Lehramt / Schule

 

Der Teilarbeitsmarkt Schule in Deutschland


Im Folgenden soll anhand der einschlägigen Parameter und Stellungnahmen eine Bestandsaufnahme zur besseren Orientierung vorgenommen werden. Diejenigen, die  2018  oder später ein Lehramtsstudium aufnehmen, werden sich in der Regel erst ab 2025 auf eine Lehrerstelle im öffentlichen Schuldienst bewerben können. Folgt man der aktuellsten Studie zum Thema "Entwicklung der Schülerzahlen in Deutschland", so sind die Zeiten sinkender Schülerzahlen vorbei. Diesen Perspektivwechsel verdeutlicht  eine neue Studie von  Professor Klaus Klemm und Dr. Dirk Zorn. Sie haben die  Folgen steigender Geburtenzahlen und hoher Zuwanderung für die allgemeinbildenden Schulen analysiert und planerisch konkretisiert . 

Kernaussage dieser Studie :

"Der in den nächsten 15 Jahren zu erwartende Schüler-Boom trifft Bildungsverwaltung und Schulsystem weitgehend unvorbereitet. Statt demographischer Rendite kommen erhebliche Investitionen auf Länder und Schulträger zu, weil zehntausende Lehrkräfte und Klassenräume fehlen".  

Nach Schätzung von Klemm / Zorn könnten im Jahr 2025 bereits vier Prozent mehr Kinder und Jugendliche die Schulbank drücken als heute, im Jahr 2030 könnten  es sogar acht Prozent sein.

Bisher galt planerisch in Deutschland das KMK - Szenario, das sich aber schon seit Jahren von der Realität entfernt hatte: Auf der einen Seite sollte sich die Schülerzahl - laut älterer und von ihren Annahmen bereits längst überholter  KMK - Prognose Vorausberechnung der Schüler- und Absolventenzahlen 2012 bis 2025 -  von  12,1 Millionen auf ca. 9,7 Millionen (2006 - 2025) reduziert haben und danach nicht mehr ansteigen.
Bis zum Jahr 2030 zeichnet sich nunmehr eine Stabilisierung bzw. Zunahme bei den für die Schülerzahlen relevanten Altersgruppen ab. Rückblickend hatte Deutschland zwar die niedrigste Geburtenrate weltweit aufzuweisen (1994 - 2013, vgl. dazu Spiegel 2015), vorausschauend ist dies aber nicht auf Dauer so geblieben. Diese demographische Herausforderung ist mit Blick auf eine bedarfsgerechte Lehrerversorgung politisch bisher nicht beantwortet worden und es fehlen von verantwortlicher Seite halbwegs realistische demographische Rahmendaten und darauf aufbauende Bedarfsszenarien.

Beschlossene und revidierte Reformen (Einführung G8/G9, Vorverlegung des Einschulungsstichtages) sind bei den Berechnungen auf Länderebene manchmal in irgendeiner Form bei den "offiziellen Prognosen" einbezogen worden. Inwieweit der Ausbau von Ganztagsschulplätze, die bedarfsgerechte Umsetzung der Inklusion, eine bedarfsgerechte schulische Ausstattung für eingewanderte Flüchtlingskinder und  andere  notwendige Verbesserungen berücksichtigt werden und folglich zur Mehreinstellung von ausgebildeten Lehrern führen wird, bleibt dort aber weitgehend offen. Und es lässt sich in der Tat nur schwer einschätzen, in welchem Umfang zukünftig dafür Lehrerstellen auch wirklich bereitgestellt werden. Dies hängt nach wie vor stark vom zweiten Faktor den zur Verfügung stehenden Finanzmitteln bzw. dem politischen Gestaltungswillen ab.

Welche Dimensionen sich hier auf Landesebene abzeichnen, kann beispielsweise für Baden-Württemberg konkretisiert werden:

Die von Klaus Klemm im April 2017 vorgelegte  - auf aktuellen demographischen Daten basierende - Studie für den Grundschulbereich in Baden -Württemberg kommt bis zum Jahr 2030 auf einen Mehrbedarf von 8.000 zusätzlichen Lehrerstellen in den Klassen 1 bis 4. Überschlägig auf die BRD insgesamt übertragen ergäbe sich alleine für die Grundschulbereich  -  kalkulatorisch - ein Mehrbedarf von über 60.000 Lehrkräften bis 2030. Allenthalben fehlen aber in den meisten Bundesländern konkretere und verbindlichere Perspektivplanungen - geschweige denn eine Finanzplanung, mit der der Schulbereich abgesichert werden kann.

