Vom Anfang…

Am Anfang war das Wort. Dann kam die Schrift, dann der Buchdruck und schließlich die maschinelle Verarbeitung diskreter Zeichen. So wird gemeinhin der Medienwandel hin zur Digitalisierung beschrieben. Dabei werden diese Veränderungen nicht nur als rein technologischer oder medialer, sondern auch als gesellschaftlicher Wandel gefasst. Die sogenannte „Digitalisierung“ gilt dabei als umfassender Transformationsimpuls für die Gegenwartsgesellschaft, indem auch die kulturellen und sozialen Verhältnisse maßgeblich verändert werden. Ein maßgeblicher Anteil an diesem Wandel wird digitalisierten Kommunikationspraktiken zugeschrieben. Digitale Möglichkeiten der Informationsübermittlung, die Erweiterung sowie die Fokussierung potenzieller Interaktionspartner*innen und schließlich die Differenzierung der Kommunikationsformen führen sowohl zu neuen Arten und Weisen der Vergemeinschaftung als auch zu Neuverhandlungen gesellschaftlicher Selbstverständlichkeiten; etwa was das Verhältnis von Öffentlichkeit und Privatheit anbetrifft. Wir haben uns daher im Seminar die Aufgabe gesetzt, Praktiken digitaler Kommunikation genauer unter die Lupe zu nehmen. 

Ziel des Seminars

Das Ziel in diesem Bachelorseminar im Fach Kommunikationswissenschaft besteht darin, die Funktion und Leistung von Praktiken digitaler Kommunikation zu bestimmen als auch darin, eine kritische Einschätzung ihrer Chancen und Zumutungen zu geben. Entsprechend gilt es, einen begrifflich reflektierten und analytisch distanzierten Blick auf die Omnipräsenz des Digitalen in unserem Alltag zu eröffnen.

„Establishing the phenomenon“ (Merton)

Das Seminar ist dazu in zwei Abschnitte untergliedert: In einem ersten Teil des Seminars wird Begriffsarbeit geleistet, die zugleich Phänomenarbeit ist. Indem soziologische und kulturtheoretische Texte von Dirk Baecker („4.0 oder die Lücke, die der Rechner lässt“), Felix Stalder („Die Kultur der Digitalität“) und Andreas Reckwitz („Singularitäten“) zum Phänomenbereich Digitalisierung gelesen werden, soll die gesellschaftliche Spezifität des – für zumindest die Teilnehmenden des Seminars – selbstverständlichen Vollzugs digitaler Kommunikation deutlicher werden. Dabei geht es gleichermaßen um die Brüche, die die modernisierungstheoretischen Texte identifizieren sowie um die Kontinuitäten sozialer Praxis und Diskurse aus pre-digitalen Zeiten. 

„What the hell is going on here“ (Geertz)

Der zweite Teil des Seminars widmet sich einzelnen Fallstudien. Eine Einstimmung ins Thema gibt die kommunikationstheoretische Auseinandersetzung von Ruth Ayaß zur irritierenden Frage, inwiefern Interaktionen ohne Gegenüber begrifflich und im Anschluss daran auch empirisch zu fassen sind. Die folgenden Seminarinhalte wurden in Absprache mit den Studierenden festgelegt: Wir diskutieren Texte zur Gesprächsorganisation von Chatbeiträgen (Beißwenger), zum Diskurssystem Twitter (Dang-Anh/Einspänner/Thimm) und internen Differenzierungen (Paßmann/Boeschoten/Schäfer) und zur Identitätsarbeit in Weblogs (Orton-Johnson). In der Mitte des Seminars wird Valentin Janda im Rahmen eines Gastvortrags einen Einblick in die empirische Erforschung digital vermittelter Kommunikation geben. Dem folgen Texte zur visuellen Ästhetik von Instagram (Gunkel), der Verschiebung von Öffentlichkeiten (Wagner), der Struktur von Kommunikationen in Dating-Apps wie Grindr (Licoppe et al.) oder Tinder (N.N.) sowie zu Hate Speech (N.N.). Den Abschluss des Seminars bilden kurze kritische Reflexionen zu den Zumutungen digitaler Kommunikation. 

Das diesem Blogpost vorangestellte Bild kommt vom Stickkünstler Simon Hari (www.haristrick.ch).

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9 Antworten

  1. 21. September 2020

    […] Der vorliegende Beitrag ist im Bachelor-Seminar „Digitale Kommunikation“ (WiSe 2019/20) entstanden. Weitere Informationen zum Seminar finden Sie hier. […]

  2. 21. September 2020

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  3. 21. September 2020

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  4. 21. September 2020

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  5. 22. September 2020

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  6. 22. September 2020

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  8. 22. September 2020

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