Moses Mendelssohn

 

 

Gedanken von dem Wesen der Ode.
Zergliederung einiger sogenannten Oden der Fr. Karschin

[Auszug]

 

Es hat der Dichterin gefallen die erste Hälfte ihrer Gedichte Oden zu überschreiben. Vielleicht weil in denselben eine Unordnung herscht, und sie gehöret hat, daß man gemeiniglich der Ode die schöne Unordnung für ein Verdienst anrechnet. Allein die wahre Critik erkennet in der Ode eine höhere Ordnung, die zwar verstekt seyn, aber niemals vernachläßiget werden darf. Es giebt mancherley Ordnungen, in welchen die Gedanken unsrer Seele auf einander folgen können. Die Ordnung der Zeit, wenn die Begriffe so auf einander folgen, wie die Begebenheiten ausser uns; die Ordnung des Raums, wenn wir die Gegenstände überdenken, wie sie neben einander sind; die Ordnung der Vernunft, wenn unsere Begriffe schlußförmig auf einander folgen. Die Ordnung des Witzes, der Scharfsinnigkeit u.s.w. die Ode verwirft alle diese Ordnungen. Sie beschreibet nicht historisch, wie der epische, nicht [150] topisch, wie der malerische Dichter, sie folget auch nicht der Ordnung der Vernunft, wie etwa der Lehrdichter. Die Ordnung die ihr wesentlich ist, kan die Ordnung der begeisterten Einbildungskraft genent werden. So wie in einer begeisterten Einbildungskraft die Begriffe nach einander den höchsten Grad der Lebhaftigkeit erlangen, eben so, und nicht anders, müssen sie in der Ode auf einander folgen. Eine einzige ganze Reihe höchst lebhafter Begriffe, wie sie nach dem Gesetze einer begeisterten Einbildungskraft auf einander folgen, ist eine Ode. Die Mittelbegriffe, welche die Glieder mit einander verbinden, aber selbst nicht den höchsten Grad der Lebhaftigkeit besitzen, werden von dem Odendichter übersprungen, und daraus entstehet die anscheinende Unordnung, die man der Ode zuschreibt. Durch diese Betrachtung läßt sich auch entscheiden in welcher Gattung von Oden ausgemalte Bilder und Gleichnisse, öfters auch Digreßionen und Nebenbetrachtungen erlaubt sind, und in welcher die Bilder und Gleichnisse [151] nur mit grossen Pinselzügen zu berühren, und die Ausschweifungen von dem Hauptgegenstande sorgfältig zu vermeiden sind. Ich könte auch aus diesen Begriffen einige Regeln herleiten, wo die Ode sich anfangen, und wo sie schliessen muß. Jedoch sie wollen ja eben jetzt keine kritische Abhandlung über die Ode von mir lesen. Ich merke nur noch dieses an.

Da die Anlegung des Plans zu einem Gedichte, und also auch zur Ode, kein Werck der Begeisterung, sondern des Nachdenkens und der überlegenden Vernunft ist; so muß der Plan der Ode dem Dichter ungemeine Schwierigkeiten machen; denn hier muß die Vernunft überdenken, was die feurige Begeisterung für einen Weg nehmen würde. Man muß durch Nachdenken und Vernunftschlüsse ergründen, welche Ideen die lebhaftesten seyn werden, und in welcher Ordnung sie nach dem Gesetze der Einbildungskraft auf einander folgen werden. Der Dichter muß sich also in beide Verfassungen zugleich setzen, er muß nachdenken und empfinden, und man sie[152]het leicht ein, was ihm dieses für Schwierigkeit machen muß. Ueberläßt er sich ganz ohne Plan dem Strom der Begeisterung und dichtet; so wird er zwar eine Folge von sehr lebhaften Begriffen hervorbringen können, aber diese Folge wird selten ein Ganzes ausmachen, selten ein bestimtes Subjekt und nur durch ein Ungefähr die gehörige Einheit und angemessene Kürze haben, vermöge welcher sie den kürzesten Weg zu ihrem Ziele eilet. Dieses geschiehet, wenn die Gemüthsbewegung, als die Ursache der Begeisterung, sehr heftig ist. Alsdenn eilet der Strom der Gedanken seinen Weg unaufhaltsam und sicher, und die blosse Natur erfüllet alle Bedürfnisse der Kunst. Wenn aber ein gemäßigter Affect herrschen soll, als nehmlich Hofnung, Dankbarkeit, stille Freude u.s.w. so ist die Natur ohne Leitfaden der Kunst eine sehr misliche Führerin. Sie führet den Dichter auf Abwege, sie erlaubt ihm zu schwärmen, wo er den kürzesten Weg nehmen sollte, sie verbindet Gedanken, die eine allzugeringe Beziehung auf einander haben, und bringt [153] also poetische Phantasien herfür, aber keine Oden.

