Joseph Görres

 

 

[Rezension]

 

Text
Editionsbericht
Ausgaben: Des Knaben Wunderhorn
Werkverzeichnis
Literatur

 

Des Knaben Wunderhorn. Alte deutsche Lieder gesammelt von L. A. v. Arnim u. C. Brentano. I. Band 1806. 470 S. II. B. 1808. 548 S. u. III. B. 1808. 232 S. Mit Kupfern. Heidelberg bey Mohr und Zimmer. gr. 8. (10 fl. 30 kr.)

 

Des Knaben Horn schweigt, die Glocken verklingen, die Töne sind gestillt, das Liederspiel ist geschlossen; die das wundersame Klingen gehört, treten zusammen und besprechen, was sie vernommen. Neu war es nicht, was sie gerührt, alte verblichene Töne waren ihnen wie eine sympathetische Schrift in der Wärme wieder aufgefrischt; wie ein Strom milder Muttermilch waren ihnen diese Gesänge in das frühe Leben geflossen, und wie frisches, kühles Bergwasser aus den Brüsten der Erde; später aber hatten sie sich selbst Gerstenwein gebraut, mit dem bittern Hopfen der Kritik gewürzt, und vergaßen der früheren Labung. Der grausame Lärm der Welt hatte diese singenden Stimmen frühe schon niedergeschrieen, wie unarticulirte Traumaccente lebten sie gebrochen und unkenntlich nur noch im Wiederhall der Erinnerung; die, mit denen sie ehehin so vertraut gewesen, konnten sich kaum auf sie zurückbesinnen, und gingen unter ihnen herum und kannten sie nicht, und thaten stolz und spröde gegen sie. Des Knaben Wort hat diese Verblendung gelöst, der Vorhang ging in die Höhe, der erste Jugend und die späteren Alter von einander schied; der dunkele Raum dahinter ist beleuchtet, und die fabelhafte Zeit des Menschen erscheint mit den vielen bunten Gestalten erfüllt. Nicht alle haben dies Schauspiel im Guten aufgenommen, sie möchten lieber als halbjährige Kinder Spinnmaschinen, denn diesen Ammenkram getrieben haben: [223] andere gute Seelen sind bey dieser Unschuld zur Kirche gewesen, und sind freudig und gestärkt aus dem Tempel gegangen. Hinter dem frischen Kranze von Weinlaub am Eingange glaubten Viele jungen, raschen, bizelnden Wein und den Krönungsochsen zu finden, als aber die innen geschmolzenes Zinn zur Handwaschung den Eintretenden scherzend boten, da sind sie zurückgefallen, und mochten sich nicht noch einmal zu den Schwarzkünstlern wagen. Zarte Wesen wohl auch haben sich geärgert an manchen Vorstellungen; spotten endlich wollten Viele, hätte nicht ernsthaft der Herr in der Loge gesessen und Stillschweigen geboten dem lärmenden Haufen. Manche erfüllten sich dadurch mit ungeheucheltem Respect vor der trefflichen Erscheinung, andern würgte der Verdruß die Kehle ab, und sind sie nur einmal der verdammten Ehrfurcht aus dem Wege gegangen, so werdet ihr Wunder hören, wie sie aufschreyen. Zu allen Diesen möchten wir ein Wort reden, nicht altklug und gelehrt, sondern einfältiglich und bescheiden, wie's der innere Geist eingibt, um einiges Gute zu wirken bey den Guten, und allzu arge Prostitution in etwas zu verhindern bey denen, die man gemeinhin zu den Verkehrten zu rechnen pflegt.

Zuerst, welche Bewandniß es denn eigentlich um diese Dichterey habe? Wir glauben, Poesie sey eher gewesen, als die Kunst, die Begeisterung sey so vorangegangen und die Disciplin später gefolgt. Wir glauben ganz unumwunden an die Existenz einer eigenen Naturpoesie, die denen, die sie üben, wie im Traume anfliegt, die nicht gelernt und nicht erworben, auch nicht in der Schule erlangt wird, sondern gleich der ersten Liebe ist, die der Unwissendste in einem Augenblicke gleich ganz weiß und ohne alle Mühseligkeit gerade am besten dann übt, wenn er am wenigsten Studien gemacht, und gradweise um so schlechter, je mehr er sie ergründet hat. Wir achten die Kunst hoch, wie sich gebührt, nach der Natur aber ist stärkere Nachfrage. Und das wie billig; weil, während wir überall von Kunst umsponnen sind, Natur sich selten gemacht hat, [224] wie erste Druckwerke und Incunabeln jeder Art. Der erste Meister war keines andern Schüler, er war nicht dressirt, schöne Gefühle in schönen Formen von sich zu geben. Wie der Ambra nach der alten Sage im Gehirne des Wallfisches gerinnt, so wurden sie im Herzen wie von selber, und gingen mit dem Athem aus. Was Hauptsächliches in der Vergangenheit auf Erden geworden, ist auf diese Weise meist hervorgetrieben, die Hoffnungen der Zukunft ruhen schon mehr auf unserm Geschicke, das als das Erbe vieler vergangenen Generationen allmälig sich angehäuft. Alle Sprache hat sich erst im Munde des Volkes gefunden, und hat nach innen die Wurzeln in alle Tiefen des Menschen geschlagen; lange hernach sind die Gelehrten den Fasern nachgestiegen, und haben nach den Regeln der Markscheidekunst sie aufgenommen und in ihre Grammatiken eingetragen. Kein Witz wird nach dem Lineale gezogen, nicht einmal das Spinnrad wurde von seinem Erfinder mühsam nach dem Calcule aus den einzelnen Theilen zusammengeklebt. Jedes exemplarische Kunstwerk wird ausgetragen und gezeigt in der Verborgenheit des geistigen Fruchthalters, und dann an den Tag gelassen, wie die Natur ihre Thiere und Pflanzen von sich gelassen, ohne peinliche Anstrengung, die erst Folge des späteren Fluches ist. Vor Allem aber, indem sich emsig des Menschen Thätigkeit versucht, ist Poesie aus dem höchsten Uebermuth des Lebens hervorgegangen; der Begeisterte hat im Rausche die Adern sich geöffnet, und blutet mit Lust die Dichtung aus den warmen Quellen; was sie treibt, ist daher auch mehr, als irgend anderswo jene geheime Wirkkraft des Lebens, fern von Ueberlegung abgewendet und keiner Zurechnung fähig und keiner äußerlichen Regel. Selbst des Menschen Ursprung ist in dieser Poesie und ihrer Liebe, und ihre Quellen brechen mit einander aus der Erde hervor. Am reichlichsten aber fließen diese Quellen in der Jugend der Völker, wo mehr noch des wilden Blutes tobt, das in späterer Sittsamkeit allmälig nach abwärts sich verwässert, und nach aufwärts sich alcoholisirt. Darum auch [225] suchen wir das, was wir mit dem Namen Naturpoesie bezeichnet haben, fernab in den ersten Morgenstunden unter den Morgenträumen der Gattung der Nationen und der Individuen. Gediegene, tönende Metallnatur ist ihr Character, einfach, großartig, gemessen und wahr und recht die Form, weil die Zeit scharf accentuirt, die gesunde Natur aber nimmer irrt, und allem, was sie gestaltet, das rechte Gepräge gibt und die eigentliche Signatur. Wie das Feuer von Natur die Pyramidenform liebt, und das Wasser die Kugelform, und ohne vorhergegangene geometrische Construction beyde in ihre eigenthümliche Gestalt sich fügen, so nehmen auch die Affecte von selbst die specifische Formirung an, und in dem Kunstwerk ist durch dieselbe Nothwendigkeit, die es hervorgebracht, auch das Band zwischen Form und dem innwohnenden Geist geknüpft. Gesang und Tonfall und das Wort und Klanggewebe, was man sonst wohl, als der Poesie, äußerlich ansieht, ist ihr in Wahrheit hier innerlich eingeboren, oder die Poesie ist vielmehr ununterscheidbar mit ihnen verwachsen, wie Leib und Seele im organischen Leben. Wie sich die Zeiten häufen, vermehren sich auch die stehenden Typen dieses Naturgesangs; was massiv in großen Quadern die erste Zeit gebaut, das durchdringt der nimmer rastende Bildungstrieb, und meiselt es bis zum feinsten Spitzengewebe aus; und nun erst tritt die Möglichkeit einer innern Scheidung ein. Was vorher von innen mit der Begeisterung von selbst geworden, das kann jetzt von außen abgesehen werden; die Form kann gelernt werden aus den vielen schon bestehenden Exemplaren, und der abgezogene Geist wird hernach gelegentlich eingefüllt. Die neueste Zeit kann auch immer das treffendste Zeugniß für die Wirklichkeit dieser formlosen Begeisterung und der geistlosen Form geben. Haben wir nicht gesehen, wie klanglose Naturen gleich Seilern ihre Stricke auf allen Wegen ausgespannt, und im Spannen und Nachlassen ihrem poetischen Webstuhl die schärfste Stimmung gegeben, und webend nun den schönsten Damast zum häuslichen Gebrauch zugleich auch, wie das [226] Schiffchen durch die verspannten Fäden schwimmend auf- und niedereilte, lieblich hinein musiciren wollten in die Kunst von ihrem Stuhle aus einen ehlichen guten Morgen und was sonst, aber freylich weiter nichts, als ein hölzernes Gelächter hervorbrachten. Wie im manichäischen Systeme die bösen Geister menschliche Leiber, schöne Jungfrauen bauen, und sie als Fallen hinstellen auf die Erde, damit die Seelen im Lichtreich sie erblicken sollen, und in Liebe zu den reizenden Gestalten entzündet zu ihnen niedersteigen, wo das lockende Fleisch dann über ihnen zusammschlägt und an den irdischen Leib sie fesselt; so hat diese Zeit Verskünstler hervorgebracht, die in Worten die allerkünstlichsten Formen auszugießen wissen, schöne Gefäße werth das Köstlichste zu fassen, sie stellen sie dann hin, wie die Kinder die Schüsseln zu Weihnachten, damit der Schutzengel mit der Bescheerung sie füllen möge, aber der ist karg und ungnädig, weil sie nicht zu beten wissen, und sonst kein Herz zu ihm haben. Die pfiffigsten Sprenkel wissen sie dem Geist zu legen, damit er sich in ihnen fangen möge, der aber zieht durch die Webe, wie eine feurige Erscheinung, und sie wundern sich groß, daß sie auch nie den Feuerdrachen in ihren Schlingen zappeln sehen. Die Classiker und die man ihnen gewöhnlich unter dem Namen Romantische entgegenzusetzen pflegt, haben in diesem Fache gleich emsig und unverdrossen gearbeitet. Jenen, mit ihren reichbesetzten Cabinetten von antiken Gipsabgüssen, würde unbestritten der Vorrang gebühren, wenn auf der andern Seite nicht wieder die Sonette so starke Uebermacht gäben. Die ganze Sprache haben diese Münzwardeine abgeschätzt und geaicht, jedes Wortes Werth und Geltung bestimmt, und alle Combinationen durchprobirt, in denen sich's zusammenfügt und schickt, und alle Crystallisationen, in denen diese Elemente sich verbinden. Wie viel Räder die Maschine fodert, wie viel Zähne das Rad, wie viel Stöcke das Getriebe, wie die Pfannen, in denen die Wellen gehen, zu gestalten seyen und die Einschnitte. Das alles ist aufs genaueste berechnet, und geschickte Arbeiter [227] setzen nach der Vorschrift nun Werke zusammen, die den Pulsschlag des Herzens in Terzen theilen, und den Mondswechsel zeigen, und damit auch die Anfälle des dichterischen Wahnsinns und das Datum des jedesmaligen Ausbruchs hinzufügen, oder auch noch größere Artisten lassen die Taube des Albertus magnus aus ihren Händen auffliegen, die ißt und trinkt, und flattert und verdaut, und alle andern natürlichen Verrichtungen übt. Ein kostbares Kunststück ist eine solche Uhr, fragt nur die Künstler. Aber vermag sie sich durch Besinnung fortzupflanzen? Hier kommt ihr Mechanism an Tag, und es wird offenbar, daß die Seele innen nur eine Stahlfeder oder ein Gewicht ist. Nicht aber, daß wir deswegen dieses ehrsame, poetische Gewerk wider die Gebühr klein hielten, es soll alles seine Satzung haben und sein Recht, und alles, was tüchtig ist in seiner Art, so viel es werth ist, geehrt werden. An jeder Gegenwart hängt in zwey Schnüren Zukunft und Vergangenheit, alle Zeit ist nur ein Tag und nicht viele Tage, keine soll sich selbst anfangen für sich selbst, sondern was geworden ist, soll erkannt werden als Bestehendes, und nicht hingegeben der Vergessenheit, damit die Kraft nicht in fruchtlosen Wiederholungen sich verzehre. Alles Thun ist gebend nach vorwärts, empfangend nach rückwärts. Das Eine in historischer Thätigkeit, das Andere in historischer Anschauung. Eine lange Säulenreihe führt in die Vergangenheit hinab. Zwischen den Säulen stehen die alten Bilder aufgerichtet, die Menge drängt gaffend am Eingange und mauert um den Tagelohn fort, die Meister nur haben den Plan, und weil sie erkennen, was ist und was war, darum können sie gründen und fertigen, was wird. Tadeln also das Studium früherer Musterbilder wäre Unverstand. Größeren Apparates bedarf gegenwärtig die Kunst, weil sie vielsilbig geworden ist und vielgliedrig, und wie Marienglas in viele buntfarbige Spiegelblättchen aus einander geschiefert, und nicht mehr in großen Bänken geschichtet. Aber daß bloße Form[228]schneiderey sich für die beste Poesie der Zeit geben will, und nicht einsehen, wie sie mit ihrer verdienstlichen Geschäftigkeit doch nur ein Exempelbuch für das künftige Genie zusammenträgt, das möchte befremden, wenn man das seltsame Spiel der optischen Täuschungen, die der Dünkel hervorbringt, nicht kennte. Nachdem vorher viel Tobens gewesen ist, daß das Genie gar keiner Form bedürfe und daherfahre wie Waldwasser, oder wie Feuer im brennenden Busche, sind diese mit Ketten und Banden herbeygelaufen, und haben den Wildfang eingefangen, und halten ihn nun in enger Haft. Mit tausend Stecknadeln haben sie den Prometheus an das Secirbrett angeheftet, und bieten weit und breit die Schüler auf, daß sie bey der Vivisection zugegen sind.