Auf der anderen Seite geht es um die nachhaltige Bereitstellung entsprechender öffentlicher Finanzmittel. Bereits im Jahr 2003 (!) summierten sich allein die Versorgungsausgaben für pensionierte Beamte - von denen Lehrer die größte Gruppe bilden - auf ca. 25 Milliarden Euro. Allein zum Jahr 2020 wird sich dieser feststehende Haushaltsposten - preisbereinigt - kalkulatorisch mindestens verdoppelt haben. Eine ältere von der Stiftung Marktwirtschaft veranlasste Studie "Pensionslasten der Länder" - Prof. Dr. Raffelhüschen (Uni Freiburg) und sporadische  Meldungen (vgl. Focus ,WAZ , FAZ ) zeigen auf, dass durch die Beamtenpensionen in den nächsten Jahrzehnten gerade auf die alten Bundesländer eine immense Belastung zukommt. Nachfolgende Untersuchungen des gleichen Autors verstärken diese Argumentation (Raffelhüschen u.a.). 

So müssen beispielsweise in den Landeshaushalten von Hamburg und Bremen ein Viertel der Steuereinnahmen für die Beamtenpensionen bereitgestellt werden. In NRW und Hessen wäre es jeder fünfte Euro, der per Vorwegabzug im Haushalt für die Pensionen bezahlt werden muss. Dies alles mit steigender Tendenz folgt man den Rahmendaten in den Länderhaushalten. Das Land Berlin beispielsweise hat mit Blick auf die Pensionslasten insgesamt folgende Hypothek - laut Berichterstattung der Berliner Morgenpost - zu schultern: Sämtliche sogenannte schwebende Versorgungsverpflichtungen belaufen sich bis 2050 auf einen gegenwärtigen Wert herunter gerechnet eine Summe von unvorstellbaren 1,36 Billionen Euro. Die vom Bund der Steuerzahler in Auftrag gegebene Studie hat einen Barwert von zukünftigen Zahlungsverpflichtungen errechnet, der für Berlin zwischen 66 und 69 Milliarden Euro liegt – je nachdem, wie sich bis 2050 die Kosten entwickeln. Die Pensionslasten übersteigen damit sogar die Landesschulden, die zurzeit rund 61 Milliarden Euro betragen. Tendenziell erwartet die neuen Bundesländer  das gleiche Problem, allerdings wegen der jüngeren Personalstruktur erst ca. 15 Jahre später. Dass die bisherigen Versorgungsrücklagen dazu nicht ausreichen, lässt sich schon jetzt konstatieren.

Von daher kommen auf die öffentlichen Haushalte in den nächsten Jahrzehnten stetig anwachsende Belastungen aus diesen Pensionsverpflichtungen zu. Vor diesem Hintergrund wird es entscheidend davon abhängen, politische Handlungsfähigkeit zu erhalten und Gestaltungsräume zu schaffen, die mit der Veränderung fiskalischer Rahmenbedingungen einhergehen müssen (z.B. Vermögenssteuer, Lastenausgleiche, höhere Pensionsrückstellungen u.a.).

Politischer Anspruch und Einstellungsrealität im Schuljahr 2017/18

Niemand hat bisher vor dem Hintergrund der immer schwieriger werdenden Haushaltslage in Bund, Ländern und Gemeinden - Stichwort "Schuldenbremse" - die Frage beantwortet, wie eine Sicherung der Schulhaushalte - und diese liegen auf Länderebene - allein im bisherigen Umfang gewährleistet werden kann. Bei Beurteilung der langfristigen Einstellungsperspektiven darf dieses fiskalische Problem nicht ausgeblendet werden. Schulzeitverkürzung, Erhöhung der Wochenarbeitszeit und des Austrittsalters der Lehrer könnten den Einstellungsbedarf in Zukunft erheblich vermindern. Bereits die Anhebung des Unterrichtsdeputates um eine Wochenstunde hätte mit Bezug auf die ca. 800.000 hauptamtlich beschäftigten Lehrkräfte zur Folge, dass sich der Einstellungsbedarf in der Summe dann um mindestens 32.000 Lehrkräfte vermindern würde. 

