Heinrich und Julius Hart

 

 

Ein Lyriker à la mode.

 

Die Nerven unserer Zeitgenossen sind ein wenig abgespannt und schlaff geworden, – Predigten, Mahnungen, Drohungen erschüttern sie nur noch, wenn sie dröhnen wie die Posaune des Weltgerichts. Eindrucksvoller aber ist ein anderer Klang, der schrille Klang der Zahlen. Deshalb will ich Zahlen für mich sprechen lassen, wenn ich behaupte, daß der Fluthschwall lyrischer Dichtung, der sich Jahr für Jahr über uns ergießt, größere Gefahren mit sich wälzt für die Kulturentwicklung unsres Volkes, als sich die Weisheit kritischer Philister träumen läßt. Also! Im Literaturjahre 1881 erschienen über achtzig neue Sammlungen von Gedichten, sodann weit über dreißig Gedichtbücher in neuer Ausgabe oder Auflage, gegen zwanzig Uebersetzungswerke und außerdem etwa zehn Anthologien, das heißt, im Ganzen fast 150 Bücher, mit Tausenden von nichts als Liedern angefüllt. Aber es hat den Anschein, als ob selbst diese Tausende nicht den Hunger des Publikums nach Empfindungsreizen zu sättigen vermöchten, denn es existirt ferner ein halbes Dutzend poetischer Zeitschriften, das uns alle Monate mit einer Segensfülle von fünf Dekaden Sonetten, Romanzen und anderen Wasserschößlingen überschüttet und einige vierzig Familienblätter rechnen es sich ebenfalls zur Ehre, ihren Spalten dann und wann den Charakter von Cisternen zu verleihen. Was Wunder, daß um die Preise, welche bei Gelegenheit des Calderon-Jubiläums für die besten Gedichte zu Ehren des großen Spaniers ausgeschrieben waren, sich 160 Deutsche beworben haben, während Spanien selbst nur neununddreißig Dichter stellte und Frankreich, wenn ich nicht irre, einunddreißig. [53] Diese Massenproduktion müßte Bedenken erregen auch dann, wenn wir es mit lauter Meisterschöpfungen zu thun hätten, weil selbst des Guten zu viel geschehen kann, in Wirklichkeit jedoch stehen wir einer Sündfluth todter Mittelmäßigkeit gegenüber. Das hat ein anderes Preisausschreiben an den Tag gebracht. Eine Aufforderung nämlich der "Deutschen Zeitung" in Wien, ein Lied zu schreiben, das den für die Wahrung ihres Deutschthums kämpfenden Oesterreichern zur Volkshymne werden könnte, eine Aufforderung also, die mancherlei Unkenntniß verräth, von poetischem Schaffen sowohl, wie von der Natur des Volksgeistes, hat gleichwohl nicht mehr und nicht weniger als 1500 Gedichte ins Leben gerufen. Und von diesen 1500 wurden drei für preiswürdig erkannt, welche, sobald sie veröffentlicht erschienen, von der gesammten Kritik fast einstimmig als Erzeugnisse dilettantischer Mache verurtheilt sind. Nun mag es zugegeben werden, daß unter den nichtgekrönten Liedern dieses oder jenes die gekrönten weit überragte, aber die Mehrzahl muß ohne Zweifel, – die geachteten Namen der Preisrichter lassen wohl das Zugeständniß eines Fehlers, aber nicht einer völligen Verkehrtheit zu, – noch unter das Niveau der auserwählten eingeordnet werden. Ein maßloses Ueberwuchern von Mittelmäßigkeit und Dilettantismus läßt sich demnach schwerlich läugnen, ebensowenig die Gefahr, welche jede einseitige Ueberwucherung zur Folge hat, es fragt sich nur, was die Gefahr in diesem Falle bedeutet. Unmittelbar ist es zunächst die Literatur, die Poesie, welche zu leiden hat. Allerdings kann der Unterschied zwischen wahrer und dilettantischer Poesie nicht durch eine Gleichung bestimmt, nicht wie an einem Skelett demonstrirt werden, denn das, was metrische Zeilen zu einem Gedicht macht, dieses innerste Sein der Poesie, steht über dem Erkennen, – wohl aber giebt es einzelne Eigenschaften, welche jedem Kunstwerk unerläßlich sind. Das sind Wahrheit der Empfindung, innige Verschmelzung von Form und Inhalt und eigenartige Persönlichkeit; Mangel an einer