Otto Julius Bierbaum

 

 

Vom modern Lyrischen.

 

Es mehren sich die Anzeichen dafür, dass man in Deutschland wieder Geschmack an Lyrik gewinnt. Sogar in den Tageszeitungen, deren Redacteure früher mit aufgehobenen Händen flehten, nur um Gotteswillen dieses Thema beiseite zu lassen, begegnet man jetzt zuweilen verständnisvollen Essays über moderne Lyriker, und unsere Componisten, die sich über die Grenze Baumbach-Dahn bisher noch nicht hinauswagten, kommen plötzlich mit ganzen Sträußen von der Reimwiese des neuen lyrischen Parnass und finden sich für diese Kühnheit beim Publicum durch dankbaren Beifall belohnt.

Ich glaube, man darf das, auch wenn man nicht selber lyrisch behaftet ist, ein gutes Zeichen der Zeit heißen. Denn Sinn für lyrische Verskunst setzt allerlei löbliche Dinge voraus, als da sind: Feingefühl für den Tonwert der Sprache, Empfänglichkeit für das Schlichte in Natur und Gemüth, Hingebung an das Schöne, das außer sich keinen Zweck weiter sucht.

Unsere Zeit mußte, um wieder dahin zu gelangen, einige ihrer Charaktereigenschaften in den Hintergrund stellen, die sonst recht breit und aufdringlich im Vordergrunde bei ihr standen. Ich nenne: die Problemsucht, das ist die Neigung, in der Kunst des Wortes nur ein Mittel zur Auseinanderfaltung irgend einer Frage zu sehen; ferner die Ueberschätzung des äußerlich Realistischen auf Kosten des dichterisch Persönlichen; ferner die Geringachtung des eigentlich Formellen, des Künstlerischen in der Poesie; schließlich den Mangel an einem wirklich engen Verhältnis zum rein Natürlichen, wie es sich ohne gedankliche Destillation darstellt.

Alles in allem: man muss naiv sein können, will man Lyrik empfinden. Man muss nicht immer mit Lupe und Seciermesser hantieren wollen, muss nicht vom Geiste der Schwere sein, der überall nach dem "Wozu" forscht. Man muss wie ein Kind schon seine Freude am schönen Klang, am schlichten Nebeneinander von Gefühl und Ton haben. Das Wort gilt auch für dieses Himmelreich: "Wenn Ihr nicht werdet wie die Kinder . . ."

Man wird mich hoffentlich nicht falsch verstehen. Naivetät in Dingen der Kunst heißt nicht plumpe Kritiklosigkeit. Zur großen Naivetät gehört auch die Unverdorbenheit der Instincte, die wohl auszuwählen wissen, was gut und damit förderlich ist. Diese Naivetät irrt sich seltener als logisch construierende Kritik. Ich wette: wenn an Stelle des Volkes die gelehrten Leute dafür maßgebend gewesen wären, welche Volkslieder sich erhalten sollten, es wäre nicht so viel Schönes übrig geblieben.

Uebrigens, ist es nöthig zu sagen, dass zum naiven Genusse eines Kunstwerkes auch Menschen fähig sein können, die im übrigen so raffiniert sind, wie nur möglich? Ich denke, die Franzosen sind ein raffiniertes Volk: aber sie wissen Kunst naiver zu genießen, als viele Biedermänner in Germanien, die sich für beschimpft halten würden, wollte man sie raffiniert nennen. Nein, man kann eine sehr modern differenzierte Seele haben und vor dem Schönen doch ein Kind sein, das nicht frägt und bloß beglückt ist. Wie wäre es sonst möglich gewesen, dass just in unserer Zeit die Kunst das als ihr eigenstes geboren hat, was wir Paysage intime nennen und das im Grunde nichts ist, als das Lyrische in der Landschaft? Es würde auch in der That das Ende der lyrischen Kunst bedeuten, wenn geistige Verfeinertheit und seelische Vielfältigkeit Naivetät und einfaltfrohes Genießen ausschlösse. Denn vollkommen, ganzwesentlich naive Menschen erwachsenen Alters gibt es heute selbst im weiblichen Geschlechte nicht mehr, das sonst den Vorzug hat, der Natur näher zu sein als wir. Andererseits gibt es aber gottlob auch unter Männern nur sehr wenige, die so ganz naturverlassen sind, dass sie ohne jeden naiven Seelenuntergrund wären. Nein, so wund ist die Menschheit von der Cultur noch nicht geleckt, dass sie durchaus die Fähigkeit verloren hätte, sich wenigstens in Feierstunden ihrer innersten, unverschütteten Natur zu erfreuen, die immer noch kindlich fühlt.

