Rehabilitation von Posidonia oceanica Seegraswiesen

2. Projektjahr

I) Wieder- bzw. Neuansiedlung von Posidonia

Die ersten Transplantationsexperimente starteten im August 2001 auf einer natürlichen Sandfläche innerhalb einer Seegraswiese und bestanden damals aus 10 Gittern mit einer jeweiligen Grösse von 1m². Zwei Typen von Gittern wurden eingsetzt, Metall- und Bambusgitter, mit 2 unterschiedlichen Dichten von Transplantaten (50 und 100 Schösslinge). Zusätzlich wurde die Hälfte der Transplantate mit dem stabilen Stickstoffisotop N15 markiert.

Versuchsreihen mit Bambus- (links) und Metallgittern (rechts).

Folgende Aspekte wurden regelmässig in situ gemessen:
- Anzahl der lebenden Schösslinge
- Anzahl der neuen Triebe
- maximale Blattlänge

Sprösslinge wurden gesammelt, um

a) biometrische Parameter
b) Biomasse (Blätter und Wurzeln)
c) Blätterwachstum und
d) Kohlenstoff-, Stickstoff-, Phosphor-, Eisen- und Chlorophyllkonzentration

zu bestimmen. Die Werte wurden mit denen von Referenzexemplaren aus der Seegraswiese verglichen.

1) Verlustraten

Auf den Bambusgittern gingen im Zeitraum von August 2001 nis September 2002 zwischen 7 und 20% der Transplantate verloren. Die Gitter mit 50 Transplantaten waren dabei stärker betroffen als die mit der höheren Dichte, was wahrscheinlich auf eine höhere Sedimenterosion zurückzuführen ist. In Abhängigkeit des Gitters hatten 10-20% der Transplantate neue Triebe ausgebildet und gleichen somit den Verlust aus.

Die Sprösslinge auf den EAT-Gittern wiesen relativ hohe Mortalitätsraten auf. Die zweite Versuchsreihe mit einer kürzeren Bestromungsphase zeigte bessere Resultate, allerdings bildete sich immer noch eine schwarze Bänderung an den Rhizomabschnitte in der Nähe des Metallgitters. In den schwarzen Zonen ist das Gewebe abgestorben und verrottet. Die Ursachen für dieses Phänomen sind bisher unbekannt. Neue Tests sind geplant, die klären sollen, ob das Metall selbst oder die Bestromung für das Absterben verantwortlich sind. Neben der Verfolgung der Zinkkonzentrationen soll zusätzlich eine Versuchsreihe mit ungalvanisiertem Metall durchgeführt werden.

Posidonia-Sprössling (links) und aufgeschnittenes Rhizom (rechts), gesammelt von einem mit Kalk beschichteten Gitter im März 2002. Die schwarzen Zonen sind deutlich sichtbar und entsprechen den Kontaktstellen zwischen Rhizom und Metallgitter (linkes Rhizom). Eine Ausdehnung dieses schwarzen Bereiches auf den apikalen Trieb führt zum Absterben des gesamten Sprössligs (rechtes Rhizom).

2) Blatt- und Wurzelbiomasse

Die von den Tranplantaten gemessene Biomasse war immer niedriger als die von den Referenzexemplaren, folgen aber einem sehr ähnlichen saisonalen Muster. Die Anzahl der neuen Blätter war dagegen höher bei den Transplantaten, allerdings waren diese kleiner. Die gesunden Triebe auf den Bambusgittern bildeten sich horizontal aus, was einen ersten Schritt in der natürlichen Wiederbesiedlung darstellt.

Horizontale Triebe habe natürlicherweise eine niedrigere Blattbiomasse als vertikale Triebe. Allerdings könnte diese Differenz auch mit einer unzureichenden Nährstoffversorgung des Transplantats zusammenhängen. Dies ist auf das Fehlen von grösseren Wurzeln zurückzuführen, die für massgebend für die Aufnahme von Nährstoffen verantwortlich sind. Auf der anderen Seite stieg die Wurzelbiomasse während des ersten Jahres drastisch an. Dioe Bereitstellung von Resourcen für das Wurzelwachstum könnte ebenfalls ein Grund für die geringe Blattbiomasse sein. Die Ausbildung von Wurzeln ist ein gutes Indiz für den Erfolg der Transplantation, wobei vertikale Triebe wohl die "Besiedlungsorgane" einer Posidoniawiese darstellen. Diese Hypothese wird im 3. Projektjahr weiterverfolgt.

3) Düngerzugabe

Die Überlebens- und Wachstumsraten von anderen Tests wie z.B. Düngerzugabe wurden analysiert. Es sieht so aus als fördere diese Art der Behandlung das Wachstum von Posidonia oceanicas. Detaillierte Daten über die Auswirkung von Dünger werden in der nächsten Projektphase erhoben.

4) Neues Experiment

Wie bereits oben erläutert erfordert die Versuchsreihe unter Anwendung der EAT-Technologie eine Modifikation. Folgendes Protokoll wurde etabliert, um die aufgetretenen Probleme zu umgehen: die Metallgitter werden durch Bestromung mit einer Kalkkruste beschichtet, und erst danach werden die Sprösslinge transplantiert. Die Überkrustung erfolgte im Juni, die Transplantation im September 2002 mit insgesamt 5 1m² grossen Gittern (5 unterschiedliche "Behandlungen" basierend auf Erfahrungen aus den ersten Experimenten). Ein Gitter wurde noch 7 Wochen weiterbeschichtet, um die Auswirkung der Bestromung auf die Sprösslinge zu untersuchen. Nach Abstellen des Stroms im November 2002 zeigten erste Proben dieses Gitters eine negative Beeinflussung durch die kurzzeitige Bestromung. Transplantate auf den vorbeschichteten und nicht weiterbestromten Gittern waren dagegen alle in einem guten Gesundheitszustand.

 

II) Konsolidierung einer Posidonia-Abbruchkante

Wie bereits im Statusbericht des ersten Jahres gezeigt, konnte die Rehabilitationsanlage den starken hydraulischen Kräften mehrerer Winterstürme standhalten. Um eine fortschreitende Erosion durch die Kanalisierung der Strömung zu verhindern, wurden die Seiten der Anlage mit EAT-Strukturen geschlossen. Die durch die ersten Stürme im Winter 2001/2002 enstandenen Aushöhlungen wurden mit abgerissenen Posidonia-Rhizomen verfüllt und mit neuen Gittern überspannt. Eine effektive Konsolidierung der Seegraswiesenkante ist nun gewährleistet.


Rehabilitationsanlage im September 2002 (in der Bestromungsphase). Die Seiten sind durch EAT-Gitter geschlossen, so dass kein Sediment mehr ausgespült werden kann.

                         

 
2. Projektjahr

Posidonia Rehabiltation

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last update:
29.12.2004