Die Geisteswissenschaftliche Fakultät ist mit 80 Professoren und 240 Wissenschaftlichen Mitarbeitern eine der größten der Universität Duisburg-Essen und eine der vielseitigsten geisteswissenschaftlichen Fakultäten Deutschlands. Die Exzellenz der geisteswissenschaftlichen Forschung der UDE basiert, entsprechend der Forschungskultur der Geisteswissenschaften, im Wesentlichen auf Einzelforschung. Darüber hinaus gibt es aber auch zunehmend fächer-, fakultäts- und universitätsübergreifende nationale und internationale Forschungsverbünde bzw. Beteiligungen an solchen.

Die Fachvertreter unserer Fakultät sind national und international renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die die Diskussion und den Forschungsstand auf ihrem jeweiligen Gebiet mit prägen. Dies schlägt sich in den zahlreichen Publikationen und den von hier ausgehenden Zeitschriften und Reihen ebenso nieder wie in Online-Portalen, internationalen Konferenzen und Kooperationen sowie einer Vielzahl von durch Drittmittel geförderten Projekten.

Innerhalb der vielfältigen Forschungsaktivitäten der 15 Institute und Lehreinheiten der Fakultät, seien es nun Einzel- oder Verbundprojekte, ergeben sich – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – derzeit folgende sechs thematische Schwerpunkte. Die darüber hinausgehenden Forschungen außerhalb dieser Schwerpunkte finden Sie sämtlich unter Forschung in den Instituten und unter Laufende Einzelforschung bzw. Verbundprojekte/Beteiligungen.

Seit es Geisteswissenschaften gibt, ist das Verstehen und die Bewältigung der eigenen Gegenwart eines ihrer zentralen Ziele. Zu den Phänomenen der Moderne, die an der UDE intensiv erforscht werden, gehört die Urbanität. Neben der Beteiligung an dem universitätsweiten Profilschwerpunkt „Urbane Systeme“ gibt es zahlreiche Forschungsprojekte zur Stadt und zur Metropole – von der „visuellen Mehrsprachigkeit in der Metropole Ruhr“ über die „Literatur- und Kulturgeschichte Londons“ bis hin zur Erstellung eines Handbuches „Stadt“ oder der Erforschung von „Formen der Inszenierung der Stadt in Texten, Karten und Bildern“. Vielfältige Projekte beschäftigen sich außerdem in historischer, sprachwissenschaftlicher und kommunikationswissenschaftlicher Perspektive mit Urbanität.

Damit eng benachbart sind Forschungen zu Migration und Mehrsprachigkeit, die einen weiteren Schwerpunkt der geisteswissenschaftlichen Forschung der Fakultät bilden. Das betrifft historische Fragen (wie etwa die deutsch und jiddisch sprechenden Flüchtlinge in London 1848-1945), bildungstheoretische Fragen (wie die nach den Determinanten des Bildungserfolges der Migranten im deutschen Bildungssystem), aber auch sprach-, literatur- und kulturwissenschaftliche Projekte (wie die Untersuchung von „Mehrsprachigkeit auf internationalen Kongressen“ bzw. die Erforschung der „Construction of Identity in Multilingual Literature“).

Mit Identität, Interkulturalität und Gender ist ein weiterer Schwerpunkt benannt: Neben kunstwissenschaftlichen Forschungen zu „Afrika als Konzept der Moderne“ oder zu „Tagebuchstrategien in fotografischen Selbstdarstellungen“ und kommunikationswissenschaftlichen Untersuchungen zur „Identitätsarbeit unter Druck“ von überschuldeten Menschen gibt es unter anderem geschichts-, literatur- und sprachwissenschaftliche Forschungen zu Fragen von Identität und Interkulturalität, etwa im deutsch-niederländischen Grenzraum, im Verhältnis des Westens zu Japan oder – als Exempel für Identitätsentwürfe vor dem Hintergrund eines kolonialen Gedächtnisses – in Puerto Rico. Zu kulturellen Identitätskonstruktionen gehören auch Forschungen zur Genderproblematik. Entsprechend gibt es u.a. Projekte zu „Gender and Sexuality in (Neo-)Orientalism and Occidentalism“ sowie zur Rolle von Geschlecht und Macht im Mittelalter oder – aus theologischer Perspektive – von Geschlecht und Religion.