dieser Eigenschaften charakterisirt den Dilettanten. Dilettantisch ist also der Mangel an Farbe und Plastik, der Mangel an reinem, in Form aufgelösten Gefühl und der Mangel an bestimmten eigenen Zügen, dilettantisch ist die blos auf äußerliche Glätte gerichtete Sorgfalt, die Phrase, die versifizirte Prosa, dilettantisch endlich ist es, wenn die Phantasie den [54] Dichter beherrscht und dieser nicht die Phantasie, wenn es scheint, als ob das Räderwerk der Einbildungskraft verletzt sei und nun herumschnurre ohne Weisung und Ziel. Verschwommenheit und Unsinn ist die Folge. Trotz alledem, nicht jeder Dilettantismus ist verwerflich; wenn er anspruchslos sich darauf beschränkt, seinen Gefühlen eine dichterische Form zu geben, um desto tiefer in das Wesen unserer Meister eindringen zu können, wenn er sich einfach kundgiebt als Begeisterung für die Kunst, ohne Sucht nach Oeffentlichkeit, wenn er sich des Abstandes bewußt bleibt, der zwischen dem Dichtenkönnen und dem Dichtenmüssen waltet, so mag er nicht nur geduldet, sondern auch gepflegt werden, als eine Schule guten Geschmacks und ästhetischer Bildung. Ganz anders jedoch, sobald der Dilettantismus sich in die Literatur eindrängt und dort als literarische Mittelmäßigkeit pilzartig Fäulniß bringt und Verschwammung. Dann wird das Publikum mit leerem Geklingel betäubt, seine Empfindungen für das Echte und Große schwächen sich, jedes edlere, männliche strebende Gemüth wendet sich erschreckt ab von einer Lyrik, die allen Schwunges, aller Tiefe, aller Gedanken zu entbehren scheint und die Dichter selbst, welche die Menge dem Banne der Nichtse verfallen sehen, welche nirgend ein reines Verständniß finden, überall aber Kälte und Selbstzufriedenheit, erlahmen im Innersten ihrer Seele. Und wie in die Lyrik schleicht sich auch in die übrigen Gebiete der Poesie die Mittelmäßigkeit zerstörend ein und so bildet sich dann eine Literatur, wie die der Gegenwart, – zahlloses Unkraut, wenig Weizen. Aber die Literatur trägt nicht allein den Schaden davon; ganz eng mit ihren Geschicken ist das Schicksal unsrer geistigen Kultur überhaupt verknüpft. Jedermann sieht und empfindet es, in welchem Umfang die große Strömung der Poesie am Ende des vorigen und zu Anfang dieses Jahrhunderts unsre Sprache und mit ihr das nationale Denken selbst und endlich auch das nationale Leben umgestaltet hat, – zum Besseren; niemand darf es sich daher verhehlen, daß diese Poesie und Literatur, selbst auseinanderfallend oder sich verknöchernd, auch den allmählichen Niedergang aller anderen Errungenschaften der Nation zur Folge haben würde. Unsre Presse hat freilich in ihrer Allgemeinheit wenig Sinn und Feingefühl für die Thatsachen des geistigen Lebens, – auf jedes Unglück, mag es [55] noch so gleichgültig für die Erweiterung unseres Erkennens sein, verschwendet sie Spalte um Spalte, während die wichtigsten Kulturerscheinungen sich mit einem Winkelchen begnügen müssen und für ihre tieferen Unterströmungen gar kein Raum vorhanden ist, – aber gleichwohl wage ich das Paradoxon, daß eine Ueberwucherung des literarischen Dilettantismus unser inneres und damit allgemach auch unser äußeres nationales Leben mehr vergiften wird und tiefer zerstören, als irgend eine politische oder sociale Parteirichtung. Letztere mögen noch so übel wirken, sie erzeugen doch stets eine Gegenströmung, weil sie unverkennbar wirken, der mehr verborgen fließende Strom der Mittelmäßigkeit aber erzeugt aus sich jenen kindisch anmaßenden und todten formalistischen Geist, von dem Taine in seinem "Entstehen und Werden (Origines) des zeitgenössischen Frankreichs" behauptet, daß er als Folge der literarischen Verknöcherung den Niedergang des französischen Geistes verschuldet habe.

