Moses Mendelssohn

 

 

[Rezension]

 

De sacra poesi Hebraeorum, praelectiones academicae Oxonii habitae, a Roberto Lowth A.M. Collegii nuper socio et poeticae praelectore; subjicitur metricae Harianae breuis confutatio & oratio Crewiana. Oxonii MDCCLIII. in 4to, 338 Seiten.

das ist:

Robert Lowths akademische Vorlesungen von der heiligen Dichtkunst der Hebräer; nebst einer kurzen Widerlegung des harianischen Systems von der Prosodie der Hebräer.

 

So viele Köpfe sich von je her mit der heiligen Schrift, mit diesem göttlichen Schatze von Erkenntniß und Gottesfurcht, beschäfftiget haben; so vielfältig sie übersetzt, erklärt, und bald philosophisch, bald theologisch erläutert worden ist; so wenig hat man sich Mühe gegeben, uns die Quelle der Schönheit zu zeigen, die an derselben von Kennern der Grundsprache nicht genug bewundert werden kann. Man lieset den Homer, Virgil und die übrigen Schriften der Alten; man zergliedert alle Schönheiten, die darinn enthalten sind, mit der größten Sorgfalt, und giebt sich alle Mühe unsern Geschmack nach ihrem Muster zu bilden: aber selten bekümmert man sich um die Regeln der Kunst, nach welchen jene göttliche Dichter, unter den alten Hebräern, die erhabensten Empfindungen in uns rege machen, und unmittelbar den Weg nach unserm Herzen zu [123] treffen wissen. Der feine attische Geschmack, den wir aus den Schriften der alten Griechen und Römer schöpfen, kann sehr leicht in Weichlichkeit ausarten; aber der ächte orientalische Geschmack, der in den Schriften der heiligen Dichter herrschet, ist allzumännlich, allzuedel, als daß er uns je zu unwürdigen Gesinnungen verleiten könnte. Man hat daher schon längstens gewünscht, die Regeln der Schönheit in den alten hebräischen Dichtern erklärt, und das Genie ihrer Dichtkunst mit seinen besondern Charakteren bezeichnet zu sehen. Wer diesem Werke gewachsen seyn will, muß freylich etwas mehr als die hebräische Grammatik inne haben; er muß mit der Erkenntniß der Sprache, einen sichern philosophischen Geschmack verbinden, und das Genie verschiedener Völker gegen einander zu halten, und zu unterscheiden wissen. Wir getrauen uns zu behaupten, daß man beydes an unserm Robert Lowth nicht vermissen wird. Das Werk, das wir hier anzeigen, enthält vier und dreyßig Vorlesungen, die er auf der hohen Schule zu Oxford über die Dichtkunst der Hebräer gehalten hat, und in welchen sich durchgehends mehr Geschmack und Kenntniß der Schönheiten als pedantische Gelehrsamkeit zeiget. Er hält sich eben so wenig bey gramatikalischen Grübeleyen, als bey unnützen kritischen Distinctionen auf; er geht grades Weges auf den Geschmack, und weis ihn in allen Arten von Schönheiten iederzeit festzusetzen.

Sein Werk ist zu wichtig, als daß wir uns mit einer kurzen Anzeige begnügen könnten; wir wollen [124] ihm also Schritt vor Schritt folgen, und, so weit es unsere Absicht erlaubt, dem Leser einen vollständigen Begriff von dieser wohlgerathenen Schrift zu machen suchen.

Die erste Lection handelt von dem Nutzen und Endzweck der Dichtkunst. Man glaubet insgemein, saget Lowth, die Absicht der Dichtkunst sey, nützlich zu seyn, oder zu ergötzen, oder auch beydes zugleich zu verrichten; er aber hält den Nutzen für die letzte Absicht derselben, und das Vergnügen für ein Mittel, dadurch sie ihren Endzweck erreicht. Man kann also sagen, die Dichtkunst stiftet Nutzen, vermittelst des Vergnügens, das sie uns gewährt<.> Hierinn liegt der Unterschied zwischen dem Dichter und dem Weltweisen. Beyde wollen unterrichten; aber jener bringt seine Lehren deutlich, tief und bündig, dieser hingegen angenehm, geschmückt und zierlich vor. Jener zeigt uns den nächsten und kürzesten Weg zur Tugend und Wahrheit; dieser hingegen führet uns auf anmuthige Nebenwege, ohne dennoch seines Zieles zu verfehlen. Ja, er behauptet so gar, man müsse den Gedichten einen größern Nutzen einräumen, als den philosophischen Schriften, weil sie angenehmer sind (welcher Satz aber unsers Erachtens einer große Einschränkung bedarf). Die Schüler des Epicurs werden gewiß Lucrezens Gedicht öfter und mit mehr Vergnügen gelesen haben, als die Schriften eines Catius Amafanius oder ihres Lehrmeisters selbst. Die Epopee ist vorzüglich geschickt, Empfindungen der Tugend in uns rege zu machen. Wer ist so träge, wer ist so unmenschlich, [125] daß er den Homer lesen könnte, ohne von diesem göttlichen Genie fortgegrissen, ohne von einem lebhaften Gefühle durchdrungen zu werden, dadurch sich die vortrefflichsten Sittenlehren in unser Gemüth einprägen. (Lowth setzet hier vermuthlich einen großen Kenner voraus, einen Menschen, der die Regeln des Heldengedichts wohl inne hat; sonst glauben wir, kann Homer eben so leicht jemanden verderben, als tugendhaft machen, wenn er nicht, so gleich beym ersten Anblick, die Sittenlehre der Epopee von der wahren Moral zu unterscheiden weis). – – Das Trauerspiel ist eine auf die Schaubühne gebrachte Weltweisheit. Aeschylus war nicht nur ein Dichter, sondern auch ein Weltweiser, und Euripides bey den Alten unter dem Namen eines philosophischen Tragödienschreibers bekannt. – Wenn man mehr auf die Sache als auf die Worte sehen will; so kann selbst denjenigen Dichtern, die insgemein für ungelehrt gehalten werden, der Name der Weltweisen nicht streitig gemacht werden, wenn sie in ihren Gedichten zeigen, daß sie die Natur des Menschen untersucht, alle seine geheime Triebfedern aus einander gesetzt, und die Bewegungen, die darinn zu entstehen pflegen, nicht nur erklärt, sondern vor Augen gelegt, selbst in uns rege gemacht, gemäßigt und regiert haben. – Ein Shakespear hat die Ursachen, Folgen und Wirkungen der Eifersucht in einem prächtigen Schauspiele besser, richtiger und vollständiger ausgeführt, als in allen Schulen der Weltweisheit jemals von einer solchen Materie ist gehandelt worden.

[126] Auch der Ode können diese Vorzüge nicht streitig gemacht werden, ob sie gleich in vielen Stücken unter die Epopee zu setzen ist, so giebt sie ihr dennoch an Kraft, Nachdruck und Wichtigkeit nichts nach. Jene wirkt langsam und vorsichtig, und erlangt hierdurch ihren Endzweck vielleicht desto gewisser. Sie schleicht sich allgemach bey uns ein, bewegt uns bald heftig, bald gelinder, bald schmeichelt sie uns, bald dringet sie mit Macht in unser Gemüth, und durch diese Abwechselung selbst weis sie uns zu ihrem Vortheile einzunehmen; die Ode hingegen läßt niemals ab. Sie bestürmt und erschüttert ohne Unterlaß, und geht unmittelbar auf den Sitz der Leidenschaften los. – Die leichtern Gedichte, die als bloße Spiele betrachtet werden, haben den Nutzen, daß sie das Gemüth ausruhen lassen, wenn es von der schweren Untersuchung der Wahrheit ermüdet ist. – Indessen erscheint die Dichtkunst erst alsdenn in ihrem wahren Glanze, wenn wir den Einfluß bedenken, den sie in den Glauben, und in das Heiligthum der Religion hat. Ihr Ursprung selbst ist nirgend anders, als in der Religion zu suchen. Das menschliche Gemüth läßt sich natürlicherweise von hohen, kühnen und feurigen Ausdrückungen einnehmen, besonders wenn es in Freude oder Verwunderung begriffen ist. Was war aber geschickter, die noch nicht verderbten Menschen in eine von diesen Leidenschaften zu setzen, als die Begriffe von einem gütigen Wesen und allmächtigen Schöpfer? Was ist wahrscheinlicher, als daß das erste Gedicht, nichts anders als der Ausbruch eines vom Lobe des Schöpfers entzückten Gemüths gewesen ist?

[127] Die zwote Lection zeigt den Inhalt des ganzen Werks, und die Ordnung, in welcher die Materien auf einander folgen sollen. – – Aller übrigen Künste Anfang ist klein, und beschäfftigt sich mit geringschätzigen Dingen. Die göttliche Dichtkunst hingegen erscheint in ihrer ersten Grundlage schon in ihrer Vollkommenheit. Sie ist kein Werk der Menschen, das nach und nach zunimmt, sondern gleichsam vom Himmel gekommen, und gleich nach ihrer Geburt hat sie ihre völlige Reife erlanget. (Dieses Lob wird der Verfasser selbst, wie wir glauben, für übertrieben halten). – – Man merke überhaupt, daß fast überall in der heiligen Schrift, die Prophezeyungen in einer bestimmten Versart und richtigem Metro abgefaßt sind, worinn sich die Begeisterung in ihrer völligen Stärke ausnimmt. Die erhabensten Dinge, die alle menschlichen Begriffe übersteigen, sollten auch mit einen göttlichen Aeußern begleitet werden. – Man hat auf dreyerley zu sehen, wenn man die Schönheiten untersuchen will, die in der heiligen Schrift vorkommen: 1) Auf die Sache selbst, und auf die Anlage, Ordnung und Einrichtung derselben, die nach den verschiedenen Arten von Gedichten, verschieden seyn müssen. 2) Auf den Ausdruck oder Styl, darunter sind begriffen erhabene und feurige Gedanken, wohlangebrachte Sittensprüche, schöne und mannichfaltige Figuren, wie nicht weniger die Kraft, der Nachdruck und die Zierlichkeit der Worte selbst; und endlich 3) auf die Annehmlichkeit und Harmonie des Gedichts, die nicht nur das Ohr ergötzen, sondern die Sachen selbst vortrefflich auszudrucken, und [128] die Leidenschaft zu erregen, vieles beytragen können.

Die dritte Lection von dem hebräischen Metro. Diese Untersuchung hat vielen Gelehrten schon vergebene Mühe gemacht, und Lowth wäre sie gerne übergangen, wenn es der Poesie nicht wesentlich wäre, daß der Dichter ein bestimmtes Metrum beobachten müsse, davon er nicht abweichen darf, ohne vieles von seiner Schönheit zu verlieren. Es ist vielfältig <darüber> gestritten worden, ob die Hebräer ein bestimmtes Sylbenmaaß gehabt haben. Lowth bejahet es, und bedienet sich der Beweise, die von Don Isaak Abrabanell, und von andern jüdischen Lehrern angeführt werden. Diese sind erstlich diejenige Gedichte, da die Anfangsbuchstaben den Zeilen oder Strophen, (vermuthlich dem Gedächtnisse zu Hülfe kommen) in alphabetischer Ordnung auf einander folgen. Alle diese Zeilen sind gleichsam abgemessen, und zwischen bestimmte Gränzen eingeschränkt, dergestalt, daß Wort auf Wort und fast Sylbe auf Sylbe paßt, wenn sie, eine unter die andere geschrieben werden; die kühnen Abweichungen von den gewöhnlichen Regeln, die öfters in einem Kapitel allzuhäufig vorkommen, als daß sie für bloße Ausnahmen gehalten werden könnten; dergleichen sind Worte, die um eine Sylbe verkürzt oder verlängert worden; gewisse Partikeln, von welchen man es merkt, daß sie der gebundenen Rede eigen sind; fremde Worte und ungewöhnliche Redensarten, dadurch nicht nur der Numerus vollständig wird, sondern auch die Harmonie erhöhet, und <dem> Styl gleichsam eine neue Farbe angestrichen wird. Alle [129] diese Freyheiten verunzieren ein prosaisches Werk, aber der poetischen Begeisterung stehen sie sehr wohl an, und man weis, wie glücklich sich die griechischen Dichter dieselben zu Nutze gemacht haben. – – Indessen ist aus denjenigen Gedichten, deren Zeilen sich durch Anfangsbuchstaben unterscheiden, zu ersehen, daß nicht alle Verse von einerley Länge sind. Die kürzesten bestehen aus sechs bis sieben Sylben, und die längsten enthalten ihrer ungefähr zweymal so viel. Doch sind sich die Verse eines und eben desselben Gedichts nicht sehr ungleich, und sie endigen sich durchgehends da, wo sich der völlige Sinn schließt. – Von der Beschaffenheit ihres Sylbenmaaßes hingegen läßt sich nichts gewisses bestimmen. Diese Sprache, die schon seit mehr als zweytausend Jahren, zu den todten Sprachen gehört, ist seit der Zeit so sehr veraltet, daß wir jetzt in vielen Fällen nicht einmal die Anzahl der Sylben, aus welchen die Worte bestehen, geschweige denn ihr Zeitmaaß und ihre Quantität bestimmen können, und die Natur der Sache leidet es nicht, daß man je eine sichern Kenntniß darinn zu erlangen hoffen kann.

