Julius Hart

 

 

Soziale Lyrik.

 

Alles Empfinden und Denken des Menschen ist in seinem Grundwesen ein unveränderliches. Soweit wir es zurückverfolgen können, bis in die Ewigkeit hinein, hat weder sein Aeußeres noch sein Inneres mehr als Gradverschiedenheiten durchlebt. Und wir vermögen uns einen idealen Zukunftsmenschen nicht einmal anders vorzustellen, als nur durch Negation. Wenn wir in Verfolgung Tolstoi'scher Ideen ihn uns entlastet denken von dem Bedürfniß nach dem Sinnlichen, weiterhin von der Nothwendigkeit, zu essen und zu trinken, in allen seinen Sinnen außerordentlich erweitert, und wenn wir eine ganz neue und eigenartige Fortpflanzung annehmen, so vermögen wir uns doch kein Bild zu machen, wie denn positiv der so umgewandelte Mensch aussehen mag. In ihrem Grundwesen unveränderlich ist deshalb auch die Poesie, die Gestalterin all unseres Empfindungs- und Gedankenlebens, und sie kann daher wirklich nur mit dem letzten Menschen aussterben und zu Grunde gehen. Wir erzeugen keine wahrhaft neuen Ideen und Gefühle, aber in unserem Ideen- und Gefühlsleben herrscht ein ewiger Wandel, ewig neu gruppiren wir die Thatsachen, ewig neu suchen wir ihren Zusammenhang zu erklären und die Macht einer neuen Beobachtung hebt dann die eine Empfindung für eine Zeit mächtig empor, um die anderen halb aus unserem Bewußtsein schwinden zu lassen, schiebt eine Gedankenwelt in den Vordergrund, die bisher wie durch einen Nebel verhüllt, plötzlich im hellsten Sonnenglanz vor uns sich ausbreitet. Unter der scheinbaren Stoff- und Formeinheit der Poesie birgt sich doch ein Reichthum von Verschiedenheiten, so unendlich, wie die den Menschen umgebende Natur ihn erzeugt, indem sie auch nicht ein Lindenblatt einem anderen völlig gleich formt. Man kann im eigentlichen Sinne niemals von einer neuen Dichtkunst sprechen, aber in ihren räumlich und zeitlich von einander gehemmten Einzelschöpfungen offenbart sich ein immer wieder verschobenes Centrum des Gedanken- und Empfindungslebens, ein immer veränderter Standpunkt, von dem die Welt aus gesehen und gefühlt wird. In jenem Centrum liegt die Kraft, welche die Eigenart einer Dichtung bewirkt, und viel besser, als daß wir alte und neue, idealistische und realistische, moderne und Vergangenheitspoesie gegenüberstellen, sprechen wir von Eigenarts- und Andererartspoesie. Jene Begriffe bedeuten nur etwas Historisch-Vergängliches, oder etwas Stilistisches, das niemals absolut-gültige Dauer hat; ein verändertes Centrum kann rasch die Verdrängung des realistischen Stils durch den idealistischen verursachen, wir dürfen nie dem Künstler befehlen, Realist oder Idealist zu sein, aber was wir immer verlangen dürfen, das ist Eigenart.

Die ewig gültige Bedeutung der gegenwärtigen Literaturbewegung liegt nicht in der Pflege des naturalistischen Stils; er erfrischt uns vor allem deswegen, weil wir des idealistischen überdrüssig waren, und da immer wieder übersättigte Lustempfindungen des Gegensatzes bedürfen, so wird auch ohne Zweifel der Naturalismus einmal von [1080] neuem dem idealisierenden Stil Platz zu machen. Was die Bedeutung dieser Literaturbewegung ausmacht, das ist die Eigenart ihres Gedanken- und Empfindungslebens, die ihre Erzeugnisse scharf abhebt von den Schöpfungen der romantischen Periode. Sie ist eine Eigenartsdichtung und nicht epigonischer Natur. Wir sehen die Welt an, bewegt von ganz anderen Ideen, als unsere Vorgänger, und die naturalistische Form ist eine Folge unseres neuen Sehens, eine Form und kein Inhalt, eine Wirkung und keine Ursache.

Hat sich auch für unsere Lyrik das Centrum verschoben, daß ein neubesonderes Licht von ihm ausgeht, welches unser Empfinden und unsere Stimmung ändert? Wir verlangen nach einem solchen! Dafür spricht schon die weitverbreitete Unlust an ihren Erzeugnissen, die erst neuerdings langsam einer wärmer werdenden Antheilnahme wieder Platz macht. Der Lyriker, welcher noch in den Weisen und Tönen der Romantik singt, löst damit dem Menschen der Gegenwart Empfindungen aus, die nicht mehr so im Mittelpunkte von dessen Innenleben stehen, wie sie es vor fünfzig Jahren thaten. Und wer die tieferen Ursachen der Gleichgültigkeit nicht erkennt, dessen Wünsche und Vorschläge irren dann an der Oberfläche umher. "Nur keine Liebeslieder mehr, nur keine Frühlings- und Maienlieder!" Wer so spricht, hat sich mit seinem Denken nicht viel Mühe gemacht. Aber halb oberflächlich ist auch das Wort der Anderen: "Liebe ist ein allgemeines, ewig gültiges Empfinden, Liebespoesie wird daher nie verschwinden." Gewiß wird sie nicht verschwinden, aber ihre Gefühle und Vorstellungen färben und schattiren sich anders. Zwischen dem Liebesgedicht der Burns und Goethe einerseits, dann der Heine, Musset, Eichendorff andererseits herrschen ganz scharfe Unterschiede. Dort alles Innerlichkeit, Naturschlichtheit, Wirklichkeit, edelste Bürgerlichkeit, – hier Sinnlichkeit, Farbe, Glanz, Prunk und auch Schminke. Immer bildet das Liebesempfinden ein Centrum unseres Seelenlebens, aber diese Centralzelle umschließt wieder vielfache sich verschiebende Kerne, von denen bald der eine, bald der andere den Mittelpunkt einnimmt. Diesen "Mittelpunkts-Mittelpunkt" des modernen Menschen kann ein romantisch-erotisches Gedicht sehr wohl nicht treffen, und daher kann es auch nicht die höchste Wirkung erzielen. Unsere Zeit mit ihrem umgestalteten Gefühls- und Gedankenleben verlangt auch eine umgestaltete eigengeprägte Liebes- und Naturlyrik, und um es gleich im Vorhinaus <wegzunehmen>, wenn ich von einer sozialen Lyrik spreche, den tausendfältigen Ausstrahlungen der sozialen Weltanschauung als Centralsonne: . . . auch das einfachste Liebes- und Frühlingsgedicht kann in tiefstem Sinne zu einem sozialen Gedicht werden und von jenem Geiste völlig durchtränkt und durchsättigt sein.

