Johann Gottfried Herder

 

 

[Rezension]

 

Die Gedichte Ossians, eines alten Celtischen Dichters aus dem Englischen übersetzt von M. Denis. Zweyter Band, 19 Bogen. Dritter Band, 21 Bogen gr. 8. Wien, bey Trattnern.

 

Wir haben das Bardengeschrey der deutschen Nation etwas verhallen lassen, um die Uebersetzung des Dichters, der so viel Neuern das Bardenkleid angezogen hat, zusamt diesen Neuern, die es von ihm empfangen haben, in einen Gesichtspunkt nehmen zu können. Die Recensionen dieser Bibliothek sind doch ohnedem nicht die ersten Postbothen von Neuigkeiten der Messe, zu denen Zeitungen und fliegende Blätter gnug da sind; vielmehr wäre [438] es dem Recensenten Zweck, wenn sich seine spätere Stimme auch etwa mit dem geprüftern ausgebrauseten Urtheile der stillen Liebhaber im Publikum begegnete. Und hiernach beurtheile der Leser die etwannige Verspätung dieser Recensionen, und die Anzahl der mancherley Gedichte, die zusammen gestellet werden: man hat sich mit Fleis verspätet, und mit Fleis so zusammen gestellet.

Im ganzen der Uebersetzung könnte sich der Rec. vielleicht noch völlig auf seine über den ersten Theil gesagte Meynung (X. B. 1. St. S. 63.) beziehen. Noch immer Oßian der Hexametrist, der Klopstockianer, da man Oßian den kurztönenden, unregelmäßigen Celtischen Barden hören sollte. Je mehr der Rec. in der Länge der Zeit und in sehr verschiednen Augenblicken den Celten in Macphersons Englischer Prose gelesen, sich alsdenn den Celten nach der gegebnen Probe und Beschreibung in seiner Ursprache gedacht, und alsdenn den Deutschen Oßian aufgeschlagen, und singen gehört, desto bestärkter ist ihm dieser Unterschied vorgekommen. Noch immer ausgemahlte Bilder, wo sie nur schnell vorüber rücken sollten; gekettete Vorstellungen, wo sie im Original wild und öde allein stehen; sanft verflößte Züge, wo sich dort die Farben härter brechen, das Auge nicht weiden, sondern bestürmen sollten. Man erlaube also gleich eine Hauptanmerkung.

Es kann eine Uebersetzung ein sehr gutes, nützliches, in gewissem Verstande auch klaßisches Werk, und doch eine unvollkommene, ja gar schlechte Uebersetzung, oder fehlerhafte Nachbildung seyn. Pope mit seinem Homer, ist vom letzten und so viel würklich schöne französische Uebersetzungen sind vom erstern Zeuge: und die Ursache in beyden sehr leicht zu finden. Hat der Uebersetzer, oder Nachbilder die Manier sei[439]nes Originals nicht recht studirt, nicht recht gefaßt, oder (denn wer kann oft für die Farbe jedes Dinges in jedes Menschen Auge sprechen?) nicht recht gesehen; schiebt er seiner Urkunde also eine andre Manier, ein andres Ideal unter – als Uebersetzung, als Nachbildung betrachtet, wirds immer ein schiefes Werk seyn und bleiben. Nicht blos daß des Urbildes Treue im Ganzen der Composition, der Haltung, des Kolorits verlohren gehet; im kleinen müssen auch so viel kleine Fehler, Verzeichnungen, Flecken u.s.w. vorfallen – Ein rauher Versemann hat dies über Popens Homer kurz und scharf gesagt:

Pop' hat Homers Gemählde gestochen!
Bis hieher gut! Dollmetscher könnens nicht anders;
Allein er hat die freyen Gestalten
Verzeichnet
, hat die weiche Ründe durch Schärfen und Ecken
Unkenntlich gemacht
– den Griechen verschönert.

mutatis mutandis sollte dies Epigramm nicht ziemlich von Oßian und Denis gelten? ja nicht Haupturtheil seyn können? Denis hatte einmal das Klopstockische Vers- und Bildermaaß im Sinne, und was er nun in Oßian sah, sah er unter diesem Maasse – Die Kopie gieng immer mehr vom Original ab.

