Home DFG DFG Universiät Duisburg Essen
Die Homepage nwu-essen wird ab dem 01.01.2014 nicht mehr aktualisiert.
Informationen über die aktuelle Forschung erhalten Sie auf den Seiten der einzelnen Arbeitsgruppen.
Sie sind hier : nwu-Essen / Forschungs- projekte / Forschungsprojekte 2003-2006
English Version
Projekt Schulsystem
Schulsystem und Kultur der Einzelschule als Kontext des naturwissenschaftlichen Lernens in Schulen der Sekundarstufe I  
 
Antragsteller: Prof. Dr. Klaus Klemm  
Projektmitarbeiter: Dr. Isabell van Ackeren, Harry Kullmann, Frank Sprütten    
Projektzeitraum: 01.2004 - 12.2006    

Das Projekt untersucht die Ausprägung fachspezifischer Binnenkulturen und die Abhängigkeit dieser Ausprägung vom Schulsystem insgesamt. Gestützt auf Leistungstests in den drei naturwissenschaftlichen Fächern werden Hypothesen zum Zusammenhang zwischen den Bedingungen schulischen Lernens auf der System- und der Einzelschulebene einerseits und der Entstehung kognitiver Kompetenzen andererseits generiert.  
In der ersten Phase wurden insbesondere für die Schulformen der Sek. I aller 16 Länder differenzierte tabellarische und ausführlich kommentierte Übersichten über die naturwissenschaftlichen Fächer erstellt, und zwar hinsichtlich ihrer Verankerung in den Stundentafeln sowie ihrer Sequenzierung, der Vorschriften zu schriftlichen Leistungskontrollen in diesen Fächern, ihrer Bedeutung in den Versetzungsordnungen, der Verankerung externer Evaluationsverfahren (Parallel-,Vergleichsarbeiten und zentrale Abschlussprüfungen) sowie der Vorgaben zur Lehrerausbildung. Die vergleichende Analyse dieser Rahmenbedingungen offenbart insbesondere in den Bereichen Unterrichtszeit, Sequenzialität und auch Schriftliche Leistungskontrollen deutliche Länderunterschiede, die entsprechende Wirkungen auf schulisches Lernen erwarten lassen. Auf dieser Grundlage wurden zwei Länder ausgewählt, von denen eines eher günstige (Schleswig-Holstein) und eines eher ungünstige (Nordrhein-Westfalen) Rahmenbedingungen für naturwissenschaftlichen Unterricht bietet. Aus beiden Ländern wurden – gestützt auf eine Auswertung von Internetpräsentationen und Schulprogrammen - je acht Gymnasien ausgewählt. In jedem der beiden Länder wurden jeweils vier Gymnasien mit einem ausgeprägten naturwissenschaftlichen Profil und je vier mit einer neu- bzw. altsprachlichen Schultradition ausgesucht.  
Der Rücklauf aus der Lehrerbefragung kann mit 48% für das Gesamtkollegium als sehr befriedigend eingestuft werden. Die entwickelten Fragebogeninstrumente zielen darauf ab, den Umgang der Einzelschule mit landesweiten Vorgaben im Bereich von naturwissenschaftlichen Stundentafeln und Sequenzialität, das Fachprestige der Naturwissenschaften in den Kollegien, die Bedeutungszumessung, die die Naturwissenschaften seitens der Schulleitungen erfahren, den Grad der Lehrerkooperation von naturwissenschaftlichen Fachlehrern sowie die Einbettung der naturwissenschaftlichen Binnenkultur in die Schulkultur zu analysieren.  
Hinsichtlich der Sequenzierung (Verteilung der Unterrichtsfächer auf die Jahrgangsstufen nach Vorgabe der Regelstundentafeln) zeigt sich folgender erster Befund: In NRW werden alle drei Naturwissenschaften mit mindindestens einem Schulhalbjahr Unterbrechung unterrichtet; in Schleswig-Holstein betrifft dies lediglich Biologie. Zu den beiden Variablen mit den größten Unterschieden zwischen beiden Bundesländern gehören die Strategien, dieselbe Lehrkraft nach der Unterbrechung wieder in der Klasse einzusetzen sowie die Strategie, zentrale Inhalte zu Beginn des Schuljahres zu wiederholen. Hier zeigt sich im Ländervergleich folgendes: Einzelschulische Vereinbarungen dieser Art finden sich in NRW statistisch signifikant häufiger als in Schleswig-Holstein. Dieser Befund spricht möglicherweise für verschiedene einzelschulische Verarbeitungsmuster vor dem Hintergrund recht unterschiedlicher Rahmenbedingungen.  
Als erste These lässt sich formulieren, dass Merkmalsausprägungen auf einer Ebene Rahmenbedingungen für die nachfolgenden Ebenen darstellen können, die bestimmte Reaktionsmuster verstärken können. Solche angenommene Wirkketten sollen bei der noch ausstehenden Datenauswertung weiter verfolgt werden. Dabei wird jeweils eine Fragestellung fokussiert. Für jeden Fokus gilt es dann, eine Wirkungskette zu identifizieren, erst heuristisch, dann empirisch. Dazu werden insbesondere auch die bereits durchgeführten naturwissenschaftlichen Leistungstests herangezogen.