Sprache, Interaktion und Medien spielen als Forschungsfelder ebenfalls in einer ganzen Reihe von Projekten und Aktivitäten eine herausgehobene Rolle. Insbesondere die kommunikationswissenschaftlichen und linguistischen Forschungen fokussieren den Zusammenhang von Interaktion und Medien, sei es in der Analyse von „Videokonferenzen zwischen isolierten, krebskranken Kindern und ihren Freunden und Familienangehörigen“, seien es die „sozialen Praktiken im Hybrid televermittelter Fernkommunikation“ oder die „interaktiven Praktiken in computerbasierter Kommunikation“. Dabei spielen digitale Medien als Instrumente der Forschung, insbesondere bei der korpusbasierten linguistischen Forschung eine zunehmend wichtige Rolle. Entsprechende Projekte zielen hier auf die Erstellung spezifischer Datenbanken, z.B. die „Etablierung des Rostock Newspaper Corpus an der Universität Duisburg-Essen zur korpusbasierten Erforschung von Nachrichtendiskursen“ oder die Erstellung eines „Konstruktionsglossars“ (KoGloss) zur Erforschung sprachlicher Konstruktionsmuster in Fachsprachen bzw. zur verbesserten Didaktik des Fremdsprachenerwerbs.

Kulturwissenschaftliche Fragen bilden einen weiteren zentralen Schnittpunkt. Das Spektrum der hier anzusiedelnden Forschungen ist sehr weit und reicht von Monographien zur Kulturgeschichte von Wut und Zorn, zum humanwissenschaftlichen Scham-Diskurs oder zum Zusammenhang von Religion und Gewalt über Reflexionen kulturtheoretischer Paradigmen der Energie (Prometheus) bis hin zu Arbeiten zur Geschichte des geistigen Eigentums oder zum Orientalismus in England im 18. Jahrhundert. Erforscht wird unter anderem der Zusammenhang von Weltdeutung und Zeitwahrnehmung im frühen und hohen Mittelalter, Kommunikationsformen der Herrschaft in der Frühen Neuzeit im internationalen Vergleich sowie Rettung und Erlösung als Basisnarrative bis hinein in die Politik der Moderne. Auch Gegenwartsfragen spielen eine wichtige Rolle, so etwa in dem Projekt zu „Faszinierungsprozessen – Die Attraktivität islamischer Predigten für Jugendliche.“ Im DFG-Graduiertenkolleg "Vorsorge, Voraussicht und Vorhersage: Kontingenzbewältigung durch Zukunftshandeln" werden seit November 2013 die historischen Dimensionen dieser stets aktuellen Problematik der Kontingenzbewältigung erforscht. Die kulturvergleichenden und epochenübergreifenden Untersuchungen der Mitglieder des Kollegs gelten nicht nur den jeweiligen Diskursen und Zukunftsvorstellungen, sondern zugleich den konkreten Zukunftshandlungen. Des Weiteren gibt es kulturwissenschaftliche Projekte zu Konzepten von Fremde und Heimat, zur „transkulturellen Identitätsarbeit“ und zur Konstruktion des Anderen vor dem Hintergrund des Kolonialismus, die sich wiederum mit dem Schwerpunkt „Identität und Interkulturalität“ berühren.

Einen letzten Schwerpunkt bilden Forschungen zur Didaktik, die an der UDE als einer aus zwei ehemaligen Gesamthochschulen hervorgegangenen Universität traditioneller Weise einen hohen Stellenwert haben. Untersucht werden etwa Drama und Theater im Unterricht, es gibt vielfältige Projekte zur Sprachförderung, zur Mehrsprachigkeit im Unterricht, zur Lernwirksamkeit von Hypertexten u.a. Dabei werden in Essen auch neueste Lehrmaterialen entwickelt, sei es in Form eines Webportals im Rahmen des Projekts proDaz, das umfassende Informationen zu den Themen Mehrsprachigkeit, Sprachentwicklung, Sprachstandsdiagnose und Sprachförderung zur Verfügung stellt, sei es in Form von Grundlagenreflexionen zu „Lehrwerken 2.0“ oder empirische Forschungen zum E-Learning.