Indessen haben die hebräischen Dichter etwas eigenes, davon man bey den griechischen und römischen Dichtern gerade das Widerspiel findet. Wir haben oben schon berührt, daß sich der Sinn in allen hebräischen Gedichten mit den Versen völlig schließt; dadurch wird ein jedes Gedicht gleichsam von selbst in die gehörige Perioden, und die Perioden größtentheils wiederum in zween Verse abgetheilt. Dieses ist ein eigener und allgemeiner Charakter der hebräi[130]schen Gedichte, dadurch ihr Numerus vermuthlich eine ungemeine Annehmlichkeit erlangt haben muß. Ihre Gedichte erhalten auch durch diese Eigenschaft den Vorzug vor den griechischen und römischen Gedichten, daß man den poetischen Geist selbst in einer Uebersetzung noch immer erkennt, wenn sie nur genau nach den Worten eingerichtet ist. So fern nur die Ordnung und die Abtheilung der kurzen Sprüche, daraus ihre Poesie größtentheils besteht, nicht verrückt werden; so zeigen sich allenthalben

disjecti membra poetae.

Die Uebersetzungen, die man davon in einigen lebendigen Sprachen hat, bestätigen dieses zur Genüge.

 

Zweyter Theil.

Die vierte Lection untersuchet den Ursprung, Gebrauch und Charakter des parabolischen Stils (משל).

משל bedeutet einen spruchreichen, figürlichen und erhabenen Ausdruck. In diesen drey Eigenschaften liegt das Wesen des poetischen Stils, der sich im Hebräischen vorzüglich durch häufige Figuren, und überaus kühne Züge von der Prosa unterscheidet. – Das älteste Gedicht, das in der heiligen Schrift angetroffen wird, ist die Rede Lamechs an seine Weiber, und so dunkel sie auch immer ist, weil man die Gelegenheit nicht weis, bey welcher sie gehalten worden; so ist dennoch aus der Construction, aus der Abtheilung der Distichen und aus den Parallelsprüchen, die in einem jeden Distichon auf einander passen, zu ersehen, daß es ein Gedicht sey. [131] Noahs Fluch auf seinen Sohn Cham, und der Segen, den er seinen übrigen Kindern giebt, auch überhaupt Isaaks, Jakobs und aller Patriarchen letzter Segen, den sie ihren Kindern gaben, alle Stellen, die in der heiligen Schrift aus gewissen itzt unbekannten poetischen Schriften angeführet werden, sind ebenfalls an diesen Eigenschaften für Gedichte zu erkennen. – Man sieht hieraus, daß diese Dichtungsart weder vom Mose noch vom jüdischen Volke erfunden worden; sondern gleichsam die erste Frucht des menschlichen Genies gewesen sey, welche nachher sowohl die Hebräer, als die übrigen orientalischen Völker, angenommen haben. – – Die vornehmste Eigenschaft der hebräischen Gedichte ist die spruchreiche Schreibart. Man findet sehr viel erhabene, sehr viel figürliche Stellen darinn, aber der Reichthum an Sprüchen wird nirgend vermißt. Sie sind allenthalben kurz, feurig und nachdrücklich, zwischen bestimte Gränzen eingeschlossen, gehäuft, unter verschiedenen Gestalten gezeigt, und durch Gegensätze erläutert. Diese Eigenschaft giebt der hebräischen Poesie öfters eine ungemeine Zierlichkeit, öfters auch Kraft und einen erhabenen Schwung, dadurch das Gemüth immer in Bewegung erhalten, und gleichsam von Welle zu Welle fortgetrieben wird.

Die fünfte Lection, von dem figürlichen Stil. Ein Ausdruck ist figürlich, wenn ein oder mehr Worte oder Bilder, die mit andern von ihrer Art eine Aehnlichkeit haben, entweder an ihre Stelle gesetzt, oder sie zu erläutern angewendet werden. [132] Wenn die Aehnlichkeit nur mit wenigen Worten gleichsam angezeigt wird, so heißt die Figur eine Metapher; wird sie ausgeführt, eine <Allegorie>; werden die verglichene Bilder aber ausdrücklich gegen einander gehalten, so heißt die Figur ein Gleichniß. Auch die Prosopopee ist eine Art von einer kühnen Metapher, weil man erdichteten und leblosen Geschöpfen eine Person und Handlung; wirklichen Personen, aber eine wahrscheinliche Rede zuschreibt.

Bey der Metapher hat man auf zweyerley zu sehen. 1) Auf die Aehnlichkeit der mit einander verwechselten Bilder, darauf die Metapher beruht. 2) Auf die Schönheit, die dadurch erhalten wird, wenn ein Bild statt des andern gesetzt wird. Will man also die Metapher gründlich abhandeln, so muß erstlich die Beschaffenheit der poetischen Bilder überhaupt, und die Art, wie sich die hebräischen Dichter derselben bedienet haben, untersuchet werden.

Die ganze Natur ist gleichsam ein Wald von Gegenständen und mannigfaltigen Gestalten, daraus sich der Dichter den Stoff holet, seine Bilder auszuschmücken. – In diesem weitläuftigen Bildersale, stechen diejenigen, die in unsere Sinne wirken, am meisten hervor. Die Bewegungen der Seele und ihre innere Empfindungen sind deutlicher, aber deswegen weniger lebhaft. Unter den Bildern, die uns von den Sinnen zugeführt werden, sind diejenigen abermals die stärksten, die vermittelst der Farben in unsere Augen wirken. Der Dichter wird sich also am meisten mit dieser letzten Art von Bildern beschäfftigen, weil die lebhaftesten zu seinem Endzwecke am [133] dienlichsten sind – – Ferner lassen sich alle Bilder aus vier besondern Quellen herleiten. Sie sind entweder 1) aus natürlichen Dingen, oder 2) aus sittlichen, künstlichen, und im gemeinen Leben vorkommenden Sachen, oder 3) aus heiligen Sachen, und endlich 4) aus Begebenheiten und geschehenen Sachen hergenommen.

Die sechste Lection. Von poetischen Bildern, die aus natürlichen Sachen hergenommen sind. Der poetische Ausdruck muß deutlich seyn, ohne ins Niedrige zu fallen, sagt Aristoteles. Gemeine und alltägige Redensarten sind deutlich, aber auch seichte. Ein Poet, der Figur auf Figur häuft, seine Bilder weit herholet, und fremde und ungewöhnliche Redensarten braucht, wird erhaben, aber unverständlich. Nimmt man in der heiligen Schrift diejenigen Stellen aus, bey welchen unsere Ohren vielleicht allzuverzärtelt sind, die orientalische Kühnheit zu vertragen, oder wo die Sachen selbst, von welchen die Bilder hergenommen werden, längstens untergegangen sind; so muß man über die Deutlichkeit erstaunen, die mitten aus den kühnsten Figuren, und bilderreichsten Beschreibungen, damit die heilige Gedichte angefüllet sind, noch jetzt hervorleuchtet. Die Ursache von dieser seltenen Erscheinung ist diese. Erstlich haben die hebräischen Dichter ihre Bilder und Gleichnisse aus gemeinen, leichten und fast jedermann bekannten Dingen hergenommen, wodurch der verglichene oder figürlich vorgetragene Gedanke, eine ungemeine Deutlichkeit erlanget hat. Zu dem haben sie einem jeden Bilde [134] eine sichere und bestimmte Bedeutung zugeeignet, davon sie nachher selten abgewichen sind. So wie in der gemeinen Sprache ein jedes Wort einen bestimmten Sinn ausdrückt; so hat in dem parabolischen Stil der heiligen Dichtkunst, ein jedes Bild seine bestimmte Bedeutung, dergestalt, daß ihre Parabeln zusammen genommen, gleichsam eine neue Sprache ausmachen. Endlich bedienen sie sich solcher Bilder mit mehrer Freyheit, welche in diesem figürlichen Verstande zu ihren Zeiten angenommen und durch den Gebrauch bekannt geworden sind. Diese Anmerkungen werden durch Exempel erläutert.

Ferner sind die Bilder, deren sich die heiligen Dichter bedient haben, von einer solchen Beschaffenheit, daß sie gewissermaßen der Natur ihres Landes, und der Weltgegend, welche sie bewohnt haben, eigen gewesen sind. Schwere und plötzlich einbrechende Landplagen, werden von den heiligen Dichtern fast durchgehends als überschwemmende Gewässer vorgestellt, und diese traurige Bilder hatten sie öfters vor Augen. Der Jordan trat jährlich aus seinen Ufern, und verheerte das benachbarte Land, wenn er von dem zerschmolzenen Schnee angeschwollen war, der plötzlich von umliegenden Gebirgen stromweise herunterstürzte. Es ist merkwürdig, daß diese den heiligen Dichtern so gewöhnliche Metapher, im Hiob, darinn sie dem Inhalte nach sehr ofte vorkommen könnte, nicht mehr als ein oder zweymal nur gleichsam berührt wird. Der Verfasser dieses Gedichts muß eine ganz andere Gegend vor Augen gehabt haben. Die Meynung derer Gelehrten, die ihn für einen [135] Araber halten, scheint der Wahrheit am nächsten zu kommen, wie aus derjenigen Stelle abzunehmen ist, da Hiob (c. VI, 1520.) seine Freunde mit einem betrüglichen Flusse vergleichet. Die ganze Stelle ist mit Schildereyen angefüllet, die aus den dürren arabischen Gegenden hergenommen zu seyn scheinen.

Eine besondere Art von Bildern ist den hebräischen Dichtern eigen. Zwey von den berühmtesten Gebirgen in Palästina waren der Libanon und der Carmel. Der erste war durch seine ungemeine Höhe so wohl, als die Menge und die Größe der auf ihm gestandenen Cedern, geschickt ein Sinnbild der Macht und der Majestät vorzustellen; dieser hingegen war reich an Oelbäumen, Weinstöcken und übrigen fruchttragenden Bäumen, und stellte sich dem Auge als das vollkommenste Bild der Annehmlichkeit und reizenden Schönheit vor. Dieser beyden Gebirge haben sich die heiligen Dichter sehr oft bedienet, die entgegen gesetzte Begriffe von Macht und Schönheit auszudrücken. Salomon eignet dem Libanon eine männliche Würde, und dem Carmel eine weibliche Schönheit zu. Libanon wird gebraucht, den Zustand des Volks und der Kirche (s. Jes. XXXIII, 9 und XXXV, 2.) die Einwohner zu Jerusalem (Jes. X, 34.) den Tempel (Hesek. XI, I.) anzudeuten: Carmel hingegen wird gebraucht, einen Ueberfluß, einen Reichthum, eine Zierde, oder eine Schönheit auszudrücken. Wenn sich also die hebräischen Dichter hier auch etwas erlauben, was kein Grieche oder Römer hätte wagen dürfen; so hat diese Freyheit dennoch der Deutlichkeit des Ausdruckes nichts ent[136]zogen, weil ihre kühnsten Gleichnisse gemein, bekannt und durchgehends eingeführt gewesen sind.

Die siebente Lection. Von den Bildern aus dem gemeinen Leben. Allhier werden die Beschreibungen und Gemählde vertheidiget, die uns für die Würde der hebräischen Dichter allzuniedrig scheinen. Wir müssen unser gekünsteltes und fast unnatürliches Leben, nicht mit der einfältigen, freyen und in allen Ständen gleichen Lebensart der alten Hebräer vergleichen. Beschäfftigungen, die uns jetzt niedrig und sklavisch scheinen, waren damals den Vornehmsten unter dem Volke nicht unanständig. Wenn wir nicht unbillige Richter seyn wollen; so müssen wir sie nach ihren Gewohnheiten, nach ihren Zeiten, und nach allen den Umständen beurtheilen, in welchen sie gelebt haben. (Hat man nicht auch in den griechischen und römischen Gedichten viel Unanständiges zu finden geglaubt, bloß weil man so unvorsichtig gewesen ist, sie nach unsern Sitten zu beurtheilen?) Aus einer Menge von vortrefflichen Exempeln, die Lowth zur Bestätigung dieses Satzes anführt, wollen wir uns begnügen, das kürzeste zu wählen. Jesaias vergleichet (C. LXIII, 1.) das Strafgericht Gottes mit einer Weinkelter, und die Umschreibung dieses an sich einfältigen Gleichnisses ist in der Ursprache so prächtig und so erhaben, daß sie fast unmöglich in einer andern Sprache würdig genug ausgedruckt werden kann.

Wer kömmt von Edom daher,
Mit röthlichen Kleidern von Bozra?
Der ist geschmückt in seinem Gewande,
Und tritt einher mit großer Gewalt.
[137] "Ich, der Gerechtigkeit liebet,
Ein Meister zu helfen."
Warum ist dein Gewand roth,
Und deine Kleider, wie eines Treters der Kelter?
"Ich trat die Kelter allein,
Und von den Völkern keiner mit mir.
Ich zertrat sie in meinem Zorne,
Und zerquetschte sie in meinem Grimme;
Da spritzte ihr Saft auf mein Gewand,
Da wurden alle meine Kleider besudelt."