Die Lyrik aber scheint mir die Kunst zu sein, dies Innerste zu wecken. Eine Feiertagskunst also, die kindlich stimmt.

Wie aber das Naive nicht das Täppische ist, so ist das Kindliche nicht das Läppische. Auch ist es nöthig, zu betonen, dass der Begriff des Kindlichen nur auf die Empfänglichkeitsfrische und -Reinheit des Genießenden und nicht etwa auch auf die Stoffe der lyrischen Kunst angewandt sein will. Denn es wäre wiederum das Todesurtheil für die Lyrik in unserer Zeit, wenn sie ihre Stoffe nicht aus allen Weiten, Tiefen und Höhen des ganzen Menschen und der ganzen Welt nehmen dürfte.

Ihre Beschränkung liegt nicht in den Stoffen, sondern in den Mitteln ihres Ausdruckes. Sie darf nichts kalt darstellen. Und wenn Objectivität gefühllose Kälte bedeutet, so darf sie nichts objectiv darstellen. Denn ihr Wesen ist Gefühl. Was ohne Gefühl ist, gehe es auch im schönsten Rhythmus, ist nicht Lyrik. Selbst der Gedanke muss in ihr zum Gefühl und durch das Gefühl zur Anschauung werden. Darum verschmäht sie zumeist, nicht immer, die prosaische Form, weil sie schon äußerlich darthun will, dass sie durch Wärmewellen rhythmisch bewegte Atmosphäre ist. Es kann ebenso wenig kalte Lyrik geben, wie es kalte Musik gibt, und wenn man in einem Gemälde die schwachen Stellen leer nennt, so muss man die schwachen Stellen eines Gedichtes kalt nennen. Kalt und kahl ist hier dasselbe.

Eine Zeit wie die unsere, der man es nicht nachsagen kann, dass herzliche Wärme ihr Hauptwesenszug sei, hat lyrische Kunst besonders nöthig. Und dies, so scheint mir, ist der tiefste Grund dafür, dass sie wieder beginnt, dem Lyrischen geneigt zu werden. Sie sehnt sich in all ihrer elektrischen Helle nach Herdwärme fürs Herz, und diese Sehnsucht kann nicht durch Techniker befriedigt werden. Es ist erstaunlich, aber wahr: Poeten sind doch zu etwas gut.

*

Aller Lyrik wie der Liebe Symbol ist die Herzflamme. Man stelle sich nur ruhig das alte lindenblattförmige Gebetbuchherz vor, aus dem die breite, gelbe Flamme wächst. Das Bild ist zwar altmodisch und scheint nicht in unsere Zeit zu passen, die es besser weiß, wie der Herzmuskel aussieht; dafür passt es in alle Zeiten. Denn das Herz des Menschen, sein innerstes Fühlen, bleibt sich im Grunde immer gleich, ob auch die Gehirne sich noch so erstaunlich wandeln. Das Menschenherz ist primitiv – und die Lyrik soll es sein.

Aber das Primitive ist nicht das Starre. Auch sein Ausdruck wechselt. Und so darf man, ohne an das Grundwesen der Lyrik zu rühren, auch von lyrischen Moden reden. Wenn man in alten, lyrischen Sammlungen blättert, so fühlt man zwar immer das gleiche Menschenherz, aber es gibt sich anders. Die Gefühle, in ihrer Nacktheit ganz die unseren, sind anders gekleidet, wie Die anders gekleidet waren, die sie aussprachen. Man sollte einmal eine lyrische Anthologie veranstalten geschmückt mit Costümbildern als Vignetten. Es würde dann anschaulich klar werden, wie das, was wir Mode nennen, sich keineswegs bloß im Schnitte der Röcke, sondern auch im Schnitte der Reden und Gefühle äußert, dass die Mode nur ein Ausdruck des ganzen Zeitstiles ist.

Wer aber die Moden eigentlich macht? Das ist eine Doctorfrage. Dass es nicht viel bedeute, wenn man sagt: Die Zeit macht sie, kann man im "Faust" nachlesen:

Was ihr den Geist der Zeiten heißt,
Das ist im Grund der Herren eigner Geist,
In dem die Zeiten sich bespiegeln.