Wir retten uns aus diesen Industrie- und Spinnschulen, die wir unendlich hochschätzen, zu denen wir aber keine Liebe tragen, gern in die freye, offne Natur, die in diesen Blättern steht. Betäubt von dem Rasseln und Schnurren aller jener Stutz-, Flöten- und Kukuksuhren, von dem Gepinker der Spiralen, dem bedächtigen, langsamen, regulirenden Hin- und Herschritt der Pendel, dem innern Reiben und Gleiten der Zähne thun uns die reinen, einfachen Fortschreitungen in diesen Gesängen wieder wohl, wenn wir heraustreten aus der Werkstatt in das Leben. Wir sind nicht in Versuchung, diese Lieder für jene Naturpoesie zu erklären, von der wir früher gesprochen haben. Die früheren Geschlechter haben diese in ihrer ursprünglichen Form meist mit ins Grab hinabgenommen, wie Alles, was ihnen lieb gewesen, Pferde, Weiber, Sclaven, Waffengeräthe. Noch findet man zerstreut in den Grabhügeln goldne Bienen, Sporen, Siegelringe um die Gebeine her, aber die ganze Gestalt zerfällt vor dem Licht in Staub zusammen. Nur einzelne Accente, die Grundaccorde leben von diesen alten Gesängen, und wir behaupten, daß sie aus dieser Volkspoesie noch am lautesten ertönen. Wie nämlich diese Poesie am meisten räumliche Verbreitung gewonnen hat, so hat sie auch zeitlich die meiste Tiefe erlangt, eine starke [229] Pfahlwurzel hat sie senkrecht hinab in die Zeit gesenkt, während die adeliche Poesie mehr horizontale Ausläufer an der Oberfläche um sich her verbreitet. Durch Tradition hat ein Theil des alten Metalles sich von Geschlecht zu Geschlecht vererbt. Die Gelehrten haben sich frühe schon von der Pflege losgesagt; das Volk hat sie noch mit seinen andern alten Gebräuchen aufbewahrt. Jedes Jahrhundert hat freylich seine eigenthümliche Zuthat beygemischt, aber aus derselben Quelle, aus der das Erste sie geschöpft, und wie guter, alter Wein darum nicht Namen und seine Natur verliert, weil Viele nach einander in langen Jahren mit Maß von ihm getrunken, und dann aus dem jedesmaligen Jahrgang ihn wieder aufgefüllt, so ist es auch um dies alte Oel beschaffen, das, wenn es gleich durch so viele Zeiten durchgeronnen, doch noch nicht von seinem milden Feuer verlassen ist. Das halten wir für das eine Element dieser Poesie, die fernste Quelle, aus der sie hervorgebrochen. Aber wie der Strom durch die Zeiten in seinem Bette hingeeilt, hat er auch zahllose Nebenströme aufgenommen, deren jeder wieder aus eigner Quelle ausgegangen, und sie sind die andern Elemente in der Zusammensetzung des Ganzen. Denn nimmer ruht der Bildungstrieb, und über alle Zeiten ist das Leben ausgebreitet. Ehe die geschlossene Schule gewesen, waren die Dichter in die Masse des Volkes aufgenommen, und nur die Organe seine Poesie; wie aber jene sich getrennt, da flogen noch immer die Lieder als geflügelte Boten hin und zurück, bis die Schule endlich sich allzu hoch verstieg, wo das Volk sie denn zwar größtentheils aus dem Gesicht verlor, aber darum nicht den alten Gesang verstummen ließ, und wohl auch aus seinem Mittel ihn noch vermehrte. Das waren fromme Zeiten in der Malerey, aus denen zwar noch treffliche Denkmäler, das Aug erfreuend, übrig geblieben sind, deren Bildner und Bildungszeit aber keine Kunstgeschichte zu nennen weiß, weil der Künstler sein Werk nicht zum prächtigen Gehäuse seines Namens machen mochte. Gerade in demselben Geiste und Sinne sind die [230] meisten jener Volkslieder gedichtet; seit undenklichen Zeiten sind sie in Aller Munde, aber namen- und vaterlos wissen sie den nicht anzugeben, der sie zuerst articulirt; die Gewähr ihres innern Lebens tragen sie in ihrer Vollendung, und bedürfen dazu nicht eines fremden Lebens, daß es ihnen Zeugniß gebe. Einmal hervorgegangen überraschten sie durch ihre Volksmäßigkeit die Menge, daß die Nation in ihrer Gesammtheit sie adoptirte, und Vaterstelle bey ihnen vertreten wollte; aber eben dadurch muß es uns auch wahrscheinlich bedünken, daß sie meist Kinder der Liebe und einer augenblicklichen Begeisterung sind. Ohne Zweifel sind manche dieser Lieder von Geistern ausgeworfen worden, die nicht vorher und nicht hernach weiter mehr gedichtet haben. Einer der hellen, klaren, lichten Lebensmomente war ergriffen worden, und aus ihm sprang der blaue Blitzesfunken in einem Schlag hervor, und fernhin sprühte der ganze Umkreis im electrischen Lichte. Die ganze Menge fühlte sich erregt, ohne viel zu fragen, woher ihr der Schlag gekommen sey. Viele sagen ausdrücklich, wie sie bey Weine und in froher Lust des Lebens geworden; die meisten der melancholischen sind so geradehin aus dem Herzen übergetreten, wie die Thräne, wenn die Augen übergehen, ausbricht und überfließt, sie sind ein Schluchzen oft aus innerster Brust hervor, das der Weinende lieber zurückhalten möchte; scherzhaft aber stillt Eines die Nachfrage um den Ursprung durch die Antwort, es habens drey Gänse über das Wasser gebracht. Beynahe alle mußten aufhören, Privateigenthum zu seyn, ehe sie öffentliches Gut werden konnten, und an vielen auch hat die Gemeinde ohne allen Zweifel ihr Recht ausgeübt, und sie mannichfaltig nach der herrschenden Temperatur und Stimmung umgebildet. Die Limpurger Chronik erzählt gar viel von den mancherley Liedern, die zu verschiednen Zeiten am Rhein und an der Lahn gesungen worden; wie die Musikweisen zugleich mit dem Inhalt der Lieder häufig gewechselt, wie besonders die Gesänge eines fränkischen Bruders zu einer gewissen Zeit in Aller Mund gewesen seyn. Ein [231] fröhliges Brausen ging durch die guten, wohlfeilen Zeiten des dreyzehnten, vierzehnten und zum Theil des funfzehnten Jahrhunderts hindurch, nur dann und wann und örtlich durch Pestilenz, Kriegsverheerung, Heuschreckenzüge, Hungersnoth und Judentodschlag unterbrochen. Als späterhin die äußeren Verhältnisse drückend wurden, und theuerer die Lust, und chronischer und weit mächtiger die Uebel, wurden die Chöre immer dünner, weniger neues wurde hervorgebracht, des Alten viel vergessen, die guten Stimmen wurden weggefangen für die Höfe, viel wüste, schwirrendes Getöne trat an die Stelle des metallnen Klingens, die Singvögel zogen fort, und fette Ortolanenzüge lagen dafür in den Büschen. Die meisten, eigentlichen Volkslieder stammen aus jener früheren Zeit. Unsere Tage, die nur im politischen Enthusiasmus etwas Tüchtiges, allgemein Einschneidendes gewirkt, haben auch nur Einen tüchtigen Gassenhauer, den Marseiller Marsch, hervorgebracht, der die Franzosen zu Schlacht und Sieg begeisterte, während die Deutschen ihr Freut euch des Lebens girrten, und damit aus der Ferne schon die Genußraserey begrüßten, die bald an die Stelle der kurzen Anstrengung treten sollte. Mit den Kleidermoden drang auch die individuelle Poesie der höheren Stände zum Volk herab, und Opernarien, Moralien, Almanachslieder schwimmen im bunten Gemische durch einander, und es ist nichts nationelles und Characteristisches mehr im Volksgesange, außer jenen alten Ueberresten, zu unterscheiden.