Auf den ersten Anblick scheint es, als wenn der Darwinismus, der in Drama und Epos vielfach stark zum Ausdruck gekommen, unsere Lyrik gar nicht berührt hätte. Denn jene Gedichte von Wilhelm Jordan, Albert Moeser u.a., welche nur die Erkenntnisse der neueren Naturwissenschaft in Verse gebracht haben, die man weit besser in den wissenschaftlichen Büchern sich aufsucht, Spielereien, wie die Beschreibung einer Landschaft aus der Steinkohlenzeit, Hymnen auf die Person Darwins sind ganz äußerliche Versuche in der künstlerischen, lyrischen Gestaltung des Entwickelungsgedankens, eine unfruchtbare didaktische Poesie. Es ist aber gar keine Frage, daß die Darwinistische Erkenntniß auch unsere Lyrik mächtig umzugestalten vermag, auch fehlt es nicht mehr ganz an wirklich dichterischen Verarbeitungen. Mit einem ihrer Schlagworte – natürlich meine ich "Kampf ums Dasein" – geht sie hinüber in ein Centrum unseres modernen Gedanken- und Gefühlslebens, dessen starke Vorherrschaft in der neuesten Lyrik Keinem, der sich einigermaßen mit ihr beschäftigt, zweifelhaft sein kann. Die soziale Lyrik nimmt bereits einen breiten Raum in der jüngeren Poesie ein, und sie wird diesen Raum noch mehr erweitern und ausdehnen.

Versteht sie es, den ganzen Inhalt des sozialen Gedanken in allem seinem Wesen innerlich zu erfassen und künstlerisch zu gestalten, so braucht sie nicht zu [1081] fürchten, daß sie nur wie eine blendende glänzende Rakete aufsteigt, um rasch in der Luft zu verpuffen und als armseliger, todter Aschenrest auf die Erde zurückzukommen, wie etwa die Herwegh'sche Poesie. Sie wird dann nicht nur von der Gunst einer politischen Partei in die Höhe gehoben und braucht sich nicht darum zu kümmern, wenn selbst der "soziale Hauch" unserer Zeit ebenso rasch verwehen sollte, wie der conservative Hauch, der für einige Jahre lang durch das deutsche Volk dahinging. Sondern sie hat eine ewiggiltige Dauer, weil in dem Sozialismus ewiggiltige Wahrheiten sich crystallisirt haben. Der Sozialismus bedeutet mehr als eine revolutionäre politisch-wirthschaftliche Partei, er bedeutet auch eine Weltanschauung und vermag darum auch, nicht nur wie eine politische Leidenschaft die Empfindungen bloß obenhin zu kräuseln, sondern in ihren untersten Tiefen zu verändern und umzugestalten. Die soziale Weltanschauung beruht auf der von Lazarus und Steinthal festgesetzten Grundlage unserer modernen Psychologie: Der Mensch ist ein Gesellschaftswesen. Damit hebt sie nicht den Individualismus auf, die Grundanschauung des bürgerlichen Liberalismus, der bürgerlichen Revolutionen, der Genieperiode und der Romantik, aber sie schränkt ihn ein. Vielleicht allzusehr, denn schon bereitet sich innerhalb der sozialistischen Welt eine Gegenbewegung vor, die des Anarchismus, des schrankenlosen Individualismus, dessen Ideen an logischer Schärfe nichts zu wünschen übrig lassen, mit denen sich aber ebenso wenig leben läßt, wie mit den Ideen Tolstoi's, weil sie die sozialistische Wirklichkeit und Wahrheit übersehen, daß der Mensch Gesellschaftswesen ist. Und auch dieser Anarchismus hat bereits seinen Lyriker gefunden. Der Sozialismus setzt den Menschen nicht nur in engste, unlösliche Beziehungen zu dem Menschen, sondern auch zu der Natur, der ganzen äußeren Umgebung. Seine Verbindung mit dem Materialismus ist nicht eine äußerliche, sondern eine innerlich-nothwendige. Er sagt mit Moleschott: "Der Mensch ist die Summe von Eltern und Amme, von Ort und Zeit, von Luft und Wetter, von Schall und Licht, von Kost und Kleidung. Sein Wille ist die nothwendige Folge aller jener Ursachen, gebunden an ein Naturgesetz, das wir aus seiner Erscheinung kennen, wie der Planet an seine Bahn, wie die Pflanze an den Boden. Wir sind ein Spiel von jedem Druck der Luft". Das Geistige steht in Abhängigkeit vom Körperlichen, und wir können uns nicht geistig verändern, wenn sich nicht die äußeren Verhältnisse ändern. Wohl nicht die ganze Wahrheit, aber ein gut Stück Wahrheit liegt sicher dieser Weltanschauung zu Grunde, und jedenfalls hat der materialistische Sozialismus für uns Gedanken und Gefühle in den Vordergrund treten lassen, wie sie in dieser Schärfe und Deutlichkeit für unsere Großeltern nicht vorhanden waren.

Eine soziale Lyrik ist nach der nächstberechtigten und gewöhnlichen Auffassung eine solche, welche den Menschen in seinen Beziehungen zur Gesellschaft als einem geschlossenen Ganzen auffaßt, nicht die Beziehungen von Individuum zu Individuum, sondern von Klasse zu Klasse, und von Individuum zu Individuum nur insofern, als diese ein Klassenbewußtsein typisch vertreten. Es gestaltet die Empfindungen und Gedanken, die im Menschen wach werden, wenn er sich selber in seiner Abhängigkeit von den gesellschaftlichen Zuständen auffaßt, als ein Spiel von jedem Druck und Einfluß der wirthschaftlichen Verhältnisse. Wir können selbstverständlich nicht davon sprechen, als wäre die soziale Lyrik eine Neuschöpfung unserer Zeit oder auch nur unseres Jahrhunderts, vielmehr hat sie Pflege und Ausbildung aller Orten und in allen Jahrhunderten gefunden; der Ritter, der seiner Standeskraft, seines Ansehens und seiner höfischen Bildung sich wohl bewußt, ein Spottlied auf den Bauern singt, bringt damit soziale Anschauungen und Empfindungen zum Ausdruck, und wer in einer Idylle bäuerliches Leben darstellt, oder wie die Annette von Droste-Hülshoff in "Des Pfarrers Woche" Freud und Leid eines katholischen Landgeistlichen in seinem Standeswesen als Geistlicher schildert, dichtet eine soziale Lyrik. In scharfen und bestimmt abgesteckten Grenzen fließt diese überhaupt nicht hin; mehr oder weniger kann das Soziale in die [1082] erste Linie treten oder nur eine feine, weich angedeutete Grundfärbung bilden, von der andere Empfindungen sich abheben.