Aber: welcher Herren? Und: ob ein Herr, auch wenn er der größte ist, ganz selbstherrlich eine Mode gebieten könnte? Ob er es nicht erst dann wirklich vermag, wenn sein Individuelles bereits zum comprimierten Ausdruck seiner Zeit geworden ist? Vielleicht hat Paul Scheerbart recht, wenn er meint, wir seien bloß Nervenköpfe der Erde und dächten und fühlten als solche nur, was diese denkt und fühlt? Ich bin kein Doctor und lasse die schönen Fragen ungelöst. Aber so viel ist sicher, dass es immer Einzelne gibt, von denen es wenigstens den Anschein hat, als ob sie die Moden machten. Die Anderen machen sie bloß mit, was nicht ausschließt, <dass> sie sich durch persönliche Geschmacksnuancen irgendwie auszeichnen.

Ob unsere Zeit in Deutschland auch schon eine lyrische Mode hervorgebracht hat? Oder, um es zu vermeiden, dass das Wort geringschätzig genommen wird: einen lyrischen Stil? So, wie etwa Goethe einen lyrischen Stil hinterließ?

In diesem vollen Sinne kann die Frage nicht bejaht werden. Unsere Zeit hat den Wesenszug des Suchenden, Tastenden; sie ist keine Zeit der Erfüllung, sondern des Ueberganges. Daher gelingt ihr auf keinem Gebiete so leicht die Schaffung eines Stiles. Selbst ihre [41] Kleidermode ist compilatorisch. Aber was sie sucht, das ist im Grunde eben ein Stil für Leben und Kunst.

So ist das Auf und Nieder der Zeiten: die Einen wollen abthun und aufräumen, die Anderen wollen ordnen und bauen; auf sie erst kommen die, die bauen können und im Gebauten schmückend wohnen; ihnen folgen die, denen es zu leicht ward, die mühelos erbten und ihre Thätigkeit im Spielerischen, Schnörklerischen zeigen müssen; und sie werden abgelöst von denen, die gar nichts mehr zu thun wissen und alles ins Flache verkommen lassen. Nach ihrem Sturze, denn sie werden nicht abgelöst, sondern verdrängt, beginnt der Kreislauf aufs Neue, in dem sich das Suchen, Werden, Blühen, Auswachsen und Absterben eines Stiles ausdrückt. Bemerkt zu werden verdient noch, dass die aufräumenden und ins Neue strebenden Zeitläufte immer der jugendlichen Meinung sind, sie würden etwas ganz Neues auf den Plan bringen, während die Bauvermögenden klüglich das zu nützen wissen, was bauende Zeiten vor ihnen hinterlassen haben, wenngleich sie keineswegs auf eine Wiederholung aus sind.

Unsere Zeit, so will mir scheinen, ist, in der Kunst wenigstens, dem bloßen Abthun entwachsen und auch über das bloße, etwas renommistische Wollen hinaus. Es wird schon der Bau begonnen. Doch sind wir noch nicht weit. Der Plan ist noch nicht klar, und noch immer besteht die Hauptthätigkeit im Herbeitragen von Material, im Entwerfen und Verwerfen von Grundrissen und Zeichnungen. Nicht alles, was herbeigetragen wird, kann verwendet werden, aber es ist auch keine Mühe umsonst. Wenn sich erst der Meister durchgesetzt haben wird, der klaren Blickes das Ganze sieht, ehe es noch da ist, und mit starker Hand Eigenes und Fremdes in einen Gedankenzug zu fügen weiß, dann wird unter seiner Führung auch das an seinem Platze zu schöner Geltung kommen, was jetzt im Getümmel des Bauplatzes ganz unmöglich aussieht. Denn ein Meister sieht Alles im Ganzen und verachtet nichts.

Hartleben, dem es am Blick fürs Ganze gebricht, schrieb mir einmal im Hinblick auf die vielen Wunderlichkeiten, die die Kunst unserer Zeit zusammenträgt:

Hat die Zeit die Kraft verloren,
Die den Stil gebären kann,
An den Haaren, an den Ohren
Zieht sie krauses Zeug heran.

Er wollte unsere Zeit damit schlecht machen. Aber, obwohl sein Spruch richtig ist, die Zeit ist darum nicht schlecht. Das krause Zeug ist besser, als das flache, und wir wollen allen neun Musen recht herzlich danken, dass sie sich heute zuweilen etwas kapriciös frisieren. Zur Schaffung eines Stiles scheint es, und man braucht, um dies zu erkennen, nicht bloß unsere Zeit anzusehen, geradezu nöthig zu sein, dass vorher allerlei Wirrzeug recht wild neben- und durcheinander ins Kraut schieße. Auf diesem bunten Beete vollzieht sich dann die Auswahl des jeweils Besten.