Darum haben die Herausgeber des Wunderhorns die Bürgerkrone verdient um ihr Volk, daß sie retteten von dem Untergange, was sich noch retten ließ. Wie Bienenväter haben sie durch Spruch und Klang und Gesang die Fliegenden um sich her gesammelt, eben in dem Augenblicke, wo sie verschwärmen wollten, und haben eine Stätte für sie zubereitet, in der sie überwintern können. Wie die Irrlichter um die verwesende Pflanze herflattern, so um die alten Burgen, die Dome und Kapellen, um die Bilder und das Epheugemäuer, [232] der bleiche Schein der Sagen und Mährchen in Liedern und Romanzen glimmend, matter und matter, wie die alten Formen mehr und mehr zerbröckeln. Emsig nagt die Zerstörung fort, Säule nach Säule verschleppt die Betriebsamkeit von diesen Denkmalen, und baut sich niedliche Lusthäuser zur Erholung und Ergötzlichkeit daraus. Unwillig muß der dunkle Geist, der über die greisen Ruinen die Flügel breitet, von dannen scheiden, weil sie ihm gewaltsam am Tage, wenn seine Kraft gebunden ist, Stück vor Stück entwenden, daß er selbst das alte Haus nicht mehr erkennt und die Heymath, in der er in seiner Herrlichkeit gewohnt. So Vieles hat die Geschichte untergehen lassen, zu so vielen Sprachen, Hieroglyphen, Keilschrift und vielen andern hat sie das Alphabet verloren. Diese alte Steinschrift würde auch bald unlesbar geworden seyn, wenn nicht der Geist, der hier gewacht und gesammelt hat, nicht auch früher schon gewaltet hätte, und vorbereitend, was diese vollendet haben schon in früherer Zeit, wo die Zerstörung und Verwilderung noch nicht so groß gewesen, einen Theil dieser Monumente gerettet hätte. So sind denn in dieser Sammlung alle Denksteine und Inschriften aufgestellt, Bilder und Fragmente und künstlich Schnitzwerk geordnet, blanke Rüstungen hangen an den Wänden vertheilt, Geräthe aus vielen Zeiten und Kleidertrachten und Waffen und Instrumente liegen da und dort herum; alles nicht so, wie es der Zufall gibt, umhergestreut, und die Raritäten massenweise aufgehäuft, sondern verständig und geistreich geordnet, daß ein Geist durch die Bilder zieht, und alle sich als die Glieder eines Leibes zusammenfügen. Es ist der Geist der Nation, der auf dem Ganzen ruht.

Und weil diese Poesie mehr, als irgend eine andere, ein treuer Spiegel des Volkes ist, darum mögen wir auch in ihr wieder sein Wesen und seine Physionomie und die Lineamente seines Characters und seiner Art lesen und erkennen. Eben weil die neuere Zeit so nebelhaft und lüftelnd geworden ist, darum ist auch ihr Gepräge so verwischt, die Glätte und der [233] Metallglanz weißt die Ansprüche und reine Formen in den spielenden Reflexen ab: damit sie die Grundlage ihres Wesens einigermaßen doch begreife, muß sie sich selbst in den Formen größerer Gebundenheit aufsuchen, wo sie noch schärferen Schnitt gezeigt. Hat die Muschel ihre Perle hervorgebracht, dann mag sie selbst verwesen, ihr Kleinod bleibt zurück im Perlmutterglanze liegend. Viele solcher Perlen sind hier in eine Schnur gereiht, ihr Bestes haben viele auf einander folgende Zeitalter dargebracht, indem sie vorübergegangen, ein bedeutender Ueberrest vom Leben und Dichten und Trachten der Nation ist hier aufbewahrt, und es möchte nicht schwer seyn, die allgemeinen Lineamente ihrer Persönlichkeit aus diesen Elementen heraus zu zeichnen. Ein flüchtiger Entwurf zu dieser Zeichnung wird uns zugleich auch zur nähern Betrachtung der vorliegenden Blätter überführen.

Wie um den Anfang des Jahres die zwölf Merktage liegen, in denen sich die Witterung für die zwölf Monate entscheidet, so fallen in die Kindheit die Merktage für das Leben der Völker und Individuen, in denen vorbedeutet wird, was künftig daraus werden soll. Da ist die Weihnacht der Nation, da muß ihr guter Stern über der Wiege am Himmel stehen; dann kommen die Hirten und Weisen und bringen ihre Gaben, und das wackere Kind wächst auch zum wackeren Manne auf. Das Andenken dieser eignen Jugendfeyer erbleicht wohl jeder Generation in der Erinnerung, aber es wird jedesmal in ihrem Verhältnisse zu den Folgenden wieder aufgefrischt, und so spiegelt sich die Jugend des Volkes immer von neuem wieder in diesen Beziehungen und ihre Poesie in den zarten Spielen, in denen sich die lebende Kinderwelt durch ihre Anschauung durchbewegt. Von dieser Seite muß man den Deutschen eine schöne fröhliche Jugend zuerkennen, und wir führen zum Zeugniß für diese Aussage gleich zuerst die Kinderlieder im Anhange des Wunderhornes auf. Vom ersten einsilbigten Lallen der Poesie an, vom ersten Flügelschlage der Phantasie noch in der Mutter Neste bis zur Zurückbildung [234] der gereiften Kraft in die erste Einfalt und Unschuld früher Jugend in spielender Naivität, ist der ganze bunte Wechsel der ersten morgenrothen Lebensstunden hier dargestellt, und man kann sagen, daß lange noch nicht alles erschöpft ist, was die Nation in dieser Art besitzt. Alle die kleinen, spielenden Farbenlichter, die durch diese Zeit durchschießen, sind hier aufgehascht, und die verstolenen kindischen Blicke in das Leben abgelauscht, und wie sich die Welt in den kleinen Convexspiegel zusammenbricht, in treuem Bilde dargestellt. Nach bunten Farben nur verlangt das Kinderauge, nicht groß achtend Form und Gestalt und Zusammensetzung, an hellen, klingenden Tönen und Reimaccorden und einzelnen, lieblichsüßen Worten erfreut sich das Ohr, und begreift nicht tiefsinnigen Inhalt des Gesanges. In diesem Geiste sind zunächst die Wiegenlieder gedichtet, Schäfchen und Lämmchen, Steinchen und Beinchen, Glöckchen und Döckchen, Kindlein und Engelein, Gickelchen und Vögelchen ins Eya popeya geflochten, und in Tönen wie in süßer Muttermilch aufgelöst; während andere beruhigende oder auch anprotzende Klänge den weinenden Unmuth zu beschwichtigen dienen, und die Reiterslieder auf des Vaters Knie, die Trompeterstückchen, beym Fahren und Kutschen, und zum in die Hände patschen, durch schnellen, hüpfenden Rhythmus vergnügen wollen, und die Ammenuhr mit ihrem Glockenspiel in den fröhlichen, muntern Scherz hineinsteigt. Wenn aber der Kreis der kindischen Thätigkeit sich mehr erweitert, dann möchte das Kind auch selbst die früher eingezogenen Laute wieder von sich geben, es versucht sich daher im Tonspiel, wie es früher in Bewegungen sich versuchte, und so entsteht die zweyte Gattung dieser Lieder z.B. die jubelnde Feyer der Wiederkehr der schönern Jahrszeit in freudigem Aufjauchzen der Frühlingsumgang, der Sommerverkündigung, des Sommertagsliedes, die Begrüßung der Jahresfeste Havele Hahne, Sankt Niklas, Dreykönigslied, Brunnenfeyer zu Johannis, Sternseherlied, [235] Morgen- und Abendliedlein, die Liebe zu den Vögeln und was sich sonst mit leichtem Flügel wiegt, in frohem Zuruf aufsingend im Weinschröterlied, Maykäfer schnurre, Hinkelchen, Klapperstorch, Goldvogel, Vöglein auf der Wiege, Türkenmännchen, Turteltäubchen, der Vogelsänger, Tannebaum, Sonnen- und Mondlieder. Daran schließt sich die dritte Gattung, in denen sich die lebendige Beweglichkeit des Alters in munterer, rascher Weise ausdrücken will, wohin das Kinderconcert gehört, Buzemann, Ringelreihe, Abzählen, Tanzliedchen, Kriegslieder. Dann folgen die Kinderschnurren, scherzhafte Predigten, der Kittel, was trägt die Gans, Einquartierung, Schustersbue, Bettelmanns Hochzeit, das Wappen von Amsterdam, Scherzlieder. Dann die Mährchen, die grausamliche Geschichte von Hühnchen und Hähnchen, als ich ein armes Weib war, Petrus auf der Reise, das buckliche Männlein schon mit einem Stich auf die Romanze. Liebeslieder, auch davon etwas scherzhaft herübergezogen, der Unterricht durch das Federspiel und den ABC-Schützen bestritten, kindliche Religiosität in einfältigem Taubensinn durch fromme Gebete ausgesprochen, oder in lieblich zarten Legenden in den zwey Hirten der Christnacht, ein Wahrheitslied, ein Weihnachtsgesang, Christkindleins-Wiegenlied spielend. Endlich Kindesabschied unter dem Grabstein hervor. Es ist kein großer Apparat, keine weit ausholende Anstalt in diesen Sprüchen und Liedern zu bemerken, aus wenigen Brettchen, Bändern und Schnüren und Farben und Glitzerglas ist alles wie Nürnberger Spielsachen zusammengesetzt, und jedesmal mit dem geringsten Aufwand die größte Wirkung erreichend, lassen sie in einfältiger Künstlichkeit den Mutterwitz des Volkes in vielen Formen spielen, und erfreuen selbst durch ihren kindischen Aberwitz. Wir wüßten nicht, daß irgend eine andere Nation einen solchen Reichthum von goldnen [236] Spielpfennigen und solche Kinderlust und Jubel besäße, wie denn auch in jener kindischen Plastik Nürnberg in der Mitte von Deutschland zur Metropole seit Jahrhunderten sich erhoben hat.

