Forschungsprojekte von Prof. Dr. Bernhardt

Markus Bernhardt

Bild – Geschichte – Geschichtsunterricht. Der geschichtsdidaktische Bildeinsatz

Der Einsatz von Bildern im Geschichtsunterricht und ihre Interpretation als Bildquellen ist in mehrere wissenschaftliche Diskurse eingebettet. Neben geschichtstheoretischen Fragen geht es um erkenntnistheoretische, pädagogische und (entwicklungs-)psychologische. Kunstgeschichtliche Aspekte sind ebenso berührt wie Fragen der Bildtheorie und der Ästhetik. Nicht zuletzt besitzen diese Diskurse eine historische Tiefendimension, die bislang wenig beachtet wurde. Die Hauptthese des Forschungsprojekts besteht deshalb in der Behauptung, dass die bisherige geschichtsdidaktische Forschung in der Privilegierung der verbalistischen Tradition der Historischen Bildkunde, die im Wesentlichen auf die Arbeiten des Kunsthistorikers Erwin Panofsky (1892–1968) zurückgeht, zu einer intellektuellen Verkürzung des Problems neigt. Dieser Verkürzung soll durch eine ausführliche Diskussion, Historisierung und Verknüpfung der zum Teil disparaten Diskurse entgegengewirkt werden. Am Ende soll eine monographische Publikation stehen, die einen umfassenderen und effektiveren Blick auf den Bildeinsatz im Geschichtsunterricht gestattet.

Geschichtsnavigator Rhein-Ruhr – eine interaktive Lernapplikation

Mit der Entwicklung der App Geschichtsnavigator Rhein-Ruhr in einem Kooperationsprojekt zwischen den Geisteswissenschaften, der Informatik und Bildungseinrichtungen der Region ist die Idee verbunden, die verschiedenen Schichten und Geschichten des Bergbaus an Erinnerungsorten für den Bildungsbereich und die Öffentlichkeit erfahrbar zu machen und die Erinnerung an Kohle und Kumpel für künftige Generationen lebendig zu halten.

Die Hochschule Ruhr West (HRW) im Bereich der Informatik, die Universität Duisburg-Essen (UDE) im Bereich Didaktik der Geschichte, das Ruhr Museum, Bildungspartner NRW und kooperierende Schulen  vereinen ihr Know-How und ihre Wissensbestände, um eine interaktive Plattform der Information und des Austauschs über die Geschichte des Steinkohlebergbaus und seine Zukunft zu schaffen.

Im Unterschied zu einem klassischen Reiseführer bietet der Geschichtsnavigator Rhein-Ruhr ein Mehr an Möglichkeiten. Eine Modulstruktur entführt die Nutzer in die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft des Bergbaus und seine Kultur vor Ort. Die Module lassen sich als individuelle Route zusammenstellen und in eine Tages- bzw. Schulexkursion oder ein Projekt integrieren. Zusätzlich digital verfügbares didaktisches Material für Schule und Weiterbildung soll zu einer intensiven Beschäftigung mit dem Steinkohlebergbau in der Region führen und im Bereich des außerschulischen Lernens zum Einsatz kommen. Die App lässt sich aber ebenso rein privat ohne Aufgaben- und Fragestellungen nutzen.

Post-doc-Projekte

Björn Onken

Die Darstellung des Achaimenidenreiches in deutschen Schulbüchern im Imperialismus (1880-1918)

Der Gegensatz zwischen Europa und Asien gehört zu den wirkmächtigsten Traditionen der europäischen Geschichtskultur. Ein wesentliches Motiv dieses Narrativs sind die Kriege zwischen dem Perserreich unter den Achaimeniden und griechischen Poleis im 5. Jahrhundert v. Chr., in denen die griechische Siege Europa vor einer asiatischen Barbarei gerettet haben sollen. Es erscheint naheliegend, dass dieses Narrativ in Schulbüchern im Imperialismus in besonderer Weise herausgestellt wird. Der Blick in die Schulbücher zeigt jedoch, dass Differenzierungen notwendig sind. Die frühen Perserkönige, allen voran Kyros, werden in den meisten Schulbüchern als erfolgreiche Herrscher präsentiert, die ein Weltreich erschaffen und effektiv verwaltet haben, was gerade in der Zeit des Imperialismus Vorbildcharakter haben konnte. Als asiatische Barbaren erscheinen die Perser in einigen Schulbüchern erst zu der Zeit, in der das Perserreich unter dem Angriff Alexanders zusammenbricht.

