Wilhelm Müller

 

 

Text
Editionsbericht
Werkverzeichnis
Literatur

 

                    Der Dichter, als Prolog.

 

5   Ich lad' euch, schöne Damen, kluge Herrn,
Und die ihr hört und schaut was Gutes gern,
Zu einem funkelnagelneuen Spiel
Im allerfunkelnagelneusten Styl;
Schlicht ausgedrechselt, kunstlos zugestutzt,
10   Mit edler deutscher Rohheit aufgeputzt,
Keck wie ein Bursch' im Stadtsoldatenstrauß,
Dazu wohl auch ein wenig fromm für's Haus:
Das mag genug mir zur Empfehlung sein,
Wem die behagt, der trete nur herein.
15   [4] Erhoffe, weil es grad' ist Winterzeit,
Thut euch ein Stündlein hier im Grün nicht Leid;
Denn wißt es nur, daß heut' in meinem Lied
Der Lenz mit allen seinen Blumen blüht.
Im Freien geht die freie Handlung vor,
20   In reiner Luft, weit <von> der Städte Thor,
Durch Wald und Feld, in Gründen, auf den Höh'n;
Und was nur in vier Wänden darf geschehn,
Das schaut ihr halb durch's offne Fenster an,
So ist der Kunst und euch genug gethan.
25    
    Doch wenn ihr nach des Spiels Personen fragt,
So kann ich euch, den Musen sei's geklagt,
Nur eine präsentiren recht und ächt,
Das ist ein junger blonder Müllersknecht.
Denn, ob der Bach zuletzt ein Wort auch spricht,
30   So wird ein Bach deshalb Person noch nicht.
[5] Drum nehmt nur heut das Monodram vorlieb:
Wer mehr giebt, als er hat, der heißt ein Dieb.

    Auch ist dafür die Scene reich geziert,
Mit grünem Sammet unten tapeziert,
35   Der ist mit tausend Blumen bunt gestickt,
Und Weg und Steg darüber ausgedrückt.
Die Sonne strahlt von oben hell herein
Und bricht in Thau und Thränen ihren Schein,
Und auch der Mond blickt aus der Wolken Flor
40   Schwermüthig, wie's die Mode will, hervor.
Den Hintergrund umkränzt ein hoher Wald,
Der Hund schlägt an, das muntre Jagdhorn schallt;
Hier stürzt vom schroffen Fels der junge Quell
Und fließt im Thal als Bächlein silberhell;
45   Das Mühlrad braust, die Werke klappern drein,
Man hört die Vöglein kaum im nahen Hain.
[6] Drum denkt, wenn euch zu rauh manch Liedchen klingt,
Daß das Lokal es also mit sich bringt.
Doch, was das Schönste in der Mühle ist,
  Das wird euch sagen mein Monodramist;
Verrieth' ich's euch, verdürb' ich ihm das Spiel:
Gehabt euch wohl und amüsirt euch viel!

 

 

 

 

Erstdruck und Druckvorlage

Sieben und siebzig Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten.
Herausgegeben von Wilhelm Müller.
Dessau: Ackermann 1821, S. 3-6.

PURL: http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10115224-6
URL: https://books.google.fr/books?id=jec6AAAAcAAJ
URL: http://www.deutschestextarchiv.de/mueller_waldhornist_1821

Die Textwiedergabe erfolgt nach dem ersten Druck (Editionsrichtlinien).

 

Kommentierte und kritische Ausgaben

 

 

 

Werkverzeichnis


Verzeichnisse

Goedeke, Karl: Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen. 2. Aufl. Bd. 8. Dresden: Ehlermann 1905, S. 255-278.
URL: https://archive.org/details/GoedekeGrundrissZurGeschichteDerDeutschenDichtung-2-8

Goedeke, Karl: Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung aus den Quellen. 2. Aufl. Bd. 13. Dresden: Ehlermann 1938, S. 188-194.
URL: https://archive.org/details/GrundrissZurGeschichteDerDeutschenDichtungAusDenQuellen-2-13

Müller, Wilhelm: Werke, Tagebücher, Briefe. Hrsg. von Maria-Verena Leistner. Bd. 5: Tagebücher, Briefe. Berlin: Gatza 1994.
S. 560-566: Wilhelm Müllers Werke.



