Informationen zum Forschungsprojekt

Shipping Off Labour: Changing Staffing Strategies in Globalized Workplaces

Studien zur grenzüberschreitenden Mobilität im Kontext der europäischen Osterweiterung haben sich entweder auf Branchen konzentriert, in denen die Mobilität von Kapital (Produktion) im Vordergrund steht, oder auf solche, in denen die Mobilität von Arbeitskräften im Vordergrund steht. Es mangelt hingegen an Studien zur doppelten Mobilität, also zu Branchen, bei denen sowohl Kapital (Produktion) als auch Arbeitskräfte grenzübergreifend mobil sind, möglicherweise in entgegengesetzter Richtung.

Die Schiffbaubranche ermöglicht es, diese doppelte Mobilität und ihre Auswirkungen auf Arbeitsbedingungen und Arbeitsbeziehungen näher zu untersuchen. Denn die europäische Osterweiterung hat es den nordeuropäischen Schiffbauunternehmen erleichtert, Teile ihrer Produktion in Länder wie Polen und Rumänien auszulagern. Zugleich decken diese Unternehmen ihren Arbeitskräftebedarf an den verbliebenen eigenen Produktionsstandorten in hohem Umfang durch Leiharbeit und Werkverträge und greifen dabei auch auf entsandte Beschäftigte zurück. Sowohl Arbeit als auch Produktion sind hier also über Grenzen hinweg in Bewegung. Weitere wichtige Impulse gehen in jüngerer Zeit von technologischen Innovationen und strengeren Emissionsauflagen aus. Diese geben Anreize für neue Produktions- und Personalstrategien, die auch die Nachfrage nach qualifizierteren Arbeitskräften ankurbeln könnten. Auf der anderen Seite hat die Covid-19-Pandemie zu starken Auftragseinbrüchen vor allem bei Passagierschiffen geführt. 

Das Projekt hat zum Ziel, die Neukonfiguration der Produktions- und Personalstrategien von Schiffbau-Unternehmen innerhalb einer globalen, aber regional konzentrierten Industrie aus einer vergleichenden Perspektive zu untersuchen. Im Zentrum stehen die Fragen,

  • wie sich die europäische Osterweiterung auf die Produktions- und Personalstrategien von Schiffbau-Unternehmen auswirkt;
  • wie technologische Veränderungen und die Corona-Pandemie die Strategien der Unternehmen beeinflussen.
  • wie die Veränderungen von den betrieblichen und überbetrieblichen (v.a. Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände) Akteuren mitgestaltet werden.

Vorgehen

Die Untersuchung ist vergleichend angelegt und analysiert die Produktions- und Personalstrategien in Schiffbauunternehmen in Norwegen, Deutschland, Italien, Polen und Rumänien - allesamt zentrale Schiffbaunationen. Denn die lokalen Auswirkungen der globalisierten Produktion sind in hohem Maße von länderspezifischen Institutionen und Strategien von sozialen Akteuren abhängig. Die ausgewählten Länder unterscheiden sich deutlich in Hinblick auf die Akteure und Institutionen, die Beschäftigungsschutz, Tarifverhandlungen und betriebliche Mitsprache regeln. Zudem nehmen ihre Werften unterschiedliche Positionen in den europäischen Produktionsnetzwerken ein. Welche Veränderungen haben Osterweiterung, technologischer Wandel und Corona-Pandemie in diesen unterschiedlichen Kontexten in den Produktions- und Personalstrategien bewirkt? Und welche Auswirkungen besitzt dies auf die Arbeitsbedingungen entlang der Wertschöpfungskette?

Kern der empirischen Untersuchung sind Expert*innen-Interviews auf europäischer und nationaler Ebene, sowie Fallstudien in Werften, die Teil transnationaler Produktionsnetzwerke sind.

Neben dem IAQ nehmen an dem Projekt Forschungsteams aus den 4 genannten Ländern teil; die Projektkoordination liegt beim norwegischen Institute for Social Research (weitere Informationen auf der englischsprachigen Projektwebseite)

Projektdaten

Laufzeit des Projektes
01.10.2020 - 30.10.2024

Forschungsabteilung
Flexibilität und Sicherheit

Leitung:
Dr. Karen Jaehrling

Bearbeitung:
Frederic Hüttenhoff

Finanzierung:
Institute for Social Research, (ISR), Oslo

Webseite des Projekts