Aber sie mußte und muß sich zu einer besonderen Bedeutung in unserem Jahrhundert und vor allem in der Gegenwart emporringen; eine Lyrik konnte heranwachsen, die alles und jedes Empfinden und Denken dem Sozialen unterordnet, in der jedes Gefühl in seinem Verhältniß zu der Weltanschauung dargestellt wird, die augenblicklich für viele das Centrum ihres Innenlebens ausmacht. Da ist auch das Liebesgedicht nicht mehr vorwiegend Darstellung des sinnlichen Genusses oder einer Vermählung der Seelen, da preist es nicht mehr das Erotische etwa als die Ausstrahlung eines göttlichen Wesens, sondern es wird wohl zum schmerzlichen Ausdruck zweier verliebter Menschen, welche nicht können zusammen kommen, weil das Wasser der sie trennenden wirthschaftlichen Verhältnisse und der Klassenunterschiede oder das Wasser der Armut zu tief ist. Es wird zur Darstellung der hungernden Liebe, einer im wirthschaftlichen Elend verzweifelnden. Die soziale Lyrik bedeutend für uns deshalb so viel, weil wir mit größerer Schärfe, mit voller klarer wissenschaftlicher Erkenntniß die ungeheuere Bedeutung des Wirthschaftlichen für den Menschen verstehen lernten, weil der Klassenkampf des vierten Standes alle Welt zur leidenschaftlichsten Theilnahme für oder gegen aufruft und zwingt. Das mußte auch das Gesichtsfeld des Dichters verschieben, sein Auge ablenken von dem Vielen, was ihn sonst am tiefsten bewegte; plötzlich sieht er den Menschen unter dem Druck der äußeren Zustände, sieht nicht mehr den Menschen schlechthin, sondern den Klassenmenschen, die Verschiedenheit seiner Gefühle, Gedanken und Bestrebungen, die aus den sozialen Unterschieden sich ergeben.

Soviel zur Einleitung. Es kommt jetzt vor allem darauf an, zu unterscheiden, was die zeitgenössische soziale Poesie durch ihre jüngeren Vertreter hervorbrachte, ob sie den neuen eigenartigen Inhalt auch in voller künstlerischer Kraft neu und eigenartig durchzugestalten wußte und zu welcher künstlerischen Form der Inhalt hinzustreben scheint.

 

[1099] Karl Henckell.

Es ist kein Zufall, daß die soziale Lyrik dieses Jahrhunderts immer nur aus einer allgemeinen revolutionären Volksstimmung hervorwächst und mit einer solchen auftaucht und wieder untersinkt. Für kurze Dauer kommt sie in Deutschland um das Jahr 1848 herum zu einer reichen und kräftigen Blüte, stirbt dann ganz ab und setzt erst in der Mitte der achtziger Jahre wieder neue Knospen an.

Der Poesie läßt sich nicht als Gesetz vorschreiben: "Du sollst Dich an die Menschen und Sachen der Gegenwart halten," – eben so wenig wie man ihr befehlen kann, daß sie keine Partei selbst in den geringsten wirthschaftlichen und politischen Kämpfen ergreife.

Es herrscht da ein ewiger Wechsel. Die Dichtung befriedigt den unbezähmbaren Drang der menschlichen Seele nach dem Ausdruck von Empfindungen. Ein Jahrzehnt [1100] der politischen Ruhe und eines geistigen Stillstandes lenkt ein Volk von seinen eigensten und persönlichsten Interessen ab, daß dieses sich nicht selbst beobachtet und seine Gefühle der Vergangenheit nicht durch die Sorge um das Heute, nicht durch die Leidenschaft des Kampfes um das Heute erregen läßt. Weil es nicht modern empfindet, kann es romantisch empfinden, die Gefühle der Vergangenheit nachempfinden, und weil seine Gefühle sich nicht eng um einen brennenden Mittelpunkt zusammenziehen, weil sie nicht eine scharfe zeitliche Eigenart haben, so schwimmen sie leicht etwas nebelhaft auseinander, sie haben die Neigung einerseits zum Eklektischen, andererseits zu einer Verallgemeinerung, in der das besondere Individuelle sich nicht entfalten kann. Der formale Ausdruck drängt das Inhaltliche zurück. Wenn aber leidenschaftliche soziale und politische Kämpfe innerhalb eines Volkes zum Ausbruch kommen, dann erzeugen diese Kämpfe selbst starke Gefühlsstürme und die Kunst gelangt aus Naturnothwendigkeit, und ohne besondere Anleitung der Aesthetik, zur formalen Gestaltung eines solchen zeitgenössischen Empfindens und Denkens.

Die Lyrik, welche nach der Märzrevolution aufkam, knüpft an die letzten Ausläufer der Romantik an, die jüngste deutsche Lyrik, die um die Mitte der achtziger Jahre ihren Anfang nimmt und sich inhaltlich wie äußerlich von der der Geibel'schen Schule sondert, stellt eine Verbindung mit der Poesie der vierziger Jahre her. Sie ist tendenziös, politisch, zeitgenössisch, mehr Inhalt als Form, diese mehr Form als Inhalt, dem Tagesstreben abgewandt, weltflüchtig; jene männlichen, diese weiblichen Geschlechts.

