Mummy Blogs und der Einfluss ihrer Leser

Von Iveta Ivanova, Jiayu Zhong, Laura Fischer, Tabea Thiele

Blogger Mütter, die alles über ihr Leben mit ihren Kindern in der Öffentlichkeit preisgeben, unterscheiden sich manchmal von dem traditionellen Bild der Mutter, das der Leser kennt. Der Blog als ein soziales Netzwerk bietet eine bunte Plattform an, auf der jeden Tag Mutter-Kinder-Theaterstücke aufgeführt werden. Diese Plattform bietet auch eine Transparenz an, die eine soziale Überwachung durch den Leser legitimiert. Er kann Beiträge, die er interessant findet oder für umstritten hält, kommentieren und weiterleiten. Dadurch können die Blogger Mütter Unterstützung erhalten oder Opfer von Hassreden werden.

Konfessionelles Bloggen nach Kate Orton-Johnson

Kate Orton-Johnson ist eine Dozentin für Soziologie an der School of Social and Political Science der University of Edinburgh. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf den Schnittstellen von Technologie, Kultur und Alltag. Sie befasst sich in diesen Bereichen u.a. mit der digitalen Kultur, digitaler Ethnographie, Blogging und vermittelter Elternschaft, sozialen Medien und digitalen Methoden.
In dem Artikel „Mummy Blogs and Representations of Motherhood: ‚Bad Mummies‘ and ‚Their Readers‘ ”aus dem Jahr 2017 befasst sich Kate Orton-Johnson mit der Darstellung der Mutterschaft auf Mummy Blogs und der damit verbundenen sozialen Überwachung durch die Leser. Schwerpunkt sind die Leserreaktionen auf „bad“ und „slummy” mummies.

„[…] confessional blogging of the „bad“ or „slummy“ mummy : blogs that share stories of boredom, frustration, and maternal deficieny while relishing the subversive status of the bad mummy “

K. Orton-Johnson 2017: 2

„Yummy” oder „Slummy” Mummy?

Sie, die „guten“ Mütter stehen für das Idealbild, dass durch sexuelle Attraktivität und Glamour geprägt ist. Den Kontrast zu Diesen stellen die „schlechten“ Mütter dar, die als sich gehen lassend gelten und dadurch träge und unfeminin wirken (Vgl. Goodwin & Huppatz, 2010, 85). Diese Unterscheidung führt zwangsläufig zu Be- und Verurteilungen von Müttern im sozialen und kulturellen Kontext, die das Privatleben beeinflussen können. Mütter stehen vor der Frage zu welchem Typ sie gehören. Die Einordnung in eine dieser Kategorien, betont meist nur eine Eigenschaft, die diese Person besitzt und alle anderen bleiben verborgen. Frauen sind nicht einfach Mütter, sondern Personen mit einem eigenen Leben, eigenen Interessen und Verantwortungen, weshalb die Zuordnung in „yummy mummy“ und „slummy mummy“ nichts über die Person an sich aussagt.

Datensammlung der Leserreaktion auf „slummy“ Mummy Blogs

Da die Online-Darstellungen der Mutterschaft auf Mummy Blogs am besten von Frauen beurteilt werden können, die diese Blogs regelmäßig lesen, wurden innerhalb von 2 Jahren (2014-2016) 32 jeweils 45 minütige Interviews mit Leserinnen durchgeführt, die entweder in einer direkten Face-to-Face Interaktion oder via Skype stattfanden.
Alle Teilnehmerinnen waren 28 bis 45 Jahre alt und hatten ihren Wohnsitz in Großbritannien, den USA oder Australien. Zur genauen Analyse wurden alle Interviews im weiteren Verlauf der Studie transkribiert.
Es zeigte sich, dass Blogs, die von Humor und von einem konfessionellen Ton geprägt sind, ein besonderes Interesse bei den Leserinnen hervorrief. Diese thematisieren mütterliches Versagen, Selbstentwertung und Geschichten über unangenehme Situationen im Familienleben.
Der Blog „Eeh bah Mum“ von der 40-jährigen verheirateten Britin Kirsty Smith, die Mutter von zwei Kindern ist, erfüllt diese Kriterien. Er kam aufgrund seiner Darstellung in den Interviews mehrfach zur Sprache und wurde hier von Kate Orton-Johnson als Forschungsgrundlage herangezogen.