Auch der große Einzelne, der sein Leben und seine Kunst in einen Stil zu bringen bemüht ist, macht die Erfahrung, dass dazu eine Durcheinanderfolge von allerlei Widersprechendem nöthig ist. Man sehe den Werdegang Goethes an. Was hat in ihm nicht alles rumort, was hat ihn nicht alles befruchtet! Manches davon, oft freilich das Beste, wie die gothische Kunst, hat er selber später als kraus empfunden. Und er hat seine ganze Entwicklung als eine Folge von Häutungen dargestellt:

"Die Feinde, sie bedrohen dich,
Das mehrt von Tag zu Tage sich,
Wie dir doch gar nicht graut!"
Das seh' ich alles unbewegt,
Sie zerren an der Schlangenhaut,
Die jüngst ich abgelegt,
Und ist die nächste reif genug,
Abstreif' ich die sogleich
Und wandle neu belebt und jung
Im frischen Götterreich.

So haben auch die jungen Zeiten ihre Schlangenhäute, und nur die alten, müden, regenerationsunfähigen tragen ewig, d.h. so lange man sie leben lässt, ihr altes Respectskleid ab.

Goethes stilbildende Kraft wäre uns nicht geworden, wenn er es nicht mit Meister-Instinct verstanden hätte, sich reich befruchten zu lassen. So hat sich in ihm seine ganze Zeit und man kann sagen aus allen Zeiten das Beste verewigt und besonders im Lyrischen zu einem Stil von so starker Dauerkraft verdichtet, dass alle Anläufe zu einem neuen, modernen lyrischen Stil Rückgriffe in seine Form zeigen, und dass mancher "Neutöner" sich zuweilen zu fragen scheint, ob nicht vielleicht der alte Goethische Ton der schönere und für unsere Zeit zum mindesten recht geeignet sei, als Unterton zu dienen.

Das Wort "Neutöner" bringt mich auf den, der es gemünzt hat, auf Liliencron. In einer Betrachtung vom modern Lyrischen wäre ich freilich auch ohnehin auf ihn gekommen. Denn wir besitzen heute in Deutschland keinen reineren Lyriker als ihn, und die moderne deutsche Lyrik geht zum guten Theile von ihm aus. Vor ihm hat der genialere, aber keiner Harmonie fähige Hermann Conradi kräftige Ansätze des Neuen hervorgebracht, neben ihm hat der tiefere und reichere Friedrich Nietzsche den lyrischen Ausdruck, zumal in der rhythmischen Prosa des Zarathustra, bildköstlich befruchtet, ihm aber, der mit Verlaine die naivste Seele der ganzen modernen Kunst ist, sind wieder Bild und Lied von einer so schlichten Ganzheit gelungen, wie zwischen Goethe und ihm keinem.

Man rufe nicht Wehe, dass ich ihn Goethen gleichstelle. Das thue ich nicht. Er ist klein neben dem Vollbilde dieses Größten, dessen Name uns heilig sei, so oft er auch eitel genannt wird. In ihm ist nur ein Theil der Kraft dieses Wunderbaren. Aber dieser Theil, die Kraft des lyrischen Empfindens und Gestaltens, ist voll in ihm.

Wenn man wechselweise in seinen "Ausgewählten Gedichten", die jüngst bei Schuster und Loeffler in Berlin erschienen sind, und in einer guten Auswahl Goethischer Gedichte liest, etwa in der, die Hartleben unter dem Titel "Goethe-Brevier" bei Karl Schüler in München hat erscheinen lassen, so wird man von einem Gefühle der Zuversicht in das Leben unserer lyrischen Kunst ergriffen, in dem das Unbehagen über die eigenschaftslosen Nachtreter und die Documentendichter gleichermaßen untergeht. Man fühlt, dass wenigstens auf dem Gebiete der Lyrik ein Meister thätig ist, der moderne Gefühls- und Anschauungswerte in poetisches Gold von eigener Fassung zu prägen versteht, ohne das schöne Ueberkommene plump zu missachten. Man wird dieses Gefühls noch voller froh werden, wenn man nicht bloß diese eine Sammlung liest, sondern die ganze, unverkürzte Reihe der Liliencron'schen Lyrik, von den "Adjutantenritten" bis zu den "Neuen Gedichten", in sich vorüberziehen lässt. Denn so verdienstlich auch diese Sammlung ist, die im Hinblick auf ein größeres Publicum veranstaltet wurde, so genügt sie doch keineswegs dem, der das ganze Wesen dieses großen Lyrikers kennen lernen möchte. Es fehlen in ihr sogar eine Reihe der kennzeichnendsten Stücke.