Sollte diese Rec. Hrn. Denis selbst in die Hand fallen, so dürften wir uns gegen ihn auf eine Induktion beziehen, die uns mit ihm vergleichen könnte. Er sehe, wie Klopstock selbst im dritten Buch seiner Oden den Barden angesehen und gefühlt hat. Ists in dieser Meßias Manier? oder hat sich nicht fast die ganze Manier Klopstocks dabey etwas geändert? Welche andre, welche große, welche schwere Würkung! Und nun ein dritter Freyer, der eigentlich keine Manier haben sollen, der zwischen Klopstock und Oßian [440] frey in der Mitte stehet, und diesen übersetzen will, wie er ist – was sollte Oßian auf den für Würkung gemacht haben?

Erklären können wir uns dies Weiche, halb Südliche in Denis Manier ziemlich; aber gerechtfertigt wirds damit noch nicht im Mindesten. Wir sind freylich in der ganzen Denkart unsres Jahrhunderts zu weit von Oßian ab. Mehr an eine Kette raffinirter Vorstellungen, leichter Abstraktionen, angenehmer pensées und Reflexionen gewöhnt, als an den rauhen Schrey der Leidenschaft, kühner Hinwürfe einer starkgetrofnen Einbildung, und einer wüsten, starken Gestalt der Seele – haben sich bey uns in Denkart, Ausdruck und Gestalt der Sprache auch ganz andre Seelenkräfte entwickelt, oder zu entwickeln angefangen. Alles bis auf unsre Dichtkunst und Dichtungssprache hat den Weg des schönen Anstandes, des Feinausgedachten und Feingesagten, der guten Wendung, des vollendeten Umrisses auch in Bilde, Perioden, Vers, Wohlklang, Sylbenmaas – den Kunstweg hat alles genommen. Dazu liegen Formen und Materialien in unsrer Seele bereit – und gegen alles dies welchen Abstand macht Oßian? der rauhe Schotte Oßian? Er sang lebendig, und stürmte also in den kurzen Augenblicken lebendiger Stimme auf Herz und Ohr; für matte Augen im Lehnstuhl, die im halben Schlummer unterhalten, und in sanfter Lektüre sanft eingewiegt werden wollen, wollte er nie in der Welt solche schöne klaßische Augenweide schaffen. Seine Muse ist Tochter der Natur auf ihren wildesten Höhen erzogen, aber rasch, kühn, edlen Ansehens, nur mit natürlichem Reitze geschmückt, und im Tanze der Natur hinfliegend. Wer nicht Herz und Augen und Sinne für diese wilde Schöne hat (und ist nicht unsre Sinnlichkeit in vielem Betracht so ertödtet, unser [441] Auge für die Bilder der Natur geschlossen, und unser Herz durch lauter leidige Kunst gegen die rohen Ausbrüche der Natur recht gewapnet?) für den ist freylich Oßian so recht im innern kein Mann. Auch sein Inhalt, seine Bilder werden für ihn bald zu einförmig werden. Unsre Gesellschaftsleserinnen und Leser werden sich bey ihm bald so langweilen, als in der Gesellschaft rauher Wilden, die nichts thun, als singen, immer fast dasselbe Lied und fast in derselben Melodie singen, und denn so unregelmäßig! so kurz! so wilde! – kurz wir sind mit Denkart, Sprache, Sitten des Jahrhunderts so weit aus Oßians Natur heraus, als unsre Städte, Höfe, Palläste, Schulgebäude keine Schottische rauhen Gebürge, unsre Gesellschaftskreise und Zerstreuungen im Museum kein Tanz unter rauschenden Bäumen und unsre ganze Poetik und Poesie also – auch nicht Oßian ist, wie er ist – das erklärt, aber rechtfertigt, entschuldigt nicht im mindesten.

