Unsere Forschung beschäftigt sich mit kognitionspsychologischen Grundlagen des menschlichen Entscheidungsverhaltens. Im Fokus steht Grundlagenforschung zu den beiden Themenschwerpunkten Entscheidungsfindung (Decision Making) und Verhaltenssüchte (Behavioral Addictions). Dabei arbeiten wir mit experimentalpsychologischen Ansätzen unter der Entwicklung und Verwendung verschiedener experimenteller Paradigmen, Testverfahren und Fragebögen (Methoden).

Unsere Erkenntnisse und Methoden aus der Grundlagenforschung finden zudem in verschiedenen Anwendungsgebieten Verwendung: Schwerpunktmäßig widmen wir uns psychologischen Aspekten der Internetnutzung (Internet use) und untersuchen, welche Aufmerksamkeitsprozesse und Kompetenzen (Awareness & Knowledge) nötig sind, um vorteilhafte Entscheidungen treffen und bestimmte Technologien sicher und gewinnbringend nutzen zu können, sowie negative Konsequenzen für sich selbst oder beteiligte Personen zu vermeiden. Im Rahmen verschiedener Drittmittelprojekte befassen wir uns beispielsweise mit Themen wie Sicherheit bei der Nutzung von Informationstechnik (IT-Security), bei der Nutzung sozialer Medien (Social Media) oder beim Autofahren. Auf der anderen Seite untersuchen wir, welche Faktoren und Mechanismen bedingen, dass ein besonders riskantes Entscheidungsverhalten oder eine dysfunktionale Nutzung vorliegt. Aus den Ergebnissen unserer Grundlagen- und anwendungsbezogenen Forschung lassen sich prinzipiell Schlussfolgerungen für präventive Maßnahmen und Interventionen (Prevention & Intervention) ableiten. Unser Interesse besteht daher auch in der Entwicklung und Evaluation präventiver und protektiver Maßnahmen.

Grundlagenforschung

Decision Making

Menschen treffen jeden Tag zahlreiche Entscheidungen sowohl in der Freizeit als auch im Privat- und Berufsleben. Die Fähigkeit, funktionale und damit vorteilhafte Entscheidungen zu treffen, ist von großer Bedeutung für nahezu alle Lebensbereiche. Unsere Forschung im Bereich „Decision Making“ beschäftigt sich hauptsächlich mit kognitiven und emotiven Prozessen, die dem Entscheidungsverhalten zugrunde liegen. Unser Ziel ist es, die Mechanismen zu verstehen, die funktionales und dysfunktionales Entscheidungsverhalten vorhersagen. Für unsere experimentellen Studien nutzen wir u.a. neuropsychologische Entscheidungsaufgaben und physiologische Messmethoden wie funktionelle Hirnbildgebung.

AnsprechpartnerInnen:
Dr. Magnus Liebherr
Dr. Silke M. Müller

Behavioral Addictions

Verhaltenssucht bezeichnet exzessive und unkontrollierte Verhaltensweisen wie beispielsweise pathologisches Glücksspiel, pathologisches Kaufen oder hypersexuelles Verhalten. Darüber hinaus wird seit einigen Jahren diskutiert, inwieweit auch eine unkontrollierte oder pathologische Nutzung des Internets bzw. einzelner Internetapplikationen einen Suchtcharakter haben kann. Insgesamt gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass diese Störungen Substanzabhängigkeiten ähneln, weswegen sich in den letzten Jahren auch der Begriff der Verhaltenssüchte zunehmend durchgesetzt hat. Da es allerdings weiterhin großen Forschungsbedarf hinsichtlich zugrundeliegender Mechanismen von Verhaltenssüchten gibt, wird diese Frage in Studien unseres Lehrstuhls und unseres Forschungszentrums (CeBAR) aufgegriffen.

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Internetsucht

Innerhalb unseres Forschungsschwerpunktes Behavioral Addictions, beschäftigen wir uns insbesondere mit dem Themenbereich der Internetsucht (auch „Internetbezogene Störungen“). Internetsucht beschreibt die exzessive Nutzung des Internets im Allgemeinen (generalisierte Internetsucht) beziehungsweise einer bestimmten Online-Anwendung, z.B. Online-Shopping, Internet-Pornographie, Online-Kommunikationsanwendungen oder auch Online-Games (spezifische Internetsucht). Betroffene erfahren meist einen Kontrollverlust aufgrund ihrer Nutzung und negative Konsequenzen im Alltag. Im Rahmen unserer Forschung beschäftigen wir uns modellgeleitet mit den Interaktionen zwischen spezifischen Prädispositionen, kognitiven Funktionen, sowie affektiven Reaktionen (cue reactivity und craving), die mit einer unkontrollierten Nutzung assoziiert werden können. Dabei werden experimentelle Paradigmen aus der Suchtforschung eingesetzt und adaptiert.

 

Weitere Verhaltenssüchte

Über Internetsucht hinaus, erforschen wir auch weitere suchtartige Verhaltensweisen, wie z.B. pathologisches Kaufen (auch Kaufsucht oder Kaufzwang), pathologisches Glücksspiel, sowie exzessives Essen oder Sporttreiben. Betroffene setzen das Verhalten fort, trotz negativer Konsequenzen wie einem hohen Leidensdruck oder auch sozialen, beruflichen und finanziellen Problemen. Auch hierbei fokussiert unsere Forschung zugrundeliegende Mechanismen (z.B. Cravingreaktionen und dysfunktionales Entscheidungsverhalten) als mögliche Faktoren der Entstehung und Aufrechterhaltung, die Aufschluss darüber geben können, ob und inwieweit sich derartige Verhaltensweisen den Verhaltenssüchten zuordnen lassen. Hierzu werden auch Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu Substanzabhängigkeiten, sowie zu entsprechenden Verhaltensweisen im Internet untersucht.