Die Entwicklung der modernen Lyrik, die bei Liliencron in eine glücklich beschränkte Persönlichkeit zusammengefaßt erscheint, läßt sich am besten erkennen, wenn man die vier einzelnen Gedichtbände des Meisters: "Adjutantenritte", "Gedichte", "Der Heidegänger", "Neue Gedichte" sich chronologisch zu Genusse führt.

Da ist zuerst der Tic des Realistischen, d.h. der Realismus als bloße Reactionserscheinung, der eben darum noch nicht völlig künstlerisch ist. Aber was bei geringeren Talenten in eine Maßlosigkeit ausschlug, der man die Absicht viel zu deutlich anmerkte, als dass sie hätte imponieren können, das erschien bei Liliencron von je künstlerisch gemildert durch den Instinct des geborenen Dichters, der bei aller Absicht, den himmelblau Verschwommenen zu zeigen, wie erdig derb das Leben ist, doch nie vergaß, seine kecken Lebensimpressionismen mit etwas poetischem Golde aufzuhöhen, just so, wie wir es bei manchen Steinzeichnungen Hans Thomas sehen.

Dieser Liliencron'sche Lebenston, der sich von dem Lebenston der realistischen Lyraxe vor allem dadurch unterscheidet, dass er Melodie hat, ist von starkem Einfluss auf das lyrische Schaffen von heute gewesen. Ich rede hier nicht von Nachahmern. Copisten sind belanglos für die Entwicklung der Kunst. Nein, dieser Liliencron'sche Lebenston ist auch von solchen aufgenommen worden, die Eigenes vermögen. Und eben dadurch hat er sich als stilbildend bewährt.

[56] In der eigentlich realistischen, nun vorübergenebelten Zeitspanne unserer heutigen Kunst haben sich stille Gemeinden von Genießenden und Schaffenden um den geläuterten Realismus der Liliencronischen Poesie gesammelt, in dem sie ihrer Sehnsucht nach poetischer Ehrlichkeit Genüge gethan, aber gleichzeitig die Perspective in die Welt des rein Poetischen offen sahen. So bildete sich, sehr in der Stille, Neigung und Fähigkeit zu einem Realismus, der mit dem schlagworteengen kaum mehr als den Namen gemeinsam hatte. Es ist im Grunde derselbe, der uns an Goethes Lyrik entzückt, nur dass er um moderne Nuancen bereichert erscheint und als der Ausdruck unserer Zeit besondere Geltung beanspruchen kann. Sein Grundwesen ist der Muth und die Kraft, Erlebtes zu schöner Anschauung zu bringen. Er verachtet das Hantieren mit Schablonen und fordert freie Eigenzügigkeit. Er sagt nicht Daphnis, wenn die Bewusste Marie heißt, und wenn er doch 'mal Daphnis sagt, was bei den realistischesten Herren vorkommt, so merkt man, dass irgend eine bewusste Marie dahinter steckt. Sehr im Gegensatz zur lyrischen Mode des Weltschmerzes und der realistischen Mode der Lebenstrivialisierung, ist er der Ausfluss sinnlicher Freude an Welt und Dasein. Und seine Gesundheit liegt darin, dass er nicht nöthig hat, Welt und Leben zu idealisieren, um sich an ihnen zu freuen.

Aber neben der Sinnenfreude, die die Objecte genießt, gibt es ein Ding, das Sehnsucht heißt und sich selber genießt. Aus ihr entspringt der künstlerische Idealismus, wie ihn die heutige Kunst versteht. Früher war er eine Art, die Wirklichkeit anzumachen, damit sie künstlerisch genießbar werde; heute ist er der Trieb, eine neue Wirklichkeit von Sehnsuchts Gnaden zu schaffen. So ist der künstlerische Idealismus heute wesentlich phantastischer Natur. Er verkleidet nicht die Objecte, sondern er ersetzt sie. Seine Illusionskraft aber besteht darin, dass er sich realistischer Mittel bedient, um eine phantastische Welt glaubhaft zu machen.

