Forschungsbereich II: Entwicklungspartnerschaften in Zeiten der SDGs

Fokus: Armutsbekämpfung, Partizipation und Bürgerrechte

► Verantwortung für ausgewählte Ziele, insbesondere Armutsbekämpfung und Ernährungssicherheit
► Neuordnung von Entwicklungspartnerschaften zur Überwindung von Ungleichheit
► Herausbildung bestehender Modelle von Entwicklungspartnerschaften durch "neue Geber"
► Spannungsfeld in den SDGs zwischen wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung auf der einen und bürgerlich-politischen Menschenrechten auf der anderen Seite

Im Teilbereich „Entwicklungspartnerschaften in Zeiten der SDGs“ steht die in den Sustainable Development Goals (SDGs) formulierte Verantwortung für ausgewählte Ziele, insbesondere der Armutsbekämpfung und Ernährungssicherheit, im Vordergrund. Die Herausforderung dieser normativen Ordnung für die Entwicklungszu-sammenarbeit (EZ) der nächsten anderthalb Dekaden zwischen 2015 und 2030 ist groß. Wichtige Leitfragen sind: Wo lassen sich in bestehenden Projekten der EZ gute Praktiken zur Armutsminderung und Ernährungssicherheit identifizieren, die wirksam und nachhaltig sind und zu einer Neuordnung von Entwicklungspartnerschaften, auch im Sinne einer Überwindung von Ungleichheiten, beitragen können? Wird die Verantwortung seitens westlicher Geber tatsächlich relational in Bezug auf das Ownership und die Selbstverantwortung der Akteure vor Ort definiert oder eher top-down vorgegeben?

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Die Forschungen haben Schnittstellen u.a. zur globalen Ungleichheitsforschung am Käte Hamburger Kolleg / Centre for Global Cooperation Research (KHK/GCR21). Der Fokus der empirischen, auf Feldforschung beruhenden Analyse liegt auf der Integration partizipativer, gender-orientierter und sozio-kulturell sensitiver Dimensionen in die normativen Strukturen und operativen Praktiken der Entwicklungszusammenarbeit, wobei der regionale Fokus neben Südostasien maßgeblich auf Subsahara-Afrika liegt. Darüber hinaus stellen Forschungen in dem Feld der SDGs die Frage, wie bestehende Modelle von Entwicklungspartnerschaften durch „neue Geber“ herausgefordert werden, wie insbesondere China, aber auch Indien, dies vorantreiben. Dabei geht es nicht nur, wie häufig betont wird, um neue machtpolitische Rivalitäten, die über das Instrument der Entwicklungszusammenarbeit zwischen „alten“ und „neuen Gebern“ ausgetragen werden. Vielmehr stehen auch die normativen und prozeduralen Standards auf dem Prüfstand, die die OECD-Staaten etwa im Rahmen des Development Assistance Committee (DAC) herausgebildet haben. Führt die neue Umstrittenheit normativer und institutioneller Ordnungen zu einer weiteren Fragmentierung von Entwicklungspartnerschaften? Oder ergeben sich hieraus neue Chancen, dass auch die „neuen Geber“ ihre Verantwortung für die Umsetzung der SDGs im globalen Süden umfassend wahrnehmen?

Im Unterschied zu den wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechten berücksichtigen die SDGs die bürgerlich-politischen Menschenrechte, wie der Zivilpakt der Vereinten Nationen sie definiert, eher beiläufig. Nur SDG 16 zu „Frieden, Gerechtigkeit und Starke Institutionen“, hat einen entsprechenden Schwerpunkt. Jedoch fordern nur verhältnismäßig wenige Unterziele von SDG 16 explizit, dass die bürgerlich-politischen Menschenrechte, wie z.B. die Informationsfreiheit, geschützt und unabhängige nationale Menschenrechtsinstitutionen errichtet werden sollen. Entsprechend spielen hier Fragen der Demokratieförderung und des Menschenrechtsschutzes kaum eine Rolle. Wie aber sind die Trends und Zielkonflikte in diesen Feldern? Wie gestaltet sich die EZ mit Partnerstaaten, die dem Modell des „Entwicklungsstaates“ („developmental state“) folgen, dem weder ein liberales Demokratieverständnis noch die Prinzipien individueller Partizipation und pluraler Repräsentation zugrunde liegen? Bildet sich angesichts der impliziten Prämisse der SDGs, dass es primär um soziale und wirtschaftliche Entwicklung geht, hier eine neue normative Ordnung heraus, deren „Tunnelblick“ auf die Erreichung der SDGs auf Kosten der bürgerlich-politischen Menschrechte geht? Die Forschungen in diesem Bereich verbinden die Analyse von Makro-Daten mit Fallstudien zu konkreter bilateraler Kooperation.

Ausgewählte Publikationen

► Gaesing, Karin/ Herold, Jana 2019: Peacebuilding Starts at Home – Gender-just Access to Land for Escaping Hunger and for Peaceful and Inclusive Societies, in: FriEnt-Study 07/2019 - Land and Conflict Prevention: How Integrated Solutions Can Help Achieve the Sustainable Development Goals. Bonn: FriEnt - Working Group on Peace and Development, 57-61.

► Gaesing, Karin 2019: ETHIOPIA: Sustainable Management of Natural Resources Reduces Poverty and Vulnerability (Good-Practice-Series 14B). Duisburg: Institut für Entwicklung und Frieden.

► Herold, Jana 2019: Improving Smallholders’ Food Security and Resilience to Climate Change in Burkina Faso: The Building Resilience and Adaptation to Climate Extremes and Disasters Programme (BRACED) (AVE-Study 19/2019). Duisburg: Institut für Entwicklung und Frieden.

► Herold, Jana 2019: BURKINA FASO: The Building Resilience and Adaptation to Climate Extremes and Disasters Programme (BRACED) (Good-Practice-Series 19). Duisburg: Institut für Entwicklung und Frieden.

Zuständige Mitarbeiter/innen

Prof. Dr. Tobias Debiel

Raum: LS 120
Telefon: +49 (0)203-379-4421
E-Mail: tobias.debiel@uni-due.de
Mitarbeiterprofil

Dr. Karin Gaesing

Raum: LS 031
Telefon: +49 (0)203-379-3973
E-Mail: karin.gaesing@inef.uni-due.de
Mitarbeiterprofil

Elena Sondermann, M.A.

Raum: LS 033
Telefon: +49 (0)203-379-1916
E-Mail: elena.sondermann@inef.uni-due.de
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Dr. Cornelia Ulbert

Raum: LS 119
Telefon: +49 (0)203-379-4422
E-Mail: cornelia.ulbert@inef.uni-due.de
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