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Geschichte

Hochschule | Arbeitsmarkt

Im Zeitraum 1985 bis 1995 hatte sich in den alten Bundesländern die Zahl der erwerbstätigen Historiker (einschl. Ethnologen) verdoppelt (von 11.700 auf 23.500). In den neuen Ländern waren Mitte der neunziger Jahren etwa 5.000 Historiker erwerbstätig (vgl. IAB). Insgesamt waren im Jahr 2000 rund 29.000 Historikerinnen und Historiker in der gesamten Bundesrepublik erwerbstätig (ohne Lehramt). Bis zum Jahr 2018 hat sich die Erwerbstätigenzahl bei ca. 47.000 weiterstabilisiert. Die Arbeitsmarktsituation von Historikern dürfte insgesamt erheblich mit der Einstellungssituation von Gymnasiallehrern - mit dem Fach Geschichte - korrespondieren, weil diese - falls sie keine Anstellung im Schuldienst finden - auf dem Arbeitsmarkt mit den hier in Rede stehenden Historikern konkurrieren. Für die nächsten Jahre wird von den zuständigen Kultusministerien und Schulbehörden die Situation im Hinblick auf das Fach Geschichte trotz des Ersatzbedarfs für in den Ruhestand tretende ältere Geschichtslehrer als eher schwierig eingeschätzt (vgl. NRW-Studie "Chancen im Lehrerberuf bis 2039/40"). Im Wintersemester 2016/17 hat die Zahl aller Fachbelegungen (1.-3. Fach) für den Studienbereich Geschichte (einschl. Lehramt) noch bei 82.997 gelegen und ist danach zwar auf 68.698 gefallen (WS18/19). Allerdings wird die Situation  perspektivisch gesehen angespannt bleiben.

Den großen Anteil an den erwerbstätigen Historikern stellen mit 58 % die 30 - 50jährigen. Etwa ein Viertel der erwerbstätigen Geschichtswissenschaftler ist über 50 Jahre alt. In absoluten Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass hier bis zum Jahr 2022 weniger als 1.000 Erwerbstätige jährlich aus Altersgründen ausscheiden werden. Es liegt dabei die Annahme zugrunde, dass das durchschnittliche Austrittsalter bei 64 liegen wird. Ein Blick auf die Absolventenzahlen von bis zu  ca. 2.000   pro Jahr verdeutlicht, dass die Situation auf dem Arbeitsmarkt auch in Zukunft nicht ohne Probleme bleiben wird. Von den grundständigen Absolventen wird zudem ein erheblicher Teil an entsprechendes Masterstudium anstreben. Die Verschleifungseffekte mit Blick auf einen späteren Arbeitsmarkteintritt werden dann vom Angebot der Masterstudienplätze und von der Arbeitsmarktnachfrage erheblich gesteuert werden. 

Geschichte Erwerbstätige nach Alter

Wie hoch der genaue Anteil der Erwerbstätigen - ohne Lehramt - ist, die hauptberuflich in wissenschaftlichen Einrichtungen wie Hochschulen und Instituten beschäftigt sind, lässt sich gegenwärtig nicht genau bestimmen. Als Vergleichsgröße sei aber hier die Zahl des hauptberuflichen wissenschaftlichen Personals an Hochschulen angeführt: Im Jahr 2016 waren dort 3.246 hauptberuflich  Personen tätig, von denen 743 Professoren gewesen sind. Die Bandbreite der übrigen Einsatzfelder erstreckt sich über Verwaltungsberufe, Lehrtätigkeiten - außerhalb des öffentlichen Schulwesens - bis hin zum Archiv- und Bibliothekswesen. An Bedeutung gewinnen immer mehr Tätigkeiten außerhalb der eigentlichen Wissenschaft. Historiker arbeiten u. a. als Journalisten, Werbe- und Marketingfachleute, Unternehmensberater oder EDV-Berater. Dabei nutzt ihnen das im Studium erworbene "Generalistenwissen". Der überwiegende Teil der Historiker arbeitet im öffentlichen oder privaten Dienstleistungssektor (Verbände, Stiftungen, Medien etc.).  Außerhalb von Schule und Hochschule findet man Historiker in der Erwachsenenbildung, in Museen, bei Verbänden und im Medienbereich. Wer sich inhaltlich ein genaueres Bild machen will, sei auf  H-Soz-u-Kult  verwiesen. 


Ergebnisse zum bisherigen Berufseintritt finden sich in der DZHW  bzw. HIS Studien von Briedis u.a., die deutlich herausstellen, dass sich der Übergang in Erwerbstätigkeiten in den ersten Jahren nicht einfach gestaltet. Beschäftigungen auf der Basis von Werk- und Honorarverträgen sind häufig anzutreffen. Die Zahl der erwerbslosen  Historiker (insgesamt - ohne Lehramtsabschlüsse) hat über den Zeitraum 2014 bis 2018 - laut Mikrozensus Sonderauswertung des Statistischen Bundesamtes (2020) - durchschnittlich bei ca.  2.000 gelegen. Bezieht man diese Zahl auf alle Erwerbspersonen (Erwerbstätige und Erwerbslose) mit dieser Haupftfachrichtung (ohne Lehramt) über den genannten Zeitraum, so resultiert daraus eine Erwerbslosenquote  von 3,6 %. Im Vergleich zur Durchschnittsquote von 2,4%  - alle an deutschen Hochschulen vorzufindenden Hauptfachrichtungen - fällt dieser Anteil  überdurchschnittlich hoch aus.


Geschichte Zielberuf





Historiker sollten daher mit Blick auf spätere Berufschancen neben der fachlichen Qualifikation schon während des Studiums entsprechende Praxiserfahrungen sammeln. Anwendungsbezogene Kenntnisse im Bereich Multimedia, BWL- und Fremdsprachenkenntnisse sind häufig nicht nur Pluspunkte, sondern Voraussetzung gerade für Beschäftigungen außerhalb von wissenschaftlichen und öffentlichen Einrichtungen. Diejenigen, die heute eine Studienwahlentscheidung Richtung Berufswunsch Historiker treffen, sollten sich neben der offenen Arbeitsmarktsperspektive auch darüber im Klaren sein, dass es Absolventen der Geschichtswissenschaften oft erst nach mehrjährigen Übergangsphasen gelingt, adäquate dauerhafte Beschäftigungen zu erreichen.



 


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