Erschaffen einer Kultur – gemeinsam, digital

Von Stefanie Steinmetz und Charlotte Staudinger

Felix Stalder ist Schweizer Kultur- und Medienwissenschaftler und doziert aktuell als Professor für Digitale Kultur und Theorien der Vernetzung an der Zürcher Hochschule der Künste. Ebenso ist er Mitglied des World-Information-Instituts in Wien. Stalder setzt sich thematisch mit dem Wechselverhältnis von Gesellschaft, Kultur und Technologie auseinander und legt seine Forschungsschwerpunkte unter anderem auf Digitalität, Kontrollgesellschaft und Subjektivität. Dazu verfasste und veröffentlichte er bereits einige Bücher und Artikel, wie zuletzt das Buch „Kultur der Digitalität“ in 2016, woraus hier ein Ausschnitt vorgestellt werden soll.

Austausch in digitalen Gemeinschaften

In „Kultur der Digitalität“ befasst sich Stalder mit dem Begriff der „Gemeinschaftlichkeit“. Grundsätzlich ist der Mensch ein soziales Wesen, welches sich als Einzelner an anderen Menschen orientiert. Nur im kommunikativen Austausch mit anderen versteht der Mensch die Bedeutungen seiner komplexen Umwelt und ist fähig im Zuge dessen zu handeln. Stalder führt den Begriff der „gemeinschaftlichen Formationen“ (Stalder 2016, S. 129) ein. Diese Formationen bilden einen sozialen Raum zum kommunikativen Austausch. Sie entstehen in gewissen Praxisfeldern, sei es beispielsweise auf verschiedenen Social-Media-Plattformen, Blogs, Internetforen oder in sozialen Gruppen, wie etwa in der Familie und Freundesgruppen, Sportvereinen, Betrieben und Parteien.

„Alle Mitglieder sind aktiv an der Konstituierung dieses Felds beteiligt, deshalb die Betonung der Praxis.“

Stalder (2016), S.136

In diesen Feldern herrscht ein offener und strukturierter Austausch zwischen den Akteuren, jeder bringt dabei unterschiedliche Wissens- und Erfahrungsstände. So kann gemeinsam ein interpretativer Rahmen entwickelt, erhalten und verändert werden. Stalder bezieht sich hierbei auf die Community of Practice nach Lave und Wenger (1991). In den gemeinschaftlichen Formationen erhalten die Handlungen der Mitglieder sowie gewisse Objekte und Prozesse eine feste Bedeutung und Verbindlichkeit. So erschaffen sich die Akteure gemeinsam eine „kulturelle Homogenität“ (Stalder 2016, S. 162). Dazu tragen die verschiedenen Mitglieder Wissen, Ressourcen, Interpretationen usw. zusammen, mit denen wiederum neue Wissens- und Handlungsmöglichkeiten eröffnet werden können. Da Kommunikation hier eine bedeutende Rolle spielt, muss der Einzelne innerhalb der Gemeinschaft stets aktiv kommunizieren, um in seinem Feld für die anderen Mitglieder sichtbar zu bleiben (Stalder 2016, S.135).

Praktiken der Kommunikation

Um die vielfältige Kommunikation mit anderen Mitgliedern zu bewahren, wird mit Hilfe digitaler Technologien kommuniziert. Das bedeutet: durch digitalen Austausch, wie z.B. über E-Mails, Posts, Blogs, Updates, können die Möglichkeiten zu Kommunizieren erweitert und somit der informelle Austausch zwischen den Mitgliedern abgesichert werden. Der Einzelne möchte durch seine Präsenz und Verfügbarkeit eine soziale Existenz entwickeln und gleichzeitig die Anerkennung der anderen Mitglieder erhalten. Ist er erfolgreich dabei, zeigt sich dies durch Feedback der Mitglieder in der Formation. Dieses kann dabei positiv oder negativ ausfallen, ebenso ist das Ausbleiben einer Reaktion als Feedback zu deuten. Die anzustrebende Anerkennung kann sich bereits in einen simplen Like zu einem online geposteten Beitrag äußern. Dem Akteur wird bestätigt, dass er einen Empfänger hat, somit eine aktive Kommunikation besteht und er demnach im Feld gesehen wird.