Sabrina Schmitz-Zerres

Zeitpraktiken in Tagebüchern von 1890 bis 1933

Das Habilitationsprojekt „Zeitpraktiken in Tagebüchern von 1890 bis 1933“ beschäftigt sich aus geschichtsdidaktischer Perspektive mit der Frage, wie zeitgenössische Akteure Zäsurerfahrungen in ihren Tagebüchern bewältigt haben. Mit dieser Fragestellung verortet sich das Projekt an der Grenze zu verschiedenen Forschungsdiskursen, die jedoch eine fruchtbare Verbindung eingehen, wie im Folgenden dargestellt wird.

Die geschichtswissenschaftliche Forschung hat vielfach konstatiert, dass der Untersuchungszeitraum des Projekts von einer Vielzahl von Zäsuren und Veränderungen geprägt war, die zeitgenössische Akteur*innen lebensnotwendig bewältigen mussten: Jene reichen von der Jahrhundertwende über die Erfahrung des Ersten Weltkriegs, über die Revolutionen 1918 und  das Ende des Deutschen Kaiserreichs, die Gründung der Weimarer Republik, der Unterzeichnung des Versailler Vertrags und den Ereignissen des Jahres 1923 bis hin zur Weltwirtschaftskrise 1929, den Präsidialkabinetten und der Kanzlerschaft Hitlers. Die bisherige Forschung verbleibt allerdings auf einer makro- und politikhistorischen Ebene, um nach den Gründen und Auswirkungen zu fragen. Dieses Projekt nimmt eine andere Sicht ein und untersucht die „Geschichtsbrüche“ (Hölscher, Semantik der Leere. Grenzfragen der Geschichtswissenschaft, 2009, S. 199) oder „Brucherfahrungen“ (Rüsen, Theorie der Geschichtswissenschaft, 2013, S. 36) aus der Perspektive der zeitgenössischen Akteur*innen.

Das Projekt fragt nach der Bestimmung von Zäsuren und ihren Bewältigungsmechanismen durch die Selbstverortung der Akteure in der Zeit. Auch das interdependente Verhältnis von Geschichtsbewusstsein und Geschichtskultur wird näher beleuchtet, um die diskursive Verwendung von Zeit zur Kontingenzbewältigung herauszuarbeiten. Dazu wird in der theoretischen und methodischen Ausrichtung des Projekts von einer semantischen Pluralität der Zeit ausgegangen: demnach existieren verschiedene parallel verlaufende Vergangenheiten, Gegenwarten und Zukünfte. Die Tätigkeit des Geschichtsbewusstseins stellt die Verknüpfungen zwischen den Zeitsemantiken und den Zeitebenen her. Jene werden als „Zeitpraktiken“ (Reckwitz, Zukunftspraktiken, 2016, S. 42) verstanden. Dieser praxeologische Zugriff auf das Geschichtsbewusstsein schafft ein präzises und zugleich flexibles Instrument zur Quellenanalyse.

Tagebücher aus der Zeit von 1890 bis 1933 sind die Quellen des Projekts. Gefragt wird nach Formen der Verknüpfungen zwischen den Zeitebenen und Zeitsemantiken, aber auch nach narrativen Strukturen und Bezügen zur historischen Geschichtskultur, die das Projekt als „Zeitdiskurse“ beschreibt. Zugleich werden im einzelnen Tagebuch Veränderungen, aber auch Konstanten im Umgang mit den Kontingenzerfahrungen und ihrer Bewältigung sichtbar. Durch die Analyse von rund 300 Tagebüchern soll die Vielfalt der Praxisformen und Zeitdiskurse wird nicht nur erfasst und kategorisiert, sondern ein Grundstein für eine theoretische Erweiterung des geschichtsdidaktischen Konzepts des Geschichtsbewusstseins gelegt werden.

Dissertationsprojekte

Marcel Ebers

Historisches Lernen am Übergang von der Primarstufe zur Sekundarstufe I – Erwartungen und Erfahrungen

Mit einem Appell für die Etablierung des historischen Lernens in der Grundschule wurde die Diskussion beendet, die den Lernenden der Grundschule die dafür notwendigen Voraussetzungen absprach. Als Ergebnis sind nun historische Themen in den Primarlehrplänen zu finden. Unklar und von der Forschung bisher unberücksichtigt ist die Frage, wie historische Lernen in den Grundschulen verläuft. Das Promotionsvorhaben stellt diese Frage ins Zentrum ihres Forschungsinteresses.