Der Uebersetzer sollte Celte geworden seyn! wo möglich alle Welt und Bildung nach Conventionsfuß vergessen haben! nichts als die Natur sehen, die Harfenstimme hören und fühlen – die er hören und fühlen will. Und sodann welch ein andrer Oßian! Wenn Hr. D. die Gallische Sprache studirt, auch nur im fernen Nachhall vernommen hätte? welch ein andrer Oßian! –

Um nicht vom großen Gusse des Hexameters reden zu dürfen, betrachten wir nur die eingestreuten lyrischen Gedichte. Sie sind an sich selbst, und wenn man sie nicht zur Urkunde hält, hie und da sehr schön. Die Grabelegie, die Cuchullin gesungen wird (Bd. 3, S. 48.) das Lied der Bragela (S. 36. 37.) der Himmelfahrtgesang Oscars (B. 2 S. 32. 33.) der fürchterlich schöne Morgengesang Carrils (S. 48. 49.) [442] die recht prachtig schauderhafte Todverkündung (S. 105.) und wie viel andre Stücke müßten wir anführen? Ueberhaupt, einmal aus dem Zauberkreise Oßians herausgetreten, wer kennt nicht, auch ohne unsre Anführung, die sanfte lyrische Kadenz der Denisschen Poesie? ... Aber hier, so sanft, so vieltönig und schön sie sey, hier passet sie Oßianen oft so an, als etwa einen Samojedischen Gesandten bey der rußischen Gesetzkommißion das Ceremonienkleid des Hofmarschalls. Ists z.E. Melodie zum Todtengesange eines abscheidenden Helden, mitten im Schlachtgetümmel, an eine Versammlung Heldenväter gerichtet, die in den Wolken auf ihn warten:

Ihr Geister meiner Väter
O neiget euch hernieder
Aus euerem Gewölke
Empfanget ihn, den Führer
Der jetzt sein Leben endet
Und Väter, seyd gebeten u.s.w.

Wir bleiben in demselben Gedicht Darthula. Ein Gesang an die Mondgöttin (Mona, Mana, μηνη,) vielleicht der schönste, der je im Mondschein gesungen worden. – Das Mädchen des Himmels kommt mit sanftem Schweben, mit verschwiegner, schöner Wange, – – ihre Gespielinnen, Sterne, reihen sich sie zu empfangen: die Wolken traben, als Diener oder Dienerinnen, goldgesäumt vorher: sie überglänzt alle Nebenbuhlerinnen, daß diese erröthen und sich in Schleier bergen – – – und da wendet sich des traurigen Oßians Gesang auf seine Lieblingsgedanke: wie? wenn auch sie manchmal vom Himmel verschwände, ob sie auch alsdann in Hütte gienge, zu weinen, zu weinen, wie er? ob sie auch Freundinnen, wie er, verlohren? und nun, da eine gerührte, getroffene Seele ihr Mitleid über alles im [443] Himmel und Erde ausbreitet, siehe! da fängt er an, das schöne Mädchen zu trösten, sie aufzumuntern, daß sie noch recht heiter lächle. u.s.w. Welch ein süßer, weiblicher Gesang, ganz und mit jedem Zuge des Schönen auf der Weiblichkeit des Mondmädchens beruhend. Nun denke man sich auf Einmal, daß Hr. D. aus Andacht für die Deutsche Grammatik, diese Schöne des Himmels in – einen Himmelszeugen verwandele; wird nicht das ganze Stück ganz unverständlich? Was ist nun seine schöne, schweigende Wange, sein Empfangen von Gespielinnen, ihre Eifersucht auf ihn, sein Verschwinden in die Hütte, um Brüder zu weinen, sein nochmaliges Niederlächeln. u.s.w. Alle sanfte weibliche Haltung, Reiz und Sinn des Stücks ist weg. Und warum weg? weil wir im Deutschen der Mond sagen? und also nicht, "die Mondgöttin, das Mondmädchen sagen könnten?" So ists aber, wenn man aus der dritten Hand bekommt, und nicht im ganzen Sinne des Autors dichtet! Es ist wahr, das Stück ist ein fein künstlicher lyrischer Gesang, in Ramlers Odensprache und Odenwendung und Odenperiode geworden, – aber es ist nicht oßianisch.

Auch das Schlußliedchen <noch> eben dieses Stücks Darthula, ein Todtenlied auf das Grab des armen Mädchens, im Original welche süße unschuldige Elegie! in der Uebersetzung welche kunstvolle Härte und Abtheilung! – – Dergleichen Abweichungen sind unzählig, denn ihr Geist geht das ganze Werk der Uebersetzung durch. Aber hier noch ein Aergeres.