(Wir haben uns in der Uebersetzung dieser Stelle etwas genauer an den Text gehalten, weil Lowth ohne Noth davon abgewichen zu seyn scheint. Ein Exempel von dem ungemeinen Nachdrucke der hebräischen Worte sey hier das Wort חֲמוּץ. Wir haben es gegeben durch röthliche; allein es bedeutet eine röthliche Farbe, die von einer gegohrnen Säure entstanden ist. Ein Umstand, der, wenn es möglich gewesen wäre, in der Uebersetzung nicht hätte ausgelassen werden sollen.)

Die achte Lection. Von den Bildern aus den heiligen Sachen. In natürlichen und aus dem gemeinen Leben hergenommene Sachen, haben die Hebräer vieles eigen, aber auch vieles mit andern Völkern gemein. In heiligen und die Religion betreffenden Sachen hingegen, gehöret ihnen alles eigen zu, und die Bilder, die daraus hergenommen sind, müssen bey denjenigen sehr vieles verlieren, die von ihren Gesetzen, Ceremonien und Gebräuchen nicht hinlänglich unterrichtet sind. Unser Verfasser machet hier eine umständliche Beschreibung von dem andächtigen Leben der alten Hebräer und von dem [138] Einflusse, den die Religion in ihr Thun und Lassen gehabt hat. Er rettet dadurch verschiedene Stellen in den heiligen Dichtern, die uns niedrig und unanständig scheinen dürften, nach dem wahren hebräischen Genie aber ungemein erhaben und nachdrücklich sind. Unter andern gehöret hieher der 38ste Psalm, wo der göttliche Dichter sein beklemmtes und von vielen heftigen Gemüthsbewegungen gedrängtes Herz vor dem Herrn ausschüttet, und über Krankheit, Wunden, Beulen, und heftige Schmerzen klaget. Wer sich nur einigermaßen mit den hebräischen Ausdrückungen bekannt gemacht hat, der wird leicht begreifen, daß der Dichter hier nichts anders als die Wirkungen der Reue beschreiben will, die sein Innerstes naget, und ihn alle Arten von heftigen Schmerzen fühlen läßt. Man hat die Frage aufgeworfen, mit welcher Krankheit der göttliche Dichter damals mag behaftet gewesen seyn? Allein es ist eben so ungereimt nach den Namen dieser Krankheit, als nach dem Namen des Flusses zu fragen, in welchem er gestürzt sey, als er sagt: Alle deine Wellen fahren über mich weg.

Die neunte Lection. Von den Bildern aus der heiligen Geschichte. Wenn die hebräischen Dichter eine große wunderbare Begebenheit beschreiben wollen; so pflegen sie die Bilder dazu aus ihrer uralten Geschichte, und aus andern großen Begebenheiten, die sich lange Zeit vorher zugetragen hatten, herzunehmen. Die heilige Schrift fängt sich mit dem Chaos und der Schöpfung an, und die Dichter bedienen sich dieser Bilder, so oft sie den Umsturz oder die Einrichtung eines Staats besingen wollen. [139] Dadurch erhebt sich der Stil, und erlanget einen kühnen prophetischen Schwung, der ihn in unsern Augen ehrwürdig macht. Wenn einem Lande der Untergang gedrohet wird; so malen sie ihr Gesicht mit solchen Zügen, als wenn die ganze Natur bereit wäre, in das vorige Chaos zurück zu fallen. Die ganze Erde ist öde, und die Himmel scheinen nicht mehr. Die Berge erheben, und die Höhen fallen durch einander – – Der Carmel wird zur Wüsten, (s. die sechste Lection) und seine Städte verheert, von dem Angesichte Gottes, und seinem brennenden Zorn. (Jer. L, 23.) – Wenn den Israeliten hingegen die Erlösung verkündiget wird; so heißt es (Jes. LI, 15, 16.):

Und ich bin Jehova, dein Gott,
Der das Meer (*) stillet, wenn seine Wellen brausen,
Jehova der Heerscharen ist sein Name.
Ich lege mein Wort in deinen Mund,
Und schütze dich unter dem Schatten meiner Hand,
Die Himmel zu pflanzen, die Erde zu gründen,
Und zu Zion zu sagen, du bist mein Volk.

            [140] Oder (Ebendaselbst v. 3.):

Denn Gott tröstet Zion,
Tröstet alle ihre öden Plätze.
Machet ihre Wüsten wie Eden,
Und ihre einsame Thäler, wie die Paradiese Gottes.
Da findet man Freude darinn,
Dank und der Lieder Gesang.

Die zehnte Lection. Von der Allegorie. Es giebt drey verschiedene Arten von Allegorien. Sie ist entweder eine etwas länger fortgesetzte Metapher, und hiervon findet man häufige Exempel in den heiligen Dichtern, als welche sich selten, mit einer kleinen Anspielung begnügen, und öfters eine ganze Folge von Gedanken in Bildern ausdrücken. Die zwote Arte von Allegorie kann im eigentlichen Sinne eine Parabel, oder mit dem Aristoteles eine Fabel genennt werden. Sie besteht in einer erdichteten Erzählung, die allenthalben auf die Wahrheit eine gewisse Anspielung hat. Die hebräische Dichter, und vornehmlich Hesekiel, haben sich dieser Art von Allegorie sehr häufig bedient. Eine von ihren vornehmsten Eigenschaften besteht darinn, daß das Bild dazu aus einem bekannten und verständlichen [141] Gegenstande hergenommen seyn muß, damit die Bedeutung faßlich sey, und desto heller in die Augen leuchte. Die hebräischen Dichter haben dieses vollkommen geleistet. Sie bedienen sich entweder solcher Bilder, die an und vor sich selbst deutlich sind, oder wenigstens solcher, denen sie allenthalben einerley Bedeutung zuschreiben. Ein falscher Weinberg, (Jes. V, 17.) ein unfruchtbarer Weinstock, den man der Flamme übergiebt (Hesek. XIX, 10.) bezeichnet die Undankbarkeit des Volks. Die Ceder, die auf Libanon grüner, in die Höhe schießt und ihren Wipfel in die Wolken verbirgt, endlich aber umgehauen wird, und auf dem Boden liegt, (Hesek. XXXI.) stellt die Majestät und den Fall des egyptischen Königs so vortrefflich vor, daß sie kein Maler besser auf der Leinwand hätte ausdrücken können.

Es ist aber nicht genug, daß das Bild deutlich und angemessen ist; es muß auch schön seyn. Die Absicht des Dichters ist nicht nur den Gegenstand gut zu treffen, sondern vornehmlich ihn auszuschmücken, und von seiner schönsten Seite zu entwerfen. Wenn die hebräischen Dichter hierwider in einigen Stellen gefehlt zu haben scheinen; so muß man, bevor man sie verurtheilet, zuerst wohl überlegen, ob die Sachen, von welchen sie die Bilder entlehnt, nicht erst nach der Zeit ihre Würde und zugleich ihre Annehmlichkeit verlohren haben, nachdem andere Sitten, andere Gebräuche und eine ganz andere Lebensart ist eingeführt worden. – – – Eine besondere Eigenschaft dieser zwoten Art von Allegorie ist, daß die Wahrheit nicht mit in die Erdichtung, oder die Sache, auf [142] welche die Anspielung geschieht, mit in das Gleichniß kommen muß. Hierinn ist sie von der ersten Art unterschieden, in welcher die Allegorie nicht durch das ganze Argument ausgeführt wird. Jene schließt einen solchen Uebergang von der Vergleichung auf die verglichene Sache, und von dieser auf jene, gar nicht aus. Wenn der Psalmendichter, Israel mit einem Weinstocke vergleicht; so sagt er:

Aus Aegypten entführst du den Weinstock,
Vertreibest Völker, und pflanzest ihn ein.
Du räumest vor ihm weg u.s.w.

Allhier geht der Dichter wechselsweise von dem Weinstocke auf das Volk, und von dem Volke auf den Weinstock über. Hingegen führt Jesaias (V, 17.) eben dieselbe Vergleichung nach der zwoten Art aus, und mischet nichts von dem Gegenstande, in die Vergleichung.

In der eilften Lection wird die dritte Art von Allegorie beschrieben, die der Verfasser die mystische Allegorie nennet. Sie besteht in einer Rede die einen zweyfachen Sinn hat, die auf zwo Begebenheiten deutet, welche sich an verschiedenen Orten, zu verschiedenen Zeiten, zugetragen, und gar nichts mit einander gemein haben. Man nennet eine von diesen zweyfachen Bedeutungen, den wörtlichen, und die andere den mystischen Verstand. Diese Allegorie ist der Prophezeyung eigen, und hat ihre ganz besondern Regeln. Weil sie aber so schwer zu entwickeln sind, und überhaupt die ganze Untersuchung mehr zur Auslegung der Propheten, als zur Zerglie[143]derung ihrer Schönheiten beyträgt; so wollen wir den Raum für solche Materien ersparen, welche näher zu unsrer Absicht gehören.

Die zwölfte Lection. Von den Gleichnissen. Die Gleichnisse dienen entweder die vorhabende Sache zu erläutern, oder zu bereichern; oder sie sind bloß zur Abwechslung und zum Vergnügen da. Die von der ersten Art müssen deutlich, bekannt und der Sache angemessen seyn. Es ist aber nicht nöthig, daß sie erhaben, schön und prächtig seyn müssen; wenn nur die Aehnlichkeit leicht in die Augen fällt; so ist das Gleichniß schon geschickt, die Absicht zu erfüllen, den Gegenstand deutlicher zu machen. Es ist bekannt, daß sich Homer und Virgil bey solcher Gelegenheit öfters sehr niedriger Gegenstände zu ihren Gleichnissen bedienet haben, und der Prophet Jesaias (X, 14.) läßt den König der Assyrier, der sich seiner Siege mit Ungestüm rühmet, sagen

Meine Hand ergriff der Völker Gut, wie ein Nest,
Und wie man verlassene Eyer einsammlet;
Also sammlete ich Länder ein.
Und keines regte den Fittich,
Und keines öffnete mit Piepen (*) den Mund.

Die Vergleichungen von der zwoten Art erfordern gerade das Gegentheil hiervon. Sie müssen, wenn sie die Sachen bereichern oder erheben sollen, präch[144]tig, groß, schön, nicht allzugemein seyn; sie brauchen hingegen auch nicht immer anpassend zu seyn. Sie sollen zur Deutlichkeit nichts beytragen. Die Absicht des Dichters ist nur die Erhabenheit des Gegenstandes anzuzeigen, und dem Leser, vermittelst der Gleichnisse, verstehen zu geben, es fehle ihm an eigentlichen Worten, die Größe des Gegenstandes in seinem ganzen Bezirke zu umschreiben.

Die griechischen und römischen Dichter hatten eine Menge fabelhafter Erdichtungen in Bereitschaft, dadurch sie ihre Bilder bereichern, und ihre Begriffe personifiren konnten. Allein der göttlichen Dichtkunst wäre dieser poetische Kunstgriff unanständig gewesen; daher haben die hebräischen Dichter ihre Bilder aus der Natur selbst hernehmen müssen. Die dritte Art von Gleichnissen hält gleichsam das Mittel zwischen der ersten und der zwoten; Sie ist nicht so niedrig als jene, aber auch nicht so erhaben als diese, und beschäfftiget sich bloß mit anmuthigen und ergötzenden Bildern, um den Leser eine Zeitlang angenehm zu unterhalten – – Soll des Lesers Gemüth angenehm beschäfftigt werden; so müssen ihm entweder zwo Gegenstände zur Vergleichung vorgelegt werden, die sich überhaupt genommen ähnlich, ins besondere betrachtet aber, in einigen Stücken von einander unterschieden sind; oder solche, die im Gegentheil überhaupt betrachtet, nichts mit einander gemein haben, darinn man aber dennoch eine Aehnlichkeit bemerket, wenn sie genauer untersucht werden, (das heißt, man muß den Leser entweder ähnliche Dinge von einander unterscheiden, oder verschiedene [145] Dinge mit einander vergleichen lassen. Man muß seinen Witz oder seine Scharfsinnigkeit üben). Daher sind diejenigen Gleichnisse von der dritten Art die vollkommensten, welche von der verglichenen Sache überhaupt betrachtet, völlig unterschieden sind, in einigen Umständen aber, mit derselben etwas ähnliches haben. Diese sehr feine Anmerkung erläutert unser Schriftsteller durch ein Exempel aus dem Virgil und verschiedene aus der heiligen Schrift. Wir müssen uns aber der Kürze halber begnügen, ein einziges aus dem Jesaias (XLV, 10.) anzuführen. Der Prophet vergleichet die göttliche Gnade mit einem fruchtbaren Regen. Die Sachen sind verschieden, aber die Aehnlichkeit in den Theilen leuchtet in die Augen.

So wie der Regen fällt,
Und der Schnee vom Himmel,
Der nicht dahin zurück kehrt,
Bis er die Erde befruchtet,
Befruchtet und sprossen gemacht;
Bis er den Säenden Saamen gereicht, und dem Essenden Brod;
So ist das Wort, das aus meinem Munde gehet;
Es kehret nicht müssig zu mir zurück,
Es verrichte denn, was ich gewollt,
Und vollführe glücklich, was ich befohlen.