„The internet is forever – in ten years, when their kids find these posts and read the names their parents called them, I doubt they’ll say, ‚It’s okay, Mom. I’m sure it got you a lot of pageviews“

Gottlieb, 2015

Die Widersprüchlichkeit sozialer Überwachung: Was soll man in den Mummy Blogs teilen?

Mummy Blogs, als eine öffentliche online Plattform, geben sowohl den Bloggern als auch ihren Lesern die Chance gehört zu werden. Durch die entstehende Wechselwirkung entsteht die Möglichkeit die allgemeine kulturelle offline Darstellung von Müttern zu verändern. Jedoch könnten Texte und Kommentare, in denen die Mütter ihre negativen Erfahrungen beschreiben, sowohl die Kinder und als auch die Beziehung zwischen Mutter und Kind verletzen.
Eine Probandin, Jessica, sagte im Interview, dass keine moralische Kritik über die Privatsphäre der Kinder geäußert wird, wenn ein glückliches und positives Familienbild online gestellt wird. Genau so wird Kritik durch Leserinnen meist nur dann geäußert, wenn es zu einer Abweichung von der allgemeinen kulturellen Darstellung einer guten Mutterschaft kommt. Beispielweise nennt eine Bloggerin, wie im Text beschrieben wurde, ihren Sohn ein Arschloch. Sie wurde deswegen von Bloggerinnen als eine schlechte Mutter tituliert.
Was sollte man also in den Mummy Blogs posten und wo wird eine Grenze gesetzt? Die Leser von Mummy Blogs erwarten Geschichten, die authentische, frustrierende Erfahrungen von einer Mutter mit ihrem Kind beinhalten, aber zugleich, wegen der Unsicherheit der öffentlichen digitalen Daten der Kinder, ethisch korrekt sind. Bei Mummy Blogs handelt es sich um das Leben von Müttern und deren Kindern, wobei nur die Mütter allein entscheiden wo sie die Grenze ihrer Privatsphäre ziehen oder wann sie diese überschreiten wollen. Bedenken sollten sie aber immer, dass sie keine Kontrolle über die Reaktionen und Kommentare der Leser haben, die ebenfalls für immer gespeichert werden. Um die Ethik der Mummy Blogs und generell der online Beiträge definieren zu können, wäre eine weiterführende Forschung und Diskussion nötig.

Der vorliegende Beitrag ist im Bachelor-Seminar „Digitale Kommunikation“ (WiSe 2019/20) entstanden. Weitere Informationen zum Seminar finden Sie hier.

Lektüregrundlage:
Infos über Kate Orton-Johnson: http://www.sps.ed.ac.uk/staff/sociology/orton_johnson_kate Quelle des Fotos: https://pixabay.com/de/vectors/disziplin-w%C3%BCtend-frau-mutter-4145087/
Goodwin, S., & Huppatz, K. (2010). Mothers making class distinctions: The aesthetics of maternity. In The Good Mother: Contemporary Motherhoods in Australia (pp. 69–88). Sydney: Sydney University Press.
GottLieb, J. (2015): You’re kind of a bitch of a mom blogger. http://jessicagottlieb.com/2015/03/bitch-mom-blogger/Orton-Johnson, Kate (2017): Mummy Blogs and Representations of Motherhood: “Bad
Mummies” and Their Readers. In: Social Media & Society. 3 (2).

Eine Antwort

  1. agreeing sagt:

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