 

AnsprechpartnerInnen:
Stephanie Antons
Jaro Pekal
Dr. Patrick Trotzke
Dr. Elisa Wegmann

Methoden

Experimentelle Paradigmen & Diagnoseverfahren

Kernstück unserer Forschung ist das experimentalpsychologische Arbeiten, wobei experimentelle Paradigmen, Testverfahren und Fragebögen eingesetzt werden. Zusätzlich zu den so erhobenen Verhaltensdaten wird ein breites Methodenspektrum eingesetzt, um zugrundeliegende Mechanismen des Erlebens und Verhaltens zu untersuchen. So werden peripherphysiologische Methoden eingesetzt, um Veränderungen der Herzrate oder der Hautleitfähigkeit zu erfassen. Mittels der Erhebung von Speichelproben lassen wir Stresshormone auswerten. Darüber hinaus sind wir angebunden an das Erwin L. Hahn Institute for Magnetic Resonance Imaging (ELH)in Essen. Dort können Stoffwechselvorgänge des Gehirns mittels 7-Tesla fMRT sichtbar gemacht werden. Neben dem Einsatz physiologischer Messmethoden und bereits existierender psychometrischer Messverfahren, steht die Entwicklung, Erstellung und Modifikation eigener experimenteller Paradigmen, Tests und Fragebögen im Vordergrund, mit dem Ziel, geeignete Maße zur Testung spezifischer (neuartiger) Fragestellungen und Konstrukte zu entwickeln.

Anwendungsgebiete

Im Kontext unserer Forschungsschwerpunkte Entscheidungsverhalten ("Decision Making") und Verhaltenssüchte ("Behavioral Addictions") adressieren wir in einzelnen Studien Aspekte von Verhaltensweisen, die potentiell negative Konsequenzen für betroffene oder beteiligte Personen mit sich bringen können. Die Methoden und Erkenntnisse der Grundlagenforschung können dabei auf verschiedene Themengebiete angewendet werden.

Unsere Forschung widmet sich der Frage, welche Aufmerksamkeitsprozesse und Kompetenzen nötig sind, um vorteilhafte Entscheidungen treffen und bestimmte Technologien sicher und gewinnbringend nutzen zu können und dabei negative Konsequenzen für sich selbst oder beteiligte Personen zu vermeiden. Ein Schwerpunkt unserer Forschung bezieht sich auf die Internetnutzung und diesbezügliche funktionale und dysfunktionale Verhaltensweisen, z.B. Cyberbullying, IT-Sicherheit, (pathologisches) Online-Shopping oder (pathologische) Social-Media Nutzung.

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Im Rahmen der Internetnutzung untersuchen wir, inwiefern ein kompetenter Umgang und selbstregulierende Fähigkeiten mit dem Internet (Internetnutzungskompetenz) präventiv dysfunktionalen Verhaltensweisen, wie beispielsweise einer spezifischen Internetsucht oder Cyberbullying, entgegenwirken können. Diese Fragen wurden insbesondere in einem Kooperationsprojekt mit der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen untersucht.

Darüber hinaus beschäftigen wir uns in verschiedenen Projekten mit der Erforschung des Entscheidungsverhaltens und weiteren Prädiktoren für eine funktionale Nutzung von Technologien unter aktuell relevanten Aspekten, wie z.B. IT-Sicherheit, Nachhaltigkeit oder altersgerechten Systemen, mit dem Ziel innovativer Lösungsansätze. Beispielsweise untersuchten wir Aufmerksamkeits- und (Kauf-) Entscheidungsprozesse zur Gestaltung nachhaltiger Logistikdienstleistungen (Projekt ILoNa), sowie zur Gestaltung innovativer Fahrzeugkonzepte im Kontext der Elektromobilität (Projekt DesignStudio NRW) und des altersgerechten Fahrens (Projekt ALFASY), welche durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und EFRE.NRW gefördert wurden.

IT-Sicherheit ist ein weiterer Faktor, bei dem individuelle Kompetenzen und Aufmerksamkeitsprozesse eine bedeutende Rolle spielen, da der Faktor Mensch als Schwachstelle eines solchen Systems noch vernachlässigt wird, obwohl Angriffe zunehmend genau auf dieses Ziel ausgerichtet werden. Mit der Erforschung, welche situativen Aspekte, individuellen Kompetenzen sowie kognitiven Prozesse auf die menschliche Wahrnehmung und auf das Verhalten in IT-sicherheitsrelevanten Situationen haben, beschäftigte sich vor allem das vom BMBF geförderte Kooperationsprojekt „IT-Security Awareness Penetration Testing“ (ITS-APT). Mit den Themen der Preisgabe persönlicher Daten im Internet und daraus entstehender Risiken beschäftigen wir uns darüber hinaus im Rahmen des vom BMBF geförderten Projekts „Effektive Information nach digitalem Identitätsdiebstahl“ (EIDI), sowie im Rahmen des vom DFG geförderten Graduiertenkollegs „User-Centered Social Media“ (UCSM).

Unter Drittmittelprojekte finden Sie weitere Informationen und AnsprechpartnerInnen zu den jeweiligen Projekten.

Aus dem Bereich der Grundlagenforschung zum Thema Verhaltenssüchte streben wir ebenfalls nach der Übertragung von Erkenntnissen und Schlussfolgerungen auf verschiedene Anwendungsgebiete (z.B. spezifische Verhaltenssüchte oder andere riskante Verhaltensweisen online und offline), sowie nach der Ableitung von Methoden zur Prävention und Intervention. Dieser Forschungsschwerpunkt wird vor allem im Rahmen des an unseren Lehrstuhl angegliederten Center for Behavioral Addiction Research (CeBAR) adressiert.