 

Und so muß es unsere Dichterin angefangen haben. Alle ihre Oden, wenige ausgenommen, sind nur poetische Phantasien, ohne Plan, ohne Ordnung und ohne odenmäßigen Zusammenhang. Fast mit jeder Strophe bietet sich ein anderer Gedanke als das Subjekt an; die Dichterin schwärmt von Gegenstand zu Gegenstand, kömmt öfters sogar wieder an die Stelle zurück, die sie verlassen hat, und läßt sich blos vom Ungefähr führen, oder vom Reime, der eben kein verständiger Führer ist. Wir wollen doch einmal einige von ihren Oden zergliedern. Die zwote des ersten Buches ist an den Schöpfer gerichtet, an ihrem Geburtstage:

  Wo war ich als die Morgensterne lobten?
Da, wie aus Windeln du gewickelt hast das Meer!
Und als vor dir die Wellen tobten,
Zu ihnen sprachest: kommet, bis hieher!

  [154] Wo lag ich, als dein Arm der Erde Gränzen
Umher gezogen hat, und ihren Grund gelegt?
Als du die Morgenröthe glänzen
Mit Purpur hiessest, den sie um sich trägt?

  In ungeformten Klumpen noch gelegen
Bin ich, als auf dein Wort der Tag hervor geeilt
Der Thau gezeugt ward, und der Regen
Und Finsterniß von Lichte ward getheilt!

  Noch gleich dem kleinsten Staube, den die Sonne
Heißscheinend an sich zieht von dürrer Erde Schoß,
War ich doch schon der Engel Wonne,
Von dir erschaffen, war ich ihnen groß.

  Mit Sternenkleidern herrlich angezogen
Hast du, Gott Schöpfer sie dem Winde gleich gemacht;
Schönfarbigt wie der Regenbogen
Wie Sonnenglut, ist ihrer Leiber Pracht.

  Zum Dienst erschaffen für die Menschenkinder
Sind sie; sie eilen, Gott! wenn du Befehle blickst,
Durch deinen Himmel viel geschwinder
Als deine Blitze, die du flammigt schickst

  Aus Aether sind zusammen sie geflossen:
Ich ward, wie Staub, der auf der Flur zusammen läuft,
Wann deine Wolken ihn begossen
Und Kloß an Kloß sich nun zusammen häuft.

  [155] Ich ward; dein Sprechen: Laßt uns Menschen machen!
Das riß auch mich hervor, als du des Lebens-Thür
Entriegeltest, und noch der Rachen
Des Grabes nicht eröfnet war vor dir!

  Jahrtausende vergiengen, kurze Tage
Vor deinem Angesicht! dann kam mein Tag, und du
Gabst mir die Hülle, die ich trage
Um diesen Geist von dir geathmet, zu!

  Von deinem Munde, der mit einem Hauche
Gebürge bläset tief herunter in das Meer,
Nahm ich dis Leben zum Gebrauche,
Zu deinem Ruhm; Herr mein Gesang sey er!

Der Faden dieses Gedichts ist etwa folgender: Als Gott die Welt erschuf, war ich ein kleines Sonnenstäublein. Nach Jahrtausende empfing ich von ihm diesen Leib und diese Seele, ich will ihm dafür danken. Aus diesen Gedanken solte eine Ode werden. An Materie fehlt es eben nicht, sie ist vielleicht nur gar zu fruchtbar. Die Dichterin hebt ganz natürlich an:

Wo war ich als dich die Morgensterne lobten?

