Von antibiotikaresistenten Keimen und Strategien der Emotionalisierung – Einblicke in den Diskurs um Massentierhaltung

Von Pauline Schemberg, Julia Hojka und Helena Karagatsulis

Massentierhaltung und die Produktion von sogenanntem Billigfleisch bekommen in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit. In den Sozialen Medien, Supermärkten und auch in der Politik wird die Produktion von Billigfleisch immer mehr thematisiert. Jährlich werden 59,7 Millionen Tiere in Deutschland geschlachtet. Davon kommen 89 % aus der Massentierhaltung. In unserem Seminarprojekt haben uns den kritischen Diskurs um Massentierhaltung und Billigfleisch angeschaut. Denn Massentierhaltung beeinflusst nicht nur den Klimawandel negativ, sondern durch den Konsum von Fleisch aus Massentierhaltung wird auch die Gesundheit des Menschen negativ beeinflusst.

Den kritischen Diskurs um Massentierhaltung erforschen

In diesem Beitrag möchten wir auf den kritischen Diskurs um die Produktion von Billigfleisch seit dem Jahr 2015 in Deutschland eingehen. Die Auswahl dieses Zeitraumes wurde von uns auf Grund der stärker werdenden öffentlichen Präsenz des Themas und der bewussteren Auseinandersetzung damit getroffen. Zu Beginn unserer Beschäftigung mit diesem Diskurs lag unser Fokus auf der Darstellung von Tierleid im Zuge der kritischen Positionierung gegenüber Massentierhaltung. Unsere Recherchen zeigten dann, dass sich im Diskurs eine Verschiebung abzeichnet: Wurde zuvor insbesondere das Leid der Tiere thematisiert, werden nun auch immer mehr die negativen Folgen einer solchen Ernährungsweise für den Menschen geäußert. In unserer Analyse haben wir uns deshalb darauf konzentriert, wie dieses Deutungsmuster als Ressource genutzt wird, um sich gegen Massentierhaltung zu positionieren. Dabei interessierten wir uns sowohl dafür, welches Wissen um die Gefährdung des Menschen durch Konsum von Billigfleisch eingebracht wird, als auch mit welchen rhetorischen Strategien dies erfolgt. Unser Korpus hat sich durch diverse Artikel, sowie audiovisuelle Daten zusammengesetzt.

Antibiotikaresistente Keime im Billigfleisch

Auf der inhaltlichen Ebene haben wir uns mit der Frage beschäftigt, auf welches Wissen zurückgegriffen wird, um auf die negativen Folgen von Billigfleischkonsum hinzuweisen. Dabei konnten wir feststellen, dass es insbesondere Expertenwissen ist, mit dem medizinische oder ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse in den Diskurs eingespeist werden – oft in Form einer vereinfachenden und komprimierten Darstellung. Dadurch wird Wissen auch für Menschen ohne bereits bestehende Expertise zugänglich gemacht. Dies lässt sich gut an einem zentralen Phänomen zeigen: der Bedrohung durch antiobiotikaresistente Keime. Die folgende häufig genutzte Grafik zeigt auf und erklärt, wie antibiotikaresistente Keime entstehen und sich verbreiten. Unterstützt wird diese Darstellung außerdem durch einfache Formulierungen, prägnante Schlagwörter und Symbole.

Informationsgrafik: Stiftung Warentest. Schaubild über Entstehung und Verbreitung resistenter Keime

Subjektivierung und Emotionalisierung

Neben der Frage nach der Äußerung von Wissen im Diskurs haben wir uns damit beschäftigt, auf welche Arten und Weisen, d.h. mit welchen Strategien kritische Äußerungen gegen Massentierhaltung hervorgebracht und Informationen und Meinungen weitergegeben werden. Dabei konnten wir feststellen, dass die Mehrheit der Äußerungen stark durch Strategien der Subjektivierung und Emotionalisierung geprägt ist. Als Beispiel hierfür kann das Vorführen eines Erkrankten in einem Video durch antibiotikaresistente Keime angeführt werden. Aber auch das häufige Verwenden von Adjektiven, die Rezipient:innen auf diese Art beeinflussen, kann hier ebenfalls als Beispiel genannt werden. Neben Artikeln und Schaubildern werden auch audio-visuelle Daten zur Emotionalisierung genutzt. Bilder und Videos, die Massentierhaltung, Schlachtung und Krankheitsverläufe von an antibiotikaresistenten Keimen erkrankte Menschen zeigen, berühren Zuschauer:innen auf einer emotionalen Ebene. Die Darstellung des Leids von Menschen und Tier regt Leser:innen und Zuschauer:innen an, ihren Fleischkonsum zu überdenken und sich die möglichen Folgen bewusst zu machen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im kritischen Diskurs um Massentierhaltung bisher häufig das Leid der Tiere in den Vordergrund gestellt wird. Aber nicht nur die Tiere leiden unter der Herstellung von Billigfleisch. Auch Menschen leiden unter den Folgen, die Billigfleisch mit sich bringen. Wie unsere Beschäftigung mit dem Diskurs ergeben hat, wird eine solche Position erreicht, indem auf inhaltlicher Ebene Expertenwissen um die Risiken von Billigfleischkonsum bereitgestellt wird. Auf formaler Ebene werden Strategien der Subjektivierung und Emotionalisierung verwendet, um Rezipient:innen zu erreichen und zu überzeugen.

Der vorliegende Beitrag ist im Bachelor-Seminar „Diskursanalyse“ (SoSE 2021) entstanden. Weitere Informationen zu dem Seminar finden sie hier.

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