Besonders bietet die sozialistische Lyrik der jüngsten Gegenwart noch immer ein Bild, welches der Revolutionspoesie der vierziger Jahre sehr ähnelt. Fast dieselben Gefühle und die gleichen Vorstellungen stehen im Vordergrund. Welch ein veränderter Inhalt aber gegenüber der weichen und weichlichen Genußlyrik, die seit der März-Revolution drei Jahrzehnte lang die Gemüther beherrschte! Es macht die Feindschaft zwischen den Alten und Jungen vollständig begreiflich. Der Wein, vor allem aus den importirten Crystallgläsern Bodenstedt's getrunken, schmeckt den Neuen bitter, die erotischen Gesänge, ob sie nun einem keuschen blutig harmlosen Backfisch aus der Traeger'schen Schule in's Album geschrieben werden, oder ob sie zum Lob einer Grisebach'schen Hetäre erklingen, werden verachtet, Hamerling'scher Schönheitskultus wird als ästhetische Phrase angesehen, und die Schopenhauer-Poesie, weil ihre Verzweiflung mehr in der Spekulation wurzelt, als in den Zuständen des politischen und sozialen Lebens, gilt für überwunden.

Das Empfindungsleben des dichtenden Sozialismus gruppirt sich zunächst um das Mitleid; aber neben dem Mitleid steht unmittelbar der Zorn; Mitleid mit dem Unterdrückten, mit allen Armen und Enterbten; Zorn gegen die Unterdrücker. Schmerzliche Klage und leidenschaftliche, wilde Kampflust fließen ineinander über. Ein drittes ringt sich los: die Hoffnung auf den Sieg, und den endlichen Triumph der Freiheit, die Erfüllung der alten Menschheits-Ideale Gleichheit und Brüderlichkeit, den Aufgang des allgemeinen Friedens- und Glückseligkeitszustandes. Man sieht, es thut sich für den sozialistischen Dichter eine Welt von Empfindungen auf, und von düsterer Verzweiflung bis zur hellsten Lust, von der tiefsten Liebe bis zum höchsten Zorn kann er alle Töne berühren und alle Saiten schwingen lassen. Auch seine Vorstellungen bieten eine ewige Fülle reicher Abwechslung; in der Gegenüberstellung der schroffen sozialen Gegensätze von Arm und Reich liegt von vornherein eine unmittelbare dramatische Wucht, und die Stoffe dieser Lyrik, die Darstellungen des Elends und Unglücks, wirken schon durch sich selbst auf den Hörer so tief ein, daß sie auch ohne jede künstlerische Gestaltung, in der dürftigsten Form eines dürren Zeitungsartikels, ihre Wirkung nicht verfehlen. Gerade darin liegt aber auch die Gefahr für die Kunst. Selbst der poesieloseste Dilettantismus vermag den naiven Leser zu täuschen, sentimental zu rühren durch eine aus der Wirklichkeit gegriffene [1101] Erzählung von irgend einem Unglücklichen, der im Winkel verhungerte, einem verzweifelnden Mädchen, das um der kranken Mutter willen an der Straße sich verkauft. Um der Fruchtbarkeit der Empfindungen willen, und wegen der Mächtigkeit der Vorstellungen, die in solchen Stoffen begraben liegen, können diese aber auch nur durch eine wahrhaft große, dämonische Poetennatur eine den künstlerischen Geschmack befriedigende Ausgestaltung erfahren. Wenn sich die künstlerische Formgebung nicht mit dem Inhalt steigert, wenn nicht Inhalt und Form gleich mächtig wirken, wenn eins über das andere hinauswächst, kann ein bedeutendes Kunstwerk nicht entstehen.

Es ist aber das Erbübel der sozialen, an die Gegenwart sich klammernden Poesie, daß das Stoffliche die Darstellung überwuchert, der Inhalt die Form zersprengt. Unter den Aelteren hat selbst Freiligrath trotz seiner ungewöhnlich plastisch anschauenden Phantasie den Stoff selten in die rechte künstlerische Gestalt zu zwingen gewußt. Vielleicht liegt es daran, weil der soziale Lyriker, anders als der romantische Dichter, durch die unmittelbare Wirklichkeit und Umgebung zu seinen Empfindungen erregt wird, diese Zustände und Verhältnisse der Umgebung aber meist vorübergehender, vielfach kleinlicher Natur sind, weil allzu differenzirte Eindrücke sich geltend machen, die dann ob ihrer Ueberfülle jene Beherrschung des Gefühls und der Vorstellungen unmöglich machen, ohne welche kein Dichter über die bloße Erkenntniß zur Gestaltung sich durchringen kann. Der romantische Künstler prägt auch Gefühle und Bilder in neue künstlerische Formen, doch Gefühle und Bilder, die in ihren Grundzügen bereits von großen Meistern der Vergangenheit objektivirt wurden; ein Ilias post Homerum dichten, einen Parcival sechshundert Jahre nach Wolfram von Eschenbach, das verlangt nur eine nachschaffende Thätigkeit. Der Gegenwartspoet hingegen gestaltet aus dem Allerrohesten heraus; aus dem Leben selbst muß er das Poetische herausholen, nicht aus schon fertiger Poesie, ohne Meister und Muster bleibt er ganz auf sein eigenes Ingenium angewiesen.

Die neue sozialistische Lyrik in ihren kühnen Versuchen, in ihrer ganzen märzenhaften Frische und ihren ersten Keimschwellungen, in ihrem Wagemuth und in ihrer Ueberstürzung, nirgendwo zeigt <sie> sich so ganz, so echt, regellos, thöricht, unreif und doch neu und eigenartig, wie in den lyrischen Büchern Karl Henckells. Bald eine Marter, bald eine Lust für den rein Genießenden, eine Wonne mit Bitterkeit gemischt, bieten sie dem Aesthetiker ein werthvolles, ausgezeichnetes Versuchsobjekt, an dem er die Anfänge der neuen Eigenart in ihren Mängeln und Vorzügen gleich gut erforschen kann.