Auch für diesen phantastischen Idealismus hat Liliencron die Bahn durch Werke frei gemacht. Es hat ihn immer dahin gedrängt. Aber anfänglich merkt man ihm eine gewisse Scheu an, in dieser "realistischen Zeit" so unzeitgemäße Flüge zu unternehmen. Doch nach und nach wich diese Scheu von ihm, der Ballast des Realismus um jeden Preis flog über Bord und ungehindert, unbekümmert, ungefesselt stieg die dichterische Sehnsucht in die Höhen des schrankenlos Phantastischen und genoss sich selbst in Bildern so voll Farbe, Wunderform und Licht, wie wir sie bisher nur in der bildenden Kunst, bei Böcklin, schauen durften.

Damit geschah das zweite Große, das wir Liliencron verdanken, denn auch diese Art seiner Kunst ward vorbildlich und von ihr geht der starke Strom zu dem werdenden phantastischen Stil in der neuesten Lyrik aus.

Er wird, so stark er ist, die eigentlich realistische Lyrik nicht verdrängen und es wäre bedauerlich, wenn er es thäte, aber mir scheint, dass er der bevorzugte lyrische Stil unserer Zeit werden wird, wie er auch derjenige ist, den sie als ihre eigenste Hervorbringung beanspruchen kann. Man möchte ihn manchmal gern auf die romantische Epoche der deutschen Dichtung zurückführen, aber er ähnelt der dichterischen Art jener Zeit, wie ein Böcklin'sches Bild einem Schwind'schen ähnelt.

Wenn die realistische Lyrik unserer Zeit vornehmlich das Intime, Schlichte, Liedhafte pflegt, so geht die phantastische Lyrik auf das Erhabene, Umfassende, Bildhafte aus. Häufig spielt Mystisches und Symbolistisches in sie hinein, ohne dass man indessen sagen kann, dass entsprechende "Richtungen" sich breitmachten. Auch die sogenannte decadente Manier hat bei uns keine Vertreter von der Bedeutung der ihr vorbildlichen Dichter in Frankreich. Doch wird ihr Name oft einem Dichter angeheftet, der neben Liliencron der kräftigste moderne Lyriker in Deutschland ist und von dem hier ausführlicher die Rede sein muss, weil sich an seine Begabung die größten Hoffnungen für die Entwicklung unserer lyrischen Verskunst knüpfen. Es ist Richard Dehmel.

Er besitzt nicht die köstliche Naivetät Liliencrons und nur selten gelingt ihm wie diesem der Ton des Lebensliedes; dafür hat er, was diesem fehlt, in außerordentlicher Fülle: Tiefe des Mystischen und Höhenkraft des Gedankens. An Kraft der Anschauung steht er jenem gleich, dabei ist er für das Technische der Lyrik der stärkste Neuerer, den wir besitzen. Wenn Liliencron für die neue Lyrik in der Hauptsache der Anstoßgebende gewesen ist, so wird Dehmel der Erfüllende sein, und noch mehr als jener wird er den Werdegang der modernen Lyrik beeinflussen.

Diese Prophezeihung ist nicht so kühn, wie es den Anschein hat. Zwar hat Dehmel bisher noch kein großes Publicum gefunden, er trifft vielmehr auf stärkere Widerstände bei Publicum und Tageskritik als irgend Einer neben ihm; aber es ist auffällig, wie jetzt schon jüngere Talente auftreten, die man direct als Abkömmlinge seiner Art bezeichnen muss, und wie aposteltreu seine Verehrer zu ihm halten. Seine Anhängerschaft wächst langsam und in der Stille, so, wie wir es bei den stillen Nietzschegemeinden sahen. Auch darin ergeht es ihm wie dem Zarathustradichter, dass das Ausland ihm eher huldigt als die Heimath. In Frankreich, allerdings nicht in dem der "Revue des deux Mondes", wächst sein Ruhm schneller als bei uns. Aber auch wir werden das Posaunenconzert über ihn bald erleben, denn es ist unmöglich, dass eine so überragende Kraft wie Dehmel auf die Dauer ohne Anerkennung bleibt.

