Aktuelles

Anmeldung der Seminararbeit

Hausarbeiten für das laufende Semester (Abgabe 30. September 2018) können bis zum 23. August in einer der Feriensprechstunden angemeldet werden – sofern eine vorherige Anmeldung in HISinOne stattgefunden hat.

Bringen Sie bitte folgende Unterlagen mit in die Sprechstunde:

  • Thema und (vorläufige) Gliederung Ihrer Hausarbeit
  • Literaturliste auf dem Stand der Forschung
  • Anmeldeformular mit ZAB-Code Ihres Moduls.

Einsicht in die Seminararbeiten

Alle bis zum 31. März 2018 eingereichten Hausarbeiten können im Sekretariat eingesehen und mit Frau Pontzen besprochen werden. Bitte melden Sie sich für die Sprechstunde bei Doodle an.

Sommersemester 2018 Ringvorlesung "Presentness: Konzepte von Gegenwärtigkeit in Künsten, Medien und Wissenschaft"

Geschwindigkeit gilt als Signum der Moderne. Sie bestimmt, wie schnell Ereignisse, die in der Zukunft liegen, zur Vergangenheit werden. Das Jetzt – jener flüchtige Übergang der Erwartungen in Erinnerungen – verliert mit jeder Beschleunigung an Bleiberecht. Das technische Substrat dieses Verlusts an Gegenwärtigkeit sind die seit der Industrialisierung ständig ausgebauten, zunehmend beschleunigten Medien für Transport, Kommunikation und Information. Überlagert wird der Prozess durch die ökonomische Beschleunigung von Produktzyklen, die neue Güter veralten lassen, bevor sie in Gebrauch genommen werden.

Auf dem Hintergrund dieser Marginalisierung des Jetzt ist es bemerkenswert, dass sich in Literatur, Kunst und Medien ein gesteigertes Interesse am Erleben von Gegenwärtigkeit als bewusst werdender Präsenz erkennen lässt. Ihr wollen die Vortragenden aus den je unterschiedlichen Perspektiven ihrer Fächer nachgehen; die Ringvorlesung vereint so verschiedene Disziplinen wie Literatur-, Sprach-, Medien und Kulturwissenschaft, Psychologie, Theologie, Soziologie und Medizin.

In all diesen von der beschleunigten Zeiterfahrung der Gegenwart markierten Kontexten spielt die gegenläufige Beobachtung eines ,Jetzt‘-Erlebens eine wesentliche, wenn auch bisweilen übersehene Rolle. Ihre systematische Erkundung steht im Mittelpunkt der Ringvorlesung, die vom Profilschwerpunkt "Wandel von Gegenwartsgesellschaften" gefördert wird.

Bewusste Präsenz-Erfahrung, die sich zunächst als Protest gegen Beschleunigung artikuliert, hat ihrerseits unterschiedlichste Gestalt, und es geht in der Ringvorlesung darum, die Qualität des Jetzt als Momente des Stillstands und der Intensität, der Begegnung und Entscheidung, der Konzentration und Versenkung, aber auch als Einbruchs des Unvorhergesehenen, des Schmerzes und der Verletzung zu beobachten. Der momenthaften Präsenz unterliegt als Folie u.a. das ursprünglich religiös instruierte Motiv göttlicher Erscheinung in der ‚Epiphanie‘. In ihrer säkularisierten Form wird sie nicht nur als Augenblick außerordentlicher ästhetischer Erfahrung künstlerisch gestaltet und evoziert, sondern umfasst heute auch alltags- und popkulturelle Phänomene. Im Rahmen von Eventkulturen und emotionaler Manipulation wird das Konzept der (gesteuerten) Epiphanie auch in ökonomischer und politischer Hinsicht bedeutsam.

Sommersemester 2018 Literaturwissenschaftliches Kolloquium an der Universität Duisburg-Essen

Veranstaltet von Prof. Dr. Rolf Parr, Prof. Dr. Alexandra Pontzen, Prof. Dr. Jörg Wesche und den Wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen der Neueren deutschen Literaturwissenschaft und -didaktik

 "Interpretieren sollte man nicht allein“ (Klaus Weimar)

Das Literaturwissenschaftliche Kolloquium ist eine langjährige etablierte Vortragsreihe, in der eine Vielzahl von renommierten Mitgliedern der scientific community und jüngere NachwuchswissenschaftlerInnen ihre Forschungen zur Diskussion stellen.