Christopher Friedburg

Die Praxis der Geschichtskultur 2.0 – eine Untersuchung der von Nutzern eingebrachten Inhalte und Überzeugungen auf der Videoplattform YouTube

Die Informationsstrukturen geschichtskulturellen Wissens transformieren sich fortschreitend – weg von analogen Datenspeichern, hin zur digitalen Medientechnik. Die daraus resultierenden Diskussionen in der historischen Fachdidaktik werden beeinflusst von Begriffen und Konzepten der IT-Branche, die eine umfassende, wenn nicht gar revolutionäre Veränderung bestehender Anforderungen an die historischen Bildung implizieren. Sie bedienen Utopien, die sich aus erstrebenswerten Zielen wie einer fortschreitenden Demokratisierung und Diversifikation der Medienlandschaft speisen. Allerdings konnten diese Erwartungen bisher empirisch noch nicht belegt werden.

Charlotte Husemann

„Beschreiben, Erklären und Begründen – Die Operationalisierung des Historischen Sachurteils"

Sprache ist eines der konstituierenden Elemente des Geschichtsunterrichts. Sie begegnet Schülerinnen und Schülern nicht nur als Unterrichtsgegenstand im Zuge der Auseinandersetzung mit Quellen und Darstellungen, sondern ist zugleich Medium des Lernprozesses. Analyse, Sachurteilsbildung und die Aushandlung eines Werturteils erfordern dabei vielfältige produktive Sprachhandlungen. Das Erarbeiten von Beschreibungen, Erklärungen und Begründungen zur Verschriftlichung eines Historischen Sachurteils wird vor allem in Form der in Aufgabenstellungen enthaltenden Operatoren initiiert. Unter dem Arbeitstitel: „Beschreiben, Erklären und Begründen – Die Operationalisierung des Historischen Sachurteils“, wird der Versuch unternommen, sprachlich-kognitive und inhaltlich-fachliche Anforderungen für die in schriftlichen Leistungsaufgaben eingesetzten Operatoren Beschreiben, Erklären und Begründen theoretisch und empirisch aufzuarbeiten und daraus funktionale, transparente und einsatzfähige Konstrukte für den Fachunterricht zu schaffen.

Irini Mitanoudi

Regionalgeschichte im Geschichtsunterricht (Arbeitstitel)

Regionalgeschichtlich akzentuiertes Lernen ist für den Geschichtsunterricht besonders ergiebig, weil die dort behandelten Gegenstände an die Lebens- und Alltagswelt der Schülerinnen und Schüler anknüpfen und damit einen Gegenwartsbezug herstellen.
So lautet die These, die zunächst auch plausibel erscheint, ohne dass empirische Befunde existieren, ob die damit in Verbindung gebrachten Lernerwartungen erfüllt werden. Seit den 1970er Jahren ist die Regionalgeschichte in der Geschichtsdidaktik in die Defensive gerückt, weil man die so genannte „Heimatkunde“ verdächtigte, lediglich zur Stiftung naiver Identitäten beizutragen. Im Zuge der Diskussion um Erinnerungsorte und -kollektive ist in der Geschichtsdidaktik eine Rehabilitation der Regionalgeschichte zu erkennen.

Sven Alexander Neeb

Akzeptanz und Nutzung von digitalen Medien im Geschichtsunterricht (Arbeitstitel)

Lehrkräften der Fächer Geschichte und Gesellschaftslehre wurde im Rahmen einer fragebogenbasierten Untersuchung Gelegenheit gegeben, die unterrichtliche Nutzung von digitalen Medien darzustellen sowie ihre Einstellungen und Verbesserungsvorschläge zu äußern. Wie setzen sie digitale Medien im Geschichts- bzw. Gesellschaftslehreunterricht ein und welche Potentiale und/oder Probleme haben sie dabei wahrgenommen? Sind digitale Medien und Applikationen für die Konzeption und Gestaltung historischer Lernsettings geeignet und über welche Elemente und Eigenschaften sollen diese verfügen?