 

*   *   *

 

Wie sehr jener Dilettantismus bereits heute den Geschmack unterhöhlt hat, das beweist ein Umstand, welcher mich geradezu erschreckt hat: die Gedichte von Albert Träger haben in diesem Jahre die fünfzehnte Auflage erlebt, – Gedichte, Lyrik die fünfzehnte Auflage! In grünem Einband liegt das Buch vor mir, leuchtend von einem zarten Goldüberzuge, aber, – schade um die Ausstattung – niemals habe ich es so sehr empfunden, welchen geisteslähmenden Einfluß die literarische Mittelmäßigkeit ausüben muß, welche Gefahren sie in sich birgt, welche Wüstenluft ihre Produktionen athmen, niemals so, wie bei der Lektüre dieser Gedichte. Wehe dem Menschen, der in diesem Phrasenschwulst, in diesen hohlen Affektationen sich heimisch fühlt, den bei diesem Reimgeklingel, bei diesem ewigen Einerlei nicht eine wilde Lust erfaßt nach frischer Ursprünglichkeit und innerlichem Feuer. Und doch giebt es Literarhistoriker, welche Träger als einen sinnigen, gemüth- und gluthvollen Lyriker anempfehlen. Aber ich will es beweisen, daß Träger nichts mehr und nichts weniger ist, als der Typus jener kläglichen Afterdichter, von denen ich oben gesprochen habe, jener Afterdichter, welche in den Anfängen einer Literatur geduldet werden mögen, die aber [56] schädlich, widerlich erscheinen in einer Zeit, welche eine große Literaturentwicklung bereits hinter sich hat. Der Dilettantismus als Mode, das ist ein Rückfall in die Kindlichkeit, welchen wenigstens die Kritik nicht mitmachen, dem sie mit allen Pulvern der Mahnung, mit allen Essenzen der Aesthetik und mit der Sonde der Satire entgegenwirken soll. Als Mode sage ich, sowohl um der fünfzehn Auflagen willen wie um der großen Schaar, die mit Träger eines Weges wandelt; die Schaar ist zu groß, um namentlich vorgeführt zu werden, aber man wird ihre Glieder erkennen, wenn ich einen der Führer schildere .... Das erste, was mir auffiel, als ich Herrn Träger näher kennen lernte, das war der unabänderliche, immer gleichklapprige, jämmerlich jammernde Jambentrab seiner poetischen Rosinante. Tripp trapp, tripp, trapp, tripp, trapp – "Mein Kind, nicht unter kaltem Stein", "Durch jedes arme Menschenleben", "Die Sage geht, daß tief im Walde", "Aus brudermörderischem Kampfe" u.s.w. u.s.w. Meine Empfindung erwies sich als sehr begründet, als ich den Formenreichthum Trägers näher untersuchte. Das Buch umfaßt nämlich 208 Gedichte und von diesen 208 erfreuen sich nicht mehr als fünfzehn des trochäischen Rhythmus, siebenzehn galoppiren daktylisch oder anapästisch – und die 176 übrigen huldigen dem Jambus, einem so glatten, regelmäßigen Jambus, daß Rokokogärten gegen ihn als wirre Wildniß erscheinen würden. Gewiß, der Jambus ist das biegsamste und deshalb das bevorzugte Versmaß unsrer Poesie, aber es macht mich doch bedenklich, wenn die Empfindungen eines Lyrikers so selten aus dem alltäglichen Takt herausspringen, daß er sie unter sieben Fällen sechsmal an derselben Schnur herunterleiern kann. Goethe, – ich führe denselben hier nur als Typus eines wahren Lyrikers dem eines unwahren gegenüber an, – hat unter den ersten 208 seiner Gedichte (die Elegien abgerechnet) nicht fünfzehn trochäische Formen, sondern siebenundsechzig, nicht siebzehn anapästische oder daktylische, sondern einundsiebzig und statt 176 jambische deren nur siebzig. Das ist ein Unterschied und offenbar kein zufälliger. Hinzufügen will ich noch, daß unter der ganzen großen Zahl Träger'scher Poeme sich kein einziges in freierer, reimloser Form befindet, wohl aber zähle ich achtzehn Sonette. Auch das ist charakteristisch, denn es weist auf einen Mangel an kräftigen [57] Gedanken, an lebendiger Gluth, an starken Empfindungen hin, es bezeugt, daß der Poet bewußt oder unbewußt das Bedürfniß in sich fühlt, seinen fadenscheinigen Stoffen durch Aufbügeln mit blendendem Klinklang einen Schein von Neuheit und Glanz zu geben. Und wirklich, der Armuth an Formen entspricht die Armuth an Stoffen und die Plattheit der Stoffe. Im Grunde genommen finde ich nur zwei Arten, nämlich Leitartikelpoesien und sentimentalen Gewohnheitstratsch; letzterer läßt sich unter die bekannten Gruppen "Liebe" (d.h. schattenhafte Empfindelei und Spielerei), "Freundschaft" (desgleichen), "An die Armen" (desgleichen), "Wanderlieder" (d.h. Abschied von der Mühle, Handwerksgesellenlust u.s.w., getreu nach beliebten Mustern) restlos vertheilen. Von der Verlogenheit der Gefühle, die in all diesen Reimereien waltet, soll nur ein, weil kleines Liedchen (oder Liedlein; Lied klingt derartigem Zeug gegenüber viel zu würdig) Zeugniß ablegen:

Ihr Sternlein, hoch am Himmelszelt,
Ihr schaut ja auf die ganze Welt,
Sah keines mein verrathnes Lieb,
Weiß keines, wo die Aermste blieb.

Ihr Sternlein, die ihr tröstend scheint,
Wo still ein Herz verlassen weint,
Sah keines ihre Wange blaß,
Ihr Auge, das von Thränen naß.

Ihr Sternlein geht ja auf und ab,
Saht ihr vielleicht ein frisches Grab?
O, zeiget mir die Stelle an,
Daß dort auch ich mich betten kann.

Heiliger Siegwart! Wer hätte denken mögen, daß hundert Jahre nach deinem seligen Hungertode noch ein vernünftiger Mensch derartig winseln könnte; wen übermannt nicht die Rührung, wenn er von dem "verrathnen, ärmsten Lieb" hört, das ohne Zweifel durchgegangen und nicht mehr polizeilich zu ermitteln ist, denn die "Sternlein" sollen nachsehn, "wo die Aermste blieb", ob sie blaß und naß verlassen irgendwo weint, oder ob sie schon im "frischen Grabe" liegt. Lieber Poet, Sie wissen, daß Ihnen die Sternlein nichts antworten werden, Sie haben daher gut erklären, "daß dort auch [58] ich mich betten kann". In diesen, wie in fast allen sentimentalen Gedichten Trägers herrscht jene Anempfindung, welche jeder Selbstständigkeit, jedes eigenen Lebens bar ist und welche zum tausendsten Mal die Volks- und Kunstlyrik der Vergangenheit wiederkäut, anstatt aus den Impulsen der eigenen Seele und der Zeit heraus zu schaffen. Nicht blos für den Roman, nicht blos für das Drama gilt die Forderung nach einer Kunst, welche Aktualität und modernen Geist athmet, auch in der Lyrik wirkt es allgemach betäubend, wenn man ein halbes Jahrhundert, nachdem Wilhelm Müller in diesem Tone gesungen, noch immer als Novität Verse vorgesetzt erhält, wie:

"Schon wieder hab' ich mein Bündel geschnürt,
Du giebst mir, mein Schatz, das Geleite, . . . . ."