Wir müssen hier abbrechen, und einige schöne Anmerkungen von der Natur der hebräischen Gleichnisse übergehen, wenn wir nicht die ganze sehr lesenswürdige Lection übersetzen wollen.

Die dreyzehnte Lection. Von der Prosopopöie. Man hat oben berührt, daß es zwo Arten [146] der Prosopopöie gebe, denn man eignet entweder erdichteten oder leblosen Dingen, Person und Handlung zu, oder man leget einer wirklichen Person eine erdichtete Rede in den Mund. Von der ersten Art treffen wir vortreffliche Beyspiele in der heiligen Schrift an. Die hebräischen Dichter haben dieses mit den römischen und griechischen Dichtern gemein, daß sie öfters allgemeine abstrakte Begriffe mit vielem Nachdrucke redend einführen. Was kann erhabener, prächtiger und zugleich zierlicher seyn, als die Stelle, da Salomon (Spr. VIII, 2731.) die Weisheit sich den Menschenkindern empfehlen läßt?

Als er die Himmel bereitete, da war ich zugegen,
Als er über den Abgrund einen Kreis gezeichnet,
Als er den Aether oben befestiget etc. (*)

Die hebräischen Dichter wagen diese Figur öfters sehr kühn, aber auch sehr glücklich, so gar bey solchen Dingen, von welchen man sich fast gar nicht bereden kann, daß ihnen Leben und Empfindung zukommen könnte. Folgendes lebhafte Gespräch (Jerem. XVIII, 6, 7.) ist unter andern von dieser Art:

[147] O, wie lange noch, Schwerdt Gottes! wirst du nicht ruhen?
Kehr' in die Scheide zurück, harre und raste allda.
"Wie kann es rasten, da ihm Gott den Befehl gab?
Nach Askalon hin, und über die Gestade des Meers hat er es verheißen."

Die zwote Art der Prosopopöie, nämlich wenn wirklichen Personen eine wahrscheinliche Rede in den Mund gelegt wird, ist nicht so kühn, und so voller Begeisterung als die vorige. Allein eben deswegen weil sie der Wahrheit näher kömmt, giebt sie der Sache mehr Gewicht, Autorität und Glaubwürdigkeit. Auch hiervon findet unser Schriftsteller vortreffliche Exempel in den Gedichten der heiligen Schrift. Debora führet in ihrem Gedichte die Mutter des Feldherrn Sissera redend ein, welche, indem sie ihren Sohn schon allzulange erwartet, endlich voller Ungeduld zwischen Furcht und Hoffnung schwebet. Sie sieht durch das Fenster und rufet aus:

Warum scheuet sich sein Wagen zu kommen?
Warum säumen die Schritte seines Gespannes?

Die weisen Matronen, welche sie begleiten, sprechen ihr Trost ein, und sie selbst scheint sich zu bedenken, und wieder Muth zu fassen. Sie können nichts anders als einen gewissen Sieg erwarten, und freuen sich dessen ganz zuversichtlich, zum Voraus. Was glaubet man aber, daß sie von diesem eingebildeten Triumphe erwähnen? Irgend die Niederlage der Feinde, die Menge der Gefangenen, oder die Tapferkeit des Siegers? Nein! Sie reden ihrem Charakter gemäß. Sie überschlagen das Gold, die Kleinodien, [148] und die Sklavinnen, die man ihnen zuführen wird, weil sich ihre Eitelkeit auf diese Dinge am meisten zu gute thut. Die Dichterinn schließt mit einer erhabenen und unerwarteten Apostrophe:

So sollen, alle deine Feinde verderben, o Jehova!

Die vierzehnte Lection. Von dem Erhabenen im Ausdrucke. Das Erhabene liegt entweder in dem Ausdrucke oder in den Gedanken. Zwar müssen Ausdruck und Gedanken allezeit übereinstimmen, eine wahre Erhabenheit auszumachen; allein der Bequemlichkeit halber, soll von jedem insbesondere gehandelt werden. Der Verfasser erkläret die Eigenschaften des poetischen Ausdrucks überhaupt, durch welche er sich von dem gemeinen und prosaischen unterscheidet, und kömmt endlich auf die merklichen Kennzeichen, daran in der hebräischen Sprache, Poesie und Prosa von einander unterschieden werden. Nichts ist planer, deutlicher und ungeschmückter, als ihre ungebundene Reden; nichts hingegen erhabener, feuriger, körnichter und bilderreicher als ihre Poesie. Wenn man den historischen Theil des Hiobs gelesen hat, und die gebundene Rede zu lesen anfängt, so ist es nicht anders, als wenn man plötzlich in eine andere Sprache gerathen wäre. Ganz andere Redensarten, ein anderer Ausdruck, andere Wendungen, andere Gedanken, kurz! alles scheint sich auf einmal erhöht, und zu einer Würde empor geschwungen zu haben, die uns in Bewunderung setzt. Die Zergliederung, welche Lowth hier von der ersten Rede des Hiobs macht, verdiente ganz hieher gesetzt zu werden. wenn es die Gränzen, die [149] wir uns bey diesem Auszuge vorgeschrieben haben, zulassen wollten.

Die funfzehnte Lection. Von dem Erhabenen im Ausdrucke. Der Unterschied zwischen der hebräischen Poesie und ihrer Prosa bleibt auch alsdenn noch eben so merklich, wenn in beyden einerley Gegenstand bearbeitet wird. Man lese die sehr nachdrückliche Rede, die Moses (5 Buch XXVIII-XXXII.) an das Volk gehalten hat, darinn er sie die Gesetze Gottes heilig zu halten vermahnet, und ihnen die entsetzlichen Strafen vorstellt, welche sie zu erwarten haben, wenn sie solche übertreten; man lese nachher eben dasselbe Argument in seinem göttlichen Gedichte, (das. C.XXXII.) so wird der Unterschied in den Gedanken, in den Bildern, in der <Anlage> und Ordnung, und in der Einkleidung so gleich in die Augen leuchten. Die Anmerkungen, die der Verfasser hier über zwo gewöhnliche Figuren in der hebräischen Sprache, die Verwandelung der Personen und der Zeiten, machet, beziehen sich allzugenau auf dieß Eigenthümliche dieser Sprache. Wir haben diese Verwandelungen in unsern Uebersetzungen der angeführten Exempel größtentheils beybehalten, und lieber deutsche Ohren ein wenig beleidigen, als von der hebräischen Heftigkeit allzusehr abweichen wollen.

Die sechzehnte Lection. Von dem Erhabenen in den Gedanken. Das Erhabene in den Gedanken, entspringet entweder aus einer innern Hoheit der Seele, und glücklichen Kühnheit, Begriffe zusammen zu setzen; oder aus dem heftigen Triebe eines [150] von starken Leidenschaften bewegten Gemüthes. In Ansehung der großen Würdigkeit und Erhabenheit der Begriffe, thun es die hebräischen Dichter allen andern zuvor. Die Macht Gottes, seine Gerechtigkeit, die Unendlichkeit seiner Gnade und die unermeßliche Weisheit seiner Rathschlüsse sind in keiner Sprache so oft und so würdig besungen worden, als in der hebräischen. Man hat die ungekünstelte Erhabenheit nicht genug bewundern können, mit welcher der heilige Geschichtschreiber die Schöpfung des Lichts beschreibet (I B. I, 3.)

Da sprach Gott, es werde Licht, und es ward Licht.

Kann die unumschränkte Idee der göttlichen Allmacht besser concentriret, oder durch die weitläuftigste Umschreibung vortrefflicher ausgedrückt werden, als hier in sechs Worten geschieht? – – Der Psalmendichter muntert die Geschöpfe zu dem feyerlichsten Lobe des Herrn auf, und spricht (CXLVIII, 5.):

Sie sollen preisen den Namen Jehova,
Denn er befahl, und sie wurden geschaffen.

Und wiederum (XXXIII, 9.):

Denn er sprach, und es wurde,
Er befahl, und es stund da.

Eben denselben Gedanken findet man etwas ausführlicher im Hiob (XXXVIII, 4-11.) und im Jes. (XL. 12.)

Ganz anders verhält es sich hingegen, wenn die göttlichen Eigenschaften abgesondert, ohne in Absicht auf ihre Wirkungen, dadurch sie sichtbar werden, beschrieben werden sollen. Hier scheint sich die nach[151]denkende Seele in die Tiefe des Gegenstandes zu verlieren; vergebens strenget sie alle ihre Kräfte an, den weiten Umfang mit ihren Begriffen zu umfassen, und aus dieser misgelungenen Arbeit selbst, schließen wir auf die unendliche Größe des Vorwurfs. Die Bilder, deren sich die heiligen Dichter bey einer solchen Gelegenheit bedienen, sind dem Gegenstande zwar nicht angemessen genug; allein sie enthalten alles, was in der Natur großes angetroffen wird.

Deine Gnade, <Jehova>! reichet in die Himmel,
Deine Wahrhaftigkeit in die Wolken.
Deine Gerechtigkeit, wie die Berge Gottes,
Deine Urtheile, eine unabsehliche Tiefe.
                                    (Ps. XXXIV, 6, 7.)

Noch erhabener ist folgende Beschreibung, worinn ausdrücklich angedeutet wird, daß alle menschliche Begriffe zu eingeschränkt sind, die Unendlichkeit der göttlichen Eigenschaften zu umfassen.

Willst du die Geheimnisse Gottes ergründen?
Willst du des Allmächtigen Vollkommenheit erforschen?
Die Höhe der Himmel! Was kannst du ausrichten?
Tiefer als die Hölle! Was kannst du erkennen?
                                         (Hiob XI, 79.)

Wir müssen hier abermals abbrechen, und einige Exempel einer ungemeinen Erhabenheit übergehen, die unser Verfasser aus den Büchern Moses, aus den Psalmen und aus dem Hiob anführet. Zuletzt rettet er die heiligen Dichter von einer Beschuldigung, die Longin dem Homer zur Last leget, und welche von einigen unbedachtsamen Lesern, auch auf die Dichter der alten Hebräer gezogen werden könnte. Longin [152] sagt, Homer habe seine Götter zu Menschen und vielleicht zu noch niedrigern Geschöpfen, als Menschen gemacht. Allein Homer hat seinen Göttern Schwachheiten zugeschrieben, die gar nicht allegorisch ausgelegt werden können, im eigentlichen Verstande aber ungereimt und gotteslästerlich sind. Wenn die heiligen Dichter hingegen göttliche Dinge mit menschlichen Farben zeichnen; so giebt sich die Allegorie sogleich von selbst zu erkennen. Man merket es, daß sie genöthiget waren, für menschlichen Ohren sich menschlich auszudrücken, und der Verstand kann ohne Mühe, Schatten von Wirklichkeit, und den äußern Anstrich von Wahrheit <unterscheiden>.

Die siebenzehnte Lection. Von dem Erhabenen der Affekten. So wie der Ursprung der Dichtkunst in den heftigen Gemüthsbewegungen zu suchen ist; so erreicht sie auch ihren Endzweck alsdenn am besten, wenn sie Affekten ausdrückt, und dadurch Affekten erregt. Alle Nachahmungen können uns bloß als Nachahmungen schon gefallen; das Gemüth wird aber niemals so sehr bewegt, als wenn Affekten nachgeahmt werden. Ein jeder Affekt ist eine innere Wirkung unsers Geistes, eine Bewegung, welche in uns selbst entsteht; daher muß sie uns mehr rühren, als die Vorstellung von andern Dingen, die uns nicht so nahe angehen.

Der Endzweck der Dichtkunst ist, wie man in der ersten Lection gesehen hat, vermittelst des Vergnügens, das sie uns gewährt, nützlich zu seyn, und die durch eine glückliche Nachahmung erregten Affekten können in einem höhern Grade nützlich seyn, und Vergnügen gewähren: sie können nützlich seyn, wenn [153] sie von der Beschaffenheit sind, daß sie mit der Natur und mit der Wahrheit übereinstimmen, das ist, wenn sie uns das Gute zu lieben, und das Böse zu verabscheuen antreiben. Ein Dichter, der wider diese Vorschrift handelt, misbrauchet seine Kunst auf eine sehr schimpfliche Weise.