Projekt Professionsentwicklung
Professionswissen und Lernprozessorientierte Fortbildung von Physiklehrern  
 
Antragsteller: Prof. Dr. Hans E. Fischer    
Projektmitarbeiter: Dr. Georg Trendel, Dr. Thomas Reyer, Rainer Wackermann  
Projektzeitraum: 11.2003 - 10.2006    

In unserem Projekt untersuchen wir Möglichkeiten, das Verstehen von Physik und den Umgang mit physikalischen Methoden und Prozessen durch gezielte Förderung von Lernprozessen zu verbessern. Dazu ist es zunächst notwendig, Klarheit über Abläufe von Lernprozessen und deren Optimierung zu erlangen. Wir stützen uns auf die Theorie der Basismodelle von Oser und Baeriswyl, in der typische Lehr-/ Lernprozesse in Form von notwendigen Handlungssequenzen operationalisiert sind. Für einige dieser Basismodelle des Lehrens und Lernens haben wir Anwendungssituationen im Physikunterricht beschrieben und die einzelnen Handlungsschritte für Physikunterricht näher spezifiziert.  
Eine Orientierung des Unterrichts hin auf Lernprozesse stellt allerdings neue und hohe Anforderungen an professionelles Wissen und Handeln der unterrichtenden Lehrpersonen. Man kann annehmen, dass dieses im Allgemeinen durch einen länger dauernden Fortbildungs- und Trainingsprozess zu erreichen ist. In einer von uns entwickelten und durchgeführten theoretisch fundierten Fortbildungsmaßnahme erhalten Lehrerinnen und Lehrer das nötige Grundwissen, um die Basismodelle zur Planung, Strukturierung und Durchführung von Unterricht zu nutzen. In der praktischen Umsetzung erhalten sie Feedback mit Hilfe von Unterrichtsvideos und einer kategoriengestützten Auswertung der Lehrer- und Schülerhandlungen. Die kategoriengeleitete Videoanalyse eignet sich vor allem auch dazu, Lernprozesse von Schülern genauer zu beobachten und ihre Veränderungen zu beschreiben. Auf diese Weise ist es möglich, die Vorhersagen der Theorie empirisch zu überprüfen. Die Instrumente der Videoanalyse sind ausgearbeitet und haben sich bewährt. Beurteilerübereinstimmungen liegen, abhängig von ordinalem oder nominalem Charakter der Skalen, zwischen 0,66<Γ<0,86 und 0,75<κ<0,91.  
Die Wirkung der Fortbildung und des zunehmend lernprozessorientierten Unterrichts wird auf verschiedenen Ebenen evaluiert. Neben der videobasierten Auswertung von Lehrer- und Schülerhandlungen werden mit Fragebögen zu Beginn und am Ende des Fortbildungsprozesses Vorstellungen von Lehrern und Schülern zum Lehren und Lernen und vor allem auch deren Veränderungen erhoben. Dazu nutzen wir Fragebögen, die sich in vorhergehenden Untersuchen bewährt haben und deren Reliabilitäten mit unseren Daten bestätigt werden konnten. Ein Schülerkurzfragebogen zum Unterrichtserleben wurde neu entwickelt und liefert befriedigende Kenndaten (Reliabilität α≈0,7 (n=459), Homogenität 0,288Wir erwarten von dem Projekt Erkenntnisse über Schwierigkeiten und Möglichkeiten beim Verständnis von Physik, sowie Erkenntnisse zur Optimierung des Physikunterrichts und der Förderung unterschiedlicher Schüler. Außerdem erwarten wir Aufschluss darüber, wie Programme zur Professionsentwicklung von Physiklehrern gestaltet werden können, mit denen auch weiter reichende Änderungen in ihrem professionellen Handeln in Gang gesetzt werden können. Aussagen der Forschung hierzu sind bisher äußerst dürftig, werden aber gerade in der aktuellen Bildungsdiskussion über einen Paradigmenwechsel im naturwissenschaftlichen Unterricht und zur Implementation neuer Standards und Lehrpläne dringend erwartet.