oder "Leb wohl, leb wohl! Der Mühlbach rauscht", wenn man stets von neuem Geibel und Uhland in Varianten liest, wie "Durch manchen Wald noch werd' ich schweifen, am Hut des Blattes grüne Zier, Noch manchen . . . . . . " und "Siehst Du ein Herz in Liebe glühn, o, lieb es treulich wieder", oder Tieck zu hören glaubt, sobald es wieder einmal heißt "Wunderbare Sommernacht, deine Zauber lasse walten", oder auch Freiligrath in Gedichten wie "Ohne Cruzifix", "Der Spitzenhändler", "Des Armen Kind" auferstehen sieht. Aber ich habe als Zeichen des Dilettantismus nicht nur die Unwahrheit der Empfindung, nicht nur das Anempfindeln (als Mangel an eigenartiger Persönlichkeit), nicht nur die Hohlheit der Form hingestellt, als ebenso trostlos und der Mittelmäßigkeit eigen nannte ich die Verschwommenheit des Ausdrucks und das Durchgehen der Phantasie mit dem Verstande.

 

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Beides tritt am meisten zu Tage in der Bilderpracht, welche Träger entwickelt und ich will daher einige Proben aus dem reichen Album, das er uns in dieser Hinsicht darbietet, mittheilen und die eine oder andere näher beleuchten.

In dem Gedichte "Glühende Asche" heißt es:

[59] "Das Leben ließ mein Herz erkalten,
Nur in der Asche glimmt die Gluth,
Wo still in seinen tiefsten Falten
Dein heilig Bild begraben ruht."

Jedes Wort dieser Zeilen ist ein leuchtender Funke genialen Aftersinns. Ein erkaltendes Herz, dessen Gluth nur noch in der Asche glimmt, in dessen Falten aber ein heilig Bild still begraben ruht, – ich wollte, ich wäre ein Maler, um das malen zu können. Zunächst das begrabene Bild, – wie das Jeden anheimeln muß, der die Bilder der Geliebten zu begraben pflegt, ein Anderer kann sich freilich nichts Schwungvolles genug dabei denken, – dann die höchst nothwendige Versicherung, daß dies begrabene Bild sich still verhält, wer unter uns wüßte denn nicht, wie begrabene Bilder sonst zu rumoren wissen, ferner die Bemerkung von den tiefsten Falten und schließlich das alles sagende "Wo", das nur die kleine Unklarheit aufkommen läßt, worauf es sich eigentlich bezieht. Nehme ich an, daß es auf Gluth oder Asche zielt, so würden die folgenden Verse bedeuten "das heilige Bild ruht in seinen eigenen tiefsten Falten begraben", nehme ich an auf Herz, so weiß ich nicht, wie das Bild in den Falten des Herzens liegen soll, ohne von den glimmenden Funken angesengt zu werden. Aber beim Himmel, lieber Leser, Du hast vielleicht mehr Zeit als ich, Dich durch ein solches Irrsal hindurchzuarbeiten, versuchs und theile mir die Lösung mit.

In einem anderen Liedel preist Herr Träger das Schneeglöckchen als "Märzenblume, wie ein Banner auf dem Tische aufgepflanzt"; ein auf dem Tische aufgepflanztes Banner in Gestalt eines Schneeglöckchens, – diese Macht der poetischen Anschauung wirkt mehr als großartig, sie wirkt zermalmend. Und doch, sie kann noch übertrumpft werden, freilich nur von Träger selbst. Auf Seite 211 erscheint nämlich eine "Thräne, die still im Herzen verblutet". Eine Thräne, die im Herzen verblutet, ist gewiß eine Rarität, wunderbarer jedoch ist es, daß sie still und nicht laut verblutet. Verzeihen Sie, lieber Herr Träger, aber ich komme allmählich zu der Ansicht, daß Sie mit Ihrem ewigen "still", "leise" und ähnlichen Wörtchen gar nicht andeuten wollen, eine Thräne könne allenfalls auch laut verbluten oder ein Bild auch lärmend begraben ruhen, [60] sondern nur den Vers ausflicken möchten. Unter uns gesagt, ich hätte mir derartige Nothbehelfe allenfalls noch in der zweiten Auflage Ihrer Gedichte gefallen lassen, aber in der fünfzehnten, das ist etwas viel verlangt, besonders seitens eines Poeten, der als formgewandt gerühmt wird.

Aber weiter, weiter!

"Das Leben winkt, genieße ohne Rast,
Was Du versäumst, beut es Dir niemals wieder,
Wenn Du Dich selber einst verloren hast,
Dann setze trauernd Dich auf Gräbern nieder."

So heißt es auf Seite 63 der Gedichte, und ich weiß nicht, was mehr zu bewundern ist, die Fertigkeit, zwei Sätze wie "Das Leben winkt" und "Wenn Du Dich selber", die gar nichts miteinander zu thun haben, ohne weiteres in einer Strophe aneinanderzuhängen, oder die köstliche Vorstellung, daß jemand sich selbst verlieren und dann doch auf Gräbern niedersitzen könne. Wohlgemerkt, auf Gräbern, der bloße Singular genügt Herrn Träger nicht, er bedarf einer breiteren Unterlage.