Müller, Wilhelm: Sieben und siebzig Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten. Dessau: Ackermann 1821.
PURL: http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10115224-6
URL: https://books.google.fr/books?id=jec6AAAAcAAJ
URL: http://www.deutschestextarchiv.de/mueller_waldhornist_1821

[Müller, Wilhelm]: [Rezension zu:] Lyrische Blätter. Von August Graf von Platen Hallermünde. No. 1. Leipzig: F. A. Brockhaus. 1821. In: Literarisches Conversations-Blatt. 1821, Nr. 261, 13. November, S. 1041-1043.   –   Gezeichnet: 31; Zuschreibung nach Goedeke, Bd. 8, S. 265 u. Lohre 1927, S. 390.
URL: http://digital.slub-dresden.de/id390919659

[Müller, Wilhelm]: [Rezension zu:] Oestliche Rosen von Friedrich Rückert. Drei Lesen. Leipzig: F. A. Brockhaus. 1822. In: In: Literarisches Conversations-Blatt. 1822: Nr. 15, 18. Januar, S. 57-59; Nr. 17, 21. Januar, S. 67-68; Nr. 18, 22. Januar, S. 70-71.   –   Gezeichnet: 31; Zuschreibung nach Goedeke, Bd. 8, S. 266 u. Lohre 1927, S. 390.
URL: http://digital.slub-dresden.de/id390919659
URL: https://archive.org/details/literarischesco1822unse_0

Müller, Wilhelm: Gedichte aus den hinterlassenen Papieren eines reisenden Waldhornisten. Bd. 2: Lieder des Lebens und der Liebe. Dessau: Ackermann 1824.
URL: http://www.mdz-nbn-resolving.de/urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bvb:12-bsb10115225-1
URL: https://archive.org/details/bub_gb_k-c6AAAAcAAJ

Müller, Wilhelm: Ueber die neueste lyrische Poesie der Deutschen. Ludwig Uhland und Justinus Kerner. In: Hermes, oder Kritisches Jahrbuch der Literatur. Bd. 28, 1827, S. 94-129.
URL: http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/90202/1/
URL: https://catalog.hathitrust.org/Record/008697248

Müller, Wilhelm: [Rezension zu:] 1) Altona bei Hammerich. 1826. Lieder von Schmidt von Lübeck. Herausgegeben von H. C. Schumacher. Zweite vermehrte Aufl. XII und 300 S. 2) Stuttgart und Tübingen in der Cotta'schen Buchhandlung. 1826. Gedichte von Justinus Kerner VI und 224 S. In: Jahrbücher für wissenschaftliche Kritik. 1827, Juli: Nr. 129/30, Sp. 1030-1040; Nr. 131/32, Sp. 1041-1044.
URL: http://opacplus.bsb-muenchen.de/title/530379-5



Müller, Wilhelm: Gedichte. Vollständige kritische Ausgabe. Bearbeitet von James Taft Hatfield. Berlin: Behr 1906 (= Deutsche Literaturdenkmale des 18. und 19. Jahrhunderts, 137).
URL: https://archive.org/details/gedichtevonwilh02mlgoog

Müller, Wilhelm: Werke, Tagebücher, Briefe. Hrsg. von Maria-Verena Leistner. Bd. 4: Schriften zur Literatur. Berlin: Gatza 1994.

 

 

 

Literatur

Blaicher, Günther (Hrsg.): Die Rezeption Byrons in der deutschen Kritik (1820 – 1914). Eine Dokumentation. Mit einer Byronbibliographie (1820 – 1914) von Brigitte Glaser. Würzburg 2001.

Bormann, Alexander von: Romantik. In: Geschichte der deutschen Lyrik vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Hrsg. von Walter Hinderer. 2. Aufl. Würzburg 2001, S. 245-278.