Projekt Vertikale Vernetzung
Vertikale Vernetzung und Kumulatives Lernen im naturwissenschaftlichen Unterricht  
 
Antragsteller: Prof. Dr. Hans E. Fischer, Prof. Dr. Elke Sumfleth  
Projektmitarbeiter: Dr. Dinah Dux (02/2004 - 10/2004), Dr. Knut Neumann (ab 01/2005), Silke Dahmen (02/2005 - 09/2005)  
Projektdauer: 02/2004-01/2006  

Im Berichtszeitraum (10/2003 bis 9/2005) wurde das angestrebte Ziel, vertikale Vernetzung im Unterricht zu beschreiben und eine Verbindung zu kumulativem Lernen herzustellen, planmäßig erreicht. Dazu wurde zunächst in einem Modell vertikale Vernetzung theoretisch beschrieben. Darauf basierend wurde ein Kodierverfahren entwickelt und optimiert, dass die Klassifizierung unterschiedlicher Arten vertikaler Vernetzung auf Lehrer- und Schülerebene ermöglicht. Außerdem wurde ein Schülerfragebogen zur Schülerwahrnehmung vertikaler Vernetzung im Unterricht entwickelt (SKF).  
Wie angestrebt, wurden in einer breit angelegten Querschnittsstudie Videodaten für die Fächer Chemie und Physik erhoben und auf Grundlage der entwickelten Verfahren analysiert. Dabei konnten grundsätzliche Unterschiede zwischen den Fächern beobachtet werden: Während sich die Vernetzungsangebote der Chemielehrer im Stundenmittel wenig unterscheiden, dafür aber mit den Vernetzungsleistungen der Schüler in mittlerer Stärke zusammenhängen, unterscheiden sich die Physiklehrer deutlich im Hinblick auf ihre mittleren Vernetzungsangebote, während ihre Schüler auf durchweg niedrigem Niveau bleiben. Zudem ist der Zusammenhang zwischen mittlerem Vernetzungsangebot des Lehrers und mittlerer Vernutzungsleistung der Schüler bei hohen Anteilen von Gruppenarbeitsphasen in beiden Fächern deutlich unterschiedlich: Während mittleres Vernetzungsangebot des Lehrers und mittlere Vernetzungsleistung des Schülers in Chemie in Klassen mit nur kurzen Gruppenarbeitsphasen stärker zusammenhängen als in Klassen mit langen Gruppenarbeitsphasen gilt dieses in Physik genau umgekehrt. Diese Beobachtung soll noch weiter untersucht werden.  
Für eine Auswahl von Klassen mit über- bzw. unterdurchschnittlichen Vernetzungsleistungen wurden zusätzlich die Wissensstrukturen der Schüler mit Hilfe von Concept Maps und Leistungstests untersucht.  
 