Durch Anlage, Temperament und Neigung ist Karl Henckell zu einem Guerillaführer in der Dichtung wie vorherbestimmt, und wenn er etwas verfehlt, dann verfehlt er es gleich so vollständig und gründlich, daß die dümmste kritische Nachteule sich ihm gegenüber als eine Adlergroßmacht leicht vorkommen kann. Bei keinem anderen Dichter habe ich von jeher so stark wie bei diesem das Empfinden gehabt, daß es außerordentlich leicht ist, ihn zu tadeln, und daß es nur eines guten Glaubens an die alleinseligmachende Kraft der Herkömmlichkeit bedarf, um ihn abgeschmackt zu finden. Das Lob kostet hier mehr Einsicht und Verständniß als der Tadel, denn die Vorzüge haben sich vielfach versteckt und sind nur zu viel Vorzüge, welche in ihrer ganzen Kraft nur der feinfühligste Geschmack schätzen kann, die Fehler aber treten grell und deutlich, für Jedermann greifbar hervor. Aus einer ungewöhnlich zarten, unablässig zitternden Sensivität erwächst bei Henckell die Kraft seiner Kunst mit ihren unmittelbaren Empfindungslauten, ihren Gefühlsblitzen, ihrem ganz feinen zauberischen und intimen Stimmungsduft, mit ihrem ausgeprägten rhythmischen Sinn, der nach den steifen Aeußerlichkeiten der Platen- und Geibel'schen Schule den Weg zu Goethe zurückfand: aus ihm erwächst aber auch der Nachteil seiner Lyrik, ihre künstlerische Vernunftlosigkeit, ihr unruhiger Wechsel zwischen dürren Prosaworten und feurigen poetischen Trompetenklängen, sowie ihre [1102] Compositionsunkraft. Die Henckell'sche Gefühlsübermacht läßt ihn gerade den sozialen Stoffen und dem Politisch-Tendenzpoetischen halb wehrlos gegenüberstehen, so daß die Empfindung mit ihm ihr Spiel treibt; und ich teile die Gottfried Keller'sche Kritik, welche in der Liebes- und Naturlyrik die reinste und schönste Blüte seiner Poesie erblickt. In Folge eines sehr lebendigen rhythmischen Sinnes formt sich bei Henckell jeder Gedanke und jeder Einfall unmittelbar in Verse um, und ähnlich wie Rückert bringt er Alles und Jedes in Metrum und Reim, ohne daß er damit immer zugleich die innere künstlerische Umgestaltung vornimmt und Gedanken in Anschauungen überträgt. Eine Zeitungsnachricht empört ihn und bringt sein Blut in heftige Wallung, aber die Empfindungen, die da in seiner Brust wach geworden, sind allgemein menschlicher Natur nicht jene eigenartig künstlerischen Empfindungen, welche den Dichter in und über der Sache stehen lassen.

Vielfach blieb daher bei Karl Henckell die soziale Lyrik noch in der Uebergangsform des Tendenziös-Didaktischen stecken, und die Eierschaalen des Leitartikels hat sie nicht völlig abgestoßen. Eine charakteristische Probe dafür ist das Gedicht "Der Gegensatz".

"Ein schwanger Weib ist nur ein Heil'genbild
Schleppt sich's in Lumpen bleich und eckig hin,
Das Leben sichernd dem, das lebend quillt,
Die nothgekrönte Schmerzeskönigin.

In Lebensnoth und Liebesnoth zugleich,
Symbol der furchtbar-fruchtbaren Natur,
Lastträgerin der Welt, entbehrungsreich,
Wie qualschön, Du die widrigste Figur.

Du bist ein <Schönheitslinienphantast>,
Und mit der Form zerschellt auch Dein Geschmack;
Das Tiefglas, das des Lebens Vollbild faßt,
Höhnt Deinen rein ästhet'schen Bettelsack.

Geh Du nach Rom! Romanisch ist Dein Sinn.
Vor Rafaels Madonna kniee Du!
Mein Auge sieht der Proletarierin
Mühsamem Werkgang überwältigt zu."

Offenbar ist dieses Gedicht überhaupt keine künstlerische Schöpfung, sondern eine aesthetisch-wissenschaftliche Erkenntniß; der Dichter vergleicht kritisch die Darstellung eines Proletarierweibes mit der Rafael'schen Madonna und sucht uns zu überzeugen, daß auch jene würdig ist, von Künstlerhand gebildet zu werden. Aber er selbst hätte uns das Gemälde des Proletarierweibes hinstellen sollen, ohne alle Glosse es für sich und durch sich wirken lassen sollen, wie Thomas Hood unserer Phantasie das Bild seiner Nähterin darbietet. Unter zahlreichen anderen gehört hierher auch das Gedicht "Hurrah, Kornzoll und Deutschland!" Den Vergleich mit dem bekannten Ebenezer Elliot'schen "Hurrah, Brodtax' und England", legt Henckell nahe. Aber auch diesmal scheint mir der Engländer den wenigsten wesentlich richtigen künstlerischen Standpunkt gewählt zu haben, indem er eine in sich abgeschlossene einzelne Handlung verkörperte, während unser deutscher Poet feuilletonistisch flüchtig angedeutete Bilder aneinander reiht, die um einen Gedanken-, nicht um einen Anschauungsmittelpunkt sich gruppiren und die eben um ihrer flüchtigen Ausführung willen tiefer das Empfinden und die Phantasie nicht anregen können.

Auf rasch vorübergehende Tagesereignisse legt der Dichter allzuviel Gewicht, und er erhebt nicht immer das Einzelne zu etwas Charakteristischem empor. Manches wird mit dem Tage vergehen, mit dem es gekommen ist. Aber seine bittere Schärfe, die Kunst seiner Satire, welche typische Erscheinungen unseres öffentlichen Lebens, wie [1103] den "Lockspitzel" und ähnliche Ehrenmänner mit einer an Giusti erinnernden Pikanterie wiedergiebt, die Wahrheit seiner Entrüstung und seines Zornes, die wildrohe Kraft, mit der er das Elend zu malen weiß, versöhnen mit den Sünden seiner Kritiklosigkeit.

Ein eigenartig "Neues" für die soziale Poesie bahnt sich vor allem jedoch in der Henckell'schen Sprache an. Ich will hier nur darauf hinweisen, und erst beim Abschluß dieser Arbeiten eingehender die Sache erörtern. Es steckt in dieser Sprache der offenbare Drang, aus den glatten und schönen Formen, den abgezirkelten Wendungen des Platenthums zur Natürlichkeit und Urwüchsigkeit zurückzukehren. Wie das soziale Drama, so ist auch die soziale Lyrik am besten dazu geeignet, diesen Weg zu eröffnen, weil sie bei den einfachen, ungebildeten Menschen einkehrt, bei Leidenschaften und Gefühlen, die von keiner Höflichkeit und gesellschaftlichen Herkömmlichkeit übertüncht sind. Freilich hat Henckell das Richtige noch nicht gefunden. Seine Volkstümlichkeit und Natürlichkeit erinnert oft überraschend an die Volkstümlichkeit und Natürlichkeit Bürgers, über welche Schiller sehr viel Treffendes geäußert hat, und es ist allzuviel Schlafrocksnatürlichkeit darin, eine rohe Derbheit, die mehr philoströs als genial anmutet. Für den Aesthetiker der Platen-Geibel'schen Richtung klingt diese Sprache verrucht und abscheulich, wie Bürgers Bänkelsängergedichte einem französischen Classicisten geklungen haben mögen; aber man vergesse nicht, daß auch die Bürger'sche Natürlichkeit eine Grundlage Goethe'scher Natürlichkeit war und daß es auch befreiend wirken kann, wenn Jemand singt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, selbst unbekümmert um das bleibende Wesen der Kunst.