Allein die durch die Kunst erregten Affekten sind auch überaus angenehm. Selbst solche Gemüthsbewegungen, die ihrer Natur nach unangenehm sind, werden in der Nachahmung von einem ungemeinen Vergnügen begleitet, welches theils von der Nachahmung selbst, theils von der Vergleichung herrührt, die wir zwischen unserer Glückseligkeit und anderer Elend anstellen. Größtentheils aber entspringt dieses Vergnügen aus einem innerlichen moralischen Gefühle. Es ist dem Menschen eine gewisse natürliche Großmuth angebohren, die seine Eigenliebe einschränkt, und ihn antreibt an dem Schicksal anderer Menschen Theil zu nehmen. Es ist billig, anständig und dabey angenehm, sich über anderer Wohlergehen zu erfreuen, und sich über ihr Elend zu betrüben, Gütigkeit und Großmuth zu lieben, und Grausamkeit und Unmenschlichkeit zu verabscheuen. (Wer sieht hier nicht, daß sich Lowth selbst widerspricht? Wie kann die Vergleichung unsers Wohlergehens mit anderer Elend angenehm seyn, wenn uns eine gewisse Großmuth angeboren ist, vermöge welchen wir uns selbst gleichsam in unsern Nebenmenschen fühlen? Wie können also die beyden Ursachen, die er von der Annehmlichkeit der nachgeahmten Affekten angiebt, mit einander bestehen? Allein man denket allzuunedel von diesem Vergnügen, wenn man sei[154]nen Ursprung einer fast grausamen Eigenliebe zuschreibet; ein innerliches Gefühl widerspricht der Behauptung einiger Gottesgelehrten, welche glauben, das Vergnügen über unsere Glückseligkeit würde vermehrt werden, wenn uns der Spiegel eines ewigen Elendes vorgehalten würde, in welchem unsere Nebenmenschen seufzen).

Kaum wird es nöthig seyn, die Anwendung von diesen Betrachtungen auf die heilige Dichtkunst zu machen. Sie erregen die angenehmsten und heftigsten Leidenschaften in uns, aber sie lassen die Leidenschaften immer nach dem besten und würdigsten Endzwecke abzielen. Wenn sie uns in Verwunderung dahin reißen, so geschieht es zum Lobe der Gottheit; wenn sie Freude, Hoffnung und Liebe in uns erregen wollen, so führen sie uns auf die Betrachtung der göttlichen Gnade, auf seine Verheißungen und unendliche Barmherzigkeit; und sollen wir erschrecken, uns fürchten, oder betrüben, so stellen sie uns unsere Sünden, unsere Hartnäckigkeit und die unausbleiblichen göttlichen Strafen vor:

Heulet, denn des Herrn Tag ist nahe;
Wie eine Verwüstung vom Allmächtigen kömmt er daher:
Darum werden aller Hände matt seyn,
Und aller Menschen Herz zerschmelzen.
Sie werden erschrecken, Angst und Weh kömmt sie an,
Und ihnen ist bange, wie einer Gebährerinn.
Ein Mann wird sich für seinen Freund entsetzen,
Und ihr Angesicht ist flammenroth.
[155] Siehe! Der Tag Gottes, er kömmt!
Grausam und zornig und grimmig,
Das Land wüste zu machen,
Und die Sünder vertilgt er daraus.
Denn die Gestirne am Himmel und ihre Planeten,
Streuen ihr Licht nicht mehr aus.
Die Sonne ist finster im Aufgange,
Und der Mond verbreitet seinen Glanz nicht mehr.
Ich will die Bosheit auf Erden bestrafen,
Und der Gottlosen Sünden.
Ich will den Hochmuth der Stolzen unterdrücken,
Und die Hoffart der Gewaltigen erniedrigen:
Daß ein Mann theurer sey als gediegen Gold,
Und ein Mensch als Stücken aus Ophir u.s.w.
                                       (Jes. XIII, 6.)

 

[269] Der dritte Theil: von der prophetischen Dichtkunst.

Wir wollen von dieser Abhandlung nur den Inhalt der Lectionen kürzlich anzeigen, weil sie nicht so sehr zu unsern Absichten gehört, ob wir gleich sonst gestehen, daß sie sehr viel lesenswürdiges enthalte.

In der achtzehnten Lection wird bewiesen, daß die meisten Schriften der Propheten in gebundener Rede abgefaßt sind. Es herrschet in ihren Wahrsagungen eben der Geist, eben die Schreibart, und eben die Construction, dadurch sich alle übrige Poesien der heiligen Schrift unterscheiden. Zuletzt wird die genaue Verwandschaft der Wahrsagung mit der Dichtkunst gezeiget, und einige Orakelsprüche aus der heidnischen Geschichte, welche gleichfalls in gebundner Rede abgefaßt sind, angeführt.

In der neunzehnten Lection wird bewiesen, daß die prophetische Dichtkunst auch spruchreich sey. Die Hymnen der alten Hebräer wurden von zweyen Chören gegeneinander gesungen. Daher es denn gekommen, daß sich ihre Perioden [270] in parallele Verse abtheilen lassen, die sich größtentheils genau auf einander schicken.

Die zwanzigste Lection beschreibt den allgemeinen Charakter der prophetischen Dichtkunst. Mit diesem werden die Propheten, Jonas und Daniel, wie nicht weniger einige Stellen aus den übrigen Propheten <verglichen>, und ihre Schreibart nach genauer Prüfung entweder für prosaisch oder für Gedichte von einer andern Art gehalten.

In der ein und zwanzigsten Lection werden die besondern Charaktere der Propheten, und was ein jeder derselben eigenes hat, untersuchet. Jesaias geht sowohl in der Ordnung, als in dem innern Werthe, allen übrigen vor. Er ist erhaben, zierlich und voller Nachdruck. Dem Jeremias fehlt es zwar an diesen Eigenschaften nicht; allein seine Gedanken sind nicht so hoch, seine Sprüche nicht so gedrängt, und er scheint mehr zu gelindern und wehmüthigern Affecten aufgelegt zu seyn. Hesekiel ist nicht so zierlich als Jeremias, aber in der Erhabenheit kömmt er fast dem Jesaias bey. Er ist wütend, tragisch gewaltig und voller Heftigkeit. Dieser dreyen Propheten wird unter den hebräischen Dichtern der Rang gegeben, in welchen man <den> Homer, Simonides und Aeschylus bey den Griechen zu setzen gewohnt ist. – – – Hingegen können die Orakel der Griechen mit den prophetischen Gedichten der alten Hebräer gar nicht in Vergleichung gesetzt werden, indem die wenigen Sprüche, die von ihnen noch übrig sind, so mittelmäßig sind, daß sie, gegen die hebräische gehalten, gar nicht verdienen, in [271] Betrachtung zu kommen. In der vierten Ekloge des Virgils glaubet unser Schriftsteller vieles von dem prophetischen Geiste angetroffen zu haben, den wir in den wahren Propheten für unnachahmlich halten, und er hält dieses Gedicht für dunkler und unverständlicher, als man insgemein zu glauben pflegt.

Die zwey und zwanzigste Lection. Von dem Ursprunge und der Beschaffenheit der hebräischen Elegie, und besonders von den Klageliedern des Jeremias. Die Elegie ist eine Art von Gedichten, in welcher durchgehends der Ton der Klagen und der Traurigkeit herrschet. Sie scheint unter den Hebräern, bey Gelegenheit der feyerlichen Leichenbegängnisse, die bey ihnen Sitte waren, entsprungen zu seyn. Die Angehörigen des Erblaßten folgten mit Weinen und Trauern hinter der Leiche her, und gaben ihre wehmüthigen Empfindungen durch ungekünstelte Thränen zu erkennen. Die Stimme des wahren Trauerns ist einfach, kläglich, abgebrochen, und mehr ein bloßes Winseln als eine ordentliche Rede.

Ach Vater! Ach Vaterland! Ach Priamus Haus!

ruft Andromacha in der Tragödie aus. Eben so kläglich trauert in der heiligen Geschichte der König David um seinen Sohn Absalom, den er seines Ungehorsams ohngeachtet, dennoch zärtlich liebet;

Ach mein Sohn Absalom! Ach Absalom, mein Sohn! mein Sohn!

dieses ist die Sprache der ungekünstelten Natur.

Wenn aber die Staatskunst mit an unsern Empfindungen Theil hat; wenn es die Umstände erfordern, daß nicht nur das volle Herz für sich selber [272] ausbrechen, sondern auch andere zu gleichen Empfindungen einladen, und allen Anwesenden Thränen auslocken soll: so erhebet die Elegie ihre Sprache, und drücket die Empfindungen der Wehmuth nachdrücklicher, pathetischer und geschmückter aus. So weinet eben derselbe König bey dem Grabe Abners, dessen Tod er, gewisser politischer Umstände halber, an dem Thäter nicht rächen kann. Er erhebt seine Stimme, und alles Volk weint mit ihm;

So ist denn Abner gestorben, wie ein Schalk stirbt?
Deine Hände waren nicht sclavisch gebunden,
Deine Füße nicht in ehrne Fesseln gesetzt.
Du trautest schmeichelnden Worten, und fielest,
Wie vor Buben ein Redlicher fällt.

Und alles Volk weinte abermals mit ihm.

Es war auch bey den Hebräern gebräuchlich, daß sie gewisse Leute dazu bestellten, hinter den Leichen her zu klagen. Man ließ dieses meistens von Weibern verrichten, weil das weibliche Geschlecht seiner natürlichen Weichlichkeit halber, zum Kläglichen mehr aufgelegt zu seyn scheint. Die Lieder, die sie bey solcher Gelegenheit absangen, wurden von Flöten begleitet. Sie waren mit einigem Fleiße ausgearbeitet, aber doch so, daß sie von der Natur nicht allzuweit abwichen. Die Sprüche waren kurz, kläglich, pathetisch, aber nicht allzu geschmückt. – – Nach diesen Mustern scheinen alle Elegien der alten Hebräer ausgearbeitet zu seyn. – Die Klaglieder des Jeremias sind die vortrefflichsten, die wir in dieser Art aufzuweisen haben.

Das ganze Werk besteht aus 5 Theilen. In dem ersten, zweyten und vierten redet der Poet, [273] oder führet Jerusalem redend ein. In dem dritten redet das Chor der Juden, unter einer einzigen Person vorgestellt, wie solches auch bey den Griechen üblich gewesen. Der fünfte Theil ist eine Art von Epilogus.

Die Anfangsbuchstaben der Perioden in den ersten vier Theilen gehen in alphabetischer Ordnung fort, welche Gewohnheit von den orientalischen Dichtern allezeit beobachtet zu werden pflegt, wenn ihre Gedanken, oder die Materien, die sie abhandelten, nicht genug zusammen hieng.

Die Verse sind in diesen Elegien fast um die Hälfte länger, als in allen übrigen hebräischen Gedichten. Sie bestehen größtentheils aus zwölf Sylben, wenige ausgenommen, die entweder nicht so viel, oder zwo und vielleicht drey Sylben mehr haben. Doch kann dieses in der Ungewißheit, darinn wir wegen der Anzahl der Sylben stehen, nicht genau genug bestimmt werden. Es scheint indessen, daß dieses längere Sylbenmaas der hebräischen Elegie eigen gewesen sey.

Der Inhalt dieses Gedichtes ist die Einäscherung des heiligen Tempels, der Untergang des jüdischen Königreichs, und die Wegführung des Volks. Der Prophet bedauert das Elend seines Vaterlandes so wehmütig und so rührend, daß unser Verfasser sein Gedicht für das vollkommenste Muster von Elegien hält, die jemals gemacht worden sind. Was kann poetischer und rührender seyn, als die Beschreibung der blühenden Stadt, der Fürstinn der Völker, die jetzt als eine Wittwe sitzet, einsam, betrübt, verlassen, von ihren Freunden, und von ihren [274] Angehörigen selbst verrathen. Vergebens breitet sie die Hände aus, und fleht um Hülfe, da ist keiner, der sie tröstet. Oder was kann beweglicher seyn, als diese sanfte und wehmüthige Klage:

Euch rührt das nicht, die ihr vorübergehet? O schauet! sehet!
Ob irgend ein Schmerz sey, wie mein Schmerz, der mich getroffen,
Da mich Gott voll Jammers macht, am Tage seines grimmigen Zorns.
Darum weine ich so; mein Auge, mein Auge fließt von Wasser,
Denn der Tröster ist von mir entfernt, der meine Seele erquicke.
Nun sind meine Kinder dahin, denn ach! es sieget der Feind.
                                                                     (c. I. 12, 16.)

Die drey und zwanzigste Lection. Von der übrigen hebräischen Elegien. Man findet weit mehr Exempel von dergleichen vortrefflichen Elegien in der heiligen Schrift. Alle pathetische Reden Hiobs sind, wenn sie aus dem Zusammenhange genommen und einzeln betrachtet werden, vollkommene Elegien, und ein großer Theil der Psalmen kann zu dieser Art von Gedichten gerechnet werden. Der 42ste Psalm hat alle Kennzeichen einer wahren Elegie, und unterscheidet sich besonders durch einen Rythmus, der mit dem Rythmus in den Klageliedern des Jeremias eine merkliche Aehnlichkeit hat. Der Beschluß von dieser Lection machet eine Uebersetzung der Trauerode Davids auf den Tod des Königs Saul und seines [275] Sohnes Jonathan, in sehr schönen lateinischen Versen.