Um die vielfältige Kommunikation mit anderen Mitgliedern zu bewahren, wird mit Hilfe digitaler Technologien kommuniziert. Das bedeutet: durch digitalen Austausch, wie z.B. über E-Mails, Posts, Blogs, Updates, können die Möglichkeiten zu Kommunizieren erweitert und somit der informelle Austausch zwischen den Mitgliedern abgesichert werden. Der Einzelne möchte durch seine Präsenz und Verfügbarkeit eine soziale Existenz entwickeln und gleichzeitig die Anerkennung der anderen Mitglieder erhalten. Ist er erfolgreich dabei, zeigt sich dies durch Feedback der Mitglieder in der Formation. Dieses kann dabei positiv oder negativ ausfallen, ebenso ist das Ausbleiben einer Reaktion als Feedback zu deuten. Die anzustrebende Anerkennung kann sich bereits in einen simplen Like zu einem online geposteten Beitrag äußern. Dem Akteur wird bestätigt, dass er einen Empfänger hat, somit eine aktive Kommunikation besteht und er demnach im Feld gesehen wird.

Freiheit und Zwang

„Wer »freiwillig« Konventionen akzeptiert, erhält Zutritt zu einem Praxisfeld, in dem er aber unter Umständen strukturell benachteiligt ist.“

Stalder (2016), S. 157

Stalder nennt, in Bezug auf die inneren Strukturen einer „Community of Practice“, ebenso die „Macht der Soziabilität“: Mitglieder unterwerfen sich freiwillig gewissen Protokollen, welche anhand von Regeln, Sichtweisen und Handlungsmustern vorgeschrieben werden. Je größer die Akzeptanz eines Protokolls innerhalb der Gemeinschaft ist, desto größer ist die Pflicht der Mitglieder, sich an dieses zu halten. So soll die kulturelle Homogenität gesichert werden.

Das bedeutet: obwohl sich Mitglieder einer Formation freiwillig anschließen und demnach authentisch verhalten, unterliegen sie dem Zwang gewisse Regeln und Pflichten einzuhalten. So sollte beispielsweise die Sprache einer Formation beherrscht und richtig verwendet werden, um sich den Zugang der zirkulierenden Ressourcen zu gewährleisten. Ist dies nicht der Fall, kann keine erfolgreiche Kommunikation zu anderen Akteuren des Feldes erfolgen. Somit geht das Mitglied das Risiko einer Eliminierung ein. Des Weiteren kann es passieren, dass bestimmte Mitglieder unter gewissen Umständen Diskriminierungen in ihrem Praxisfeld erfahren. So könnte etwa das weibliche Geschlecht in einem männerdominierten Praxisfeld, wie in vielen technischen und handwerklichen Bereichen, auf Grund geringer Frauenquoten und mangelndem Respekt, eingeschränkt werden.

„Es besteht zwar die Wahl, aber frei ist sie nicht.“

Stalder (2016), S. 159

Das Mitglied steht vor der Entscheidung die Ausgrenzung der anderen Mitglieder hinzunehmen um somit weiterhin Zugang zu Ressourcen und Wissensständen zu erhalten, oder das Praxisfeld zu verlassen und außen vor zu bleiben.

Der vorliegende Beitrag ist im Bachelor-Seminar „Digitale Kommunikation“ (WiSe 2019/20) entstanden. Weitere Informationen zum Seminar finden Sie hier.

Lektüregrundlage:
Stalder, Felix (2016): Kultur der Digitalität. Berlin: Suhrkamp, S. 129-164.

https://de.wikipedia.org/wiki/Felix_Stalder (Stand: 30.10.2019).

Lave, Jean; Wenger, Etienne (1991): Situated Learning. Legitimate Peripheral Participation. Cambridge: Cambridge University Press. Altmann, Gerd: human, 2017.

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Eine Antwort

  1. 21. September 2020

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