"Ein ansehnlicher Kunstrichter (S. 80. in einer Note Band 3.) hat den Wunsch geäussert, Oßians Gedichte in jener Versart übersetzt zu sehen, deren sich unser liebenswürdigster Tändler in seinen Gedichten eines Skalden bedienet hat. Ich will [444] diesen Wunsch wenigstens in den lyrischen Stellen des gegenwärtigen und folgenden Gedichts, zu erfüllen suchen." Wir wissen nicht, wer der ansehnliche Kunstrichter sey, der den Verf. so wohl berathen; der Rath ist aber wenigstens so übel angewendet, daß nur Er, wenn er nicht Gottlob! auf die letzten Stücke nur träfe, allein hingereicht hätte, die ganze Uebersetzung, "abscheulich" zu machen. Man höre.

                  Vinvela.

   Ein Sohn des Hügels ist mir lieb
   Dem flüchtigen Wilde folgt sein Trieb
   Von seinem grauen Doggen wird
   er rund umschnoben. Im Winde schwirrt
   Die Sonne seines Bogens. Ist
   dein Lager u.s.w.
– Durch einen unbemerkten Steg
   Will ich zu meinem Liebsten gehn
   und Silrik dich vom Felsen sehn
– Entgiengest du der Kiegeswuth
   Wo sind die Freunde, sprich, mein einzig Gut

und da sie todt ist –

– Mein Silrik, ich bin ganz allein
   Die Winterstäte schleußt mich ein
   Mir fraß der Gram das Leben ab
   Die blassen Glieder deckt das Grab
– Verweile, mein Vergnügen ach
   verweil' und sieh, dir wein ich nach
– Die Tochter Vinvals war nicht weit
   Sie trug ein helles Mannsgeschmeid
   Ihr gelbes Haar floß ohne Band
   Der Bogen war in ihrer Hand
   Der Jüngling ihr Geliebtester
   Der zog sie mit zum Treffen her

[445] So ist Alles! Und das ist das Sylbenmaas des Skalden, der eigentlich kein Sylbenmaas hat, sondern alle Harmonien vom Nordischen Ton zu seinem Sylbenmaas machte. – Diese einförmige Verse? Diese und die gereimte Kantate im ersten Bande müssen schlechterdings einmal umgeändert werden, oder sie verunzieren Alles. Man kann wirklich sagen, Denis gelingen nicht Reime!

Noch Eine Anmerkung, fast noch wesentlicher und allgemeiner. So sehr Hr. D. auch in der Sprache gearbeitet und manchmal den Provinzialdialekt glücklich angewandt hat: oft wird, andern Provinzen wenigstens der Ausdruck unwürdig, und fremde, ja wohl zuweilen poßierlich, Vater, Mutter, Sohn, Tochter – was fehlt diesen alten, deutschen Wörtern an Würde und Adel, an Süßigkeit und Stärke? Was fehlt ihnen in der Dichtersprache? und in der Sprache des Dichters, der ja eigentlich nichts als Vaterliebe, und Freundes- und Mädchenliebe besingt? Soll der sich der Wörter schämen, die ihm ja eben die liebsten sind? Wir Deutschen uns auch diese süssesten, würdigsten Namen rauben lassen, wie Nachbarn es schon ergangen ist, und dagegen nichts als eine kalte, unnatürlich veredelnde, oder vielmehr verschlimmernde Artigkeit erbeuten? Und wenn nun bey H. D. statt des ehrwürdigen Vaters immer ein – Erzeuger, statt des kindlichen Sohns, ein Erzeugter daher tritt, und in den rührendsten Elegien statt der erblichnen Tochter, nichts als – ein sittiges Fräulein spuckt – Wer kann dies vertragen? Wer sich nicht ärgern und schämen? So werden oft mehr von den Herzensgedanken Oßians ich weis nicht mit welchem Eckel umschrieben: statt Kraft, Stärke ist überall poetischprosaisches bürgerliches Vermögen u.s.w. War Oßian nicht unser Bru[446]der? und welch' ein Glück, welch ewiges Verdienst wäre es, ihn so zu verdeutschen, als ob er, ein Deutscher gewesen wäre: das er doch, der Hälfte nach, gewesen ist.