Bosse, Heinrich / Neumeyer, Harald: "Da blüht der Winter schön". Musensohn und Wanderlied um 1800. Freiburg im Breisgau 1995 (= Rombach Wissenschaft; Reihe Litterae, 35).

Brandmeyer, Rudolf: Poetologische Lyrik. In: Handbuch Lyrik. Theorie, Analyse, Geschichte. Hrsg. von Dieter Lamping. 2. Aufl. Stuttgart 2016, S. 164-168.

Erlinghagen, Armin: "Poesie ist Poesie, von Sprech- und Redekunst unendlich verschieden". Anmerkungen zur Krise der Schriftstellerei um 1800 mit Rücksicht auf Goethe, Wilhelm von Humboldt, Friedrich Schlegel und Wilhelm Müller. In: Athenäum 18 (2008), S. 81-100.

Frühwald, Wolfgang: Romantische Lyrik im Spannungsfeld von Esoterik und Öffentlichkeit. In: Europäische Romantik I. Hrsg. von Karl R. Mandelkow. Wiesbaden 1982 (= Neues Handbuch der Literaturwissenschaft, 14), S. 355-392.

Genette, Gérard: Paratexte. Das Buch vom Beiwerk des Buches. Frankfurt a.M. 2001 (= suhrkamp taschenbuch wissenschaft, 1510)

Gymnich, Marion / Müller-Zettelmann, Eva: Metalyrik: Gattungsspezifische Besonderheiten, Formenspektrum und zentrale Funktionen. In: Metaisierung in Literatur und anderen Medien. Theoretische Grundlagen – Historische Perspektiven – Metagattungen – Funktionen. Hrsg. von Janine Hauthal u.a. Berlin u.a. 2007 (= spectrum Literaturwissenschaft / spectrum Literature, 12), S. 65-91.

Hillemann, Marco u.a. (Hrsg.): Wilhelm Müller und der Philhellenismus. Berlin 2015.

Hillesheim, Jürgen: Die Wanderung ins "nunc stans". Wilhelm Müllers und Franz Schuberts "Die Winterreise". Freiburg i.Br. u.a. 2017.

Hinck, Walter (Hrsg.): Schläft ein Lied in allen Dingen. Das Gedicht als Spiegel des Dichters. Poetische Manifeste von Walther von der Vogelweide bis zur Gegenwart. Frankfurt a.M. 1985.

Hinck, Walter: Magie und Tagtraum. Das Selbstbild des Dichters in der deutschen Lyrik. Frankfurt a.M. u.a. 1994.

Klenner, Andreas: Konturen des Lyrikverständnisses Wilhelm Müllers im Spiegel seiner Rezensionen. In: Kunst kann die Zeit nicht formen. 1. internationale Wilhelm-Müller-Konferenz, Berlin 1994. Hrsg. von Ute Bredemeyer u.a. Berlin 1996 (= Schriften der Internationalen Wilhelm-Müller-Gesellschaft, 1), S. 272-279.

Klenner, Andreas: Vom romantischen Volkslied zur Vormärzlyrik. Poetische Entwicklungslinien bei Kerner, Uhland und W. Müller. Berlin 2002.

Kremer, Detlef / Kilcher, Andreas B.: Romantik. Lehrbuch Germanistik. 4. Aufl. Stuttgart 2015.

Leistner, Maria-Verena: Zu Wilhelm Müllers literaturkritischen Beiträgen in den Zeitschriften des Verlages F. A. Brockhaus. In: Germanica Wratislaviensia 1988, H. 67, S. 113-122.

Leistner, Maria-Verena: Wilhelm Müller als Literaturkritiker. In: Wilhelm Müller. Eine Lebensreise. Zum 200. Geburtstag des Dichters. Hrsg. von Norbert Michels. Weimar 1994 (= Kataloge der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau, 1), S. 47-55.

Leistner, Maria-Verena: Wilhelm Müllers Schwabenreise 1827. [eine Veröffentlichung der Arbeitsstelle für Literarische Museen, Archive und Gedenkstätten in Baden-Württemberg] Marbach 1994 (= Spuren, 26).