Die vier und zwanzigste Lection. Von didactischen Gedichten. Zu allen Zeiten hatten alle Völker die Gewohnheit durch Sprüche zu lehren. Ihre Weisheit war damals noch nicht in Ordnung gebracht, und ihre Wissenschaft nicht nach den Regeln der Kunst ausgeführet; daher stunden die größten Geister auf und trugen alles, was sie wußten, oder durch lange Erfahrung herausgebracht hatten, gleichsam in einen kurzen Auszug zusammen, um das Volk von ihren Grundsätzen zu unterrichten, die sie ihnen mehr anzurathen, als durch Beweise einleuchtend zu machen suchten. Um ihnen aber diese Vorschriften nicht allzustreng und unangenehm vorzutragen, wurden sie in kurzen und sinnreichen Sätzen ausgedruckt, mit kleinen Annehmlichkeiten geschmückt, mit Figuren, Bildern und Gleichnissen durchwirket, wodurch die Gemüther des rauen Volks zum Besten der Tugend eingenommen wurden. – – Bey den Hebräern ist diese Lehrart beständig im Schwange gewesen. Von dieser Gattung sind die vortrefflichen Sprüche Salomons, in welchen größtentheils eine zierliche, erhabene und vollkommen poetische Schreibart herrschet; und der Prediger Salomons, welcher sowohl der Einrichtung als dem Ausdrucke nach von den Sprüchen sehr unterschieden ist. Es herrschet eine so ungemeine Dunkelheit in dieser Schrift, daß man weder von der Absicht, noch von der Disposition der Theile in derselben etwas gewisses bestimmen kann. Die Schreibart ist ganz son[276]derbar, gemein, öfters ausschweifend, aber niemals poetisch. Zwo Gedichte von dieser Art gehören mit zu der hebräischen Dichtkunst, ob wir sie gleich itzo nicht anders als griechisch lesen. Der Syrach, welcher von einem Enkel des Verfassers aus der hebräischen Sprache übersetzt ist, und die Weisheit Salomons, welche von einen Juden als eine Nachahmung der Sprüche Salomonis abgefaßt worden. Da die hebräische Urschrift itzt verlohren ist; so hat Lowth einen Versuch gemacht, aus der griechischen Uebersetzung die Urschrift zu errathen, und in der Probe, die er davon liefert, ist ihm dieses Unternehmen ziemlich gelungen. Sein Ausdruck größtentheils ist vollkommen hebräisch, und nur an einigen Stellen sind ihm kleine Sprachunrichtigkeiten, oder matte und ungewöhnliche Redensarten entwischt. Wer aber das Genie der hebräischen Sprache nur ein wenig kennet, der wird leicht den Unterschied einsehen, zwischen der ungekünstelten Schreibart eines Lowths, und dem geschraubten, räthselhaften Styl eines Professors in Helmstädt, der vor einiger Zeit hebräische Oden herausgegeben hat.

Die fünf und zwanzigste Lection. Von der Ode; der erste Charakter der hebräischen Ode. Die Ode ist nichts anders als der Ausbruch fröhlicher und heftiger Affecten, als der Freude, der Bewunderung, des Zorns und der Liebe. Alle gesittete Völker haben das Lob der Gottheit in Hymnen und Lobliedern gefeyert; allein die Hebräer haben es ihnen besonders in dieser Art von Gedichten zuvorgethan. Für eine jede glückliche [277] Begebenheit, für einen Sieg, den das Volk davon trug, wurde dem Herrn in freudigen Liedern gedankt. In den Schulen der Propheten, die noch lange Zeit vor den Königen geblühet haben, wurden die Jünger vornehmlich in der Musik und heiligen Dichtkunst unterrichtet. Unter dem Könige David ist die Tonkunst und Poesie im höchsten Flore gewesen. Vier tausend Sänger und Musikverständige wechselten mit einander ab, in dem Tempel Hymnen zu singen, und den Gesang mit vielfältigen Instrumenten zu begleiten. Bey dieser Gelegenheit wurden die meisten Psalmen verfertiget, die sich bis zu unsern Zeiten erhalten haben. Allein sie sind ihres vornehmsten Schmuckes beraubt, weil wir weder von ihren Instrumenten noch von ihrer Musik die geringste Kenntniß haben. Wir können also von diesen göttlichen Oden nichts weiter sagen, als was die Poesie betrifft. – – – Hier wird der Charakter der Ode überhaupt, ihre bekannte schöne Unordnung, der feurige Styl und der ungebundene Uebergang von einer Figur auf die andere beschreiben, dadurch sie sich von allen andern Arten von Gedichten merklich unterscheidet. Allein wir eilen der Kürze halber auf die Anwendung, die Lowth von diesen Regeln auf die hebräische Oden machet. – – Er theilt sie in drey Classen ein. Sie sind entweder angenehm, oder erhaben, oder sie halten ein Mittel und haben etwas von beyden Charaktern.

Ob sich gleich die hebräische Ode niemals so sehr herunterläßt, daß sie sich mit unerheblichen Dingen beschäfftigen sollte; so fehlt es ihr dennoch [278] nicht an gelindern und gefälligern Affecten, an reizenden Bildern und an einem sanftfließenden Ausdrucke, dadurch sie öfters in die Classe der angenehmen Oden versetzt zu werden verdienen. Die Gemüthsbewegungen, welche darinn am meisten Statt haben, sind Liebe, Hoffnung, Verlangen, eine gemäßigte Freude, und ein gelinder Schmerz. In dem 63 Psalm herrschet Liebe und Verlangen; in dem 80sten ein Schmerz, der sich mit einiger Hoffnung tröstet; in dem 82 eine Hoffnung, die der Freude nahe kömmt; und der 92 ist voller inniglicher aber gemäßigter Freude – Hierauf folgen einige Beyspiele, und endlich der 133ste Psalm in sehr schönen lateinischen Versen übersetzt.

Die sechs und zwanzigste Lection. Von dem mittlern Charakter der hebräischen Ode. Dieser hält, wie wir oben berührt, das Mittel zwischen der angenehmen und der erhabenen Ode. Der 93ste Psalm besinget die Sicherheit, den Sieg und die Belohnung des Gottseeligen.

Wer unter dem Schirm des höchsten sitzet,
Wer unter den Schatten des Allmächtigen wohnet,
Wer zu Gott sagt, mein Schutz und meine Burg!
Mein Gott auf den ich vertraue;

Und plötzlich ohne die andere Hälfte des Satzes hinzuzuthun, redet der Dichter den Gottesfürchtigen an:

Denn er rettet dich, vom Netze des Jägers,
Und von der tödtlichen Pest.
Er wird dich mit seinem Fittige bedecken,
Und unter seinen Flügeln wirst du dich schützen,
Seine Wahrheit ist Schirm und Schild.

[279] Dieser Psalm hat sowohl seiner Einrichtung, als dem Ausdrucke nach, sehr viel ähnliches mit der horazischen Ode: Quem tu Melpomene semel etc. ob gleich Horaz von unserm göttlichen Dichter an Würde, Nachdruck und Annehmlichkeit weit übertroffen wird. In der Fortsetzung dieser Lection wird der mittlere Charakter der hebräischen Ode näher bestimmt, und mit der Pindarschen Ode verglichen; und endlich werden zwey Exempel angeführt, wie in diesen Gedichten die Affekten zu bearbeiten sind. Der 77ste Psalm fängt plan und niedrig an, und steiget allmälig bis auf den höchsten Grad der Erhabenheit: der 10te hingegen ist gerade das Gegenheil hiervon. Der Anfang ist prächtig und erhaben, und nach und nach verliert sich der Poet in die gelindesten und inbrünstigsten Affekten der Gottesfurcht. Diese Ode wird gleichfalls in lateinische Verse übersetzt, geliefert.

Die sieben und zwanzigste Lection. Von dem dritten Charakter der hebräischen Ode. In diese Classe haben wir oben diejenigen Oden gesetzt, die sich besonders an Erhabenheit ausnehmen. Das Erhabene in Gedichten entspringt entweder aus dem Vorwurfe selbst, oder aus der Art und Weise, wie ihn der Poet bearbeitet hat. Ein Exempel von der letzten Art ist der 50ste Psalm, dessen Inhalt eigentlich didactisch ist, und zur theologischen Sittenlehre gehört. Es wird darinn die Wahrheit ausgeführt, daß Gott mehr Wohlgefallen finde an Frömmigkeit und Dankbarkeit des Herzens, als an allen Opfern und äußern gottesdienstlichen Bezeigungen. Aber wie erhaben wird [280] diese an sich bloß moralische Materie, unter den Händen des göttlichen Dichters. Gleich im Eingange wird Gott selbst eingeführt, wie er das ganze menschliche Geschlecht zusammen rufet, um mit seinem Volke gleichsam öffentlich zu richten.

Gott der Götter, Jehova
Redet und ruft der Welt,
Vom Aufgange der Sonne bis zum Niedergange;
Aus Zion bricht der Glanz seiner Herrlichkeit an.

Darauf wird die Majestät der ankommenden Gottheit beschrieben, und die Bilder dazu von seiner Erscheinung auf dem Berge Sinai entlehnt:

Es kommt, unser Gott, und schweigt nicht,
Vor ihm verzehrt ein Feuer,
Und um ihn stürmt es gewaltig.

Worauf alsdenn der Herr selbst sein Volk vermahnet, und demselben in eben so erhabenen Ausdrückungen sein Wohlgefallen offenbaret.

Von der zwoten Art, wovon nämlich der Inhalt an und für sich selbst schon majestätisch und erhaben ist, ist der 24ste Psalm. – Deutsche Leser können in den Cramerischen Psalmen eine Uebersetzung von dieser Ode lesen, die wenigstens nach unserm heutigen Geschmacke das Original gewissermaßen übertrifft. * – – Das Lied Moses nach dem Uebergang über das rothe Meer, ist abermals ein Beyspiel von einer überaus erhabenen Ode. Welch ein gewaltiger Ausbruch von Leidenschaften, die ih[281]rer Heftigkeit ungeachtet, dennoch der Natur angemessen und nicht übertrieben sind.

Wer ist wie du unter den Göttern, Jehova!
Wer ist wie du, mit Heiligkeit geschmückt?
Furchtbar im Lobe, wunderthätig,
Du strecktest die Hand aus, und die Erde verschlang sie (die Feinde).

Die acht und zwanzigste Lection. Fortsetzung von dem dritten Charakter der hebräischen Ode. Alsdenn erreichet erst die Ode die höchste Stufe der Erhabenheit, wenn sowohl Materie als Ausdruck und Gedanken das ihrige dazu beytragen. Beyspiele hiervon sind unter andern die prophetische Ode Moses im 5ten Buche, das Danklied Debora, und die erhabene Rede des Habakuks. Endlich liefert unser Verfasser das Triumphlied der Israeliten, (Jes. XIV.) über die Zerstörung Babels in vortrefflichen lateinischen Versen übersetzt, die gewiß kein Kenner dieser Sprache ohne ein ungemeines Vergnügen lesen wird.

Die neun und zwanzigste Lection. Von der hebräischen <Idylle>. Man findet einige hebräische Gedichte oder שירים, die von der lyrischen Poesie etwas abweichen, und also für keine Oden gehalten werden können; allein sie haben sehr viel Aehnlichkeit mit den griechischen Idyllen, deswegen sie auch Lowth mit diesem Namen belegt. Von dieser Art sind einige historische Psalmen als der 78ste, der 105 und 106ste, deren Dichtungsart nicht so kühn, nicht so erhaben ist, als wir sonst bey den hebräischen Psalmen gewohnt sind. Die Be[282]gebenheiten werden natürlich erzählt, mit sinnreichen Sprüchen geschmückt, und öfters auch mit kleinen Episoden ausgefüllet. Der 136ste Psalm hat vor andern die völlige Einrichtung der griechischen Idylle. Das letzte Distichon des ersten Verses, wird von dem Chore bey einem jeden der nachfolgenden Verse wiederholet. Dieser so oft wiederholte Halbvers enthält in wenig Worten den Endzweck des ganzen Gedichts, wodurch das Gemüth bey einem jeden Intervalle auf die Hauptabsicht zurückgeführt wird, und die Beyspiele Theokrits, Bions, Moschus und Virgils beweisen, daß diese Einrichtung den Idyllen eigenthümlich sey. Der 107te Psalm verdienet unter die vortrefflichsten dieser Art gezählet zu werden. In diesem Gedichte wird die Güte und Barmherzigkeit Gottes besungen, die er allen Bedrängten angedeihen läßt, wenn sie ihn in der Noth um Hülfe anflehen. Es besteht aus fünf Theilen, in deren ersten diejenigen vorkommen, die in Wüsten herumirren, und vom Hunger geplagt sind; im zweyten solche, die in Ketten liegen, und als Sclaven seufzen; im dritten, die von einer Krankheit überfallen werden; im vierten, die auf dem Meere herumtreiben, und aus der Gefahr gerettet werden. In dem fünften werden einige Beyspiele angeführet, von der Güte Gottes gegen die Frommen, und von seiner Strenge wider die Gottlosen.

Zwischen den vier ersten Gliedern wird jedesmal folgender Vers wiederholt, darinn der Inhalt des ganzen Gedichts liegt.

[283] Sie verdanken dem Herrn seine Gnade,
Und seine Wunder für die Menschenkinder.