Helen Wagner

Vergangenheit als Zukunft?
Geschichtskultur als Feld von Zukunftshandeln zur Bewältigung strukturellen Wandels

Das Ruhrgebiet ist als ehemals größte Industrieregion Europas seit der Kohlekrise Ende der 1950er Jahre und der Stahlkrise Ende der 1970er Jahre einem enormen wirtschaftlichen und sozialen Wandel unterworfen. Der Strukturwandel ließ nicht nur die soziale und wirtschaftliche Zukunft des Ruhrgebiets ungewiss werden, sondern er stellte die Region als solche in Frage, da sich ihr regionaler Charakter nicht durch naturräumliche, politische oder administrative Gegebenheiten definierte, sondern über die wirtschaftliche Prägung durch Kohle und Stahl. Der Niedergang dieser Schlüsselindustrien führte so zur grundlegenden Erschütterung des regionalen Selbstbewusstseins und der kollektiven Identität der Ruhrgebietsbewohner und warf die Frage auf, ob das Ruhrgebiet als Region überhaupt noch existiere und in Zukunft als solche definiert werden könne.

Mareike-Cathrine Wickner

Schreibförderung im Fachunterricht Geschichte (Arbeitstitel)

Denken und Schreiben stehen in einem sich wechselseitig bedingenden Verhältnis. Dies stellte unlängst Jörn Rüsen in seiner Monographie „Historik. Theorie der Geschichtswissenschaft“ deutlich heraus: „Das Denken erstreckt sich in das Formulieren und Darstellen hinein und vollendet sich auch erst mit ihm“. Diese Einsicht überschneidet sich mit den Ergebnissen sprachwissenschaftlicher und kognitionspsychologischer Forschungsarbeiten über die Bedeutsamkeit des epistemischen Schreibens für den Erwerb neuer Erkenntnisse und die Vernetzung und Erweiterung von bereits vorhandenen Wissensbeständen.

Abgeschlossene Forschungsprojekte

Denkort Denkmal Projekt

Die Denkmalslandschaft in Nordrhein-Westfalen hat einiges zu bieten. Von kleinen Personendenkmälern mit lokalen und regionalen Bezügen bis hin zu überregionalen Monumenten sowie Kultur- und Nationaldenkmälern sind alle typischen Denkmalsarten vertreten. Doch obwohl diese Phänomene der Geschichtskultur durch ihre öffentliche Zugänglichkeit zu einem Teil der Lebenswirklichkeit von Schülerinnen und Schülern werden könnten, schenken ihnen die Lernenden von sich aus selten Beachtung. Vielmehr werden sie entweder erst gar nicht wahrgenommen, oder sie lassen sich auf Grund ihrer fremdartig anmutenden Symbolsprache nur schwerlich interpretieren.
Gerade aber weil Denkmäler authentische Quellen „zum Anfassen“ sind, die auch als Stifter regionaler Identität fungieren können und gerade weil sie sich nicht von selbst erklären, sondern viele Fragen aufwerfen, kann eine längerfristige Beschäftigung mit ihnen das Interesse der Schülerinnen und Schüler binden und somit historische Lernprozesse nachhaltig anregen.
Dies ist das erklärte Ziel des zweijährigen Projektes „Denkort Denkmal – Denkmäler als Ausdruck regionaler Identität“, welches seit September 2013 als Kooperation zwischen dem Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte an der Universität Duisburg-Essen und dem Institut für niederrheinische Kulturgeschichte und Regionalentwicklung (InKuR) koordiniert und durchgeführt wird. Gefördert wird das Projekt von der Robert Bosch Stiftung. Bereits das erste Projektjahr hat gezeigt, dass sich für die Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Schulformen und Jahrgangsstufen viele Lerngelegenheiten bieten, die über die Möglichkeiten des „klassischen“ Geschichtsunterrichts hinausweisen. Durch die enge Anbindung an verschiedene Kooperationspartner (u.a. Universitätsarchiv, Universitätsbibliothek, Schreibwerkstatt, Stadtarchive, Landesarchiv NRW, Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Verkehrsplanung u.v.a.) kann eine zielgerichtete und individuelle Betreuung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewährleistet werden. Gerade auf Grund dieses breiten Spektrums an Expertinnen und Experten haben die Lernenden die Möglichkeit, ihre Kompetenzen in den unterschiedlichen Bereichen der historischen Methoden weiter zu vertiefen. Im Vordergrund stehen vor allem die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte der jeweiligen Denkmäler, die sich in den entsprechenden Stadtarchiven hervorragend erschließen lassen und deren Erkundung vielfach unerwartete und spannende Ergebnisse hervorbringt.
Diese und weitere Ergebnisse der einzelnen Gruppen aus den Forschungsphasen werden auf den die Projektjahre abschließenden Tagungen präsentiert. Ebenso wird ein gemeinsamer Projektband geplant, in welchem die Schülerinnen und Schüler zusammen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern ihre Projektergebnisse präsentieren können.