 

John Henry Mackay.

Von Karl Henckell zu John Henry Mackay; von der Unruhe, dem Lärm, dem stürmisch Beweglichen zum Stillmüden, Schweren und Halbermatteten! Ein jäher Witterungswechsel. Du trittst aus erregtem März- und Aprilwetter mit einem Schlage in eine ruhige, doch verdickte Luft, die bald von einem späten Oktober-, bald von einem frühen Novembertage etwas an sich hat. Dort liegt auch in der Kälte Wärme, hier auch in der Wärme Kälte, dort fühlen wir im Sonnenlicht kommende Gluthen, hier kommenden Frost, und das Sonnenlicht läßt uns erst recht Kälte empfinden und den trüben Dunst der Novembernebel, die uns so hoffnungslos machen, düster und fast verzagt. Karl Henckell ist ganz Schwärmer, Mackay ganz Grübler, Henckell wesentlich Empfinden, Mackay wesentlich Nachdenken; Henckell hat vom Philosophen so viel wie gar nichts, und man möchte ihm wohl etwas mehr von den Gedankenlasten wünschen, unter denen Mackay so gebeugt einhergeht, daß er vielfach darüber in die Kniee zusammenbricht. Henckell steht mitten im dichtesten Lebenstrubel, auf dem Markt, dort, wo es am lautesten zugeht, wo die Anschlagssäulen am dichtesten umdrängt und zuerst die Extrablätter mit dem "Allerneuesten" ausgerufen werden; er fiebert um alles, was den Tag erregt und bewegt, und um den Reichshund Tyras sogar bekümmert er sich ebenso leidenschaftlich, wie ein nationalliberaler Zeitungsreporter, nur daß er dem geliebten Vieh kein Zuckerbrod zuzählt. Er lebt im Tage und in der Oeffentlichkeit. Mackay hingegen flieht die bewohnten Straßen und Gassen und ist in Wahrheit ein Einsamer, wie er so oft in seinen Gedichten sich nennt. Die Studierstube bedeutet ihm seine Welt. Dort wohnt er mit seinen Gedanken allein, – und nur wie graue wesenlose Schatten in weiter Ferne ziehen die andern Menschen vorüber; unmittelbar in ihrem Fühlen und Handeln belauschen wir sie so gut wie gar nicht, sondern nur Gedanken über ihr Thun vernehmen wir.

Man kann deshalb auch Mackay im Grunde gar keinen sozialen Lyriker nennen. Eigentlich bietet er uns überhaupt keine Schilderung unserer Zustände, noch eine Darstellung des Empfindungslebens in seinen ganz bestimmten Beziehungen zu den wirthschaftlichen Verhältnissen, sowie den Klassenformen und den Klassenanschauungen unserer Zeit. Eine Schülerin Max Stirners, des kühnst-radikalen Hegelianismus – des Hegelianismus! – sieht seine Dichtung das Leben und den Menschen nicht mit Nationalökonomen- und Naturwissenschaftler-Augen an als ein Spiel von jedem Druck der Luft, in der Abhängigkeit von Kleidung und Wohnung; sondern mit Logikeraugen blickt sie auf [1126] den abstrakten, den nackten Menschen, nicht auf den Menschen gerade unserer Zeit, sondern auf den Menschen, wie er stets gewesen ist und auch für eine lange Zeit wahrscheinlich noch bleiben wird. Sie sieht auf ihn aus einer Höhe hernieder, von der herab selbst die Formen der wirthschaftlichen Zustände gering erscheinen, gering die so großen Wirkungen, welche durch die sozialen Verhältnisse hervorgerufen werden. Der Gegensatz von arm und reich ist nicht mehr Ursache unseres Unglücks und unserer Leiden, sondern schon wiederum Folge, die Folge einer allgemeinen Blindheit, Dummheit und Trägheit des Menschengeschlechts, welche "die Wahrheit" nicht sieht und nicht erkennen will, und wenn sie auch sie erkannt hat, um der Liebe zum Ewig-Gestrigen, um der dumpfen Gewohnheit willen aus ihrem niederen Zustande sich doch nicht zu erheben und zu erlösen vermag; denn aus Gemeinem ist der Mensch gemacht, und die Gewohnheit nennt er seine Amme. So steckt denn in dem geistigen Inhalt der Mackay'schen Gedichte viel Ewigkeitsgehalt, der sie weit aus unserem Tagesparteipolitischen herausrückt. In ihrer innersten Seele können sie durch unsere Klassenkämpfe nicht leidenschaftlich erregt werden, denn für sie tritt die Frage "Arm oder reich?" "Herr oder Knecht?" "Arbeitgeber oder Arbeitnehmer?" "Unterdrückter oder Unterdrücker?" zurück hinter die viel wichtigere: "Wahrheitsfreund oder Wahrheitsfeind?" "Wissen oder Nichtwissen?" "Erkennen oder dumpf bleiben?" "Handeln im neuen Geist oder im alten?" Mackay ist deshalb auch kein sozialistischer Lyriker, wie Henckell. Trotzdem kann er an dieser Stelle nicht übergangen werden. Denn aus der äußeren Betrachtung und innerlichen Anschauung unserer sozialen Zustände wächst die parteilose soziale und die parteiisch erregte sozialistische Lyrik hervor; das Gedankenleben der <Mackay'schen> Dichtung aber berührt sich doch, vor allem freilich in seinen Verneinungen, mit seiner Begierde nach der Zerstörung der alten, der herrschenden Formen, allzuinnig mit dem der sozialistischen Poesie. Und eine seiner Wurzeln ist immer noch die Beobachtung des Sozialen und die Erkenntniß von der Verwirrung unserer staatlichen Zustände. Freilich, wenn es in innigstem Berühren mit dem sozialistischen Gedankenleben steht, so steht es auch zu ihm in schroffem Gegensatz. Und auch darum, auch um dieses Gegensatzes willen, muß es an dieser Stelle betrachtet werden.