Insbesondere sollte die Wahl der Schulform/-stufe und die der Fächer mit Blick auf einen sich verengenden Bedarf wohlüberlegt sein. Die Einstellungsrealität in den Ländern zeigt in der Tat ein widersprüchliches Bild, das zwischen politischem Anspruch und schulischer Wirklichkeit immer weiter auseinander fällt.  So sind die Einstellungszahlen von Lehrerinnen und Lehrern in den Jahren von 2003 bis 2008 insgesamt nicht so hoch gewesen, wie von der KMK im Berichtsjahr 2003 prognostiziert worden ist.  Die Daten der KMK 2017 / Einstellung von Lehrkräften 2016 in den öffentlichen Schuldienst zeigen für 2016 allerdings ein klares Überschreiten der 35.000er - Marke  (36.104 Personen im Jahr 2016). Es gibt  aber bisher weder eine Garantie auf  Fortsetzung dieser positiven Entwicklung, noch gibt es verbindliche Zusagen für die erforderlichen Mehrbedarfe langfristig zu leisten (Ausbau von Ganztagsschulplätzen (mehr zu den uneinheitlichen Standards in den Ländern  in der Studie von Klemm/ Zorn ), die bedarfsgerechte Umsetzung der Inklusion, die bedarfsgerechte Ausstattung für eingewanderte Flüchtlingskinder u.a.).
In diesem Kontext lohnt es sich immer, einen Blick in die jeweils  aktuellen - offiziellen Lehrbedarfsprognosen der Bundesländer zu werfen - soweit diese vorhanden sind. Die Bayerische Prognose zum Lehrerbedarf bis 2030 gelangt im Kern zu der Aussage, dass bis 2030 die Bedarfslage nur an Grund- und Hauptschulen (einschl. sonderpäd. Förderung) und Beruflichen Schulen bestehen bleibt. Hingegen wächst das Lehrerangebot insbesondere an Gymnasien überproportional an und zeigt klare Merkmale eines Überangebotes. Die konkreten Meldungen mit Blick auf die tatsächlichen Einstellungen bestätigen die sich verschlechternde Lage in Bayern. Auch die schon ältere  NRW-Studie "Chancen im Lehrerberuf bis 2030" belegt eine ähnliche Entwicklung. Im Grundschulbereich bleiben die Einstellungsaussichten gut.  Für die Schulformen der Sekundarstufe I zeichnen sich noch bessere Einstellungschancen ab, die allerdings durch den erheblichen Überhang aus der Sekundarstufe II teilweise kompensiert werden können.  Für den Sekundarbereich II geht mit Verkürzung der Schuldauer aber der Trend 2013/14 weg vom Bedarf und es entwickelt sich ein Überhang, der in zweiten Hälfte der zwanziger -allein in NRW - die 15.000 Grenze überschreiten könnte (vgl. S.17). Weitere aktuelle Länderprognosen  findet man auf dem Deutschen Bildungsserver.

Die Kultusministerkonferenz hat  im Juni 2015 eine Modellrechnung zum Lehrereinstellungsbedarf und zum Angebot an Lehrerkräften in der Bundesrepublik Deutschland für den Zeitraum 2014 – 2025 vorgelegt. Fazit dieser Rechnung ist, dass es sich weiterhin lohnt, ein Lehramtsstudium aufzunehmen. Studierende sollten jedoch vor Aufnahme eines Studiums beachten, dass es Chancenunterschiede in den westlichen und östlichen Ländern, zwischen Schularten und Fächern gibt. Mit KMK - Beschluss vom 07.03.2013 ist die  länderübergreifende berufliche Mobilität von Lehrkräften  in Deutschland gestärkt worden. Die KMK-Modellrechnung stützt sich auf Angaben der Länder. Sie gehen jeweils aus vom Gesamtbedarf an Lehrkräften, die für die vorhandenen und prognostizierten Schülerzahlen bis 2025 als erforderlich angesehen werden. Der Prognosekorridor der hier in Rede stehenden KMK - Studie verjüngt sich allerdings mit Blick auf das Jahr 2025 erheblich - nämlich auf dann nur noch 20.800. Im Jahresdurchschnitt werden über dreizehn Jahre (2014 - 2025)  ca. 25.200 Personen laut KMK - Prognose eingestellt werden. 