Nicht minder genial ist das Bild, das dem Dichter auf Seite 100 aus der Feder schlüpft, dort weiß er eine unschuldige Zeitung nicht anders zu kennzeichnen, als durch "ein welkes (!) Blatt, vom Tagessturm auf meinen Tisch geweht". Beim Himmel, was seid ihr alle für Stümper gewesen, ihr Marinisten und Gongoristen, gegen Albert Träger! Gleich auf Seite 101 geht's in diesem Stile weiter!

"Und jener Lenz, dem jede Mannesfaust
Bewehrt von heil'gem Zorn, entgegenbebt."

Ein Lenz, dem die Fäuste entgegenbebten und nicht die Herzen, das wird ein schöner Lenz gewesen sein. Aus dem halb kindischen Liede "Hinaus!", wo der Dichter seiner Geliebten gegenüber aufflammt wie ein Bündel Stroh, braucht man kaum ein einzelnes Bild herauszuheben, das ganze Ding ist ein sinnloses, zweckloses, unmögliches Bild. In der ersten Strophe versichert der Poet seiner Geliebten, daß er schwer bei ihr gelitten, ungesehn von ihr, doch sei der Friede jetzt erstritten und er bete nur noch einmal still vor ihrem Bilde, um sich dann schweigend in Erz zu hüllen und mit [61] der Liebe Demantschilde das verwundete Herz zu bedecken. Ob ein Demantschild für eine Wunde gerade das beste Pflaster ist, das mögen die Aerzte entscheiden. Die zweite Strophe giebt uns hoffentlich Aufschluß, weshalb sich Träger eigentlich in Erz gehüllt hat. Richtig! Da heißt es "Hinaus zum Ringen und zum Schaffen!" Leider jedoch erfahren wir sonst nichts; gegen wen, aus welchem Grunde gekämpft werden soll (das "Schaffen" ist wohl nur des Reimes auf "Waffen" wegen da –), das mag sich jeder selbst ausdenken. Einen Augenblick scheint es, als ob Träger die Geliebte erstreiten wolle, denn er ruft: "Ich schwinge ja für Dich mein Schwert", aber gleich darauf sagt er:

"Kann ich Dich selbst auch nicht erringen,
Ich kämpfe Deiner werth zu sein."

Also nicht! Die dritte Strophe versichert uns, daß die Geliebte die Sonne, der Liebende ein Aar sei, daß die feuchten Wangen des Aares schon trocknen und es nun mit dem "träumerischen Minnen vorbei sei", denn

"Meine Liebe sei die That,
Ohnmächtig ist der Thränen Rinnen,
Mein Blut tränkt fortan meine Saat."

Das klingt etwas wild, etwas schaurig, aber ohne Sorge, es ist nicht allzu ernst gemeint. Gleich darauf merkt man, daß es mit der Minne doch nicht so ganz vorbei ist, da in der vierten Strophe verkündigt wird:

"Doch lagre, müd vom wilden Streiten,
Am Abend ich in Busch und Ried,
Dann greif' ich in der Laute Saiten . . ."

und singe Dir ein Lied voll Liebe und Treue. Die fünfte und sechste Strophe schließen sodann: "Und so im Streiten und im Singen hab ich mein Leben Dir geweiht", Du aber sage, wenn ich einst mit Beute und lorbeerumkränzt heimkehre, "die Welt dankt diesen Helden mir"; sollte ich jedoch fallen, so beuge Dich zum Schlachtfeld nieder, bis Du meine Leiche entdeckt und bringe dies Herz zur Ruh, das ruhlos Dir geschlagen."

Ein größeres Geschwafel ist mir selten vorgekommen, der Kopf [62] wird einem wirr, wenn man sich in das Verhältniß zwischen dem Dichter und seiner Geliebten hineinleben, sich über diesen Kampf (der Ausdruck "im Busche lagern" soll doch nicht etwa auf Buschklepperei hindeuten –), seine Gründe, sein Ziel klar werden, dieses Netz von Widersprüchen und Faseleien entwirren will. Und einen ähnlichen Wirrwarr bilden eine Reihe von anderen Gedichten, ich nenne nur "Ein Albumblatt", "Eine Sommernacht", "Zu früh". Um nicht weitschweifig zu werden, führe ich die folgenden Tropen und Gleichnisse ohne längere Zusätze einfach an, so wie sie im Treibhaus, will sagen im Treibhirn, unsres Dichters aufgeschossen sind. Auf Seite 96 ruht

"Gebettet unten eines Dichters Leiche,
Vom Blätterrauschen in den Schlaf gewiegt."

Eine Leiche in den Schlaf gewiegt! Auf Seite 109 prangt "unsres Glückes keusche Wiege". Auf Seite 141:

"Die (übrigens welke) Lilie harrt der stillen Nacht,
Die duft'gen Klagen ihrem Schoos zu weihen."

Auf Seite 142 ist die Geliebte das "Bild der bleichen Lilie", statt umgekehrt die Lilie das Bild der Geliebten.

Auf Seite 259 bricht geradezu der Bilderwahnwitz aus:

"Das ist ein Schmerz, der glühend tropft,
Zähnknirschend mit verhalt'nem Grollen,
An jede Thüre mahnend klopft, –
Doch bald wird er wie Donner rollen."

Ein glühend tropfender Schmerz, der zähneknirschend an die Thüren klopft, demnächst aber wie Donner rollen wird, – lieber Gott, das ist zu viel, zu viel.

Und nun auf Seite 266 heißt es gar:

"Jetzt schreit zum Himmel unsre Noth,
Sie triebe Lämmer aus den Horden."

