30  Luftschallschutz

Inhaltsregister

30.00 bis vor 31.00
30.1   Luftschallschutztechnische Kenngrößen
30.1.1   Schallpegeldifferenz
30.1.2   Schalldämm-Maß
30.1.3   Bewertetes Bau-/Schalldämm-Maß
30.1.4   Normschallpegeldifferenz
30.1.5   Bewertete Normschallpegeldifferenz
30.1.6   Mittleres Schalldämm-Maß
30.1.7   Schalldämmung von Schächten und Kanälen
30.2   Schalldämmung zusammengesetzter Flächen

Fußnoten


30.1    Luftschallschutztechnische Kenngrößen

Für die Kennzeichnung der Luftschalldämmung werden die in der folgenden Tabelle angegebenen Größen verwendet. Die bewerteten Größen (Einzahlangaben) erhält man aus den frequenzabhängigen Größen mit Hilfe des in Kapitel 30.1.3 beschriebenen Bewertungsverfahrens.

Tabelle 1: Größen zur Kennzeichnung des Luftschallschutzes

frequenzabhängige Größen [1] bewertete Größen [2]

Schallpegeldifferenz D

-

Schalldämm-Maß R

bewertetes Schalldämm-Maß Rw

Bauschalldämm-Maß R'

bewertetes Bauschalldämm-Maß R'w

Norm-Schallpegeldifferenz Dn, D'n [3]

bewertete Norm-Schallpegeldifferenz Dn,w, D'n,w

Schachtpegeldifferenz Dk

bewertete Schachtpegeldifferenz Dk,w

(Zur Tabellen-Übersicht)



30.1.1     Schallpegeldifferenz

Unter der Schallpegeldifferenz D versteht man die Differenz zwischen dem Schallpegel L1 im Senderaum und dem Schallpegel L2 im Empfangsraum. Die Schallpegeldifferenz D ist frequenzabhängig.


Zeichen
Größe
SI-Einheit
D = D(f)
Schallpegeldifferenz
dB
L1 = L1(f)
Schallpegel im Senderaum
dB
L2 = L2(f)
Schallpegel im Empfangsraum
dB
f
Frequenz
Hz


30.1.2     Schalldämm-Maß

Das Schalldämm-Maß R ist eine Meßgröße zur Kennzeichnung der Luftschalldämmung eines Bauteils. R ist frequenzabhängig.


Zeichen
Größe
SI-Einheit
R = R(f)
Schalldämm-Maß [4]
dB
S
Prüffläche (Wand oder Decke)
m2
A = A(f)
äquivalente Schallabsorptionsfläche des Empfangsraumes [5]
m2


R wird nach DIN 52210 meßtechnisch ermittelt und in Diagrammen über der Frequenz aufgetragen. Werden die Messungen im Bau oder im Labor mit "bauähnlichen Nebenwegen" durchgeführt, so spricht man vom Bauschalldämm-Maß R'.[6] 



30.1.3     Bewertetes Schalldämm-Maß bzw. bewertetes Bauschalldämm-Maß  

Das bewertete Schalldämm-Maß Rw bzw. das bewertete Bauschalldämm-Maß  sind Einzahlangaben zur Kennzeichnung der Luftschalldämmung von Bauteilen. Zur Beurteilung des Luftschallschutzes wird die frequenzabhängige Bezugskurve für das Schalldämm-Maß um ganze dB nach oben (günstig) bzw. nach unten (ungünstig) verschoben, bis die mittlere Unterschreitung der Bezugskurve durch die Meßkurve 2 dB wird. Rw bzw.  entspricht dem Wert der verschobenen Bezugskurve bei 500 Hz (vgl. Abb.).


Der Link zur Animations-Seite



Summierung der ungünstigen Abweichungen:

, wenn   [7]
  , sonst   [8]


Zeichen
Größe
SI-Einheit
mittlere Unterschreitung der verschobenen Bezugs-kurve RBezug durch die Meßkurve R
dB
Rw
bewertetes Schalldämm-Maß (Einzahlangabe)
dB


Als Einzahlangabe zur Bewertung der Luftschalldämmung verwendete man früher das Luftschallschutzmaß (LSM ). Zwischen dem Luftschallschutzmaß und dem bewerteten Schalldämm-Maß besteht folgende Beziehung:

[9]


Tabelle 2: Bezugswerte für den Luftschallschutz [92]

Frequenz f

Hz

RBezug,i

dB

100

33

125

36

160

39

200

42

250

45

315

48

400

51

500

52

630

53

800

54

1000

55

1250

56

1600

56

2000

56

2500

56

3150

56

(Zur Tabellen-Übersicht)


30.1.4     Normschallpegeldifferenz  

Die Normschallpegeldifferenz Dn ist eine Meßgröße, die anstelle des Schalldämm-Maßes R dann angewendet wird, wenn eine Beziehung auf eine Prüffläche S (Decke oder Wand) nicht möglich oder mit Fehlern behaftet wäre, z.B. bei der Übertragung zwischen nicht direkt aneinanderliegenden Räumen (Diagonalübertragung) oder bei einer zu kleinen Meßfläche. Die Normschallpegeldifferenz Dn ist frequenzabhängig.