Weitere Informationen unter: https://www.uni-due.de/inkur/denkort_denkmal_main.shtml
"Publikation der Ergebnisse: https://www.uvrr.de/geschichte/denkort-denkmal.html"

Katalin Morgan

Zeugen der Shoah

Seit September 2015 arbeitet Alexander von Humboldt Stipendiatin Katalin Morgan an einem von ihr konzipierten Forschungsprojekt am Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte von Prof. Dr. Markus Bernhardt an der Universität Duisburg-Essen. Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt mit dem Kommunikationswissenschaftler Herrn Prof. Dr. Matthias Proske von der Universität zu Köln. Katalin Morgan erforscht, wie Lehrerinnen und Lehrer sowie Jugendliche an Schulen mit dem digitalen DVD-Bildungsmedium "Zeugen der Shoah, schulisches Lernen mit Video Interviews" arbeiten. Mit Hilfe eines ethnographischen Zuganges wird der Einsatz der DVD im Geschichtsunterricht an fünf Schule in Nordrhein-Westfalen untersucht. Die teilnehmenden Lehrerinnen und Lehrer haben die DVDs eigenständig in ihrem Geschichtsunterricht explorativ eingesetzt.
Der theoretische Rahmen des Projekts ist multidisziplinär und verbindet geschichtsdidaktische Ansätze mit Erkenntnissen aus der Philosophie, Sprachwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Psychologie, um der Frage nachzugehen, welchen Einfluss die DVD-Reihe auf das Bewusstsein von Schuld und Verantwortung deutscher Jugendlicher als Teil ihres Geschichtsbewusstseins hat. Folgende Forschungsfragen sollen dabei berücksichtigt werden: Wie reagieren Jugendliche auf den Inhalt der DVD-Reihe? Wie rezipieren sie dieses Medium? Wie konstruiert die Erinnerung der Zeugen die heutigen Begegnungen der Schülerinnen und Schüler mit diesem Thema? Diese Fragen werden mit Hilfe systematischer Unterrichtsbeobachtungen, Lehrer- und Schülerinterviews sowie Aufgabenbearbeitungen der Schülerinnen und Schüler beantwortet. Die Daten werden diskursanalytisch systematisiert und ausgewertet. Ob die Befunde des Projekts über das Deutsche Bildungswesen hinaus zur Vermittlung von Geschichte in Kontexten, in denen Identität und Emotion eine Rolle spielen, Einfluss haben, bleibt noch zu explorieren.

Rebecca Quick

Josef Suwelack (1888-1915): Flugpionier, Unternehmer, Kriegsteilnehmer. Annäherungen an einen westfälischen Flieger und seinen Mythos

Das Forschungsvorhaben widmet sich in einer Einzelfallanalyse der Biographie von Joseph Suwelack (1888-1915). Josef Suwelack, geboren und aufgewachsen in Billerbeck in Westfalen, war Flugpionier, ‚Unternehmer’ in der Flugzeugkonstruktion und -produktion in Berlin und Essen und fiel als Pilot eines deutschen Aufklärungsflugzeuges 1915 über der Westfront des Ersten Weltkrieges in Frankreich.

Um eine reflektierte und selbstreflexive Biographie Josef Suwelacks schreiben zu können, werden a) an seinem Beispiel die biographische Rezeption seiner Person und deren narrative Muster erarbeitet; b) diese empirisch gewonnenen Ergebnisse mit den normativen Ansprüchen moderner Biographie-Forschung in Verbindung gebracht und c) vor dem theoretischen Hintergrund der daraus entwickelten Kriterien, Kategorien und Methoden auf Basis der Quellen eine neue biographische Rekonstruktion verfasst.