Indessen können noch verschiedene andere Psalmen zu den Idyllen gerechnet werden, obgleich die berührte Wiederholung eben desselben Verses nicht darinn vorkömmt. Der Vorwurf des Gedichts wird allzuordentlich, allzuvollständig darinn ausgeführt, als daß sie sollten für Oden gehalten werden können. Von dieser Art ist der 104te Psalm (von welchem man im Deutschen einige mittelmäßige Nachahmungen in den Neuen Beyträgen zum Vergnügen finden kann.) Niemals ist des Herrn Lob aus der Betrachtung seiner Werke prächtiger, erhabener oder zierlicher besungen worden, und keine von den Hymnen der alten Griechen kann diesem unvergleichlichen Gedichte an die Seite gesetzt werden, außer dem Gebethe des Stoikers Cleanthes, welches ihm, sowohl der Einrichtung als Ausführung nach, sehr nahe kömmt.

Die dreyßigste Lection. Daß das hohe Lied Salomonis kein rechtes Drama sey. Unter dem Worte Drama versteht man zwar gemeiniglich nur zwo Arten von Gedichten, nämlich das Lustspiel und das Trauerspiel. Indessen können gewissermaßen alle Gedichte dramatisch genennt werden, in welchen der Dichter in einigen Stellen schweiget, und seine Personen selbst reden läßt. Man kann also die dramatische Poesie in zwo verschiedene Arten eintheilen, deren eine nur an einigen Stellen die Sprache, Sitten, Leidenschaften und Handlungen der eingeführten Personen nachahmet; die andere hingegen besteht in der [284] Vorstellung einer einzigen ganzen Handlung, von einer gehörigen Größe, die durch eine Reihe von in einander gegründeter Handlungen bis auf einen gewissen Ausgang geführt wird. Man weiß, daß diese Erklärung sowohl das Wesen der Trauerspiele als der Lustspiele in sich schließt.

Von der ersten Art sind bereits oben hier und da einige Beyspiele aus der heiligen Schrift angeführt worden. Ob sich aber unter den hebräischen Gedichten welche finden, die zu der letztern Art gehören sollten, verdienet näher untersucht zu werden. Nun sind das Buch Hiob und das hohe Lied die einzigen, von welchen man mit Grunde zweifeln kann, ob sie zu der letztern und höhern Art der dramatischen Dichtkunst gehören.

Das hohe Lied, (welches seiner Vortrefflichkeit halber mit diesem Namen belegt <worden>) ist ein Hochzeitgedicht, darinn die Gewalt und die Süßigkeiten einer keuschen Liebe, und ihre feuerigen und lieblichsten Leidenschaften fast unnachahmlich ausgedrückt werden. Salomon unterredet sich mit seiner Braut, in Anwesenheit ihrer Gespielinnen, welche dabey die Stelle des Chors vertreten, und zuweilen selbst an dem Gespräche Theil nehmen. Bossuet theilt dieses Gedicht in sieben Tage ein, als so lange bey den Hebräern das Hochzeitfest begangen zu werden pflegte. – Diese Meinung wird genau untersuchet und mit großem Beyfalle angenommen. Kann aber das hohe Lied für ein solches dramatisches Stück gehalten werden, in welchem eine einzige ganze Handlung durch verschiedene an einander hängende Begebenheiten ausgeführt wird? – Lowth [285] verneinet es, und zwar aus der Ursache, weil vom Anfange des Gedichts bis zum Ende keine Abwechselung in den Begebenheiten, keine Veränderung der Glücksumstände vorkommen. Alles bleibt in einerley Zustand. Nur die Affekten der Liebenden wechseln mit einander ab, nachdem sie bald abwesend einander sehnend suchen, bald gegenwärtig sich ihre Liebe zu erkennen geben. Allein hierinn lieget weder mehr Handlung noch mehr Fabel, als in den dramatischen Schäfergedichten Theokrits oder Virgils, die doch niemand mit den Fabeln eines Euripides oder eines Terenz in eine Classe setzen wird. Man kann also sicher schließen, daß das hohe Lied zu der ersten niedrigen Art von dramatischen Gedichten gehöret.

Die ein und dreyßigste Lection. Von dem Inhalte und Ausdrucke des hohen Liedes. Dieses Gedicht wird von einigen nach den Worten angenommen, von andern für eine Allegorie. Lowth stimmt der letztern Meinung bey, und widerlegt alle Einwürfe, die dawider gemacht werden könnten. Wir finden es nicht für nöthig, aus dieser Untersuchung etwas anzuführen, weil der mystische Sinn eines Gedichtes nicht mehr zu dem Gebiethe der Kritik gehört. Es ist dem schönen Geiste völlig einerley, ob Homers Iliade außer dem wörtlichen, wie einige glauben, noch einen allegorischen Verstand hat oder nicht, und vielleicht würde dieses Meisterstück des Alterthums in seinen Augen noch einige Schönheit verlieren, wenn er glauben könnte, der Poet habe allenthalben sein Augenmerk auf gekünstelte Anspielungen gerichtet. Es werden auch, [286] wie wir hoffen, die wenigsten von unsern Lesern in Zweifel ziehen, daß in dem hohen Liede etwas mehr als eine weltliche Liebe verborgen liege. Desto nöthiger wird es hingegen seyn, von der Schreibart dieses Gedichts etwas zu sagen.

Wir haben bereits angeführt, daß es ein Schäfergedicht sey. Die Großen des jüdischen Reichs hielten es für keine allzuniedrige Beschäfftigung, zuweilen die Pflege ihrer Heerde zu übernehmen, und der Vater unsers Dichters, der König David, wurde aus dem Schäferstande unmittelbar auf den Thron versetzt. Das unschuldige Schäferleben ist bekanntermaßen eine reiche Quelle von anmuthigen und naiven Bildern, und wie viel diese natürliche Beschreibungen durch die Würdigkeit des hebräischen Ausdrucks gewinnen, läßt sich aus folgenden Beyspielen einigermaßen abnehmen, ob sie gleich durch die Uebersetzung nothwendig vieles verlieren müssen.

Stehe auf, meine Schäferinn!
Meine Schöne! und gehe hinaus.
Siehe! der Winter ist vergangen,
Der Regen ist weg und dahin,
Die Blumen zeigen sich auf dem Gefielde,
Die Zeit der Gesänge ist da,
Und die Stimme der Turteltaube hört man im Lande.
Der Feigenbaum hat seine Früchte gewürzet,
Und der blühende Weinstock verbreitet Gerüche.
Wohlan! Stehe auf, meine Schäferinn!
Meine Schöne! und komme hinaus.
                                                 (c. II. 10-13.)

[287] Ferner:

Wie schön sind deine Liebkosungen, meine Schwester! meine Braut!
Wie viel holder deine Liebkosungen, denn köstlicher Wein,
Und deiner Salben Geruch, als alle Gewürze.
Honig träufelt von deinen Lippen, meine Braut u.s.w.
                                                 (c. IV. 10.)

Wie schön wird nicht in folgenden Versen die Gleichheit der Zähne, und die Ordnung, in welcher sie sich ausnehmen, beschrieben,

Deine Zähne gleichen der abgetheilten Heerde,
Die aus der Schwemme hinaufkömmt.
Alle sind wie Zwillinge gepaart,
Und niemand seines Nachbars beraubt.

Die zwey und dreyßigste Lection. Von dem Inhalte und der Absicht des Buchs Hiob. Unter allen Denkmälern des jüdischen Alterthums ist das Buch Hiob das einzige, das gar keine Beziehung auf die Angelegenheiten ihres Reichs hat. Die Geschichte soll sich im Lande Uz, oder Idumäa zugetragen haben. Alle redende Personen sind Idumäer, oder Araber. Die Schreibart ist rein Hebräisch, obgleich der Verfasser vielleicht selbst ein Idumäer gewesen ist. Denn es ist sehr wahrscheinlich, daß alle Kinder Abrahams, worunter die Idumäer mit begriffen sind, eine lange Zeit bey der lautern hebräischen Mundart geblieben sind. Indessen ist es sehr zweifelhaft, wer eigentlich der Verfasser davon sey. <Lightfoot> hält Elihu dafür, allein mit wenigem Grunde. Andere [288] wollen dieses Gedicht Mosen zuschreiben; allein erstlich finden sich keine Spuren von Anspielungen auf den damaligen Zustand der Israeliten darinn, die Moses gewiß nicht ausgelassen haben würde. Zu dem ist die Schreibart in diesem Gedichte kürzer, gedrängter und richtiger in Sprüche abgetheilt, als die Gedichte, die wir vom Moses lesen. Lowth hält den Hiob selbst, oder einen Zeitgenossen von ihm, für den Verfasser. Die Geschichte scheint ihm nicht erdichtet zu seyn, sondern er glaubt, der Dichter habe sie poetisch ausgeschmückt. Den Inhalt und die Einrichtung dieses Gedichts, beschreibet unser Verfasser so umständlich, daß wir die Leser lieber auf ihn selbst verweisen, als einige Stücke aus der Mitte reißen wollen. Der Endzweck hingegen dieses Gedichts scheint zu seyn, die Menschen auf die Betrachtung zu führen, wie schwach, wie eingeschränkt, und wie verkehrt ihr ganzes Wissen sey, und wie sie sich in allem der göttlichen Macht, Gerechtigkeit und unerforschlichen Weisheit unterwerfen müßten.

Die drey und dreyßigste Lection; daß das Buch Hiob kein rechtes Drama sey. Will man unter dem Worte Drama ein Gedicht verstehen, in welchem die redenden Personen selbst aufgeführet werden, ohne daß sie der Poet unterbreche; so kann dem Hiob eben so wenig als dem Hohenliede diese Benennung streitig gemacht werden. Der historische Anfang gehört eben so wenig als das Ende zu dem Gedichte. Sie sind nichts als Erläuterungen und Anzeigungen des Inhalts, die vielleicht von einem andern hinzugethan worden sind. Wenn [289] aber einige dieses Gedicht mit dem Trauerspiele der Alten vergleichen, und es für ein wahres Schauspiel halten wollen; so scheinen sie die wichtigsten Regeln des Trauerspiels aus den Augen gelassen zu haben, ohne welche man niemals richtig von theatralischen Stücken urtheilen kann.

Die Fabel oder die Handlung, ist das vornehmste in einem Trauerspiele. Ihr Wesen besteht in der Nachahmung wichtiger Gegenstände, dadurch Glück oder Unglück veranlaßt worden ist. Die Nachahmung der Sitten und Gesinnungen ist nur ein Nebenwert, ohne welches ein Trauerspiel noch immer bestehen kann; allein ohne Handlung, ohne wichtige Veränderung der Umstände, bleibt ein Gedicht immer noch eine Erzählung, ob es gleich ein Drama von der niedern Gattung ist. Nun gehet in dem Gedichte Hiob, keine Handlung, kein Glückswechsel während der ganzen Vorstellung, bey einer von den Personen vor. Die Erzählung, wie Hiob glücklich gewesen, kann nicht zu den Gedichten gerechnet werden. Der Poet muß also gleich in der ersten Scene alle Veränderungen als geschehen voraussetzen. Hiob ist bey der Eröffnung der Schaubühne schon in seinem elenden Zustande, und nur seine Gesinnungen leiden durch die harte Züchtigung seiner Freunde einige Veränderung. Allein die Glücksumstände bleiben einerley, bis zuletzt abermals prosaisch erzählt wird, wie Hiob wiederum in den vorigen Stand gesetzt worden sey; allein dieser Ausgang folget keinesweges aus der Einrichtung des Stückes, und gehöret nicht einmal mit zu dem Gedichte.

[290] Hätte Sophocles seinen Oedip mit dem letztern Auftritte angefangen; hätte er seinen Held blind, entstellt, von Unglück, Reue, Mitleiden mit seinen Kindern, Abscheu für sich selbst, und betrübter Erinnerung seines vorigen Glückstandes, bestürmt, gleich bey der Eröffnung der Schaubühne auf den Schauplatz gebracht, hätte er seine Klagen, seine Verzweiflung von einigen Anwesenden misbilligen, von andern mit Erbarmen anhören lassen; so wäre sein Gedicht dem Hiob ähnlich, aber kein Trauerspiel gewesen.

Sophokles läßt zwar eben denselben Oedip in einem andern Trauerspiele unter dem Titel Oedipus in Colon, wirklich gleich Anfangs in seinem Elende auf der Schaubühne erscheinen. Bemüht er sich aber damit, das Wehklagen seines Helden, von dem Zureden und harter Züchtigung seiner Freunde hier und da unterbrechen zu lassen? Keinesweges! Eine ganz neue Verwickelung von Umständen muß ihm aus dem Unglücke des Oedips selbst entspringen, darinn die Handlung, der Knoten und das ganze Wesen des Trauerspiels lieget. Das Schicksal der Thebaner und der Athenienser hänget davon ab, ob Oedip zu Colon bleibet, dahin ihn seine Töchter geführet hatten, oder ob er in sein Vaterland zurückkehren soll. Die beyden Kinder Oedips haben sich entzweyet. Creon kömmt den Oedip nach Theben zurück holen. Oedip will Colon nicht verlassen, und Theseus schützt ihn wider die Gewalt, die Creon gebrauchen will. Hier ist alles in Bewegung, alles in Handlung. Die Sitten und Leidenschaften der Menschen äußern [291] sich mehr durch Anschläge und Handlungen, als durch moralische Betrachtungen, die sie anstellen. Ein solches Gedicht ist geschickt auf der Schaubühne durch die lebendige Vorstellung rührender, nachahmender und tragischer zu werden. Ein Gedicht wie der Hiob hingegen, kann durch die Vorstellung nichts gewinnen. Was können die Schauspieler mehr dabey thun, als die Verse mit einigem Anstand declamiren? Wir haben nur zu hören, und die größte Kunst des Schauspielers, die er in kritischen Situationen zeiget, kann ihm hier zu nichts helfen. Es bleibet also dabey, daß auch der Hiob kein wahres Drama sey.