Gehen wir aus dieser fröhlichen Kinderwelt in das weite Leben über, wie es in diesen Dichtungen widerscheint, dann kann es uns nicht überraschen, dort, nur mit tieferm Ernst gezeichnet, alles das wiederzufinden, was wir in leichten Zügen hier nur angelegt gesehen haben. Mit Gott soll all gut Ding beginnen; wir gehen daher auch in unserer weiteren Bearbeitung von den religiösen Gedichten aus. Es ist begreiflich, wie der reiche Schatz geistlicher Lieder, den unsere Sprache besitzt, hier nicht ausgelegt, nur durch einzelne ausgewählte repräsentirt werden konnte. Baldes Lobgesang auf die heilige Maria und Ewigkeit im ersten Bande, Procops Maria Geburt und Inschrift, das wunderschön, prächtige Maria Gnadenmutter zu Freyberg, das etwas steife Prager Kapuzinerlied im zweyten Bande, und besonders die zwanzig Lieder aus dem anmuthigen Blumenkranz aus dem Garten der Gemeinde Gottes im dritten. In feyerlicher Stille liegt die Seele betend vor dem Heiligthume, und wie es innen wetterleuchtet, findet sie in Andacht sich nun gehoben, und wie die Dunkel wieder bergend sich um das Geheimniß legen, sinkt sie wieder in sich selbst zurück, und ringt mit sich und dem Drachen, damit sie des vollen Scheins der Gnade würdig werde, und nachdem sie ausgerungen, fliegt sie, Triumph dem Lamme singend, von dannen. Daran schließen sich unmittelbar die mystischen Gesänge, das schöne Hallorenlied, Himmelfahrt in den alten strengen, einfachen Formen auf den Goldgrund gemahlt, der englische Gruß und die drey Schwestern, die Wurzel Jesse, mystische Arabeske, die Mutter, der Vogel Phönix und Goldarbeiten auf dem Liebesbande. Die Legende wirft dann den Heiligenschein, der um das fromme Gemüth gebrannt, um die Geschichte, und die Eile der Zeit in [237] Gott, und Augustin und der Engel erzählen die Vernichtung der Weltlichkeit in der Liebe zur Ewigkeit; in heiterer Landschaft ruht die altdeutsche heilige Familie im Kreis der Engel aus, rührend und gar herzlich klagt der Himmelsschäfer des Herrn Leiden am Oelberg, Pura und Dorothea schildern den Kampf des Christenthumes mit dem Heidenthume, dem alten Drachen, den auch der Ritter St. Georg bekämpft, Ursula, Romanze aus jener seltsamen Odyssée, St. Meinrad die alten Kraniche des Ibycus über der romantischen Clause des Heiligen schwebend, der Abschied von Maria im ersten, und die Legende von dem Grafen und der heiligen Catharina im zweyten Bande wunderschön die Liebe zu den Heiligen und ihre Gegenliebe schildernd, das Lied vom Kloster Trebniz stotternd den gleichen Gegenstand ausdrückend, Faust des Lasters Höllenfahrt, Sündenlust die Trostlosigkeit der Verdammniß, die Vorboten des jüngsten Gerichtes, die drohenden Zeichen des Untergangs in dunkler Glühschrift an die Wand hinschreibend, die Erlösung aber wieder tröstend Zeugniß der göttlichen Erbarmung gebend. Und wie es denn der Geist der früheren Zeit gewesen, auch Witz und Schutz hat dem Ernste des religiösen Sinnes keineswegs widerstanden, und komische Legenden schließen sich daher auch jenen an. Construction der Welt in diesem Sinne burleske Parodie der Schöpfungsgeschichte, Aussicht in die Ewigkeit und Neujerusalem, muntere, arglose Lache zum Himmel aufschlagend, Zucht bringt Frucht und Rosenkranz neckisches Bußlied, auch Abrahams St. Clara Tischpredigt gehört in diesen Orden. Spottend tritt der Witz im verwandelten Einsiedler hervor, und in der Klosterscheu und im Klosterleben ist eine harte Pein erklärt sich entschiedne Oppostion gegen geistliche Institution, veranlaßt durch die Reformation oder auch sie vorbedeutend.

Von der göttlichen Liebe wenden wir uns in ungezwungenem Uebergang zur irdischen, und es begegnet uns dort der lange Zug der Liebeslieder. Echte, aus Herzenstiefe langsam aufsteigende Empfindung, freudiges Aufquellen aller Brünnlein in [31] den dunkeln Gründen, wechselnd mit süßer sanfter Wehmuth, ist in diesen Gesängen anzutreffen. Der Falke schwingt sich mit seinem Liebchen himmelan; Liebesgunst zur Fastnachtszeit besungen; Liebesleichtsinn in den zwey Röselein; Annchen von Tharau, enger Liebesknoten gar treu dargestellt; der Wirthin Töchterlein herzlich Liebesgirren; Ringlein und Fähnlein, alter Minneruf; wenn ich ein Vöglein wär, süßes Schmachten; die drey Rosen, scherzhaft wiederkehrend in dem Mägdlein am Brunnen, im dritten Bande; die zwey Episteln, gar zierliche Liebesbriefe, Velin mit goldnem Schnitt, mündlich im Gruß bestellt durch Freund Nachtigall im Wechselgesang und den Liebeswünschen; Eigensinn; irrer Liebestrotz; Menschenweh, Liebespein; rother Rosenschnee, die Wirthschaft im Blumenhaus; schwarz, grau, blau Augenlicht kämpfen am Brunnen; Espenzweiglein, Liebeserklärung rund heraus; Gemmen da und dort zerstreut S. 124 im dritten Bande auch gesammelt. Des Mädchens Liebesklagen beginnen weinend den Reigen der schwermüthigen Canzonen; in dunkeln Tönen klagt der Schmerz durch Berge und tiefe tiefe Thal; mit dem Strome fließt die Thräne von der Brücke zu Liebchens Garten hin; immerdar windet langsam sich das Rad in Müllers Abschied um sich selbst herum; der Adonisgarten von Veil und grünem Klee trauert erfroren bey Sonnenschein; heimliche Liebe härmt sich im Stillen ab; die drey Reiter ziehen zum Thore hinaus; und Lebewohl winkt traurig noch aus der Ferne; zum letztenmale leuchten die Sterne zur Abschiedsklage; der Ritter trinkt aus römischem Glas der Geliebten den Todestrunk zu; um den Pfalzgrafen weinet die Braut gute Sieben. Neckend und schäckernd folgt diesen der bunte Zug der scherzhaften Liebeslieder. Parforce will das Mägdlein einen Freyer haben für funfzehn Pfennige; unheimliche Brautwerberey im beständigen Freyer; botanischer Fund in der Manschettenblume; glückliche Liebe jauchzt im Trit zu; Liebes[32]necken im Waldvögelein; Jungferntücke in Mannsbild, und mein Vater hat gesagt; böser Schalk in den Brombeeren versteckt. Und vor Liebchens Fenster wälzt sich der Zug, und bringt Serenaden und Ständchen: Liegst du schon in sanfter Ruh; Wie schön blüht uns der Mayen; Schlaf nur ein geliebtes Leben; Ach Schatz willst du schlafen gehen; Auf dieser Welt hab ich keine Freud; S'ist mir auch kein Nacht zu finster. Unerhörte Liebe wird abgeführt; im Korbe wird der Abschied ihm gegeben; Spottlieder verfolgen die Beschenkten; der vorlaute Ritter wird auf den breiten Stein gebettet; Konrad der Schreiber im Korbe wird ausgezischt; spöttisch wird der Prahler im Weltende abgefangen; das naive Kammermädchen construirt den Studiosus; trefflich schulgerecht; die Polizey auch hebt den nachtwandelnden Schäfer auf. Wer aber das Glück hat, führt die Braut nach Haus, es ertönt der Brautreigen, die Gespielen weinen, lachend in weinendem Muthe tröstet das Lied die traurig prächtige Braut; im Rosmarin siegt die Trauer; im Hochzeitlied Kayser Leopolds aber wird die Freude rauschende Lust. In hellen Haufen kommen die zierlichen Cupidolieder angezogen; in dem allerliebsten Dialog zwischen dem Amor und der Maye wird der Streit des Philanthropismus und Humanismus ausgefochten; weibliche Selbstständigkeit pocht wohl auf ihre Freyheit, aber von dem guten Kerl bezwungen, gibt sie sich bald den Fesseln hin, und nachdem der Hymenäus ausgesungen, folgt die Gratulation in aller Form im Familiengemählde; der Ehestand bietet sein Joch; Hoffnung zum Kindersegen macht die Bürde zum Kurzweil; in der schnellen Entwicklung aber stehen Hauskrieg und Schläge in den Aehren.

Was auf diese Weise Liebe gefügt, das trennt wieder feindlich der Zwist, und häusliche Fehde schlägt uns die Brücke, über die wir zum großen Welthader gelangen. Da schallen uns dann die Kriegsgesänge aus dem Felde entgegen, der [33] Butzemann geht trommelnd im Reich herum; in der Schlacht bey Leipzig und Gustav Adolphs Tod lebt das Andenken des Schwedenkrieges noch fort; in der Jungfrau Lille und der Stadt Frankfurt spielt blanker Soldatenwitz; die beyden schönen Magdeburger Lieder sind ein Spiegel kräftigen altdeutschen Bürgermuthes; Georg von Fronsberg gibt sich selbst Zeugniß, wie er in seinem Leben sich gehalten, und mit freudigem Zuruf begrüßen ihn die Lanzknechte. Dazwischen schreit die Rewelge in hohen schneidenden Tönen, von dunkeln Schlägen der gedämpften Trommel begleitet, auf; der arme Tambursgesell nimmt Abschied von den Cameraden; wehklagend erzählt der gute Schweizer, wie das Alphorn ihm den Tod angethan; die verlorne Feldwacht singt ihr heimlich Nachtlied; mit ausgesuchten, gut gesetzten Worten wird frommer Soldaten seligster Tod gepriesen; der Krieger Handwerk rühmt der alte Lanzknecht im Soldatenglück; Liebesmanifest wird zwischendurch im galanten Kriegeslied getrommelt; Rößleins Art wird gepriesen im Reiterlied; in Freude thut der Marketenderin Herzchen floriren; "wär ich ein Knab geboren," seufzt das Mädel, weil die Mutter um den Reiter sie hart gescholten; aber der Trompetenstoß ruft, geschieden muß seyn, in zierlichem Trotte trabt der Reiter im Lustlager am Mädchen vorüber; ein spöttisch Lebewohl bringen die Scheidenden sich im geh du nur hin; aber in Thränen wird das Tüchlein gebadet, und Weh um Weh, Herz um Herz getauscht im Abschied für immer. Wieder wird der Landsturm aufgeboten in der gelehrten Republik im großen Kriegshymnus, und der Taumel ergreift selbst unvernünftige Creaturen, Kuckuck und Nachtigall wettstreiten miteinander; sogar Wasser und Wein hadern; im Siegeslied aber wird das große Te Deum gesungen; es wird der Regenbogen ausgespannt, und die Taube bringt in den Friedensliedern das Zeichen der Versöhnung.