Allein warum verweilet sie bey diesem Gedanken so lange? Warum füllet sie zwo ganze Stro[156]phen damit an? Streichen sie die erste ganz durch, und sehen sie ob das Gedicht etwas verlieret, oder vielmehr streichen sie die zwote durch, denn die erste ist vielleicht an sich selbst erträglicher. In der dritten Strophe kömmt der nehmliche Gedanke abermals vor:

Als auf dein Wort der Tag hervorgeeilt,
Der Thau erzeugt ward, und der Regen,
Und Finsternis vom Lichte ward getheilt.

Das Gedicht könte sich also mit der dritten Strophe anfangen, ohne einen wesentlichen Theil zu entbehren;

In ungeformten Klumpen noch gelegen
Bin ich, als auf dein Wort u.s.w.

Die dritte Strophe enthält einen guten Gedanken;

Noch gleich dem kleinsten Sonnenstaube, den die Sonne
Heißscheinend an sich zieht von dürrer Erde Schooß,
War ich doch schon der Engel Wonne,
Von dir erschaffen, war ich ihnen groß.

Eine grosse Wahrheit! Man solte glauben der Gedanke würde das Haupt-Thema ausmachen; al[157]lein nichts weniger! Er hat aufs Ganze nicht den geringsten Einfluß, und stehet fast so für die lange Weile da. Und was dünkt ihnen von der prächtigen Beschreibung des Sonnenstaubes? den die Sonne heißscheinend an sich zieht von dürrer Erde Schooß. Kan die Dichterin keine solche Kleinigkeit vorbeylassen, ohne zu malen?

 

Verzeihen sie! der Gedanke: als Sonnenstaub war ich schon die Freude der Engel, steht nicht ganz für die lange Weile da. Die Dichterin hat von dem Worte Engel Gelegenheit genommen ihren Gegenstand zu verlassen, und durch zwo Strophen hindurch die Natur der Engel zu beschreiben. Was für ein unglücklicher Abweg! War es hier Zeit das Thema zu verlassen, und sich von einem einzigen Worte auf Nebenbegriffe führen zu lassen? Und wie unerheblich ist diese Beschreibung an sich selbst?

Mit Sternenkleidern herrlich angezogen
Hast du, Gott Schöpfer! sie dem Winde gleich gemacht;

[158] Was für eine Beziehung haben die Sternenkleider auf die Geschwindigkeit der Engel? – Die Dichterin verläßt den Begrif der Geschwindigkeit, und kömmt auf die Farbe der Engel;

Schönfarbigt wie der Regenbogen,
Wie Sonnenglut ist ihrer Leiber Pracht.

Allein in der folgenden Strophe kömmt sie zur Geschwindigkeit zurück, und widmet ihr eine viel prächtigere Beschreibung;

– – Sie eilen, Gott! wenn du Befehle blickst
Durch deinen Himmel viel geschwinder
Als deine Blitze, die du flammigt schickst.

Dieses heißt ein Kreislauf der Gedanken, der nirgend weniger zu vergeben ist, als in einer Ode. Auf einen Gedanken, den er einmal verlassen hat, muß der Odendichter niemals zurück kommen. Was fangen wir also mit diesen beiden Strophen an? Weg mit dem wilden Auswuchs! Die Ode schießt ohne denselben natürlicher auf. Wir wollen immer lesen;

War ich doch schon der Engel Wonne,
Von dir erschaffen, war ich ihnen groß.
  [159] Aus Aether sind zusammen sie geflossen:
Ich ward, wie Staub, der auf der Flur zusammen läuft,
Wann deine Wolken ihn begossen
Und Kloß an Kloß sich nun zusammen häuft.

 

Die folgende Strophe ist abermals höchst müßig; die Gedanken kommen nicht von der Stelle, am Ende der Strophe befinden wir uns eben da, wo wir beym Anfange gewesen sind:

Ich ward: dein Sprechen: Laßt uns Menschen machen!
Das riß auch mich hervor, als du des Lebensthür
Entriegeltest, und noch der Rachen
Des Grabes nicht eröfnet war vor dir!

Dieses heißt blos phantasiren, nicht dichten.