Daß man ihm aber nicht mit dem Namen eines wahren Schauspieles auch zugleich das Lob eines vortrefflichen Gedichtes abspreche, wird die folgende Lection lehren.

Die vier und dreyßigste Lection. Von den Sitten, Gedanken und Ausdrucke in dem Buche Hiob. Die Sitten sind solche Eigenschaften gewisser Personen, durch welche sie ihre Absicht, ihre Art zu denken zu leben und zu handeln an den Tag legen, und um deren Willen sie eigentlich diese und keine andere Personen sind. Hiob, die vornehmste Person in unserm Gedichte, ist ein Muster der Tugend, aber nicht ohne menschliche Schwachheit. Er ist heilig, fromm, gottesfürchtig und von seiner Rechtschaffenheit überzeugt; aber er ist zu schwach den heftigsten Schmerzen zu widerstehen. Er klaget, murret, wünschet sich den Tod, und auf die Vorwürfe, die ihm seine Freunde machen, geräth er nur destomehr in Wuth, und scheinet in seiner [292] Heftigkeit sich wider Gott aufzulehnen, indem er sich allzusehr auf seine Rechtschaffenheit zu verlassen scheinet.

Wenn Hiob gleich öfters wider die göttliche Schickung murret, ja wenn er auch die verwägensten Klagen wider seinen Schöpfer ausstößet, so höret sein Charakter deswegen nicht auf, gut zu seyn. Sein Vergehen kömmt mehr von Verzweiflung als von Verkehrtheit oder Gottlosigkeit her. Er vertrauete, wie wir gesagt haben, allzusehr auf seine vermeinte gerechte Sache. Er glaubte gerecht vor dem Herrn gewandelt, und keine so entsetzliche Strafe verdient zu haben. Seine Klagen sind ihm eine kleine Linderung, weil sein Herz voll, und sein Gemüth bis zur Verzweiflung aufgebracht ist. Eliphas verweiset ihm sein ungeduldiges Klagen, und die geringe Standhaftigkeit, die er bezeiget, mit sehr nachdrücklichen Worten. Worauf Hiob zwar in etwas zu sich zu kommen scheinet. Sein Gemüth wird ruhiger, und er ist nunmehr im Stande seine Gedanken deutlicher und mit mehr Mäßigkeit zu erkennen zu geben.

So war Gott lebet, der mir die Gerechtigkeit entzieht,
Und der Allmächtige, der meine Seele betrübt.
(Dennoch ist mein Seele in mir,
Und der Geist Gottes in meiner Nasen)
So wahr redet meine Zunge nie Unrecht,
Und von meinen Lippen kömmt kein Betrug.
Das sey ferne! daß ich euch recht gebe.
Bis ich vergehe will ich von meiner Frömmigkeit nicht weichen;
[293] Ich halte fest an meiner Gerechtigkeit, und lasse nicht ab,
Und mein Herz soll mich mein Lebelang nicht schänden.
                                                 (Hiob XXVII, 27.)

Welch ein vortreffliches Bild macht er uns von dem Leben, das er im Wohlstande geführt hat, und von dem Ansehen, in welchem er unter seinem Volke stand! (XXIX, 710) Von seiner Mildthätigkeit und Bereitwilligkeit, einen jeden mit seiner Hülfe beyzuspringen (XXIX, 1113.)

Das Ohr, welches mich hörte, pries mich selig,
Das Auge, welches mich sah, gab mir Zeugniß.
Denn ich errettete den Armen, der da schrie,
Und den Waisen, dem niemand half.
Des Hülflosen Segen kam auf mich,
Und das Herz der Wittwen habe ich erfreuet.

Aristoteles sagt, man soll in einem Trauerspiele Personen, die in einem hohen Grade tugendhaft sind, nicht unglücklich werden lassen, weil eine solche Begebenheit mehr Unwillen und Kränkung verursachet, als Schrecken und Mitleiden. Hiermit will Aristoteles nicht sagen, daß das Unglück vollkommen tugendhafter Menschen gar kein Schrecken oder Mitleiden erregen sollte; denn sonst würde er seinen eigenen Grundsätzen widersprechen. Allein nach der hohen Meinung *, die er von der menschlichen Tugend hatte, hielt er es für unwürdig, für abscheulich, wenn vollkommen tugendhafte Perso[294]nen leiden sollten. Diese Regel läßt sich hingegen nach unsern Begriffen keinesweges auf den Hiob anwenden. So nahe er in der Tugend der Vollkommenheit kömmt; so wenig fehlt es ihm an menschlichen Schwachheiten, um uns zum Mitleiden zu bewegen, oder einen Schrecken einzujagen. Wenn der Rechtschaffenste unter den Sterblichen, wider die göttlichen Schickungen nicht murren darf, wer kann denn vor dem Herrn bestehen? Wenn vollkommen tugendhafte Personen in das größte Elend verfallen, wer kann sich bereden, vor allem Uebel befreyet zu seyn? Die Absicht dieses ganzen Gedichts ist, dem Menschen die Zuversicht zu benehmen, die sie zu ihrer eigenen Tugend haben. Cap. XVII, 8, 9 saget Hiob:

Darüber werden die Gerechten erstaunen,
Und wider die Heuchler Unschuldige aufstehen.
Der Fromme wird fest auf seinem Wege beharren,
Und der reiner Hände ist, an Standhaftigkeit zunehmen.

Die Charaktere seiner Freunde sind so, wie sie die Absicht des Gedichts erfordert. Sie sind streng, nachdrücklich in ihren Verweisen, voller Eifer und durch den frommen Vorsatz ihn zu trösten, öfters unwillig und züchtigend, Cap. XI, 2, 3.

Soll man auf viele Worte nichts antworten,
Und muß, wer viel redet, denn Recht haben?
Soll was du wähnest, die Menschen schweigen machen?
Willst du spotten, und dich soll niemand beschämen?

[295] und Cap. XVII. 3-5.

Warum werden wir geachtet, wie Vieh?
Und sind so unrein in euern Augen?
O der du in deinem Zorn, deine Seele selbst zerreißest,
Soll um deinetwegen die Erde verlassen,
Und der Fels von seinem Orte versetzt seyn.

Die Sitten der dreyen Freunde sind fast einerley. Sie haben alle eben dieselbe Meinung von Hiobs Schicksal, und thun ihm fast durchgehends eben dieselbe Vorstellung. Nur daß sie mit einander abwechseln, und wenn der eine schweigt, und dem Hiob Recht zu geben scheint; so nimmt ein anderer die Rede für ihn auf. Sollte hier die Genauigkeit der Neuern eine Mannigfaltigkeit in den Charakteren fordern; so wird man diesen Mangel der Einfalt der alten Poesie desto eher zu gute halten, da sie ihn durch so viel andere Schönheiten zu ersetzen gewußt.

Indessen hat Elihu wirklich einen abstechenden Charakter. Er ist lange so strenge und so bitter nicht, als die übrigen Freunde. Er ist gelinde, fromm, billich, von Bitterkeit und Schmeicheley gleich weit entfernt, und wenn die andern Hiob nur noch mehr reizen, so weis ihn Elihu durch sein bescheidenes Zureden wieder zu besänftigen.

Der Ausdruck in einem Gedichte bezieht sich entweder auf die Personen, oder auf andere Dinge. Im ersten Fall werden Leidenschaften und Gesinnungen, und im letztern Beschreibungen vorgebracht. Die Leidenschaften im Hiob sind erhaben und überaus heftig, wie man aus den angeführten Exempeln [296] gesehen haben wird. Indessen fehlt es auch an gelinden Gemüthsbewegungen nicht, die geschickt sind, Mitleiden zu erregen. Cap. XIV. 1, 2, 3, 6.

Der Mensch vom Weibe gebohren,
Ist kurz von Zeit, und von Unruh satt.
Wie eine Blume, gehet er auf und welkt,
Fleucht wie ein Schatten, und bestehet nicht.
Und auch auf ihn thust du deine Augen auf
Und mich führst du ins Gericht vor dir? –
Laß ab von ihm, daß er ruhe,
Daß er seine Zeit wie ein Tagelöhner abwarte.

Die ganze Stelle ist voll von den vortrefflichsten Bildern, und ganz im Styl der Elegie geschrieben: zuletzt wird der Schmerz heftiger, aber er ist immer noch kläglich und sanftrührend. Cap. XIX, 2, 3, 21, 22.

Wie lange plagt ihr doch meine Seele
Und quälet mich mit Worten?
Es sind nun zehnmal, daß ihr mich höhnt
Ihr schämet euch nicht, und dringet in mich. –
Erbarmt euch mein, erbarmt euch mein, ihr meine Freunde!
Denn die Hand Gottes hat mich geplagt.
Warum verfolgt ihr mich, wie Gott,
Und werdet meines Fleisches nicht satt?

Von den Beschreibungen wollen wir nur ein einziges Beyspiel anführen, von dem kriegerischen Pferde Cap. XXXIX, 24, 25, (weil wir die übrigen Thiere, die in diesem Gedichte beschrieben, nicht so genau kennen, und folglich nicht urtheilen können, ob die Beschreibungen richtig sind.) Wie vortreff[297]lich wird nicht sein Muth, seine Behendigkeit, und ungestüme Begierde zum Streit beschrieben:

Mit Zittern und Toben verschlingt es die Erde
Und achtet nicht der Trompeten Hall.
Wenn die Trompete forttönet; rufet es Hui!
Und von ferne riecht es den Krieg,
Das Donnern der Fürsten und den Klang.

Zuletzt erfolgt eine kurze Wiederholung des Harianschen Sylbenmaßes: Franciscus Hare, Bischof zu Chichestre glaubet durch eine gewisse Hypothese von den besondern Regeln des hebräischen Sylbenmaßes Rechenschaft geben zu können, welche Hypothese aber vom Lowth bestritten, und ihre Unzulänglichkeit bewiesen wird.

 

 

[Die Anmerkungen stehen als Fußnoten auf den in eckigen Klammern bezeichneten Seiten]

[139] (*) So erkläret Lowth diesen Vers. Seine Auslegung paßt sehr wohl auf die Gedanken, ob wir gleich gestehen, daß die Worte eben so leicht einen gerade entgegengesetzten Sinn haben könnten. רגע bedeutet so wohl stillen, beruhigen, als auch spalten, wie aus vielen ähnlichen Stellen der heiligen Schrift zu beweisen ist. Es kann also auch heißen: Der das Meer spaltet, daß seine Wellen brausen. Ja aus einer ähnlichen Stelle im Hiob (26) da es nothwendig heißen muß: Mit seiner Macht theilte er [140] das Meer, kann unwidersprechlich bewiesen werden, daß unsere Erklärung die richtigste sey. Ganz unnatürlich scheint uns aber die Bedeutung dieses Worts, die man in den Relationibus de libris novis vom Jahr 1754, aus einer Aehnlichkeit mit einem gewissen arabischen Worte, ableiten will, da רגע so viel heißen soll, als reuertere. Wenigstens leidet dieses Wort in keiner einzigen ähnlichen Stelle diese gesuchte Auslegung.   zurück

[143] (*) So niedrig dieses Wort im Deutschen klingen mag; so hat man doch kein anderes das hebräische מצפצף auszudrücken.   zurück

[146] (*) Eine vortreffliche Nachahmung von dieser Prosopopöie findet man in einem Sendschreiben des Raby Jedajah an den Raby Salomon ben Adereth, darinn die Vortrefflichkeit der Weltweisheit sehr weitläuftig, und in dem erhabensten orientalischen Styl abgehandelt wird; von welchem Sendschreiben wir vielleicht bey einer andern Gelegenheit reden werden.   zurück

[280] * Wir haben denselben auch im ersten Stück unserer Bibliothek S. 73 angeführet.   zurück

[293] Lowths Urtheile sind hier ein wenig schwankend; wir wollen unsere Leser hierbey auf die Abhandlung vom Trauerspiele im ersten Stück S. 50 und 55 verweisen.   zurück

 

 

 

 

Erstdruck und Druckvorlage

Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste.
1757, Bd. 1:
Stück 1, S. 122-155 [PDF]
Stück 2, S. 269-297. [PDF]

Gezeichnet: M.

Die Textwiedergabe erfolgt nach dem ersten Druck (Editionsrichtlinien). Zwölf Druckfehler wurden korrigiert (S. 124, 128, 132, 149, 151, 152, 270, 281, 284, 287)

Für die Identifizierung und Einarbeitung der hebräischen Schriftzeichen danke ich Petra Blum (Flensburg) und Frank Zerres (Duisburg).

 

 

Zeitschriften-Repertorien

 

Kommentierte Ausgabe

 

Das besprochene Werk

 

 

Literatur

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Lyriktheorie » R. Brandmeyer