AntCams: Mehr als 50.000 Stunden des RWA Videomaterials mithilfe der automatischen Bildanalyse ausgewertet

05.02.2014 Mehr als 50.000 Stunden des RWA Videomaterials wurden inzwischen mit der automatischen Bildanalyse ausgewertet, die in enger Kooperation mit zwei Kollegen des Arbeitsgebietes Bildsignalverarbeitung der TU Dortmund entwickelt wurde. Auf Basis dieser automatischen Auswertung wird nun das RWA-Verhalten im Zusammenhang mit tektonischen Ereignissen im Neuwieder Becken statistisch analysiert. Zusätzlich fließen geotektonische und biologische Parameter, aber auch Klimadaten, die möglicherweise das Ameisenverhalten beeinflussen können, in die Auswertung ein.

Paper im Special Issue "Biological Anomalies Prior to Earthquakes" veröffentlicht

Erste Ergebnisse des dreijährigen Monitorings der Roten Waldameisen Aktivitäten zeigen Bioanomalien und mögliche Korrelation mit Erdbebenereignissen

04.02.2013 Drei Jahre lang haben wir zwei Nester der roten Waldameise (Formica rufa-Gruppe) im seismisch aktiven Neuwieder Becken (Eifel, Deutschland) Tag und Nacht mit hochauflösenden Kameras überwacht. Erste Ergebnisse zeigen dass die Ameisen einen gut identifizierbaren Tagesablauf haben. Korrelationen mit lokalen seismischen Ereignissen zeigen mögliche Änderungen in ihrem Verhalten vor Erdbeben: die nächtliche Ruhephase und die Tagesaktivität werden unterdrückt. Der Standard-Tagesablauf wird erst am folgenden Tag wieder aufgenommen. Zurzeit werden mit der in Zusammenarbeit mit Kollegen der TU Dortmund entwickelten automatischen Bildauswertung mehr als 45.000 Stunden Videomaterial ausgewertet. Basierend auf dieser automatischen Auswertung wird eine statistische Analyse des Ameisenverhaltens durchgeführt. Zusätzlich werden andere Parameter (Klima, geotektonische und biologische Parameter), die einen Einfluss haben können in die Analysen einbezogen.

Die spezifischen Mechanismen, wie und warum die Ameisen diese Reaktionen zeigen, müssen in in-situ Experimenten und in enger Kooperation mit Biologen/Myrmekologen erforscht werden. Dazu planen wir ein interdisziplinäres Forschungsprojekt.

Ein offene Frage ist auch, ob die Ameisen in gleicher Weise auf stärkere Erdbeben (M>4) reagieren. Solch starke Beben traten im Monitoring-Zeitraum (2009-2012) im Neuwieder Becken nicht auf.  Dies wird ein weiterer Punkt unserer zukünftigen Forschungen sein. Als nächster Schritt ist geplant, die automatische Bildauswertung in die Kameras zu integrieren und die Aktivitätsindices in real-time online zu übertragen. Nach einer Testphase wollen wir unsere Kameras in Regionen mit stärkeren Erdbeben installieren.

Obwohl unsere Untersuchungen und Forschungsergebnisse bisher vielversprechend sind, sind sie nur ein erster Schritt in einem neuen Forschungskomplex.  Langzeitstudien müssen zeigen, ob Einflussfaktoren und Klima klar abgegrenzt werden können. Aber unsere ersten Ergebnisse zeigen, dass es Sinn macht, unsere Forschungen weiterzuführen und Wiedererkennungsmuster für die außergewöhnlichen Aktivitätsphasen zu finden. Unsere Forschungen dienen in erster Linie nicht der Erdbebenvorhersage, sondern sind ein wichtiger Schritt, um GeoBio-Prozesse besser zu verstehen.

Paper: http://www.mdpi.com/journal/animals/special_issues/bio-anom-earth