Leistner, Maria-Verena: Die Taschenbuch-Rezensionen Wilhelm Müllers. In: Literarische Leitmedien. Almanach und Taschenbuch im kulturwissenschaftlichen Kontext. Hrsg. von Paul Gerhard Klussmann u.a. Wiesbaden 1998 (= Mainzer Studien zur Buchwissenschaft, 4), S. 146-165.

Leistner, Maria-Verena: Friedrich Rückert im Urteil Wilhelm Müllers. In: Jahrbuch der Rückert-Gesellschaft 13 (2000/01), S. 75-88.

Lohre, Heinrich (Hrsg.): Wilhelm Müller als Kritiker und Erzähler. Ein Lebensbild mit Briefen an F. A. Brockhaus und anderen Schriftstücken. Leipzig 1927 (= Aus dem Archiv F. A. Brockhaus. Zeugnisse geistigen Schaffens).

Perraudin, Michael: Wilhelm Müller und seine Zeitgenossen. Zum Charakter nachromantischer Poesie. In: Kunst kann die Zeit nicht formen. 1. internationale Wilhelm-Müller-Konferenz, Berlin 1994. Hrsg. von Ute Bredemeyer u.a. Berlin 1996 (= Schriften der Internationalen Wilhelm-Müller-Gesellschaft, 1), S. 313-328.

Polheim, Karl K. (Hrsg.): Der Poesiebegriff der deutschen Romantik. Paderborn 1972 (= UTB, 60/61).

Pott, Sandra: Poetiken. Poetologische Lyrik, Poetik und Ästhetik von Novalis bis Rilke. Berlin u.a. 2004.

Potthast, Barbara (Hrsg.): Provinzielle Weite. Württembergische Kultur um Ludwig Uhland, Justinus Kerner und Gustav Schwab. Heidelberg 2014 (= Beihefte zum Euphorion, 71).

Sautermeister, Gert: Lyrik und literarisches Leben. In: Zwischen Restauration und Revolution 1815 – 1848. Hrsg. von Gert Sautermeister u.a. München u.a. 1998 (= Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Bd. 5), S. 459-484.

Schieb, Roswitha: "Die schöne Müllerin" und "Die Winterreise". Möglichkeiten und Grenzen romantischen Sprechens. In: Wilhelm Müller. Eine Lebensreise. Zum 200. Geburtstag des Dichters. Hrsg. von Norbert Michels. Weimar 1994 (= Kataloge der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau, 1), S. 57-69.

[Schwab, Gustav]: Wilhelm Müller's Poesie. In: Blätter für literarische Unterhaltung. 1828: Nr. 98, 28. April, S. 389-391; Nr. 99, 29. April, S. 393-394.
Gez. 27; Zuschreibung nach Goedeke VIII, S. 259.
URL: http://digital.slub-dresden.de/werkansicht/dlf/89826/

Sengle, Friedrich: Biedermeierzeit. Deutsche Literatur im Spannungsfeld zwischen Restauration und Revolution 1815 – 1848. 3 Bde. Stuttgart 1971/80.

Wetzel, Heinz: "Fremd zieh' ich wieder aus." Fragen an Wilhelm Müller. In: Autoren damals und heute. Literaturgeschichtliche Beispiele veränderter Wirkungshorizonte. Hrsg. von Gerhard P. Knapp. Amsterdam u.a. 1991 (= Amsterdamer Beiträge zur neueren Germanistik, 31/33), S. 173-210.

Wetzel, Heinz: Wilhelm Müllers Die schöne Müllerin und Die Winterrreise. In: Aurora 53 (1993), S. 139-171.

Wetzel, Heinz: Das volle Herz im Zwang der Reime. Zur Form in der Lyrik Wilhelm Müllers. In: Kunst kann die Zeit nicht formen. 1. internationale Wilhelm-Müller-Konferenz, Berlin 1994. Hrsg. von Ute Bredemeyer u.a. Berlin 1996 (= Schriften der Internationalen Wilhelm-Müller-Gesellschaft, 1), S. 122-140.

 

 

Edition
Lyriktheorie » R. Brandmeyer