[34] Ist Hader und Zwietracht einmal erst geschlichtet, dann treten Geselligkeit und alle Friedenskünste in ihr Recht, es ordnet im Innern sich die Gesellschaft; darin will jeder sich versuchen, wozu Lust und innerer Beruf ihn treibt, und jede Schaar, in die sich die Masse geschieden hat, tritt in eignen Accorden in den Chor; denn in dem poetischen Staate, worin wir uns hier befinden, ist kein Mitglied stumm geblieben; wie in dem Regenbogen jeder fallende Tropfen in Farben glüht, so ist jede Stimme hier Gesang. Zu Berge fahren die Hirten, und von den Höhen rinnen die Schäferlieder. Melancholisch zieht Lelio in der wüsten Heide durch die Mancha; die kluge Schäferin heißt den König aus der Sonne gehen; zwey Tonnen Goldes und einen Perlenstrauß nimmt im wundersamen Liedlein, wie im Schlafe zusammengeträumt, der Edelmann nicht darum, daß der stolze Schäfer ihm nicht den Hut gezogen; trallernd aber zieht die Hirtin mit dem Ringelein an Neckars Ufer; des Schäferlebens Zierlichkeit feyert die Schallmey und Schäfers Tageszeiten; und hoch in den Lüften kugeln die Engel, horchend dem Weyhnachtsliede, haufenweise vom Himmel herab. Dort ziehen die Jäger, fröhliche Gesellen, in den Wald; die grüne Nacht aber hat eigene Gespenster, und ein seltsam unheimlich Wesen; und es zieht das Grauen durch das verwachsene Dickicht, und dringt in gebrochenen fremden Tönen durch. Da zieht der Jäger, mit drey Federn auf grünem Hut, wie ein langer grauer Brockenschatten, bey Mondenschein über Berg und tiefe Straße; aus grünem Strauch springt die schwarzbraune Hexe ins dunkle Grab; seltsame Wirthschaft treibt die Mißheirath beym Katerbraten; der ernsthafte Jäger tauscht das schneeweise Häublein um den grünen Kranz; Tod bringt der schwarze Todtenvogel Jener, weil sie nicht vertraut. Aber außen jagt der Jäger wohlgemuth in frischem freyem Muth; Jagdglück führt ihm Edelwildpret zu, den seltenen Kuckuck hat der Andere im Busch getroffen; in nächtlicher Jagd hat jener viele Liederweisen aufgetrieben, und in seiner [35] Jagdtasche sie gesammelt. Nieder unter die Erde aber fahren die Knappen dahin, wo nimmer die Gespensterstunde ausschlägt, wo die unterirdischen Pulse schlagen, aber nimmer das Leben aus dunkelem, träumendem Schlaf erwacht. Da pilgert der unterirdische Wandersmann zur Hofhaltung des Königs der Nacht, um seine Schätze mit ihm zu theilen, und spricht in verblümten Worten mit den Hütern; und die Hauer, nachdem sie glücklich den Reichthum gewonnen, und das Silber aus der alten Wand gehauen, stimmen fröhlich den Bergreihen an; auch die Liebe dringt in die dunkeln Schachte, und es bringt der Berggesell ihr ein zärtlich Lied; aus der Tiefe noch sieht fromme Gottseligkeit zum Himmel auf, und preißt im Bergbau der Welt in Bergmanns Worten den Schöpfer im Erdenhaus. Auch die Bauern wollen nicht beym Feste fehlen; Don Juan klagt schwere Noth um seine Trutschel, und singt Sterbgesang; der wohlgezogene Knecht aber, ob er gleich ehrbar sein Wort vorbringt, wird von den adelichen tanzenden Elfen abgewiesen; hölzerne Noth hat blanke Politur, und schweift allzusehr im Sprachpurism aus. Ein Haufen Zigeuner wandert in der Ferne; der rothe Hahn krähet ungerechte Richter aus dem Sündenschlaf; und der Zigeunerkönig muß das Feuer besprechen, daß es nicht mehr ferner wüthe; Vagabunden schweifen sorgenfrey; der arme Schwartenhals singt sein frisch Liedlein; beste Sorte Bettlerwirthschaft ist im schürz dich Gretlein aufgethan; der arme Lump hält übeln Sermon dem alten Bettelvogt. Und während so luftiges Gesindel sich umtreibt, wallfahrten Andächtige betend ihre Straße; von Gefahr und Beschwerden der weiten Fahrt weiß der Pilgrim zu erzählen, und nimmt sie allzumal auf sich um Gotteswillen; entrüstet klagt St. Jacobs Pilgerlied der Welschen Tücke, und wie viel hundert Brüdern der böse Spitalmeister vergeben; ein böser Schalk aus den Cento Novelli hat in die Zwiesprache des Pilgers und der frommen Dame sich eingeschlichen. Lustige Studenten liegen auf der Straße, schlimme Leut sind [36] die Studenten, klagt der Bauersmann; schußrichtig wird der Esel mit dem Gelde von den lockern Gesellen erwartet; das Kriegslied straft die Jungfrau übel, weil sie das edle Studentenblut veracht; in der Schreibstunde aber wird mit bösen Listen der Bauer angeführt. Auch Räuber dürfen nicht dem bunten Gewimmel fehlen; die löbliche Gesellschaft Moselsar zieht im Terich zwischen Rhein und Mosel um, und vergnügt sich daran, in einer Conversationssprache sich zu unterhalten; der bayerische Hiesel mit grünem Hut und Schildhahnenfedern und Gemsbart mit Blut legt die zwölf Jäger nieder; Störtebecher und Gödte Michel wollen den Hamburgern die Falle bereiten. Und tief im finstern Thale liegt einsam die Mühle, und dunkele Schrecken schleichen um sie her; Müllertücke weiß vom Verrathe des Argen zu erzählen, der sein Weib den Mördern verkauft, wie der Andere, um zweyhundert Nägel freveln Mord verübt, will das Hasselocher Thal verrathen; die Mordwirthin, daß sie den eigenen Sohn erschlagen, verklagt das Lied; und wie die drey Diebe aus Morgenland der Wirthin Töchterlein zerlegen, gleich einem Wasserfisch; und wie der Tartarfürstin Mord gerochen worden. Und was Eifersucht und Liebe irgend an Gräulthaten hervorgebracht, das drängt sich zu diesen Schauergeschichten an. In Ulrich und Aennchen kehrt der alte Blaubart wieder; der eifersüchtige Knabe übt gegen die Untreue blutig Recht; der Mordknecht dient dem Herren lästerlich, um seiner wunderschönen Frauen wegen; übel Buhlen bey gut Gewissen; übel wird dem Bremberger gelohnt; und übel Gastmahl von seinem Herren der edeln Frau bereitet; gegen ihre Kinder wüthet die Herzogin von Orlamünde, weil sie Alberts Wort sehr mißverstanden; die Großmutter Schlangenköchin hat Weh dem armen Kind bereitet; des Pfarrers Tochter von Taubenhain klagt ihre Schuld; höllisch Recht ruft das Kindelein im hohlen Baume über die Verbrecherin herauf, unerschöpfliche Gnade mag sie wohl in der Höllenpein anru[37]fen, nachdem sie weltlich Recht gerichtet. Denn gegen jegliche Missethat ist der Arm der Gerechtigkeit gewaffnet; die Juden zu Passau hat sie dem Schwerdte hingegeben, weil sie das Sakrament entehrt; gar schlecht ist es Fritschen und dem alten Lindenschmidt gegen sie gelungen; auch des Mägdeleins treue Liebe mag im Lied vom Ringe nicht den armen Sünder retten; wie die von Nürnberg den Schittensamen mit List gefangen, berichtet das alte fliegende Blatt; und wie übel die von Ulm dem Hammen von Reystett mitgespielt; und wie die Dithmarscher den Wieben Peter aufs Haupt geschlagen, und sein Haupt dann auf das Rad; wo auch in Augsburg Nothzucht die Schuld gebüßt.

Vom Hochgerichte gehen wir zurück, um uns in das emsige Summen bürgerlicher Geschäftigkeit zu versenken. Es rasseln und schlagen die Weber fröhlich das Weberlied; Schmiedegesellen Gruß wird mit höflichen Geberden und unumwundnen Worten abgethan; aus der Schmiede bricht Hämmergesang, wunderkünstlich gesetzt; frisch Futter für Declamatoren, damit die Glocke einmal ausruht; der junge Zimmergesell baut dem Markgrafen sein Haus mit sechshundert Schauläden hinaus; Kerbholz und Knotenstock, Pocket book für Handwerksgesellen zur Wanderschaft; Bruder Liederlich will im Rechenexempel mit dem Meister sich setzen; facit: hast du gelumpt, hast du gesoffen, die ganze Woche, Null für Null geht auf; Trotz den Meistern wird geboten im Gesellenauflag, und freye Gespräche werden geführt; lockre Gesellen aber haben das schwerste Leiden erdacht. Abschied von Bremen, der wunderschönen Stadt, nimmt pfeiffend der Schiffer; Hennecke Knecht will sich auf der See versuchen; der Fuhrmann schwenkt sein Hütel vor der Schönen Haus; auf der Weinstraße zieht der stolze Schimmel; Bauerwirths Heimkehr entdeckt bösen Liebeshandel; durch den Schnee bricht mit Schellenklang die Schlittenfahrt. Von der Zinne ertönen die Wächterlieder; schwere Wacht muß verstohlene Liebe hüten; aber übele [38] Hut wird bös belohnt im Wächter hüt dich bas; Gott grüß euch all ihr Herren singen Mädchen im weißen Nonnenschleyer, und heischen einen Pfennig und einen Heller für das Muttergottesbild; der frommen Magd wird ihr Gesetz ausgelegt; bey den Schleißen aber trollt lustig das Rädchen; das Spinnlied gibt dem Mägdlein gute Lehre, Himmelsmanna; spinn meine liebe Tochter, aber irdisch Brod.

Alle aber, wie sie in die Arbeit sich getheilt, so vereinigen sie sich in Scherz und Freude wieder. Willst du mit zu Weine gehen? singt der Fink im scharfen Weingesang, und freudig jauchzen alle Zechbrüder Dieterlein, dem König der Thoren, zu; auch dem lieben Buhlen Muskateller wird ein Ständchen gebracht; sogar Krätzer aus dem Neckarthale findet warme Seelen, die mit ihm liebäugeln mögen; Maynblümlein bla, wie wird vom bösen Wirth der arme Junge ausgezogen; Hum fauler Lenz findet beym Nachbar gut Gehängniß; das dumme Brüderlein weiß sein ärmlich Gut gar trefflich anzulegen; lallend wollen die Gesellen dort ein Saufklösterlein erbauen; Braunbier wird recensirt; die hochgelobte Buttermilch nach Verdienst gepriesen; und zum Martinsgänslein höflich eingeladen. Und es kommen lustige Musikanten herbey, und mischen gute Fugen ein; und Liebe wird auf Noten gesetzt; und die Liebesnoten abgetanzt im Trümmekentanz und Springel-langen Tanz; des Centauren Tanzlied trabt hurtig wie ein Rößlein daher; in der Braut von Bessa aber wollen die eisern Knechte den Schreiber mit Buchstaben, gezogen mit Schlägen und großen Striemen, beschreiben. Gern läßt die Schnurre sich in munterer Gesellschaft finden; große, wunderbare Staatsactionen in Schnützelputz Häusel; concertirender Dialog, dem Meistbietenden angeschlagen; Räthsel um Räthsel eingetauscht; säuberlich Mägdlein im musikalischen Convivium gar zierlich gefältelt; ein Mägdlein jung, die Lehre vom Gegensatz gut in Versen ausgedrechselt: die Kastanie, kunstgerechte botanische Beschreibung; Kuckuck hat [39] sich zu todt gefallen; und die Nachtigall soll vicariren. Der Witz, mit etwas bitterer Zuthat geschärft, wird Spott; und wie Wespen sumsen die Spottlieder in der lustigen Brüderschaft herum; in Taille douce wird gar übel der Kleiderpracht des altfränkischen Eleganten mitgespielt; selbst der alte Kriegsknecht läßt im neu Klaglied zu bittrer Modecontroverse im frommen Eifer sich bewegen; und grausamlich wird mit den Pflegern dieser Sündhaftigkeit in den Schneiderliedern umgesprungen. Es wird die Schnecke an die drey Schneider gehetzt; gar hoch versteigt sich Schneiders Phantasie im Meistergesang; in der Ehrensache wird dem Bock die Injurie schimpflich abgebeten; Rinaldo Rinaldini handhabt mit Schneiderskünsten betend das teuflische Ungeziefer; das zarte Wesen böksend Wildpret zu Baknang; Geißenpantheon im Erbbegräbniß; Schneiders Durchgang durchs rothe Meer; neunmal neun und neunzig ersoffen in der Traufe: Wanderschaft im Taubenschlag. Anmuthig werden die satyrischen Pfeile mit Cupidos Pfeilen gemischt, und in den feindlichen Brüdern Don Geishaar und Don Mahlmehl, Tuchdieb und Weizendieb aneinander gehetzt; und das angefangene Thema im Habersacke fortgesetzt. Im Abt Neithard, dem alten Schwanke, werden die Bauern mit Wein ohne ihr Zuthun zu Mönchen gesalbt; wo der Spielmann liegt begraben, weichet der Schwaben Spott; und bringt reiche Erndte in der schwäbischen Tafelrunde; auch vor den Schweizern wird im Schmählied der verhaßte Pfauenschwanz ausgebreitet; der Esel als Recensent im Wettstreit des Kuckucks und der Nachtigall; der krumme Peter will sich auch nicht saumselig finden lassen.