Laut Presse-Mitteilung des  Statistischen Bundesamtes (PA  vom 18.12.2017) lag 2016 der Anteil , der auf Dienstunfähigkeit als Grund für die Pensionierung von Lehrkräften angeführt  wird, bei  12% an den pensionierten Lehrkräfte (2007: 23%). Dies ist der zweittiefste Wert seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 1993 (2014 waren es 11%) gewesen. Weiter wird vom Statistischen Bundesamt konkretisiert: "Rund 25 500 verbeamtete Lehrerinnen und Lehrer wurden im Jahr 2016 in den Ruhestand versetzt. Das waren 2 400 Pensionierungen weniger als 2015 (– 8,6 %). Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, war die Zahl der Pensionierungen von Lehrkräften damit erstmalig seit 2009 wieder rückläufig. 2014 und 2015 war mit jeweils 27 900 Pensionierungen der höchste Wert seit Beginn der statistischen Erfassung im Jahr 1993 erreicht worden.

Seit 2006 hat  sich die Zahl der neu pensionierten Lehrkräfte mit mindestens 18 000 pro Jahr bereits auf einem hohen Niveau bewegt. Ursache hierfür ist, dass zahlreiche Lehrkräfte bis in die 1970er Jahre aufgrund steigender Schülerzahlen infolge des Babybooms eingestellt wurden. Auch wenn der Großteil dieser Lehrerinnen und Lehrer sich mittlerweile im Ruhestand befindet, werden die noch aktiven Lehrkräfte auch in den kommenden Jahren für eine hohe Zahl an Pensionierungen sorgen. " (vgl. Pressemeldung  Statistischen Bundesamtes (PA  vom 18.12.2017). Und es wird  ausdrücklich darauf hingewiesen, dass zu Beginn des Jahres 2017 rund 403 500 ehemalige Lehrkräfte Pensionsbezüge erhalten haben. Dies war gegenüber dem Vorjahr  ein Anstieg um 16 800 Personen oder 4,3 %. Neben den ca. 800.000 hauptamtlich beschäftigten Lehrkräften ist diese auch Zahl mit Blick auf die zu leistenden Personalkosten nicht außer Acht zu lassen.

Der Finanzwissenschaftler Dieter  Vesper kommt in seinem Gutachten Finanzpolitische Entwicklungstendenzen und Perspektiven des Öffentlichen Dienstes in Deutschland  zu dem Ergebnis, dass in Deutschland rund 55.000 Lehrkräfte fehlen. Grundlage der Berechnung sind vergleichende Relationen aus der OECD - Statistik. Die hier konstatierte Unterversorgung  resultiert nicht zuletzt aus der nicht kostenadäquaten Einbeziehung von erforderlichen Maßnahmen im Rahmen von Ganztagsschulausweitung, Inklusionsnotwendigkeiten u.a.. Derartige Mehrbedarfe spielen aber bislang in den recht konkreten Prognosen der großen Bundesländer keine erkennbare Rolle. Ebenfalls sei hier noch auf eine ältere Prognose verwiesen: Klaus Klemm kommt in seiner älteren Modellrechnung Zur Entwicklung des Lehrerinnen- und Lehrerbedarfs in Deutschland zu dem Ergebnis, dass es in den kommenden Jahren sogar Probleme geben könnte, den derzeitigen Stand der Lehrerversorgung zu halten. 