 

S. 16. ist eine Ode überschrieben, die Allmacht und Güte Gottes. Ein zusammen gesetztes Subjekt zur Ode verspricht viel Kunst in der Ausführung. Durch welche Erfindung wird die Dichterin diesen beiden Eigenschaften des Unendlichen die poetische Einheit zu geben wissen? – [160] O daran ward gar nicht gedacht! Die erste Zeile besingt die Allmacht, die zwote die Güte;

O Gott, der du allmächtig bist – –
An deiner unerschöpften Güte u.s.w.

Bis in der Mitte der dritten Strophe bleibt es bey der Güte, sodann erscheint plötzlich die Allmacht wieder, in der sechsten abermals die Güte, und so wechselsweise. Endlich beschließt die Dichterin mit der Allmacht.

 

 

[161] Ueberhaupt muß sie vermuthlich niemals ihre Materie vorher überdenken, um die Ideen, die ihr das Subjekt darbietet, zu mustern; sondern sie dichtet, so bald sie nur will, schreibt eine Anzahl Strophen hin, bis sie glaubt, daß die Ode lang genug sey, und sinnet sodenn auf eine Schlußstrophe. Wo das Subjekt einfach und ihr Feuer anhaltend genug ist, bringt sie ein leidliches Ganze hervor; wo aber eines von beiden fehlet, begnügt sie sich mit einzelnen Schönheiten. Es gelingt ihr öfters, daß sie sich selbst ins Feuer singt, und nach einigen mittelmäßigen Strophen erhascht sie eine schöne Idee, davon sie aber keinen rechten Gebrauch mehr machen kan. Sie hätte verdient das Sub[162]jekt des Ganzen zu seyn; allein sie fand sich zu spät ein. In einer Ode an Gott, die sehr mittelmäßig ist, hat sie von ungefähr den schönen Gedanken; der Löwe –

Er macht Gebrauch von seinem Rechte,
Würgt um sich her, und kennt dich nicht.

Sie führet diesen Einfall umständlicher aus, und macht einigermassen Gebrauch davon;

Auf steilen Felsen, wie im niedern Thale
Weiß Herr! von dir der Adler nichts:
Er fliegt zur Sonne, trotzt dem Strale,
Und sieht dich nicht, du Quell des Lichts!
                    u.s.w.

Allein das Ganze hat auf derselben keine Beziehung. Er wird plötzlich aufgefangen, aber auch plötzlich wieder verlassen. Der Ueberrest des Gedichts sind schlechte Reime.

Eine ähnliche Kritik könte man mit dem größten Theile ihrer sogenanten Oden vornehmen. Es sind Impromptus, die weder Plan noch bestimtes Subjekt haben. In einer Ode an Palemon, erzehlt die Dichterin ihrem Freund, sie habe ihn besuchen wollen. Sie singt:

[163] Fünf bange frostige Tage
Nicht vom Vergnügen durchwebt,
Von keinen sonnigten Blicken
Für mich zu Tagen gemacht.
O Freund! von keinem gesegnet,
Der meinem Herzen verwandt
Ward durch gleichstimmiges Denken,
Hab ich sie traurig durchlebt.

So weit die Einleitung. Itzt das Thema!

Dich suchen wolt' ich am Tage
Den ein erschaffender Gott,
Nach der vollendeten Schöpfung
Hochheilig machte zur Ruh
.

Das heißt den Sonntag recht poetisch umschreiben! Die Dichterin findet ihren Freund nicht zu Hause. Im Weggehen betrachtet sie den Mond, und sein Bild im Wasser, vergleichet denselben mit der Seele der Sapho (so nennet sie bey allen Gelegenheiten sich selber), die sich in ihren Gedichten spiegelt, und beschließt das Gedicht. – Wer hat diese Gedanken zusammen gefügt? – Der Zufall, nichts anders als der Zufall, denn [164] daß sie in der Natur vielleicht würklich so auf einander gefolgt sind, dieses giebt doch wohl keinen tüchtigen Grund sie auch in der Kunst so zu ordnen, wenn sie zusammen kein Ganzes ausmachen.