Hat aber die Lust ausgetobt, dann mag die Weisheit gute Stätte finden, und läßt in Gnomen und goldenen Sprüchen und Parabeln sich vernehmen. Die Hasel gibt dem Mädchen gute Lehre; an den Himmel wird der Glaube verwiesen, wenn der Zweifel an menschlicher Klugheit [40] verzagen will; die Wahrheit schreit Mord über Mord, weil so übel die Gelehrten sie mißhandeln; der arme Krüppel weiß die Vortheile einer schwachen Gesundheit auszulegen; die Diagnose des alten deutschen Uebels gibt Niklas Wohlgemuth; Leib und Seele hadern in der Vision an Grabes Rand; Uebersichtigkeit hält mit wenig Haus; auch das Glück findet seinen Spruch; der Abendsegen bettet die bewegte Seele in stille Ruh. Wenn aber die Weisheit im Uebernatürlichen sich überbietet, dann wird sie Zauberey, und auch davon dürfen Anklänge dieser Poesie nicht fehlen. Der treffliche Albertus Magnus waffnet seine Kunst gegen die falsche Königin, die um Minne viele Buhlen schon verdorben, und all ihre Buhlerkunst muß an ihm verloren seyn; dreymal schwenkt der Böse die treulose Braut herum, damit zur Thür hinaus, und dann reit du und der Teufel fort; erschrocken muß das Quartanfieber vor dem Zauberspruch entfliehen. Aber hinab zu Andacht, Liebe, Hader, Jubel, Schmerz und Weisheit sendet die Todtenglocke dumpfen Hall; die gebetenen Gäste stehen einer um den andern auf, je nachdem ein Wink der verschleyerten Gestalt sie abgerufen; sind sie Kinder der Freude gewesen, sollen sie nun Kinder des Todes werden, und an der Knochenbrust die Milch der Verwesung trinken. Steigt der Zug in bunte, hell aufsingende Farben gekleidet an jener Seite auf; so sinken an der andern die Trauerchöre verhüllt hinab; immer von neuem wird der Eimer mit Lebensgeist gefüllt und wieder ausgeleert; nicht zu löschen ist der <Durst> der bildenden Natur nach immer neuer Lebendigkeit. Steigen die Säfte, sinken die Säfte, es ist immer dasselbe große Leben, das sie treibt; auch der Tod ist daher absteigendes Leben, er hat seine Poesie und seine Lieder. Der Tod und das Mädchen im Blumengarten halten Liebesgespräch, und das Mädchen muß dem furchtbaren Liebhaber sich ergeben; im Traum wird der Welt Pracht und Herrlichkeit ausgelegt; der Todtentanz zum Kehraus aufgespielt; ach was hilft ein Blümelein, sieben Klafter [41] tief ist ein Bettchen schon bereitet; der Tod Blumist im Erndtelied: soll ich denn sterben, des Knaben Klage um frühes Scheiden; Trutz dem Tod geboten von leichtem Blut; Todesahndung, wirre Phantasie, wehmüthig aus trübem Auge blickend; das andere Land, weite Aussicht aus dem engen Haus; Hans Sachsens Tod traumweise in Albrecht Dürers Manier. Dem Scheiden folgt die Todtenklage; aber nimmer mögen die Churfürstin von Sachsen und die Pfalzgräfin die geliebten Todten verklagen; lebenssatt aber legt Philipp von Hessen das müde Haupt dahin.

Es neigt das reiche Spiel, das wir an uns vorübergehen sahen, zum Ende; wir werfen noch einen Blick auf die Bühne hin, auf der es spielt. So weit deutsche Zunge germanische Sprache spricht, sind diese Lieder heimisch, dem größten Theile nach in der herrschenden Stammsprache gedichtet, aber keineswegs ausschließend irgend eine andere Mundart. Jener Stamm, der auf der großen europäischen Höhe sich angesiedelt, hat eigenes Idiom sich zugebildet, und wie alle Sprachen in den Gebirgen sich am treuesten aufbehalten, weil sie gleichsam ihre Wurzeln tief in die Felsenspalten hineingeschlagen; so hat auch dieser Dialect durch viele Jahrhunderte in ursprünglicher Einfalt und seinem Schallmeyenaccent sich bewahrt, während die Ebene Sprachformen wie alle Formen leicht gewechselt. Reichlich hat dieß Volk zur großen Lese beygetragen, Milch und Butter, gelb wie Gold, Kränze von Alpenblumen, Liebe und alles, was die Armuth geben kann. Dusle und Babeli, gar einfältiger Liebeshandel; wers Lieben erdacht, Sängers Abschied von Feinsliebchen herzlich und treu; den Dritten thu ich nicht nennen, Wiederhall alten Gesanges von den Schweizerbergen; des Hirten Einsamkeit, lauter Ruf der Hirten von Alp zu Alp; Schweizerlied, musizirend in hellen Worten: Emmenthaler Kühreihen, Liebsgeflüster im Odenflug; Einquartirung, Bauernfluch zum Willkommen den hungrigen Gesellen; der König aus Mayland, Bauernroman von König und Königstöchterlein gespielt; [42] Graf Friedrich, des blassen Todes Brautlied; die vier heiligen drey Könige, des Herren Geburt in Lindenholz geschnitzt. Auch eine eigene Geschichte hat sich dieß Volk erkämpft, und der Nachklang alten Heldenruhmes hat in den Schlachtliedern sich erhalten. Die Schlacht bey Murten erzählend, wie die Eidgenossen Schachzabel, das Königsspiel, gespielt; die Schlacht bey Sempach des Adels Niederlage und Winkelrieds That; Wilhelm Tell, das alte Lied; Schweizer Kriegsgebet, das neue Lied. Ein bayerisch Alplied schließt sich dem Zuge der Gesellen an; auch schöns Salzburger Mädl mit dem krausen Härl gar wunderlich mit einem von den Liebesgöttern zusammengebracht; ein schwäbisch Tanzlied fährt munter daher; aus dem Odenwalde singt der schöne Vogel von dem grünen Baume Liebestrauer; geh nimm mich, juxt das österreichische Soldatenliebchen bey Schlambascher Wein; fern herüber tönt das schöne schlesische Gebirgshirtenlied.

Es hat in unsrer Betrachtung, was in einzelnen lyrischen Auswürfen aus dem Gemüthe nach und nach hervorgebrochen, wie von selbst zu einem dramatisch epischen Ganzen sich gefügt. Denn ein unsichtbares Band geht durch alle Dinge, und wie zwey Tropfen in der Berührung ineinander fließen, und das große Meer selbst allein aus so verbundenen Tropfen besteht, so vermag keiner in seinem besten Gefühle sich loszusagen von dem großen architectonischen Plan, den der Bildner selbst gefaßt, und den die Gebilde darzustellen haben. Vernichtet Gemeines und Schlechtes, und von selbst fügt das Gute sich zusammen, und die innere Ganzheit bricht in den getrennten Theilen durch. Die Nation selbst hat in diesen Gesängen ihr Inneres aufgethan; was in ihrer Geschichte in Zwist und Kampf und Krieg befangen erscheint, eben weil in ihr jener Scheidungsproceß des Hohen, Fremdartigen von der guten Masse besteht, das hat sich in der Poesie geklärt, und nachdem die wilde sündige Materie ausgeworfen, steht sie hier sich selbst klar und verständlich da. Gemeinhin wird in dem gewöhnlichen [43] Leben allein die Wahrheit, in der Poesie nur Schein und schöner Trug gesucht; gerade umgekehrt erscheint uns die gute Poesie untrüglich, der gemeine Verlauf der Dinge aber das große Haus der Lüge und der Täuschung. Hat je ein Auge nur, in das sich ein überfließend Herz ergossen, uns betrogen? Vergehen nicht vor einer wahrhaften Begeisterung und einem warmen Gefühle alle die Schlechtigkeiten früherer Ueberlegung und kalter Klügeley, bis mit zunehmender Erkältung wieder die Nebel sich verdichtet haben? Ist eine wahre Empfindung je an sich selbst irre geworden? Nur weil die Quellen in der Menschenbrust nicht anhaltend fließen, sondern intermittirend hervorbrechen und wieder in sich selbst versiegen, darum kommt Wankelmüthigkeit und Unentschlossenheit ins Leben; mit der ruhigen Besinnung kehrt auch immer die Mensur zurück und die Einsicht, die Umsicht und die Wahl, und selten wählt der Mensch im nüchternen Muthe, wie Gott, das Beste; seltener aus innerer Verzagtheit das Schlechteste, meist ein neutrales Gemisch aus beydem, eben das Gewöhnliche. Es ist daher zu glauben, daß eine Nation nicht schlechter sey, als ihre Poesie; es würde betrübt um die Deutschen stehen, wenn sie nicht besser als ihre Geschichte wären; haben sie ihre eigene Herzenssprache dort geredet, so haben sie hier jeden fremden Patois sich aufdringen lassen müssen, und aus innerer Kleinmüthigkeit nach und nach ihre Muttersprache beynahe ganz vergessen. Die Jahre oder Jahrhunderte eines Volkes, in denen keine Begeisterung gewesen ist, werden in seiner wahrhaften, zugleich poetischen Geschichte nicht gezählt; schon lange aber drucken die Neudeutschen mit großer Geschäftigkeit solche Schmutzblätter zu ihren Annalen, die jedesmal als Widerdruck aus der Presse kommen, daß dem Lesenden die Augen übergehen. Wollen sie nicht, daß ihre Wirklichkeit ihre innere Poesie, und somit den Kern ihres Wesens vernichte, so müssen sie ihre zufällige Aeußerlichkeit durch die bessere Natur Lügen strafen, damit sie vor der Geschichte ihre augenblickliche Abwesenheit rechtfertigen, wie andere Völker es gethan haben. [44] Freylich kann die Poesie nicht die Gewalt abtreiben, aber sie kann Macht aufbieten gegen Macht; es ist um keinen gethan im größten Unglück, der seine innere Resonanz sich ungekränkt bewahrt; eine hölzerne, klanglose Natur aber wird ewig als Knecht der Stärke dienen, weil es die Natur selbst so geordnet. Darum ist die Existenz einer so klangreichen, tönenden federkräftigen Poesie in der Mitte der Nation eine so tröstliche Erscheinung, ihre innere Trefflichkeit zeugt für ihre Wahrhaftigkeit, und daß sie Volkspoesie geworden, beweist, daß diese Wahrheit nicht bloß individuell für die Dichter gelte, sondern in der ganzen Masse ein durchgehender Zug sich gefunden habe, der den Dichter und die Nation in eins geschmolzen. Wir können durch sie ergänzen, was in den Begebenheiten mangelhaft geblieben; und wenigstens eine Hoffnung ist uns geblieben. Auch gibt schon das Streben nach besserer Zukunft selbst in dieser Poesie sich zu erkennen dadurch, daß sie aus der Geschichte in den Romanzen so oft das Beste sich angeeignet. Der alte Hildebrant, der Tannhäuser, der Pfalzgraf am Rheine, Prinzenraub, der Graf im Pfluge, Stauffenberg, Oloff, Ladisläs Ermordung, Schlacht am Kremmerdamm, Schloß Orban, Burkhart Münch, Zug nach Morea, Conradin, der Staar, alle bey Gott, die sich lieben, Edelkönigs Kinder, Herzog Hans von Sagan, Graf Friedrich, Lenore, Thedel von Wallmoden, u.s.w., sind Reminiscenzen aus der theils fabelhaften, theils wirklichen Geschichte der Nation, und gleichsam wie kleine zusammengebrochene Abbilder der großen Erscheinung, die sich früher vor uns gestaltete. Hier auch ist der Punct, wo die Volkslieder in die sogenannten Volksbücher übergehen, von denen wir an einem andern Orte gesprochen haben. Man hat die größeren Romanzen, weil das Volk nicht Athem genug für so lange Gedichte hatte, in den Erzählungston übersetzt, und in dieser Form haben sie jene Bücher aufgenommen.