Prognoseunsicherheiten werden durch Bachelor und Master größer

Die Umstellung der grundständigen Lehrerbildung auf Bachelor- und Master (BA/MA)-Studiengänge sind von Anfang in den Bundesländern unterschiedlich stark vorangetrieben worden. Das konsekutive oder auch gestufte Studienmodell Bachelor/Master besteht in der Regel aus Bachelor (6 Semester) und Master (4 Semester), das heißt, schon nach sechs Semestern wird - formal - ein erster, berufsqualifizierender Abschluss' erworben. Wer Lehrer werden möchte, muss nach dem Bachelorabschluss den Lehrermaster machen. Das Studium ist modular aufgebaut und offen für unterschiedliche Berufsfelder. Die fundierte Ausbildung in Kern- und Nebenfach sichert Übergangsmöglichkeiten zu anderen akademischen Ausbildungsgängen und Abschlüssen. Informationen zur Umstellung auf Bachelor- und Master-Abschlüsse gibt es auch unter Lehrerausbildung in einzelnen Bundesländern. Einen aktuellen Einblick über den tatsächlichen Umsetzungsprozess der neuen Studiengänge für die Lehrerausbildung an den deutschen Hochschulen erhält man über die Informationsplattform der Zentren für Lehrerbildung.

Wie schon gesagt sind von der neuen Vielfalt der Möglichkeiten, die gestuften Studiengänge auf die Lehrerausbildung an Universitäten anzuwenden, nicht nur die Berater verunsichert sondern in zunehmenden Maße auch potentielle Kandidaten für den Lehrerberuf. Mit dem Bachelorabschluss allein kann keine lehrerspezifische Befähigung für den zukünftigen Schuldienst erworben werden. Um Lehrer zu werden, ist ein  Masterabschluss an einer Universität oder gleichgestellten Hochschulen von mindestens zwei Fachwissenschaften und von Bildungswissenschaften in der Bachelorphase sowie in der Masterphase in der Regel erforderlich. Die Übergangsbedingungen in die Masterphase sind aber weder auf Bundesebene noch auf Länderebene eindeutig bzw. einheitlich geregelt. Inwieweit hier alleine der Bachelornotendurchschnitt einen Masterplatz garantieren kann, bleibt aufgrund der kapazitären Verflechtungen zwischen den Studiengängen nach wie vor unklar. Auf die weitgehend ungelöste Übergangsproblematik hat bereits Michael Weegen frühzeitig in seinem Aufsatz Bachelor- und Master: Übergänge zwischen strukturellen Verwerfungen und kapazitären Fallstricken hingewiesen. 

Die Rechtssprechung der Verwaltungsgerichte tendiert seit einiger Zeit aber immer stärker dazu, dass ein erfolgreiches Bachelorstudium für ein Lehramt den Rechtsanspruch auf einen notenunabhängigen Zugang zum Masterstudium eröffnen soll.

Die sehr unterschiedlichen Entwicklungen zur strukturellen Umgestaltung der Lehrerausbildung in Deutschland sind  anschaulich in dem Artikel 'Vom Uni-Seminar ins Klassenzimmer' der Wochenzeitung Die Zeit dargestellt worden. Weiter werden die sehr unterschiedlichen Ausbildungsprofile  im Überblick auf dem Deutschen Bildungsserver  und beim Monitor Lehrerbildung ständig aktualisiert. Während einige Bundesländer bereits die Umstellung auf die gestuften Studiengänge Bachelor und Master weitgehend vollzogen haben, sind andere beim Staatsexamen geblieben (Sachsen, Mecklenburg  - Vorpommern / z.T. Thüringen, Bayern, Sachsen - Anhalt) Bei Beibehaltung der Modularisierung und der studienbegleitenden Modulprüfungen bleibt die universitäre Staatsexamensprüfung  somit  verbindlich.