Eine Noth, die als äußerstes Lämmer aus den Horden (steht wegen des Reims auf "Norden" anstatt Hürden oder Heerden, – solch kleiner Unsinn kommt bei Träger gar nicht in Betracht –) treibt, und doch himmelschreiend sein soll, – ich weiß nicht, der Schrei eines zehnjährigen Buben bekommt das auch fertig.

[63] Auf Seite 341 spricht der Poet von einem "Herzen, das, bis zum Zerspringen schwer, ans Kreuz" geschlagen worden.

Auf Seite 310:

"Der Kranz der Freiheit ist der höchste Orden."

Auf Seite 312:

"Das Schlachtfeld (war) Dein Katheder."

Geschmackvoll, sehr geschmackvoll!

Auf Seite 316:

"Und häuft Ihr Schätze mit großmüth'ger Hand,
Ob opferdurstig Steine selbst entbrannten – "

Das soll auf die Nationalsammlung für Freiligrath gehen, zu der also auch Steine, opferdurstig entbrannt, beigesteuert haben!

Auf Seite 321:

"Nimmer zwingen wir die Völker mehr zurück zur alten Frohne,
Und das heil'ge Oel vertrocknet, das gekittet unsre Krone;
Soll zum welken Dornenreisig nicht der stolze Reif erblinden –"

Ein Oel, mit dem man kittet, ein Kronenreif, der, wenn er erblindet (rostet) zum welken Dornenreisig wird, – das halte aus, wer kann, ich lese nicht weiter.

Zwischen dieser Verwilderung und dem Blödsinn, der die Redaktionen poetischer Blätter überfluthet, ist schon kaum ein Unterschied mehr zu erkennen, oder ist nicht die nothwendige Nachkommenschaft solcher Gedankenlosigkeiten, wie ich sie mitgetheilt, folgende Stilblüthe dilettantischer Raserei, welche mir selbst dereinst aus der ehrenwerthen Stadt Mettmann zuging und die ich im Briefkasten der "Deutschen Monatsblätter" veröffentlicht habe?

Sie wissen es Alle nicht.

Ich dichtet viel traurige Lieder,
Nun zogen sie fort über Meer,
Ein Jahr, und da kamen sie wieder,
Doch traurig nicht fand ich sie mehr.

Da fragte ich klagend die Sterne,
Die sehn in das ferneste Land,
Sie hätten's gesagt mir so gerne. –
Es war ihnen unbekannt.

Da fragt ich die Blumen voll Schmerzen,
Die blickten verwundert mich an.
Nun will ich zum eigenen Herzen,
Ob das mir's nicht sagen kann.

[64] Das Herze war nahe am Brechen,
Es blickte mir starr ins Gesicht.
Da schluchzt ich, kaum konnte ich sprechen, –
Sie wissen es alle nicht.

 

*   *   *

 

Die Phantasie jedoch scheint nicht allein bei Träger ein wenig in Unordnung gerathen zu sein, mit seinen Gefühlen und Gedanken ist es nicht besser bestellt. Einzelne Merkwürdigkeiten nach dieser Seite hin habe ich bereits im Vorigen für den Leser aufgespießt, ich will nun die Reihe etwas vollständiger machen. Auf Seite 71 giebt Herr Träger allen Leidenden und Bedrückten folgenden Trost:

"Halt aus: es ist kein Mensch so arm,
Daß er nicht endlich sterben könnte"

und zwar als Schlußpointe des Gedichtes: "Einst wirst Du schlummern". Wahr ist die Bemerkung, so wahr, daß sie noch Niemand in Zweifel gezogen, tröstend ist sie vielleicht, aber unglaublich trostlos ist es, daß ein Mensch auf einer solchen nichtssagenden Trivialität ein Gedicht aufzubauen wagt. Um den beliebten Reim "warm" auf "arm" herauszupressen, werden Seume's Gedichte auf Seite 97 als "innig, zart und warm" gepriesen; der Verfasser des Mithridates und des Spaziergangs nach Syrakus – zart, warm, innig, – Gott behüte uns, wenn Träger einmal auf den Gedanken kommt, eine Literaturgeschichte zu schreiben! Lessing als gluthvoller Liebessänger, Goethe als prophetisch düstrer Ascet, Schiller als sinniger Anakreontiker, – das dürften noch die verständigsten Ergebnisse anwaltlich-lyrisch-volksvertreterlicher Forschung sein. Eine Seite vorher erfreut uns übrigens auch der Dichter durch ein wahrhaft anheimelndes Wortgewirr, dessen grammatikalischen Zusammenhang zu errathen ich dem Leser gern überlasse. Es heißt da nämlich wörtlich:

"Daß Deinem Schlummer nicht die Ruhe fehle,
Die stets geflohen Deines Lebens Pein,
Ließ Deiner Freundin zarte Dichterseele
Der Eiche Zweige schatten Deinen Stein.
"

[65] In einem Gedichte an Ernst Keil, worin er diesen als "Vater seiner Lieder" bezeichnet, als ob nicht eine ganze Reihe von Vätern dies jus paternitatis für sich in Anspruch nehmen könnten, wenn es ihnen nur der Mühe werth wäre, versichert uns der Poet:

"Nie hab' ich auf dem schwanksten Steg
Mich rückwärts umgesehen."

und glaubt damit etwas recht Kerniges vorgebracht zu haben. Aber, lieber Herr, auf schwanksten Stegen sieht sich auch der größte Dummkopf nicht so leicht um, denn es geht eben schlecht; Sie wollten sagen, nie habe ich mich gescheut, Dir selbst auf den schwanksten Steg zu folgen, das ist jedoch etwas ganz Anderes.