Mackay hat seine Gedichtsammlung "Sturm" dem Andenken Max Stirner's gewidmet; Stirner's Buch "Der Einzige und sein Eigenthum", dieses Buch des geistreich-kühnsten Radikalismus, die blendendste Vertheidigungsschrift des Egoismus, ward dem Dichter zu einer hellen Leuchte in der Nacht seiner Zweifel, ward ihm zum Wegebahner und Pfadbereiter. Er hat den Philosophen und sein Werk in begeisterten, schönen Versen besungen. Stirner hat Mackay vom Sozialismus zum Anarchismus übertreten lassen. Es hat dieser Wechsel der Anschauung, wie vielfach die Bewegung des Sozialdemokratismus zeigt, offenbar eine natürliche Ursache. Er vollzieht sich leicht und rasch. So liegt doch wohl etwas im Sozialdemokratismus, was mit einer gewissen Nothwendigkeit zum Anarchismus hindrängt und darin seine Fortentwicklung sucht. Man kann den Sozialdemokratismus mit demselben halben Recht und demselben halben Unrecht den Vater des Anarchismus nennen, wie man den Liberalismus als den Vater des Sozialismus bezeichnen darf. Jeder neu auftauchende politisch-soziale Erlösungsgedanke ist die Explosion eines hochangehäuften starken Idealismus; wo dieser Idealismus am dichtesten und gepreßtesten zusammen liegt, da blitzt auch der Erlösungsgedanke am hellsten auf. Es entsteht die zuversichtlichste Hoffnung, daß die "neue Idee" uns nun wirklich das gesegnete Land der Zukunft aufschließen wird, in der die Menschheit von allem Jammer frei sein, in eitel Freude, in einem ewigen Glückszustand schwelgen wird. Der Glaube an dieses Kanaan ist der feste Leitstern für jeden Idealismus, und darum wirft sich der Idealist der "neuen Idee" stets so leidenschaftlich an die Brust. Dann kommt freilich die Erkenntniß, daß die "neue Idee" wohl viel Gutes zu bringen vermag, aber ins Paradies führt sie uns doch [1127] nicht hinein, - weiter bringt sie uns, doch nicht zum Ziel. Daran hindern ihre Mängel und Einseitigkeiten. Aus der neuen Idee des Sozialismus wächst die neue Idee des Anarchismus hervor, als Idee noch reiner und abstrakter als jene, noch weniger befallen vom Staube der nächsten Alltäglichkeits- und Wirklichkeitsinteressen. Der Anarchismus rüttelt an der untersten Grundlage des Sozialismus, eben an der Anschauung von der Gesellschaftwesennatur des Menschen, und er berührt sich einigermaßen mit dem Liberalismus, welcher "der Gleichheitsmacherei" die Rechte des Menschen als Einzelmenschen gegenüberstellt. Nur kann er natürlich nicht einfach auf den Manchesterstandpunkt zurückkehren, sondern er muß eine Fortentwicklung auch des Sozialismus geben und einen Individualismus predigen, der den Sozialismus schon völlig in sich aufgesogen und organisch verarbeitet hat.

Die Gedanken des Anarchismus findet man so ziemlich alle in der Mackay'schen Dichtung niedergelegt. Mehrfach wiederholt sich die Zurückweisung des sozialistischen Glaubensbekenntnisses:

Ihr sagt: "Nichts ist, was ich mir selbst verdiente,
Gemeinsam ward, was wir erreicht, gethan,
Darum kannst Du, den unsere Kraft umschiente,
Zurück uns geben, was Du erst empfahn
!"

So sucht zu Eurem Dienst ihr mich zu zwingen
Und meine freie Kraft. Ich aber bin
Der Eure nicht. Es schwebt auf eigenen Schwingen
Der Eigene zum eigenen Ziele hin
.

Ihr aber: bisher Sklaven nur der "Einen",
Ihr werdet Sklaven nun der "Anderen" auch –
Der Freiheit Sonne neuerwachtes Scheinen
Löscht trüber, düsterer, kalter Nebelhauch . . ."

Das Zwiegespräch zwischen einem alten, sozialdemokratischen, und einem jungen, anarchistisch gesinnten Arbeiter, die Gedichte "Communismus" und viele andere führen weiter die Grundverschiedenheiten aus, die zwischen den "Alten und Jungen" herrschen. Die große Masse unserer Gebildeten ist über die Weltanschauung des Anarchismus völlig im Dunkel befangen und weiß von ihm gerade so viel, wie Johannes Scherr früher von der Sozialdemokratie wußte. Sie hat nur gehört, daß er weder ein Gesetz noch ein Recht will; daß er jede Staatsform verneint, jede Autorität verabscheut und jede Parteibildung verwirft, die Ehe aber durch die "freie Liebe" ersetzen will. Sie glaubt, daß er nichts anderes als nur das heute Bestehende zerstören und sich dann als "schweigendes Entsetzen" auf den Trümmern niederlassen will, um das "Nichts zu gebären," wie Wildenbruch singt. Allerdings sind jenes die Ideale des Anarchismus; nur "wenn der Gesetze letztes Blatt zerrissen, wird ausgelöscht die letzte Sünde sein", singt Mackay, und an anderer Stelle:

"Der Staat – er falle! – ob er Monarchie,
Ob Republik, ob sozial sich nenne,
Denn nie kann es geschehn, – nie, sag' ich, nie –
Daß je im Staat der Freiheit Fackel brenne.

Der Staat ist Zwang ..."

Doch das ist nach den Anschauungen des philosophischen Anarchismus nicht ein Zustand des "Nichts" und des "schweigenden Entsetzens", sondern der der eigentlichen Menschheitserlösung, der der großen und allgemeinen Freude, der erschlossenen [1128] Wahrheit. Wir sollen uns so entwickeln, daß wir Gesetze und Zwang überhaupt nicht mehr nöthig haben, daß alle Staatsformen und Autoritäten überflüssig geworden sind, daß Jeder unbeschränkt seinem Ich nachleben kann, ohne daß er zerstörend in das andere Ich einzugreifen braucht. Wie es im Bellamy'schen Zukunftsstaat keine Gerichtshöfe mehr giebt, weil Niemand mehr Grund hat, ein Verbrechen zu begehen, so will der Anarchismus eine organisch und natürlich sich ergebende Beseitigung alles dessen, was das vollkommen freie Ausleben des Ichs irgendwie hemmen und hindern kann.