Entwicklung von Studienanfänger, Studierende, Absolventen und Einstellungen - Lehramt Deutschland

Eine nicht vollständige statistische Berücksichtigung von Bachelorstudierenden  bzw. die Umstellung traditioneller Studiengänge auf gestufte Formen führt auf Dauer zu erheblichen  Problemen mit Blick auf eine langfristige Einschätzung des Lehrerteilarbeitsmarktes. Seit einigen Jahren bestehen bereits statistische Zuordnungsprobleme von Bachelorstudierenden, die eine Lehrerausbildung anstreben oder diese erst nach Beendigung ihres ersten Studienabschnittes wählen. Aufgrund verschiedener Studiengangsoptionen beim Bachelor ist eine Eindeutigkeit für ein späteres Masterstudium (Lehramt) nicht vollständig ablesbar. Ungeklärt bleibt weiter, ob beim Masterübergang langfristig nicht doch mit Quotierungen für Lehramtsmaster  an den Hochschulen zu rechnen ist. Aufgrund der derzeitigen uneinheitlichen und  unklaren Regelungen für ein Lehrermasterstudium wird damit eine langfristige Prognose zur Höhe der zukünftigen Lehramtsabsolventen immer schwieriger, weil man nicht genau weiß, wie viele dieser Studenten letztlich ein Lehramt anstreben bzw. anstreben können. 

Bei den weiter unten dargestellten Studierendenzahlen ist ein hochgerechneter bzw. geschätzter Anteil von Bachelorstudierenden abgebildet worden. Dieser Anteil, der aber nicht zwingend lehramtsspezifisch ausgewiesen sein muss, wird vor dem Hintergrund einer späteren Entscheidung zum Master mit Lehramtsprofil  als potentieller Lehramtsstudierendenanteil gewertet. Da  der anschließende Übergang bzw. die entsprechende Quote zum Master ungeklärt ist, bewegen sich die Studienanfängerzahlen für spätere Lehramtsabschlüsse in einer Bandbreite, die nur schwer zu erfassen ist.  Die Größen bleiben zu ungenau, um auf der Basis von Studienanfängerzahlen einen langfristigen Prognosehorizont  zu entwickeln. Auch die 'Marktlage'  bzw. die Einstellungssituation in den Schuldienst dürfte einen erheblichen Einfluss auf die zukünftigen Zugänge in den Lehramtsmaster haben. 

Die nachfolgenden Studierendenzahlen zeigen einschl. des geschätzten Bachelorpotentials den gegenwärtigen Gesamtbestand von Lehramtstudierenden in Deutschland. Insgesamt liegt dieser für die Lehramtstudiengänge  2016/17 bei ca. 210.000 Studierenden. Bei den Absolventen hingegen fällt die Zuordnung mit Blick auf den erforderlichen Masterabschluss (bzw. Staatsexamen) eindeutiger aus und erreicht - ohne Bachelorabschlüsse  -  ca.  32.000 ein sehr hohes Niveau im aktuellen Betrachungszeitraum. Die Einstellungen in den Vorbereitungsdienst bewegen sich seit 2009 auf diesem Niveau. Die Zahl der Einstellungen unterschreitet hingegen  im Jahr 2010 die 30.000er -Marke und senkt sich leicht ab dem Jahr 2013 ab. Im Jahr 2016 erfolgt aber ein immer deutlicherer Anstieg mit ca. 36.000 Neueinstellungen (Personen, siehe vorletzte Grafik auf dieser Seite weiter unten). 
Die 'Marktlage'  bzw. die Einstellungssituation in den Schuldienst dürfte einen erheblichen Einfluss auf die zukünftigen Zugänge in den Lehramtsmaster haben. Und es wird kaum wahrgenommen, dass bereits seit mehreren Jahren einige Bundesländer einen harten Numerus Clausus für den Zugang ins Referendariat eingeführt haben. Inwieweit derartige Maßnahmen nur eine verzögernde Wirkung haben oder zur finalen Abschreckung vom Lehramtsstudium insgesamt führen, bleibt offen. 

Lehramt Studierendenstatistik

Lehramt Absolventenstatistik

Lehramt Einstellung in den Schuldienst alte Länder

Arbeitslose Lehrer (2. Staatsexamen)

Lehramt Arbeitslosenstatistik Zielberuf


Vor dem Hintergrund der Arbeitsmarktperspektiven für Lehrer darf aber eine wichtige Frage zum Lehrerberuf nicht ausgeblendet werden - nämlich die Berufseignung und Berufsneigung.
Selbsterkundungs-Verfahren zum Lehrerberuf: Lehrer werden?