Uebrigens verlangt es die Billigkeit, die Bemerkung nicht zu unterdrücken, dass es dieser Dichter seinen Landsleuten rechtschaffen schwer macht, ihn liebzugewinnen. Er bewegt sich gar zu gerne in Gegensätzen, die nicht jedermanns Sache sind, wechselt mit Dunkel und Grelle, bevorzugt häufig eine gewisse Hartkantigkeit, schmeichelt nie und ist zuweilen sogar direct unangenehm. Auch lässt er sich öfter, als gut ist, von einem Teufel reiten, der höllisch boshaft ist. Und schließlich: Das Tiefe pflegt überhaupt nicht beliebt zu sein.

In seinem Schaffen ist eine ungewöhnlich starke Entwicklung. Wenn Liliencron ein Tänzer ist, der in einem scharf umschriebenen Kreise bleibt, in dessen Bezirke er freilich nicht ewig dieselben Rundtänze tanzt, so ist Dehmel ein Schreiter und Streiter, der vorwärts, aufwärts geht, steigt, stürmt. Manchmal könnte einem bange um seinen Athem werden, wenn man sein Vorwärtstempo verfolgt. Wie bei Nietzsche, so bestreitet bei ihm immer ein Buch das andere und doch ist immer das eine des anderen schön sichere Folge.

Sein Lehrlingsbuch sind die "Erlösungen", die auf Empfehlung von Georg Ebers von Göschen in Stuttgart verlegt wurden. In diesem Buche hat er zu einer Zeit, da die Jugend sehr stolz mit Schiller abgerechnet zu haben glaubte, als Einziger unter den ins Neue Schaffenden im großen Schillertone Eigenes, Modernes schön zu sagen gewusst. Aber es ist noch viel Unselbständigkeit darin, und der Schillerton erdrückt oft das Lyrische, wie denn Schiller für einen Lyriker sicher kein guter Pathe ist. Trotzdem erscheint es uns heute nicht bloß bedeutsam, sondern auch schön, dass der stärkste Gegner des kahlen Realismus unter diesem Zeichen in die Literatur eingetreten ist. Freilich trat er bald in ein anderes. Sein nächstes Buch, das den seltsamen Titel: "Aber die Liebe!" führt und jetzt in den Verlag von Schuster und Loeffler übergegangen ist, ist auch im Tone so modern, dass man, zumal in den Hauptstücken, den Dichter der "Erlösungen" kaum wieder erkennt. In ihm befinden sich die wunderbaren "Verwandlungen der Venus", die in unserer gesammten Lyrik als erotische Gedankendichtungen einzig dastehen. Aber trotz aller Schönheit und Kraft, die ihm innewohnen, zeigt das Buch doch noch nicht vollkommen [57] klaren Höhenzug. Es gurgelt noch vieles verworren in der Tiefe, wie in einer Walpurgisnacht, die classisch und romantisch zugleich ist, es brauen sich Spukschwaden um Gebilde einer vollendeten Schönheit, grellste Helle überschlägt sich in Trübes und Dunkles, aus allen möglichen schwefelgelben oder ultravioletten Winkeln zischt, gährt, rumort es. Im Einzelnen hat sich Dehmel bereits gefunden, aber im Ganzen sehen wir ihn noch auf der Suche, und er macht manchmal ein schiefes Gesicht dabei. So ist es zwar ein köstliches Buch, aber doch noch keines von denen, die die große Harmonie haben. Dehmels letzter Gedichtband "Lebensblätter", den die Genossenschaft "Pan" verlegt hat, zeigt ein viel klareres Seelenbild und ist so voll von reicher Poesie und reifer Kunst, dass man ihn als ganze, restlose Offenbarung dieses Dichterwesens bezeichnen möchte, wüsste man nicht, dass dieses Wesen sich nie genug thut, außer im fortgesetzten Ueberfliegen seiner selbst

Ich erhebe nicht den Anspruch, mit diesen Bemerkungen eine erschöpfende Schilderung des Dehmel'schen Schaffens gegeben zu haben. Eine solche erforderte sehr viel tieferes Eindringen. Im Zusammenhange dieses Aufsatzes kam es mir nur darauf an, wie auf Liliencron so auf Dehmel hinzuweisen als auf die zwei Hauptpunkte einer Richtungslinie, in der sich nach meiner Ueberzeugung der Entwicklungsgang der modernen Lyrik in Deutschland bewegt. Dass es darin Erscheinungen gibt, die davon abzweigen, spricht mir nicht dagegen. Ich halte sie für Wasseräste an dem sich schön entwickelnden Baume, die zwar Blüten, aber keine Frucht bringen. Wäre der Baum schwach, so wäre es zu beklagen, dass sie seinen Fruchtästen Kraft entziehen. So, da er stark ist, können wir uns auch ihrer unfruchtbaren Blüten freuen.