Eine prachtvolle Blüthe jenes Unsinns, der in gewissen Sammlungen aufgespeichert wird, wie in den "Leierklänge aus Deutschlands Musenkasten" u.a.m., bildet die letzte Strophe des überaus anregenden Gedichtes "Die holden Rosen sind dahin", und es thut ihr keinen Eintrag, daß sie sehr, sehr ernst gemeint ist. Sie lautet:

"Noch weiß ich eine Rose blühen
Inmitten all der öden Flur,
Doch führt kein Ringen mich und Mühen
Zurück auf ihre duft'ge Spur.
Es bringt kein Traum von einstgen Tagen,
Kein Hoffen künftger mir Gewinn –
Nur um die Rosen laßt mich klagen,
Die holden Rosen sind dahin.

Habe ich nöthig, diese Rose, die allein auf öder Flur blüht und von welcher der Dichter weiß, wo sie blüht, ohne aber auf ihre duftige Spur gelangen zu können, in ihre einzelnen Schönheiten zu zerpflücken, ich denke, der Leser sieht auch ohne das, woran er ist? Gleich räthselhaft übrigens wie diese "Rose" ist das "Wort" in dem Liede "Willst Du?". "Ein irres Suchen", erfahren wir hier, "ist des Dichters Singen nach jenem Wort, das ihm Erlösung bringt. Hat er's gefunden, dann fühlt er mit Beben, daß all sein Dichten wesenloser Schein, in seinem letzten Wort erst liegt sein Leben – Willst Du (die Geliebte nämlich) das letzte Wort des Dichters sein?" Ich mache mich anheischig, dem eine Prämie zu geben, wer mir aus diesen Versen einen halbwegs verständigen Sinn herausklaubt. Die [66] Behauptung, daß alles Dichten als wesenloser Schein sich offenbare, sobald das letzte Wort (was ist das?) sich einstelle (von Ihrem Dichten, Herr Träger, gilt das allerdings, aber auch ohne das "letzte Wort"), und von diesem mystischen Tiefsinn der plötzliche Sprung zu der Frage "Willst Du mein letztes Wort sein?" (dann wäre ja dieses Wort schon da) – wahrhaftig, mir wird von all dem Zeug so dumm, als – Und deshalb genug! wer die Suche weiter fortsetzen will, wird noch überreiche Beute auftreiben; einem solchen Leser rathe ich auch, wenn er recht deutlich sehen will, was "Mangel an Farbe" und "versifizirte Prosa" bedeuten will, das Träger'sche Gedicht "Gute Nacht", ein lebloses, jeder Stimmung bares Gebilde, mit dem Vorbild desselben "Abendstille" von Gottfried Kinkel zu vergleichen.

Ist es nun denkbar, daß ein "angesehener Autor" noch eine Stufe tiefer auf der Leiter der Mittelmäßigkeit herabzusteigen vermag, als sie die leere Verschwommenheit bildet. Ja, Träger hat den Schritt gethan, und zwar mit seinen Zeitgedichten, welche den fünften Theil aller Gedichte ausmachen und als ein Gemenge nackter Phrasen die bloße Negation aller Poesie repräsentiren. Hätte Goethe in seinem bekannten Ausspruch "Ein politisch Lied, pfui, ein garstig Lied" nicht das milde Wort "garstig" gebraucht, ich möchte annehmen, er habe vorahnend Träger's Politika recensiren wollen. Natürlich habe ich nicht die Gesinnung, nicht die Tendenzen im Auge, sondern allein den poetischen Ausdruck derselben und diesen kann ich nicht anders charakterisiren, als durch: Worte, Worte, Worte! Das soll Gluth sein, das Begeisterung, dies gereimte Leitartikeln über alle Fragen, die seit 1860 das deutsche Volk bewegt haben, – ich finde nichts als klingende Reime und tönende Phrasen.

"Das ist der erste Adelsbrief,
Um den
die ersten grünen Halme,
Gefördert (!) aus der Erde tief,
Verschlingen sich zur Siegespalme,

Er borgt den Glanz von keiner Krone,
Nicht Menschengunst hat ihn verliehn,
Die Arbeit schrieb dem treuen Sohne,
Auf die gebräunte Stirne ihn . . . .

Und dieser Adel (die Arbeiter nämlich) liegt im Staub,
In Ketten schmachten seine Ritter,
Der Willkür willenloser Raub,
Engt sie der Knechtschaft Kerkergitter . . . .

[67] Und so geht es durch alle Gedichte durch, kindische Uebertreibungen als Material, Bilder, wie von dem "Adelsbrief, um den sich die ersten grünen Halme als Siegespalme schlingen und der gleichwohl auf die gebräunte Stirn geschrieben wird", als Putz, und dazu das immergleiche Pathos knallender Festtoaste, – derartiges Feuerwerk mag bei lärmenden Festen und in Versammlungen, wo jeder nur die Schlagworte "Blut", "Kampf", "Recht", "Haß", "Blitz", "Geschick" hört, seine Wirkung thun, aber man muß es nicht für Poesie ausgeben, noch weniger herausgeben. Sehr wahrscheinlich haben am Gutenberg-Tage die Hörer das erhabene Wortspiel "Das deutsche Volk, aus dessen Schooß der erste Drucker einst erstanden, Kein Drücker, sei er noch so groß, schlägt seinen freien Geist in Banden", um seines lobenswerthen Sinnes willen mit donnerndem Beifall aufgenommen, aber poetisch ist dergleichen nicht.