Sollen wir aber das eigentlich Historische in dieser Poesie selbst wieder ins Auge nehmen, dann mag bey der Seltenheit [45] und dem Untergange früherer Sammlungen, nur wenig Fragmentarisches sich als Ausbeute der Untersuchung ergeben. Diese unadeliche Poesie hat keine Heraldik gehabt, und wenig auf die Fortsetzung eines regelmäßigen Stammbaums gehalten, und wir haben schon berührt, wie von dieser Seite eine frühere Mahlerey in frommer Unbefangenheit und anspruchsloser Hingabe alles Ehrenbesitzes ihr ganz und vollkommen gleich gestanden. Viele dieser Gedichte sind ohne Zweifel nicht Individuen, sondern Familien; mit den fortlaufenden Generationen sind sie fortgewachsen. Wenn sie in einzelnen Gliedern abgestorben, dann haben sie in andern um so frischer sich erneut; so sind sie wie ein Polypenstamm durch die Zeiten fortgewachsen, und es hält schwer, unter den vielen Verzweigungen zu entscheiden, welches der ursprüngliche Mutterstamm gewesen ist. Gerade bey unserer Anschauungsweise ist es offenbar geworden, wie so viele einzelne Gattungen theils unverhältnißmäßig schwach besetzt erscheinen, theils auch gar nicht vorhanden sind, entweder weil die einzelnen Denkmäler schon untergegangen, oder den Sammlern noch nicht vorgekommen sind. So sind viele verbindende Mittelglieder ausgefallen, und dadurch so manche Uebergänge vernichtet worden, die in der Folge allmäliger Entwicklung die verschiednen Momente miteinander verbunden haben. So ist nur in einzelnen Ueberresten noch das Medium vorhanden, in dem diese Lieder mit dem Minnesang zusammenhiengen. Bedeutend für diesen Theil der Geschichte deutscher Lyrik ist ein Manuscript, das unter No. 343 auf 143 Folioblättern, in gewöhnlicher Cursivschrift, auf Papier geschrieben, in der vaticanischen Bibliothek sich befindet. Diese Sammlung, die nach der Sprache und andern innerlichen Merkmalen zu urtheilen in die erste Zeit der Reformation fällt, enthält neun geistliche, und hundert und neunzig weltliche Lieder. Wir bemerken darunter viele, die auch in das Wunderhorn aufgenommen sind. Z.B. No. 35: Herzlich tuet mich erfreuen die frölich Summerzeit, im ersten Bande, S. 239; No. 1: Ach Gott mich thut verlangen, nach dem der [46] jetzt gefangen, dem liebsten Fürsten mein, B. I, S. 111; Nr. 85: Schwer lanckweyllig ist mir mein Zeit, seidt ich mich hab gescheiden, B. II, S. 115; No. 98: Ach Gott wie weh thut scheiden, aus Herzen Grund, so trab ich über die Heiden, B. I, S. 206; No. 100: An Liebes Brust, nach Herz und Lust, lag da mit Armen umpfangen ein junger Knab; No. 109: Der Wützgauch hat sich zu todt gefallen, von einer holen Weiden, wer soll uns diesen Sommer lang, die Zeit und Weil vertreiben, B. III, S. 111; No. 110: Die Sonn die ist verblichen, der Mond ist ufgegangen, die Nacht die kommt geschlichen, B. I, S. 389; No. 121: Es wolt ein Jäger jagen, wolt jagen wilde Schwein, was begegnet ihm uff der Heiden, B. I, S. 139; No. 129: Es wonet Lieb bey Liebe, darzu groß Herzeleid, B. II, S. 243; No. 138: Ich ritt mit Lust durch einen Walt, do sangen die Vögelein jung und alt, B. I, S. 327; No. 143: Ich hört ein Fräulein klagen, fürwahr ein weiblichs Bild, ihr Herz wollt ihr verzagen, B. I, S. 314; No. 150: Ich stundt an einem Morgen, gar heimlich an einem Ort, da hat ich mich verborgen, B. III, S. 44; No. 164: Mein Fleiß und Müe ich nie hab gespart, allzeit gewahrt den Herren mein, zum Besten sein, Georg von Fronsberg, B. II, S. 344; No. 186: Wo soll ich mich hinkeren, ich armes Bruederlein, wie soll ich mich ernähren, B. II, S. 125; eine Variante davon No. 191: Wo soll ich mich hinkeren, ich armes Waldbrüderlein. So ist auch noch bey andern das Thema variirt, so No. 35: Ich weiß mir ein Meidlein, gar hübsch und fein; in B. II, p. 37: Ich weiß mir ein Liedlein, hübsch und fein; No. 107: Dort außen auf jenem Berge, da stet ein Kasten Hakerlein; No. 122: Ein Fräulein zart, ganz schon von Art, mir Treue erzeigt, ist doch geneigt; und No. 184 Von edler Art, ein Fräulein zart, bist du ein Kron, der ich mich han ergeben; in naher Berührung mit dem Liede: Von hoher Art ein Fräulein zart B. I, S. 186; endlich No. 180; So wünsch ich ihr ein gute Nacht, zue hunderttausend Stunden, wann ich ir Lieb verwandt mit kurze Weile, B. I, S. 110. Die übrigen Lieder enthalten eine [47] Menge Anklänge aus dem alten Minnegesang, wie sich aus ihrer Vergleichung mit den bekannten Sammlungen, und insbesondere wieder mit den Manuscripten No. 313, der Mynne Kint, und No. 357 der vaticanischen Sammlungen ergibt; eine Untersuchung, die aber nicht dieses Ortes seyn kann. *)

[48] Schon die Veraltung der Sprache macht eine vielfache Veränderung im Laufe der Jahrhunderte nothwendig; die Uebersetzung eines beliebt gewordenen Gesangs in die mancherley Dialecte ist gleichfalls Ursache einer beständigen Veränderung, die er, jedesmal sich anschmiegend dem Character des Idioms [49] erfahren mußte. Große, ganz nationell gewordene Dichtungen, die so lange sich behauptet, und sich so weit verbreitet hatten, daß sie jene zwiefache Umänderung erfuhren, mußten auch an dem allgemeinen Wechsel des Geschmackes im Verlaufe langer Zeiträume Theil nehmen, wie wir selbst große architectonische Werke, deren Bau mehrere Jahrhundert gedauert, auch den Character der verschiednen aufeinander folgenden Zeiten in ihren verschiednen Constructionen darstellen sehen. Mehr noch hat die individuelle Willkühr jener, die sie fortgepflanzt; auf sie eingewirkt. In manche, die selbst poetische Productionskraft besaßen, mochte schon Bestehendes eintreten als Ferment, und den innern Geist anregen, daß er das Aufgenommene wieder gab in einem zwar ähnlichen Charakter, aber erweitert und verändert, und wohl auch geläutert in der eigenen Natur. Andere Unberufene, indem sie eigene Schleimsäfte zugemischt, [50] mußten in demselben Grade die Masse des umlaufenden Lebensbluts verwässern, daß die Lieder verdarben in ihrem Munde. Wieder konnte in vielen Gemüthern sich jene Willkühr dadurch äußern, daß sie sich darin gefielen, Entlegenes und Geschiedenes zu paaren, und entweder mechanisch getrennte Fragmente verschiedner Poesien in ein Ganzes zu verknüpfen, was eben so gut auch Vergeßlichkeit bewirken konnte; oder das in sich Aufgenommene selbstständig ineinander zu verarbeiten, daß ein drittes mit beyden Verwandtes, aber doch für sich Bestehendes daraus hervorsprang. Rechnet man zu diesen Veränderungen, die jene Lieder durch Zuthat erfuhren, noch jene andern, die ihnen durch theilweisen Ausfall dieses oder jenen Gliedes, durch allmäliges Verwittern in den Zeiten, durch stufenweißes Erbleichen im Gedächtniß des Volkes bey zunehmender Unverständlichkeit widerfahren mußten, dann kann es uns nicht befremden, daß so viele in einem solchen verstümmelten Zustande auf uns gekommen sind, daß sie in so vielfältigen, sich kaum gleichsehenden Variationen umgehen, und daß so viel Schlechtes, besonders aus den neuen Zeiten, wo die freche Willkühr der Individualität unleugbar in demselben Maße zugenommen, in dem die innere Poesie in der Masse bey geringerer Erregung gesunken, mit unterläuft. Von der einförmigen Monotonie des Minnegesanges an, der von der schwach besaiteten Lyra in wenigen einfachen, aber tiefen Brust- und Herzenstönen erklingend, die ersten Jahrhunderte mit klaren, reinen, frischen, kühlen Liebeswellen tränkte, bis sie allmälig erwachsend, nicht mehr an dem lieblichen Summen und Rieseln sich ergnügen mochten, sondern tiefere und weitere Gefühle suchten und größere Farbenabstufung und Tonreichthum, durch jene Zeiten durch, wo der Gesang allmälig immer tiefer in die Brust sich eingehüllt, dann in die Breite in den künstlichen, ceremoniösen sogenannten Meistergesang auseinanderfloß, und endlich aufbrennend nach oben in die neue höhere Poesie, und abwärts sich niederschlagend in das fade Phlegma gemeinen Handwerksburschenwitzes, durch alle diese Veränderungen der deutschen Lyrik zieht sich zwar sichtbar eine Linie des Steigens und Fallens und vielfältiger Beugungen durch; aber es ist unmöglich, diese Curve selbst, weil beynahe alle bestimmenden Puncte fehlen, geometrisch für die Wissenschaft zu construiren.