Zentralen Ergebnisse einer  empirischen Längsschnittstudie der Universität Frankfurt wiegen mit Blick auf eine falsche Studienwahl und eine nicht ausreichende Beratung schwer: Bereits nach den ersten vier Berufsjahren fühlten sich zehn Prozent der befragten Lehrer stark überfordert. Eine nicht unbeträchtliche Gruppe von 25 Prozent aller Studienanfänger wollte eigentlich nie Lehrer werden und empfand die Studienwahl nur als Notlösung (vgl. Rauin 2007, zusammenfassende Infos) . Fast die Hälfte dieser Gruppe stieg wieder aus, sobald sich ihr eine Alternative bot. Und obwohl sich bereits nach sechs Semestern viele Studierende in Bereichen wie berufsbezogene Persönlichkeitsmerkmale, Engagement im Studium, berufliche Motivation und fachliches Wissen selbst schlechte Noten gaben, hielten sie am Berufsziel Lehrer fest (vgl. Rauin). Dieser Entschluss gilt dann in der Regel für ein ganzes Berufsleben. Bei der in der Untersuchung vorgenommenen Selbstbewertung der Lehramtsstudierenden kristallisierten sich drei Idealtypen heraus: "Riskant Studierende": Berufsbezogenen Persönlichkeitsmerkmale werden von Ihnen selbst skeptisch beurteilt. Eigentlich haben sie das Lehramtsstudium gewählt, weil sie keine bessere Alternative fanden. "Die Engagierten": Sie investieren viel ins Studium, lehnen hedonistische Gründe für die Lehrerwahl klar und arbeiten bereits in Seminaren intensiv mit. "Die Pragmatiker": Sie integrieren sich ins Studium über soziale Beziehungen zu Kommilitonen und weniger über themenbezogene Mitarbeit in Seminaren. Das Studium war aber keine Notlösung - sondern man investiert einfach weniger (vgl. Rauin 2007). Als Quintessenz empfehlen die Forscher, dass mehr in die Beratung der Studienanfänger investiert werden sollte, damit diese ihre Wahl noch einmal kritisch ins Auge fassen können. In diesem Kontext wird auf das einzig empfehlenswerte internetbasierte Instrument verwiesen, dass zur ersten Selbstüberprüfung - mit Blick auf die Wahl des Lehrerberufes - herangezogen werden kann: Neben vielen Informationen bietet insbesondere das Projekt CCT - internetgestützte Laufbahnberatung für (angehende) LehrerInnen Selbsterkundungs-Verfahren an, mit denen man testen kann, ob man die persönlichen Voraussetzungen für den Lehrerberuf mitbringt. Jedem, der den Lehrberuf ins Auge gefasst hat, sei dieses Projekt zur ersten Selbsterkunkung empfohlen: Viele Fähigkeiten und Erfahrungen erwirbt man sicherlich erst durch die Ausbildung zum Lehrer. Auch kann man auf sehr unterschiedliche und individuelle Weise ein 'guter Lehrer' oder eine ,gute Lehrerin'sein. CCT möchte den Ratsuchenden zu einer befriedigenden und erfolgreichen Lehrer-Berufslaufbahn begleiten und unterstützen und betont deshalb ausdrücklich: "Es gibt bestimmte grundlegende Persönlichkeitsdimensionen und Interessen, die für das Lehramt förderlich sind" - genau diese lassen sich mit den aufschlussreichen Tests von CCT einfach feststellen. Auch bei einer späteren individuellen persönlichen Beratung, die für unverzichtbar gehalten wird, hat man dann bereits erste konkrete Orientierungsergebnisse. 

Der Monitor Lehrerbildung stellt die Vielfalt des Lehramtsstudiums ersten Phase der Lehrerbildung überschaubar dar. Er bietet aktuelle und ausführliche Informationen  für faktenbasierte  Entscheidungen der Studienwahl zum Lehramtsstudium.
Mit Blick auf einzelne Bundesländer bietet das Portal des Deutschen Bildungsservers Lehrer werden einen guten Überblick. Dieses Portal möchte angehende Lehrerinnen und Lehrer auf ihrem Weg von der Studienentscheidung bis zu den ersten Berufsjahren begleiten. Es bietet für die Vielzahl von Fragen erste Informationen über Länder- und Universitätsgrenzen hinweg.