 

*   *   *

 

Und so frage ich denn die Literarhistoriker, welche Träger für einen Dichter erklärt haben: wo steckt nur das tiefe Gemüth, wo steckt die flammende Kraft, wo find' ich sie, die edle Formschönheit, die Sie ihm zurühmen? Ohne jedes Vorurtheil habe ich die Gedichte des Mannes zur Hand genommen, aber was ich endeckte, war kein Gemüth, sondern Anempfindung und Nachempfindung, keine Kraft, sondern Phrase und Verschwommenheit, keine Formschönheit, sondern Formleerheit und Eintönigkeit. Doch nicht, um dies Resultat urbi et orbi kundzuthun, habe ich diese Zeilen geschrieben, nein, mein einziger Zweck war, in Albert Träger einen namhaften Vertreter jenes Dilettantismus, der unsere Literatur überwuchert, zu zeichnen und zu schildern. Je mehr Dichterlinge durch meine Zeichnung sich getroffen fühlen, desto lieber ist es mir; weshalb, habe ich im Eingange dargethan. Unsere Kritik trifft nicht zum geringsten der Vorwurf, das Unkraut mittelmäßiger Lyrik viel zu zärtlich und liebenswürdig geschont, ja, in manchen Fällen es gepflegt zu haben. Und gerade auf dem Gebiete der Lyrik bedeutet das doppelte Schuld. Im Drama wie im Roman, vielleicht auch in der Versepik, haben wir noch eine Entwicklung zu erwarten, welche weit über die bis[68]herigen Leistungen deutscher Dichter hinausgeht – es ist das nicht meine Ansicht allein, – und jeder, der auf diesen Feldern hervortritt, hat daher eine gewisse Berechtigung, beachtet zu werden, aber in der Lyrik, welche die Namen Bürger, Goethe, Heine, Platen, Uhland und andere gleichen Schlages auf ihrem Paniere leuchten läßt, haben wir längst den Maßstab echten Könnens und müssen ihn daher anwenden. Aus diesem Grunde läugne ich ganz entschieden das Daseinsrecht eines jeden Lyrikers, dessen Produkte nicht ein eigenartiges und echtes Gepräge tragen, eines Jeden, der die Empfindungen und Gedanken, die in edelste Form gegossen bereits vorhanden sind, in miserabler Form noch einmal auf den Markt bringt. Freilich kann die Kritik keinem das Singen und Publiziren verbieten, aber sie kann es ihm gründlich vergällen, wenn es nichts taugt. Im Hause unsrer Mutter Poesie sind viele Wohnungen, – das ist richtig, und Charaktere der verschiedensten Art finden dort die gleiche freundliche Aufnahme, – aber eine Grenze hat diese Freundlichkeit doch, für die literarischen Bettler, Falschmünzer und Troßbuben giebt es dort keinen Platz. Und so muß es auch für die Kritik eine Grenze ihrer Nachsicht geben, die eine Forderung muß sie stets beachten: Ihr Kritiker, sehet zu, daß die Literatur vor- und aufwärts, nicht aber rückwärts sich entwickele. Neben den Kritikern haben dann auch die Redaktionen, besonders der literarischen und poetischen Blätter, die Aufgabe, den Strom des Dilettantismus einzudämmen, indem sie ihn von den eigenen Organen ablenken. Gegenwärtig erfüllen allerdings die wenigsten diese Aufgabe; selbst ein Bodenstedt, der, wenn auch als Dichter ungebührlich überschätzt (er ist ein durchaus reproduzirendes Talent), so doch als Mann von Geschmack und Feinsinn gelten muß, macht die "Dichterstimmen aus der Gegenwart", welche er für ein größeres Journal redigirt, nur zu oft zu einem abschreckenden Asyl für Krethi und Plethi.

"Menschliche Schwäche verdient Nachsicht in der Sphäre des Handelns,
Wer im Gesang schwach ist, schlage die Leier entzwei."

sagt bereits Platen und so wird man es auch mir nicht als Rigorismus auslegen (dem Talente gegenüber kann die Kritik nicht bescheiden genug sein), wenn ich in Hinsicht auf die Gefahren, welche aus dem maßlosen Umsichgreifen der Mittelmäßigkeit erwachsen müssen, wieder und wieder mahne "Kritik werde hart!"

 

 

 

 

Erstdruck und Druckvorlage

Kritische Waffengänge.
Heft 3, 1882, S. 52-68. [PDF]

Die Textwiedergabe erfolgt nach dem ersten Druck (Editionsrichtlinien).

 

 

Zeitschriften-Repertorien

 

Der besprochene Gedichtband

 

Inhaltsverzeichnis: Kritische Waffengänge

Genauere Daten zur Druckgeschichte der einzelnen Hefte gibt Tillmann 1923, S. 91-92.

 

 

Literatur

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Heft 2 (1882) [PDF]
Heft 3 (1882) [PDF]
Heft 4 (1882) [PDF]
Heft 5 (1883) [PDF]
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Lyriktheorie » R. Brandmeyer