In der künstlerischen Ausgestaltung dieser Ideenwelt steht Mackay heute noch unter dem allzustarken Druck seiner neuen Erkenntnisse und läßt sich noch zu viel daran genügen, daß er die wissenschaftliche Prosa seines Lehrers nur in Verse umsetzt. Man kann ihn oft nur lesen, wie man eine philosophische Schrift liest, etwa ein Buch von Nietzsche, während die allgemeineren dichterischen Wirkungen ausbleiben. Gleich Karl Henckell giebt er nur rein Gedankliches. Aber der Weg von der Gedichtsammlung "Sturm" zu der neuesten "Das starke Jahr" bedeutet ein großes und reiches Wachsen in der künstlerischen Durchdringung und Erfassung des neuen Ideengehaltes. Das Empfindungsleben, welches unter dem Einfluß der anarchistischen Weltanschauung in seinem Innern sich entwickelt, tritt schon reiner hervor, das Gestaltete drängt das blos Vernünftig-Erkannte bereits mehr in den Hintergrund. Das Schmerzliche und Entsagende überwiegt das Freudige und Hoffnungsvolle. Wenn Mackay dithyrambisch den kommenden Glückszustand besingt, so fehlt doch seiner Lust die rechte hinreißende Kraft. Er findet nicht den rechten Ton der Freude, weil der Gedanke überwiegt, wie unendlich weit das Land noch abliegt und wie viel Jahrhunderte noch die Menschen in ihrer jetzigen Blindheit und Stumpfheit dahin tappen: Nebel umzieht das Sonnenlicht, und aus der Wärme der Hoffnungsfreude athmet ein kalter Frosthauch der Hoffnungslosigkeit. Mackays Sprache und Form schmiegt sich in ihren Vorzügen und Mängeln charakteristisch den Inhaltsvorzügen und Mängeln an. Es steckt viel Abstraktion in ihr und sie hat, ich möchte sagen, einen e-Klang. Das e, der phantasieloseste aber der verstandreichste Vokal unserer Sprache herrscht nach meinem Empfinden vor. Eigenthümlich ist auch Mackays Reimweise: mit seltsamer Vorliebe setzt er nichtssagende Worte, z.B. ein der, die oder das an den Schluß des Verses. Mir scheint's, daß er damit die eigentliche Wirkung und Bedeutung des Reimes aufhebt, ebenso wie er oft gegen das Wesen des Rhythmischen verstößt. Mackay schreckt nicht vor einem Verse zurück, wie dem folgenden:

"Erst – nicht wenn, wie Ihr wünschet, freigegeben
Die Arbeit wird – . . ."

Er ist kein so großer Formalist, wie Henckell, aber doch wieder ein ernster Dichter und eine durchaus eigenartige Erscheinung, eine sehr fein organisirte Natur, die kritisch völlig zu erfassen viel mehr Raum verlangt, als mir hier zu Gebote steht.

 

 

 

 

Erstdruck und Druckvorlage

Freie Bühne für modernes Leben.
1890:
S. 1079-1082
S. 1099-1103
S. 1125-1128. [PDF]

Die Textwiedergabe erfolgt nach dem ersten Druck (Editionsrichtlinien). Die Schreibung "Henkell" (S. 1099 u. 1101) wurde durch "Henckell" ersetzt; vier Druckfehler korrigiert (S. 1080, 1101, 1102, 1126).

 

 

Zeitschriften-Repertorien

 

Kommentierte Ausgabe

 

 

Literatur

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Heft 1 (1882) [PDF]
Heft 2 (1882) [PDF]
Heft 3 (1882) [PDF]
Heft 4 (1882) [PDF]
Heft 5 (1883) [PDF]
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Hart, Heinrich / Hart, Julius: Graf Schack als Dichter. Kritische Waffengänge. Heft 5, 1883, S. 3-64. [PDF]

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Hart, Julius: Julius Wolff und die "moderne" Minnepoesie. Berlin: Eckstein o.J. [1887] (= Litterarische Volkshefte, 3). [PDF]

Hart, Julius: Annette von Droste-Hülshoff. In: Tägliche Rundschau. Zeitung für unparteiische Politik, Unterhaltungs-Blatt für die Gebildeten aller Stände. Jg. 7, 1887: Nr. 171, 26. Juli, S. 681-683; Nr. 172, 27. Juli, S. 685-686. [PDF]

Hart, Julius: Das Wesen der Poesie. In: Tägliche Rundschau. Zeitung für unparteiische Politik, Unterhaltungs-Blatt für die Gebildeten aller Stände. Jg. 7, 1887, Nr. 193, 20. August, S. 769-771. [PDF]

Hart, Julius: Eine "empirische" Poetik. In: Tägliche Rundschau. Zeitung für unparteiische Politik, Unterhaltungs-Blatt für die Gebildeten aller Stände. Jg. 8, 1888: Nr. 92, 19. April, S. 366-367; Nr. 93, 20. April, S. 370-371. [PDF]   —   Mit Änderungen wiederholt in: In: Kritisches Jahrbuch. Beiträge zur Charakteristik der zeitgenössischen Literatur sowie zur Verständigung über den modernen Realismus. Jg. 1, 1889, Heft 1, Februar, S. 29-39. [PDF]

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Großenhain u. Leipzig: Baumert & Ronge (Heinrich Ronge) 1890.
URL: https://archive.org/details/homosumeinneuesg00hartuoft
S. V-XX: Julius Hart: Die Lyrik der Zukunft. [PDF]

Hart, Julius: Der Kampf um die Form in der zeitgenössischen Dichtung. Ein Beitrag zugleich zum Verständniß des modernen Realismus. In: Kritisches Jahrbuch. Beiträge zur Charakteristik der zeitgenössischen Litteratur sowie zur Verständigung über den modernen Realismus. Jg. 1, 1890, Heft 2, Januar, S. 38-77. [PDF]

Hart, Julius: Soziale Lyrik. In: Freie Bühne für modernes Leben.
1890:
S. 1079-1082
S. 1099-1103
S. 1125-1128. [PDF]

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Edition
Lyriktheorie » R. Brandmeyer