Zeichen
Größe
SI-Einheit
Dn = Dn(f)
Normschallpegeldifferenz [10]
dB
D = D(f)
Schallpegeldifferenz    D = L1 - L2
dB
A0
Bezugsabsorptionsfläche  A0 = 10 m2
m2
A = A(f)
äquivalente Absorptionsfläche des Empfangsraums [11]
m2


30.1.5     Bewertete Normschallpegeldifferenz

Die bewertete Normschallpegeldifferenz Dn,w ist eine Einzahlangabe zur Kennzeichnung der Luftschalldämmung von Bauteilen, bei denen eine Beziehung auf eine Prüffläche S (Decke oder Wand) nicht möglich oder mit Fehlern behaftet wäre, z.B. bei der Übertragung zwischen nicht direkt aneinanderliegenden Räumen (Diagonalübertragung) oder bei einer zu kleinen Meßfläche. Die Bewertung der Normschallpegeldifferenz Dn erfolgt analog zur Bewertung des Schalldämm-Maßes R.



30.1.6     Mittleres Schalldämm-Maß

Das mittlere Schalldämm-Maß Rm ist der arithmetische Mittelwert der Schalldämm-Maße über den Frequenzbereich 100 - 3150 Hz (16 Terzen).



Das mittlere Schalldämm-Maß ist nicht zur Beurteilung des Schalldämmverhaltens von Bauteilen geeignet. Als grobe Näherung zum Abschätzen der erforderlichen Verschiebung der Bezugskurve können jedoch folgende Ansätze verwendet werden:



Zeichen
Größe
SI-Einheit
Rm
mittleres Schalldämm-Maß
dB
Rw
bewertetes Schalldämm-Maß (Einzahlangabe)
dB
LSM
Luftschallschutzmaß (Einzahlangabe)
dB


 

30.1.7     Schalldämmung von Schächten und Kanälen



Die Luftschalldämmung von Schächten und Kanälen wird durch die Schachtpegeldifferenz



bzw. die bewertete Schachtpegeldifferenz DK,w charakterisiert. Die Einzahlangabe DK,w erhält man durch Bewerten der Schachtpegeldifferenz DK (vgl. Kapitel 30.1.3).

Zeichen
Größe
SI-Einheit
DK,w
bewertete Schachtpegeldifferenz [12]
dB
DK
Schachtpegeldifferenz  
dB
LK1
mittlerer Schallpegel 0,5 m vor der Kanalöffnung im Senderaum
dB
LK2
mittlerer Schallpegel 0,5 m vor der Kanalöffnung im Empfangsraum
dB


30.2    Schalldämmung zusammengesetzter Flächen

Sind trennende Bauteile aus mehreren Einzelbauteilen mit unterschiedlichen Schalldämm-Maßen Rw,i zusammengesetzt, so kann man das resultierende Gesamtschalldämm-Maß Rw,res mit Hilfe des mittleren Schalltransmissionsgrades tm berechnen.

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Für den mittleren Schalltransmissionsgrad tm gilt:

oder



Mit dem mittleren Schalltransmissionsgrad läßt sich das resultierende Schalldämm-Maß bestimmen.


Zeichen
Größe
SI-Einheit
Rw,res
resultierendes bewertetes Schalldämm-Maß der Gesamtfläche
dB
Sges
Gesamtfläche der Konstruktion (z.B. Wand mit Tür und Fenster)
m2
Si
Teilfläche i  ( z.B. Türen, Fenster, Rolladenkästen, ...)
m2
Rwi
Schalldämm-Maß der Teilfläche i
dB
ti
Schalltransmissionsgrad der Teilfläche i
-
tm
mittlerer Schalltransmissionsgrad des Gesamtfläche
-







[1]) In Terzbändern.
   
[2]) Einzahlangabe.
   
[3]) Die ISO 140/4[124]kennt neben der Normschallpegeldifferenz Dn noch die nachhallreduzierte Normschallpegeldifferenz Dn,T und entsprechend die bewertete nachhallreduzierte  Normschallpegeldifferenz Dn,T,w. Siehe auch Seite 256.
   
[4])           Herleitung des Schalldämm-Maßes R:


Zeichen
Größe
SI-Einheit
R
Schalldämm-Maß
dB
t
Transmissionsgrad
-
Pe
auftreffende Schallleistung
W
Pt
durchgelassene Schallleistung
W
pH1
Schalldruck im Senderaum
W/m2
pH2
Schalldruck im Empfangsraum
W/m2
S
Trennfläche
m2
A
äquivalente Schallabsorptionsfläche des Empfangsraum
m2
L1 = LH1
Schalldruckpegel im Senderaum
dB
L2 = LH2
Schalldruckpegel im Empfangsraum
dB
   
[5]) Die äquivalente Schallabsorptionsfläche des Empfangsraumes wird i.d.R. durch Messung der Nachhallzeit im Empfangsraum bestimmt.
   
[6]) Schalldämm-Maß mit Schallübertragung über flankierende Bauteile.
   
[7]) D.h.:  („ungünstige“ Abweichung).
   
[8]) D.h.:  („günstige“ Abweichung).
   
[9]) Die Formel gilt analog für R , D , Dn,wund DK,w.
   
[10]) Neben der Normschallpegeldifferenz Dn kennt die ISO 140/4[124]die nachhallreduzierte Normschallpegeldifferenz Dn,T. Es gilt:
Für Wohnräume wird mit einer Bezugs-Nachhallzeit T0 = 0,5 s gerechnet. Dies entspricht einer äquivalenten Bezugsabsorptionsfläche A0 = 0,32 V, wobei V das Raumvolumen des Empfangsraumes in m3 ist. Für die Umrechnung bei bekanntem Volumen gilt nach [124]:
   
[11]) In der Regel durch Messung der Nachhallzeit T im Empfangsraum bestimmt.
   
[12]) Bewertungsverfahren analog zu R bzw. Dn.