Forschungsbereich III: Widerstand und politische Ordnungsbildung

Fokus: Ursachen, Dynamiken und Folgen gesellschaftlicher Mobilisierung

► Politische Lang- und Kurzzeiteffekte von Protestbewegungen
► Peacebuilding und lokale Widerstände
► Divergierende Pfade politisch-religiöser Mobilisierung

In zahlreichen Ländern organisieren gesellschaftliche Gruppen Widerstandsbewegungen, um politische Veränderungen in ihrem Sinne zu beeinflussen. Im Sudan gelang es 2018/19 einer breiten Demokratiebewegung den Langzeitherrscher Omar al-Baschir zu stürzen, während der Friedensprozess in Kolumbien fast durch eine gesellschaftliche Kampagne zu Fall gebracht worden wäre (2016). Die beiden Beispiele veranschaulichen, dass soziale Mobilisierung sowohl für als auch gegen Frieden oder Demokratie erfolgt. Im Bewusstsein dieser Ambivalenz beschäftigen wir uns im Forschungsbereich „Widerstand und politische Ordnungsbildung“ mit den Ursachen und Folgen gesellschaftlichen Widerstands in Zeiten grundlegender politischer Veränderungen.

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Neben den Erklärungen für die Mobilisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen interessiert uns, welche Proteststrategien von gesellschaftlichen Gruppen angewendet werden. Darüber hinaus berücksichtigen wir, dass internationale Akteure in der  Mobilisierung gesellschaftlicher Gruppen bzw. hinsichtlich der staatlichen Reaktionen auf die Mobilisierung in einer zunehmend vernetzten Welt eine wichtige Rolle spielen. Wir gehen daher in unserer Forschung auch der Frage nach, wann gesellschaftliche Gruppe und/oder der Staat Unterstützung von externen Akteuren zur Mobilisierung/Repression bekommen. Dies schließt die Untersuchung von UN Friedensmissionen mit ein, die oft in einem Spannungsfeld zwischen transnationalen Normen bzw. Zielen internationaler Akteure und der lokalen Wirklichkeit in den Einsatzgebieten agieren.  Beachtung finden dabei neben nationalen auch lokale Akteure (z.B. Chiefs, Clanälteste, NGO-VertreterInnen, aber auch Rebellen). Sie verfolgen häufig eigene Agenden und setzen ihre Vorstellungen von Ordnung und Sicherheit den westlich orientierten Konzepten entgegen. Widerstand untersuchen wir dabei nicht nur in seinen disruptiven Wirkungen, sondern auch mit Blick darauf, wie er selbst zu politischer Ordnungsbildung beiträgt.

Bislang dominiert in der Forschung der Blick auf die Bereitschaft von Individuen oder ganzer Identitätsgruppen (v.a. ethnische Gruppen) zur Mobilisierung. In unseren Projekten gehen wir hingegen einen anderen Weg, indem wir die Rolle gesellschaftlicher Organisationen untersuchen. Gesellschaftliche Organisationen haben die Netzwerke und Ressourcen, die für eine erfolgreiche Mobilisierung unabdingbar sind. Ein Fokus liegt hierbei auf Religionsgemeinschaften, politischen Parteien und Rebellengruppen. Wir untersuchen die einzelnen Aspekte in verschiedenen Projekten mit einem theoriegeleiteten empirischen Ansatz, der qualitative und quantitative Methoden miteinander verbindet.

Ausgewählte Publikationen

► Debiel, Tobias 2018: Pluralisation of Authority in Post-Conflict Peacebuilding: The Re-Assignment of Responsibility in Polycentric Governance Arrangements, in: Ulbert, Cornelia / Finkenbusch, Peter / Sondermann, Elena / Debiel, Tobias (eds.): Moral Agency and the Politics of Responsibility. London/New York: Routledge, 135-150. DOI: 10.4324/9781315201399

► Saalfeld, Jannis 2019: On the Divergent Trajectories of African Islamism: Explaining Salafi Non-Radicalisation in Zanzibar, in: Africa Spectrum (online first). DOI: 10.1177/0002039719887825

► Vüllers, Johannes 2019: Mobilization for Peace: Analyzing Religious Peace Activism, in: Conflict Management and Peace Science (online first). DOI: 10.1177/0738894219875135

► Vüllers, Johannes / Schwarz, Elisa 2019: The Power of Words: State Reactions to Protest Announcements, in: Comparative Politcal Studies, 52: 3, 347-381. DOI: 10.1177/0010414018784059

Zuständige Mitarbeiter/innen

Prof. Dr. Tobias Debiel

Raum: LS 120
Telefon: +49 (0)203-379-4421
E-Mail: tobias.debiel@uni-due.de
Mitarbeiterprofil

Prof. Dr. Christof Hartmann

Raum: LF 325
Telefon: +49 (0)203-379-2046
E-Mail: christof.hartmann@uni-due.de
Mitarbeiterprofil

Jannis Saalfeld, M.A.

Raum: LS 034
Telefon: +49 (0)203-379-3847
E-Mail: jannis.saalfeld@inef.uni-due.de
Mitarbeiterprofil

Dipl. Pol. Angelika Spelten

Raum: LS 118c
Telefon: +49 (0)228-4460-3476
E-Mail: angelika.spelten@inef.uni-due.de
Mitarbeiterprofil

Dr. Johannes Vüllers

Raum: LS 030
Telefon: +49 (0)203-379-4450