Ich denke an Dichter wie Stephan George. Es ist sehr leicht und daher üblich, ihrer zu spotten. Sie sind in ihrem verzückten und scheu zuckenden Hyperästhetismus, der von englisch-französischen Eltern ist, oft von einer ans Närrische grenzenden Wunderlichkeit, aber sie haben Talent und vornehmen Künstlersinn und daher ein Anrecht auf den Respect derer, die reine Begabung auch dann achten, wenn sie ihnen auf Abwegen zu sein scheint.

Auch ihre Art, das Schöne zu suchen und als neuen Inhalt des Lebens aufzurichten, ist schließlich ein Zeichen dafür, wie mächtig sich die deutsche Kunstseele wieder dem Lyrischen zuwendet. Es ist das ein Heimweh. Denn nirgends ist sie so zuhause wie im Lyrischen.

Als wir im Banne des sogenannten Realismus standen, standen wir im Banne der Skandinavern, Russen und Franzosen. Es war, trotz allem, eine gute Lehre in der Fremde, wenn auch reicher an Prüfungen denn an Frucht. Wir waren die Nehmenden, und es ziemt sich immerhin, danke schön zu sagen, wenn wir auch nicht gesonnen sind, das Geliehene unserem Hausrathe einzuverleiben. Im Lyrischen sind wir, das bekennen selbst die Franzosen, die Gebenden und haben uns bei niemand zu bedanken, als bei unsrer deutschen Seele, aus der schon Walther von der Vogelweide und Wolfgang Goethe ihr Bestes genommen haben.

 

 

 

 

Erstdruck und Druckvorlage

Die Zeit.
Bd. 7, 1896:
Nr. 81, 18. April, S. 40-41
Nr. 82, 25. April, S. 56-57. [PDF]

Gezeichnet: Schloss Englar im Eppan. Otto Julius Bierbaum.

Die Textwiedergabe erfolgt nach dem ersten Druck (Editionsrichtlinien). Ein Druckfehler wurde korrigiert (S. 40).

 

 

Zeitschriften-Repertorien

 

Mit Änderungen wiederholt in

 

Die besprochene Gedichtbände

 

 

Literatur

Anz, Thomas: Über einige Missverständnisse und andere Fragwürdigkeiten in Anke-Marie Lohmeiers Aufsatz "Was ist eigentlich modern?". In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur 33,1 (2008), S. 227-232.

Austermühl, Elke: Lyrik der Jahrhundertwende. In: Naturalismus, Fin de siècle, Expressionismus: 1890 – 1918. Hrsg. von York-Gothart Mix. München u.a. 2000 (= Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart, 7), S. 350-366.

Baumbach, Rudolf: Lieder eines fahrenden Gesellen. Leipzig: A. G. Liebeskind 1878. [PDF]   –   Erster Druck; letzte Aufl.: 46. Taus. Stuttgart u. Berlin: Cotta 1902.

Becker, Sabina / Kiesel, Helmuth: Literarische Moderne. Begriff und Phänomen. In: Literarische Moderne. Begriff und Phänomen. Hrsg. von Sabina Becker u.a. Berlin u.a. 2007, S. 9-35.



Bierbaum, Otto J.: Münchener Brief. In: Neue Freie Presse. Morgenblatt. 1887, Nr. 8300, 5. Oktober, S. 1-3.
URL: http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nfp

Bierbaum, Otto J.: En plein air. In: Neue Freie Presse. Morgenblatt. 1889, Nr. 8815, 9. März, S. 1-2.
URL: http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=nfp

Bierbaum, Otto J.: Bemerkungen zu Conrad Albertis "Zwölf Artikeln des Realismus". In: Die Gesellschaft. Monatsschrift für Litteratur und Kunst. 1889, Mai, S. 670-673. [PDF]

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Bierbaum, Otto J.: Ein Brief an eine Dame anstatt einer Vorrede. In: Deutsche Chansons (Brettl-Lieder) von Bierbaum, Dehmel, Falke, Finckh, Heymel, Holz, Liliencron, Schröder, Wedekind, Wolzogen. Mit den Porträts der Dichter und einer Einleitung von O. J. Bierbaum. Erstes bis drittes Tausend. Berlin u. Leipzig: Schuster & Löffler, Weihnachten 1900, S. V-XVI. [PDF]
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Lyriktheorie » R. Brandmeyer