Gerade das Genre der Biographik müsse sich, so Christian Klein, den Vorwurf, „eine andere Art der Kontingenzbekämpfung zu betreiben“, gefallen lassen, wurden und werden Biographien zum Teil immer noch so verfasst, dass sie aus einer Ex-Post Perspektive heraus ein Leben erzählen. Diese positivistische Genrespezifik lässt sich auch für große Teile der Überlieferung über Josef Suwelack konstatieren und findet sich auch in anderen Fliegerbiographien wieder. Überhaupt ist festzustellen, dass die Rezeptionsdokumente über den westfälischen Flieger einen hohen Grad an Individualisierung und Stilisierung aufweisen.

Eine erkenntnistheoretisch zentrale Rolle bei der Analyse und Wahrnehmung der Narrationen über Josef Suwelack spielt der Begriff des Mythos, der nicht als fiktive oder gar unwahre Erzählung verstanden wird, sondern, nach Herfried Münkler als ein „Instrument, um Widersprüche handhabbar zu machen, Komplexität zu reduzieren und Kontingenz wegzuerzählen“. Damit erfüllt der Mythos eine wichtige gesellschaftliche Funktion, nämlich leicht verständliche Sinnbildung über Zeiterfahrung. Über diese zentrale Denkfigur Jörn Rüsens ist eine Verknüpfung mit dem Bereich der Geschichts- und Erinnerungskultur möglich, indem nach den Funktionen, Kontinuitäten und Wandlungen des Suwelack-Mythos in unterschiedlichen Epochen gefragt wird.

Dem Leser einen alternativen Vorschlag zum Umgang mit Suwelacks Geschichte zu machen und für die Mechanismen seiner Flieger(helden)konstruktion zu sensibilisieren sind zentrale Anliegen der Arbeit. Ziel der Dekonstruktion ist es, die Mythen über Josef Suwelack ihre Verankerung in der Fliegertopik herauszuarbeiten und die dahinterstehende Erzählabsicht in einem diachronen Vergleich zu analysieren. In der Rekonstruktion wiederum sollen Kontingenzen – Diskontinuitäten, Brüche und weniger planbare beziehungsweise geplante Momente und Entscheidungen – sichtbar gemacht werden.

Publikation: https://www.schoeningh.de/katalog/titel/978-3-506-79298-3.html

Sabrina Schmitz-Zerres

Die Schulbucherzählung: ein Ort von Zukunftshandeln?

In dem Projekt geht es um die Rolle der Zukunft in Schulgeschichtsbüchern. Es werden dabei der Produktionsprozess und die Gestaltung von Zukunftsnarrationen untersucht. In Abgrenzung zur bisherigen geschichtsdidaktischen Schulbuchforschung wird die Inhaltsanalyse der Zukunftsnarrationen mit ihrem Entstehungs- und Produktionsprozess verknüpft. Das Projekt stellt auf der ersten Ebene die Frage, wie Zukunftsnarrationen inhaltlich gestaltet sind, welche Rolle sie im Schulbuch spielen und welche Themen dort Eingang finden. Auf der zweiten Ebene wird der Produktionsprozess praxeologisch analysiert und gefragt, wie diese besondere Form der Schulbuchnarration entsteht, in Korrektur- und Zulassungsverfahren bestätigt und im Schulgeschichtsbuch veröffentlicht wird.

Jan Siefert

Alterität im Geschichtsunterricht

Können Schülerinnen und Schüler andere Kulturen durch Unterricht verstehen? Geschichtsunterricht soll Lernenden auch ermöglichen, die Positionen und Denkweisen von historischen Akteuren nachzuvollziehen. Im Rahmen des Projekts wurde der Frage nachgegangen, ob und wie fremde Kulturen durch Geschichtsunterricht erfahrbar gemacht werden können und wie das erworbene Verständnis empirisch erfasst werden kann. Dazu wurde im Anschluss an aktuell diskutierte Kompetenzmodelle ein Niveaustufenmodell von Perspektivübernahme entwickelt, das im Rahmen einer explorativen Intervention am Beispiel japanischer Geschichte während der Tokugawa-Periode (1603-1868) einer ersten Prüfung unterzogen wurde.

Social Media

Facebook24
FaceBook

Twitter24
Twitter

Kolloquia

Forschungskolloquium WiSe 2019/20

vergangene Kolloquia finden Sie im

Archiv

Publikationen

Chronologische Publikationsliste der Mitarbeiter/Innen am Lehrstuhl für die Didaktik der Geschichte.

Mehr lesen

Studium

Informationen und Formulare für das Studium am Lehrstuhl der Didaktik der Geschichte.

Mehr lesen