Eben darum aber, weil diese Poesie keine Historie hat, und darum auch nicht historisch behandelt werden kann, möchten wir die Herausgeber dieser Sammlung in Schutz nehmen gegen die Beschuldigung, daß sie zu wenig die historische Treue in der Anordnung und Behandlung des Buches geachtet hätten. Sie haben besonders im ersten Bande einzelne Gedichte [51] eingelegt, andere mannigfaltig restaurirt, und durch Zusammenschieben fragmentarisch geschiedner Theile sie zu einem zusammenhängenden Ganzen gefügt, und sich also beynahe alle die Freyheiten genommen, die wir eben als störend die eigentliche Geschichte dieser Gattung angeführt. Die Heraugeber wollten nicht eine Chronik deutschen Volksgesanges geben, das würde bey dem unmäßigen Umfange dieser Gattung und bey dem vielen Schlechten, das sie aufgenommen, eine unerschwingliche und undankbare Unternehmung gewesen seyn; sie wollten vielmehr in Einen Brennpunct die, durch das Volk zerstreuten Strahlen sammeln, um im engsten Raume eingeschlossen, was über die Weite unscheinbar auseinander gelaufen, der Anschauung vorzuführen. Oft genug mußte der Fall eintreten, daß von guten Gedichten nur ein Haufen Trümmer sich erhalten hatte. Der Witz gefiel sich darin, diese Fragmente so zu ordnen, daß aus fremdartigen Gliedern verschiedner Gestaltungen doch ein Bild erwuchs, das nichts Widersprechendes in seiner Zusammensetzung zeigte. Ein solches Spiel, in der Plastik kaum auszuführen, muß in der Poesie als ein Erlaubtes zugegeben werden. Oefter noch mußte einiges Gute Schlechtem oder Mittelmäßigem eingesprengt erscheinen, die Sammler pochten das Metall heraus, und man würde ihnen wenig Dank gewußt haben, wenn sie das taube Gestein mitgegeben hätten. Was aber die eingelegten Gedichte selbst betrifft, so kommt es dabey hauptsächlich auf die Frage an, ob dabey der Geist des Volksmäßigen geehrt und getroffen worden, oder ob die Subjectivität der Dichter durchgeschlagen, und dadurch etwas Fremdartiges der reinen Masse zugemischt worden sey. Aber alles, und nur Hinzugedichtetes laufen so in einem Tone und Charakter fort, daß es schwer werden sollte, ohne anderweitige Nachweisung mit entscheidender Gewißheit anzugeben, wo das Eine aufhört, und das Andere anfängt. In Sachen der Poesie ist es ein anderes als in den der Wissenschaft; der Geschichtschreiber muß mit Treue sammeln, was sich vorfindet, jede untergeschobene Thatsache ist eine Lüge, über die Rechenschaft von ihm gefodert werden kann. In der Kunst aber ist nur das Häßliche die Lüge, ihre Werke sind an die Zeit gebunden nur für die Entstehung, keineswegs aber für die Anschauung; ihr könnt alle Gedichte dieser Sammlung betrachten, als wären sie heute entstanden, oder vor Jahrhunderten, an ihrem Wesen wird nichts dadurch geändert. Ein Werk, in ihrem Geist und Charakter vollendet, wird allein dadurch auch aufgenommen in ihre Genossenschaft; Fremdes aber und Gemeines, habe es auch durch viele Zeiten fortgewuchert, wird ausgestoßen und weggeworfen aus der Gemeinschaft. Wollte ein Meister uns [52] den Dom von Cölln in seinem ursprünglichen Geist vollenden, vor der Betrachtung des Werkes würden die Jahrhunderte verschwinden, die zwischen seine Gründung und Vollendung sich eingedrängt, der Bau würde dieser Art angehören, und zusammt ihr auch wieder der alten Zeit. Bey einer neuen Auflage des Buches könnten indessen die Herausgeber zur Beruhigung der Aengstlichen auch die Linien der Restauration angeben.

Den Nachruf, welchen einer der Herausgeber dem ersten Bande dieser Lieder mitgegeben, überlassen wir den Lesern selbst zu würdigen, da uns unsere Liebe zur Sache ohnehin schon zu ziemlicher Ausführlichkeit verleitet hat.

 

 

[Fußnote, S. 47-49]

*) Wir können uns nicht enthalten, einiges aus jener merkwürdigen Handschrift beyzubringen, um urkundlich nachzuweisen, was zwey bis drey Jahrhunderte, die an jenen Dichtungen vorbey gegangen, über sie vermocht. Die ersten Strophen des Gedichtes: der Graf und die Königstochter Wunderh. B. I, S. 265 lauten hier so:

Khunt ich von Herzen
Singen ein hübsche Tageweis
Von Lieb und bitterm Schmerzen
Nun merkhen uff mit Fleiß
Wie es eines Kuniges Tochter ging
Mit einem jungen Grafen
Nun hördt hüpsch Wunderding.
An ihres Vatters Hofe
Manch edler Ritter was
Noch liebet sie den Graven
Uff Erdt für alles daz
Was Gott durch seine Weisheit erschuff
Heimlich aus betrübtem Herzen
Thett sie so manchen Rueff
Herr Gott sendt mir das Glückhe
Das er mein Herz erkhen
Löß mir auf Bandt und Strickhe
Frau Venus edle mein
Wie der Junkfrauen im Herzen was
Also was auch dem Grafen
Allzeit ohn Undlaß
Keins dörffs dem andern offnen
Was im im Herzen lag
Ihr jeglichs thet sich hoffen
Ein selden reichen Tags
Der doch zur Lest mit Jamer kham
Eines thet dem andern schreiben
Und leyten hin ir Scham.
Ein Tag der wardt gemelde
Zu einem Brunnen kalt
Der lag fer in dem Felde
Vor einem grünen Waldt
Wer ehe kem zu des Brunnen Fluß
Das solt des annde warten
Also was ihr Beschluß
Die Jungfrau thet sich zieren
In einen Mantel weis
Ir Brust thet in schnieren
Vermachts mit ganzem Fleiß
Auch sprach edel die Jungfrau schon
Kein Mann soll mich auff preißen
Dan eines Graffen Sun.
Da sie kam zu dem Brunnen
Sie funndt viel Freud und Lust
Sie dacht ich hab gewunnen
Mein Trauren ist verdust
Aus aller Noth wher ich erlost
O daß ich seh her reyten
Mein Hoffnung und mein Trost.
Zu Handt lief uß dem Walde
Ein grimme Löwinn her
Die Junckfrau gar balde
Sie floh von dannen fer
Und kam so fer demselben Tag
Irn Mantel ließ sie liegen
Daraus kam Mort und Klag,
                    u.s.w.

    Man vergleiche ebenso mit den Wächterliedern des Wunderhorns No. 106, S. 93 im Codex.

Der Waechter ruefft an den Tag
Wol an der Zymnen do er lag
[48] Woll auf es mues geschieden seyn
Und wo zwey Herzlieb bey einander sein
Scheiden sie nit bald
Es taget vast vor jhenem Wald.
Nu lig guet Gesell und hab gemach
Es ist vor wahr nit heller Tag
Der Tag scheint durch die lichte Stern
Der Wächter der Wächter betrug uns Beyde gern
Das sag ich dir
Die Mitternacht ist noch nicht herfür.
Die Nachtigall singt iren Ton
Als sie vorlangst hat gethon
Darbey spürt man des Tages Schein
Woll auf es mus geschieden sein
Es taget vast
Ich laß dir weder Rue noch Rast.
Sie trückt ihn freundlich an ir Brust
Sy lagen nach ires Hertzen Lust
Mit weissen Armen umfangen schon
Sie sprach schöner Buel gehab dich wol
Laß dir wohl seyn
Sie bot im ir rots Mündelein.
Der guet Gesell freut sich der Wort
Kher dich herumb mein höchster Hort
Du hast erfrewet das Hertze mein
Verschwunden ist mir all mein Pein
Zue dieser Frist
Sieh du Herzallerliebster bist.
Was zog er von den Hende sein
Von Golt ein Fingerlein
Sehe hin Buele wol zu der Letz
Damit du dich deines Leids vergetz
Zue dieser Zeit
Damit schiet er wol trürig über die Haid.
Das Medlein schrie mit Layd ade
Nun behuet dich Gott vor allem wee
Du bist meins Herzens ein Edler Trost
Gedenkh Herzlieb mein Ellens gros
So ich verdolt
Noch bin ich mie von Hertzen holdt.

    Von dem vielen Vortrefflichen, was dieser Codex sonst noch enthält, zeichnen wir noch No. 76 an, was uns gleich zuerst ins Auge fällt. –

Ich weis mir ein Blümlein bloe
Von Himmel bloem Schein
Es stehet in grüner Auwe
Es heißt vergiß nit mein
Ich kunde es nirgend finden
Was mir verschwunden gar
Vor Reif und kalten Winden
Ist es nimmer da. –
Ich weis mir ein Blümlein weise
Es stehet in grünem Riet
Von Art so ist es kleine
Nun hab mich lieb
Es ist mir abgeneyt
Wol in dem Hertzen mein
Mein Lieb hat mich verschmeyt
Ich kann nit frölich sein.
Das Blümlein das ich meine
Das ist rosina rot
[49] Ist Herzen Trost genennet
Auf dierzer Heiden stet
Sein Farb ist im verbluhen
Der Wolgemuet
Verloren hab ich mein Trost.
Ich weis mir ein Bluemlein weise
Steht mir im gruenen Gras
Ist gewachsen mit gantzem Fleiße
Es heißt nun gar Schabab
Das Bluemlein must ich tragen
Wol dissen Sommer lang
Viel lieber wola ich haben
Mein Bulen umbefanng
Noch heuer gegen dissem Sommer
Kumpt uns der lichte May
Bringt uns das Bluemlein wider
Braun, weis, gelb nach der Zeit
So leut in mir nit wider
Was ein iglichs Bluemlein bedeut.
O du herzig Wolgemuet
Wie erfreistu mich so wol
Kein Bluemlein mir nie lieber wart
Zun Eren ich dein beger
Ich beger dein ewig zu bleiben
Biss uff das Ende mein
Halt mich in deiner Werde
Herzig Lieb vergiß nit mein.
Mein Herz leidt groß Kummer
Daz mein vergessen ist
So hoff ich uff den Summer
Wol uff des Meyes Frist
Wan sich die Reiffen vergangen
Und auch der kalte Schnee
Von der allerliebsten werdt ich entpfangen
Dets dem Klaffer im Hertzen whe.
Der Reiff mit seinen Zeitten
Verderbt vil Bluemlein zart
Ghet umb die Klaffer schmeichlen
Mit ungetreuwer Art
Vil grosser Lieb uff Erden
Die itzundt mues zerghen
Was mir heuer nit mag werden
Das wil ich ein ander Jar han.
Hertzlieb du darffest nit denkhen
Das ich von dir wil lon
An dir wil ich nit wencken
Bey dir khan ich nit seyn
Was ich gern thet in Trewen
Das schafft nein Ungewan
Hertzlieb nu halt dich steete
Wie fer ich doch von dir bin.   zurück

 

 

 

 

Erstdruck und Druckvorlage

Heidelbergische Jahrbücher der Literatur.
Fünfte Abtheilung. Philologie, Historie, schöne Literatur und Kunst.
Jg. 2, 1809, Bd. 1, Heft 5, S. 222-237
Jg. 3, 1810, Bd. 2, Heft 9, S. 30-52. [PDF]

Zeichnung:
1809; im Inhaltsverzeichnis: Von φ—ς.
1810; im Inhaltsverzeichnis: Von π—ς.

Die Textwiedergabe erfolgt nach dem ersten Druck (Editionsrichtlinien).

Dieser Text wurde in das Deutsche Textarchiv (DTA)
der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW) übernommen.
URL: http://www.deutschestextarchiv.de/goerres_wunderhorn_1809


Heidelbergische Jahrbücher der Literatur  online
URL: http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/hdjbl
URL: https://catalog.hathitrust.org/Record/100539368
URL: http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=hjl
URL: https://de.wikisource.org/wiki/Zeitschriften_(Varia)#HJdL

 

 

Zeitschriften-Repertorien

 

Kommentierte Ausgaben

 

 

 

Ausgaben: Des Knaben Wunderhorn



Erstausgabe

 

Kommentierte und kritische Ausgaben

 

 

 

Werkverzeichnis


Verzeichnisse

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Edition
Lyriktheorie » R. Brandmeyer