Die Termine sind jeweils mittwochs von 18-20 Uhr in Raum WST-C02.12
(Weststadttürme, Berliner Platz 6-8)

 

16. Mai 2018

Prof. Dr. Marina Münkler (TU Dresden)

Heiliger, Abgott, Teufel. Der Streit um die Heiligsprechung Bennos von Meißen 1524

Die Anfänge der Reformation sind von zahlreichen invektiv geführten Kontroversen zwischen den Altgläubigen und den Lutherischen geprägt. Diese Auseinandersetzungen dehnten sich vom Streit um den Ablass auf zahlreiche weitere Felder aus, zu denen seit den 1520er Jahren auch die Heiligen gehörten. Die invektiven Konstellationen dieser Auseinandersetzungen wurden entscheidend durch den Medienumbruch von der Handschrift zum Druck geprägt. Zugleich drückte Invektivität der neuen medialen Konstellation ihren Stempel auf. Einen ersten Höhepunkt erreichten die Auseinandersetzungen um die Heiligen in einem spektakulären Schlagabtausch, der 1524 anlässlich der Heiligsprechung Bischof Bennos von Meißen stattfand. Der Vortrag beschreibt diese Auseinandersetzungen und analysiert sie unter dem Aspekt ihres invektiven Sprachgebrauchs.

 

13. Juni 2018

Prof. Dr. William Donahue (University of Notre Dame, USA)

An „Eastern“ ’68?: Heiner Carow’s Legend of Paul and Paula

The Legend of Paul and Paula (1973) became a legend it its own right. An East German production that almost did not see the light of day, this quickly became a cult film that came to define the “liberalization” of the Eastern Bloc. This paper examines the way in which Heiner Carow’s best known work became a vehicle for the German Democratic Republic to import select aspects of the Western ’68 revolution. Against all odds, and against the determination of some censors, Paul and Paula, gained both official support (Eric Honecker attended the premier and praised the film) as well as wide-spread, popular acclaim. Against the backdrop of SED consolidation and in the confidence of a newly bourgeoning Communist state, it was possible to celebrate a version of “sex, drugs, and rock-and-roll” and to reintegrate “the personal” as an essential part of the political.

 

11. Juli 2018

Dr. Marie Gunreben (Universität Konstanz)

Gattungen des Zufalls

Der Zufall avanciert in der Erzählliteratur des 18. Jahrhunderts zur ambivalenten poetischen Produktivkraft: Zum einen sind die Texte auf inhaltlich-motivischer Ebene mit Fragen der Kontingenz beschäftigt, zum anderen provoziert der Zufall formale und erzähltechnische Entscheidungen, ist er doch das, was sich der Erzählung als „Repräsentation einer nicht-zufälligen Ereignisfolge“ (K. Eibl) eigentlich entzieht. In den Poetiken der Zeit nimmt er deshalb eine Schlüsselstellung ein; er fungiert als Differenzkriterium in der Unterscheidung von Fiktion und Wirklichkeit, als wirkungsästhetisches Moment oder als dramaturgisches Werkzeug. Ausgehend von einer kurzen Skizze verschiedener poetologischer Funktionalisierungen des Zufalls soll es allen voran um seine gattungsgeschichtliche Relevanz gehen: Inwiefern zeichnen sich gattungsspezifische Erzählformate, die sich im 18. Jahrhundert herausbilden, durch einen je eigenen Umgang mit dem Zufall aus?

 

18. Juli 2018

Prof. Dr. Britta Herrmann (Universität Münster)

„Diese stolzen prächtigen Jamben, die wie Tonwellen dahinwogen“: Überlegungen zum Schiller-Sound

„Schiller ist ganz zum Deklamieren […]. Goethe nie.“ So notiert Wilhelm Waiblinger am 27. Sept. 1821 in seinem Tagebuch. Immer wieder wurden Ton und Rhythmus von Schillers Sprache als besonders prägnant empfunden – und als besonders schwierig zu sprechen. Die Kunst, Schiller zu sprechen, war nicht erst Ernst Bloch ein Rätsel oder zahlreichen Schauspielern vom Weimarer Hoftheater bis zur deutschen Gegenwart, sondern schon Schiller selbst. Beinahe hätte dies auch das Ende seiner Karriere als angehenden Autor bedeutet. Und doch basieren Schillers Ruhm und die Verbreitung seiner Werke nicht zuletzt auf den Vortragsleistungen eines Heers von Deklamatricen und Deklamateuren, die seine Texte in jeder Teegesellschaft und noch im letzten Bergdorf erklingen ließen.

Der Vortrag möchte dem Diskurs über den ‚Schiller-Ton‘ nachgehen und dabei sowohl die historischen Praktiken der Schiller-Deklamation und ihre Leistung für Kanonisierung und kulturelles Gedächtnis beleuchten als auch überlegen, ob und inwiefern der ‚Schiller-Sound‘ näher bestimmt werden kann.