zu den Auswirkungen dieses Handelns der Medien entwickeln zu können. In den Blick genommen wird also die mediatisierte Welt der Kriminalität und der Kriminalitätsbekämpfung, die durch das Handeln der Akteure: ‚Bürger’ (als Rezipient, als aktiver Helfer und potentieller Täter), ‚Medien’ (hier v.a. das Fernsehen), ‚Institutionen der Strafverfolgung’ (Polizei, Gericht) und die Politik maßgeblich gekennzeichnet ist.

Leiter

Prof. Dr. Jo Reichertz

Zeitraum

Oktober 2012 bis September 2014

Förderinstitution

DFG

Einzelforschung / Kommunikationswissenschaft

Dr. Claudia Schirrmeister

Das Magische in der rationalen Welt

Die Monographie untersucht, weshalb und mit welchen Erscheinungsformen sich vor dem Hintergrund einer rationalen modernen Welt als magisch bzw. irational betrachtete Verhaltensweisen und Kognitionen ausprägen. Das Prinzip der Rationalität wird dabei ebenso betrachtet wie eine versuchte Definition des Magischen und Irrationalen.

Leiterin

Dr. Claudia Schirrmeister

Zeitraum

vorauss. bis 2019 veröffentlicht

Geplanter Output

Monographie

Prof. Dr. H. Walter Schmitz, Dr. Karin Kolb

Editionsprojekt „Kommunikationswissenschaftliche Schriften von Gerold Ungeheuer“

Das Editionsprojekt umfasst insgesamt vier Bände sprach- und kommunikationswissenschaftlicher Schriften von Gerold Ungeheuer. Bereits erschienen sind im Jahr 2004 die 3., erweiterte und völlig neu eingerichtete Auflage von „Sprache und Kommunikation“ sowie die im Jahr 2010 ebenfalls 3. und völlig neu eingerichtete Auflage von „Einführung in die Kommunikationstheorie“. Aktuell widmet sich das Editionsprojekt den Arbeiten für den kritischen Neudruck der seit vielen Jahren vergriffenen und 1987 beim Alano Verlag, Aachen, erstmals postum erschienen Aufsatzsammlung „Kommunikationstheoretische Schriften I: Sprechen, Mitteilen, Verstehen“. Die Aufnahme der Arbeiten an der Neuauflage von Gerold Ungeheuers „Kommunikationstheoretische Schriften II: Symbolische Erkenntnis und Kommunikation“ ist für 2016 avisiert.

Die Editionen werden mit freundlicher Unterstützung von Nodus Publikationen in Münster in der Reihe „Signifikation. Beiträge zur Kommunikationswissenschaft“ herausgegeben.

Leiter

Prof. Dr. H. Walter Schmitz

Dr. Karin Kolb

Zeitraum

bis voraussichtlich Mitte 2015

Geplanter Output

Kritische Edition