Man lasse dem Recensenten also noch den Traum der Freude, daß einmal mit Hülfe der Kenntniß gallischer Sprache, gallischer Sylbenmaaße und dem ganzen Gefühl deutscher Ahnenstärke und Einfalt, noch einmal ein anderer, ganz neuer Oßian ersehen werde, der an äusserer Gestalt wenig von diesem an sich haben möchte. Der gegenwärtige dabey ist immer ein gutes Buch, das viel Talente und Fleis des Uebersetzers verräth, dem Wortverstande nach der englischen Prose treu ist, gar das halb klaßische Verdienst hat, diese Prose in eine sehr fliessende und hie und da recht schöne Versifikation gebracht, Oßian ungemein ausgebreitet bekannt gemacht zu haben – – – Auch der hamburgische Uebersetzer könnte, unbeschadet dieser, seine prosaische Ubersetzung noch immer endigen: kein Engländer ist noch auf die Gedanken gekommen, Homer nicht, wie er ist, kennen zu wollen, weil ihn Pope nach seiner Weise so schön versificirt habe; und Macphersons Prose muß uns bey Oßian bis jetzt doch noch dafür gelten, was er ist. Zudem liefert die hamburgische Uebersetzung so Vieles auf so wenigen Seiten, daß kaum Jemanden diese kleine doppelte Ausgabe gereuen dörfte – – Der wahre, urkundliche, deutsche Oßian indessen bleibt noch der Nachwelt – welch ein stilles, einfältiges, starkes Genie, das sich an ihm wecke, zu seinem Grabhügel wallfahrte und die Reste seiner Laute sammle!

Und so bleibt uns nichts, als kurz zu sagen, was in diesen beyden Bänden enthalten. Temora, gleichsam die Odysee dieses Homers, die sanftempfindende [447] Leser vielleicht der Iliade Oßians, dem Fingal, an Rührenden und Interessanten vorziehen dörften. Das andre sind kleinere heroische Gedichte und Lieder. Voraus stehen zwey Abhandlungen, theils historisch, theils kritisch von Macpherson und Blair nicht blos nachvernünftelt, sondern Oßian, nach empfunden: und wir glauben, wenn schon Kritick über Dichter seyn soll, so ist solche einem großen Original nachtretende, nachempfindende Kritick die beste. Sie thut am wenigsten Unrecht: wirft sich nicht zum Gesetzgeber über so verschiedne Arten auf, die oft nicht unter Ein Gesetz gehören; kann vielleicht am ehesten blöde Augen öfnen und harten Herzen die Rinde abnehmen – ist auch die Einzige, um Seelenlehre durch wahre Beobachtungen zu erweitern; denn woher kann sich diese erweitern, als durch Ansicht großer Seelen, die stark, oft unregelmäßig, aber eigen empfanden, und frey sprachen. Die Engländer haben also auch auf diesem Wege fast die schönsten Sachen zur Kritick erhalten. Warton über Pope und Spenser, Addison über Milton, Hurd über Horaz, Blackwell über Homer, so viele Gute und Böse über Shakespear, hier zwey edle Leute, (zu denen sich noch in den Noten Cesarotti gesellet) über Oßian – und was haben wir Deutschen nun dagegen? Meier über den Meßias? König über Kaniz und Besser?

 

 

 

 

Erstdruck und Druckvorlage

Allgemeine deutsche Bibliothek.
Bd. 17, 1772, Stück 2, S. 437-447. [PDF]

Ungezeichnet.

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Zeitschriften-Repertorien

 

Kommentierte Ausgaben

 

 

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Wimmer, Ruprecht: Der Jesuit Michael Denis. Maria Theresias Hofdichter, Barde und Bibliothekar. In: Maria Theresias Kulturwelt. Geschichte, Religiosität, Literatur, Oper, Ballettkultur, Architektur, Malerei, Kunsttischlerei, Porzellan und Zuckerbäckerei im Zeitalter Maria Theresias. Hrsg. von Pierre Béhar u.a. Hildesheim u.a. 2011, S. 45-58.

 

 

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Lyriktheorie » R. Brandmeyer