Die Neue Seidenstraße - Forum Mai 2017

In Peking fand am 14. und 15. Mai 2017 ein internationales Forum zur Neuen Seidenstraße statt. Im Vorfeld besuchte das japanische öffentlich-rechtliche Fernsehen NHK das Konfuzius-Institut in Duisburg. Redakteur Ryusuke Kimura sprach mit Prof. Dr. Thomas Heberer, Kodirektor des KIs, um sich über die deutsche Sicht der Neuen Seidenstraße zu informieren (siehe Foto).

Die Neue Seidenstraße und die Metropole Ruhr

Auf neuen Handelsrouten bahnt sich die so genannte Neue Seidenstraße ihren Weg durch die internationale Landschaft. Von Chongqing in Zentralchina aus führt seit 2014 ein Teilabschnitt auf Schienen direkt nach Duisburg.

Wenn Staatsgäste aus China Deutschland besuchen, steht seitdem neben Berlin auch Duisburg auf dem Fahrplan. 2014 war Staatsoberhaupt Xi Jinping vor Ort und weihte den Güterzug Yuxinou ein. Zuletzt war Li Wei, Präsident des Zentrums für Wirtschafts- und Entwicklungsforschung des Staatsrates der VR China (DRC), am 23. April 2017 zu Gast in Duisburg (siehe Foto 2). Auch hier ging es unter anderem um die Neue Seidenstraße.

Durch die direkte Verbindung nach China hofft man im Ruhrgebiet auf chinesische Investitionen und Unternehmensansiedlungen, auf eine Vitalisierung der Industrie, der Dienstleistungen und des Arbeitsmarktes (beispielsweise durch den Ausbau des Logports). Längerfristig ist denkbar, dass Personenzüge die neue Strecke nutzen. Das könnte den kulturellen Austausch weiter beflügeln und den Ausbau des Tourismus voranbringen.

Welche Bedeutung hat der neue Transportweg
für Deutschland?

Die Seidenstraßeninitiative der chinesischen Regierung ist ein bedeutendes Projekt, das große Chancen und Möglichkeiten bietet. Bei dem gemeinsamen Ausbau der Infrastruktur in den beteiligten Ländern könnte Deutschland zur Sicherung von Umwelt- und ökologischen Standards beitragen. Die Märkte in Zentralasien, dem Nahen und Mittleren Osten etc. werden an die europäischen Märkte und den deutschen Markt angebunden. Deutsche Unternehmen und Banken können sich an den entsprechenden Projekten beteiligen. Der Export nach China wird gefördert. Der Kulturaustausch wird vorangebracht.

Gleichzeitig herrscht in Deutschland eine gewisse Skepsis gegenüber der Seidenstraßeninitiative Chinas. Die Instabilität der angebundenen Länder in Nahost, Mittelost, Zentralasien und Ostafrika spielen dabei eine Rolle. Problematisch ist auch die Auseinanderdivergierung von West- und Osteuropa im Hinblick auf die EU China-Politik. Kritische Stimmen weisen zudem darauf hin, dass die Durchsetzung chinesischer Interessen auch zu Konflikten mit und in einzelnen Ländern führt.

Ziel des internationalen Forums zur Neuen Seidenstraße ist es, sich zu dem Projekt auszutauschen. 57 Länder sind in Peking hochrangig vertreten (Stand: 15.05.2017). Aus Deutschland ist Brigitte Zypries, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, angereist. Auf der Webseite von The Diplomat wird aktuell eine Liste mit allen Teilnehmern gepflegt.

Laut Ankündigung soll unter anderem diskutiert werden, wie weitere Kooperationen angekurbelt und entsprechende Plattformen geschaffen werden können. Auch die aktuellen Probleme der globalen und regionalen Wirtschaft sollen thematisiert werden. Dadurch soll ein Ausgleich der Interessen gefördert werden, mit dem Ziel, eine Win-win-Situation für alle Beteiligten zu erreichen.

Stand: 15.05.2017