Bey einem Spatziergange auf dem Fürstenwall zu Magdeburg, im kalten April 1762 mag vielleicht folgendes Gespräch vorgefallen seyn:

A. Es ist heute rauhes Wetter.

B. Aber doch gut Spatzierengehen.

A. Ja, wo die Sonne scheinet.

B. Sehen Sie einmal, wie die Knaben hier spielen, wie muthig!

A. Sie haben noch keine Sorgen. Dort der an seiner Krücke hinkende Mann wird schon so muthig nicht seyn.

B. Hm! der ist vielleicht auf seine Narben stolz. Die arme Frau, die dort zwey schwere Wassereymer hinauf schleppt, scheint mehr zu bedauern u.s.w.

Aus diesem Gespräche wird folgende Ode entstanden seyn. Wenigstens hat sie sehr natürlich auf diese Weise entstehen können.

        [165] An Palemon,

    Der Spaziergang auf dem Fürstenwall.
    (Zu Magdeburg im kalten April 1762.)

  Zu nackend, Freund! muß noch die Linde bleiben
Die ganz ihr grünes Kleid verlohr.
Rauh ist der Frühlings-Tag. Die kleinen Wurzeln treiben
    Nicht junges Graß hervor,

  Doch lieblich ist der Lustgang an der Elbe
Auf ihrer Oberfläche schwimmt
Die Sonne noch einmal, der an dem Luft-Gewölbe
    Gott ihren Lauf bestimmt.

  Ihr feyren bey dem ersten holden Blicke
Ein Fest, die Knaben mit dem Ball
Die nicht besorgt um Brod, und ihr zukünftig Glücke
    Laut jauchzen auf dem Wall.

  Dort stützt ein Mann, die lahmgebliebne Rechte
Und krumme Schenkel an ein Holz.
Er schleicht und denkt sich noch das schreckliche Gefechte
    Und ist auf Narben stolz.

  O Freund! ein Weib trägt voller Eymer Lasten;
Sie steigt am Ufer auf, und keucht
Ich leb im Ueberfluß, und ganze Tage fasten
    [166] Muß sie: und ach! vielleicht

  Fiel in der Schlacht ihr bester Freund, und Kinder
Ein traurig Denkmahl! ließ er hier!
Nie macht die stille Nacht den Gram des Herzens minder
    Er schlummert nicht in ihr!

  Auch ich gieng einst in abgetragner Hülle,
Und Kinder stammelten um Brod.
Mit Seufzern unterbrach ich nächtlich meine Stille
    Und träumte Morgen-Noth.

  Jetzt denk ich oft zehn Frühlinge zurücke
Und staune was mir wiederfährt
Mit vollem Herzen an; und eine Thrän im Blicke
    Frägt; Himmel bin ichs werth?

Mich dünkt aus allen diesen Beyspielen läßt sich mit gutem Fuge schliessen, daß die Dichterin von dem schönen Ideal einer Ode nicht den mindesten Begrif haben muß. Sie kan es vielleicht noch kennen lernen, wenn sie es nur nicht schon zu kennen glaubt. Wenn sie der Critik Gehör giebt, und sich den Rath ihrer strengern Freunde führen läßt; so dürfte es ihr vielleicht nicht viel schwerer werden, nach einem ausgearbeiteten Plan, als aus dem Stegreife zu dichten.

 

 

 

 

Erstdruck und Druckvorlage

Briefe, die Neueste Litteratur betreffend.
17. Teil, 1764, 275. Brief:
8. März, S. 149-160
15. März, S. 161-166. [PDF]

Gezeichnet: Z.

Titel nach "Inhalt der Briefe des siebenzehnten Theils" (S. *2).

Die Textwiedergabe erfolgt nach dem ersten Druck (Editionsrichtlinien).

Unser Text ist Teil einer Rezension zu: Anna Louisa Karschin, Auserlesene Gedichte. Berlin 1764 [recte 1763]. Die Rezension erschien im 272.-276. Brief (S. 123-179).

 

 

Zeitschriften-Repertorien

 

Kommentierte Ausgaben

 

Das besprochene Werk

 

 

Literatur

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Zymner, Rüdiger: Theorien der Lyrik seit dem 18. Jahrhundert. In: Handbuch Lyrik. Theorie, Analyse, Geschichte. Hrsg. von Dieter Lamping. Stuttgart u.a. 2011, S. 22-34.

 

 

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Lyriktheorie » R. Brandmeyer