Fortsetzungsprojekt: TP01 Vertikale Vernetzung (2006-2009)

Projekt Aufgaben
Aufgaben im naturwissenschaftlichen Unterricht  
Antragsteller: Prof. Dr. Rüdiger Tiemann  
Projektmitarbeiter: Dr. Stefan Rumann  
Projektzeitraum: 10/2003- 09/2006  

In diesem Projekt wird eine umfassende Kategorisierung der Aufgabenverwendung in den naturwissenschaftlichen Fächern angestrebt. Diese deskriptive Analyse des Ist-Zustandes bildet die Grundlage, um Zusammenhänge zwischen den Variablen Unterrichtsziel, Aufgabeneinsatz und Schülerleistung herauszuarbeiten. Diese Zielsetzungen lassen sich durch jeweils fach- und schultypabhängige Fragestellungen konkretisieren. Um den Zusammenhang zwischen Unterrichtsziel und Aufgabeneinsatz zu untersuchen, wird betrachtet, inwieweit der Aufgabeneinsatz an Kompetenzstufen und Lehrabsichten orientiert wird. Des Weiteren wird die Fragestellung aufgegriffen, inwiefern sich die Zielsetzung und die Charakteristika des Aufgabeneinsatzes in den Schülerleistungen widerspiegeln. Hiermit soll der Zusammenhang zwischen Aufgabeneinsatz und Schülerleistungen untersucht werden. Darüber hinaus wird aufgegriffen, welche Stellung die Aufgaben im Unterrichtsprozess einnehmen, welche Anforderungen sie an die Schüler stellen und auf welchem Anforderungsniveau diese einzuordnen sind.  
Das Projekt ist zunächst als inhaltsübergreifende Querschnittsstudie angelegt. Für die Videoanalyse wurde je eine Unterrichtsstunde pro Lehrer bei 22-29 verschiedenen Lehrern pro Fach (Physik, Chemie und Biologie) und Schulform (Gymnasien und Hauptschulen) im 9. bzw. 10. Schuljahr aufgezeichnet.  
Im Berichtszeitraum konnten die Fragebögen für Lehrer und Schüler entwickelt sowie die Datenerhebung abgeschlossen werden. Die Auswertung der Daten hat begonnen und befindet sich im Zeitplan. Eine erste Veröffentlichung über die Bedeutung von Aufgaben aus Lehrersicht aus den Fragebogendaten ist für Frühjahr/ Sommer 2006 vorgesehen.  
Die Kodierung der Unterrichtsvideos fokussiert zurzeit auf das Training der Kodierer. Hier ist es, nach anfänglichen Schwierigkeiten in der Ausschärfung der Begrifflichkeiten und der Abgrenzung der hoch-inferenten Kategorien, aktuell gelungen, zufrieden stellende Reliabilitäten der Inter-Rater-Korrelationen zu erzielen (0,68≤κ≤0,84). Sobald die darauf aufbauenden Kodierungsarbeiten abgeschlossen sind, lassen sich die gewonnenen Daten der Videoanalyse mit den in den Fragebögen erhobenen Daten korrelativ auswerten. Auf die Möglichkeit einer rein deskriptiven Darstellung der Fragebogendaten wurde daher verzichtet.

Projekt Kleingruppenarbeit
Prozessorientiertes Experimentieren in kooperativer Kleingruppenarbeit  
 
Antragstellerin: Prof. Dr. Elke Sumfleth  
Projektmitarbeiter: Isabel Wahser, Maik Walpuski  
Projektzeitraum: 10/2003-09/2006  

Im Mittelpunkt des Projektes steht die Optimierung von experimenteller Kleingruppenarbeit im Chemieunterricht. Ein erster Ansatz zur Optimierung durch stärkere Strukturierung der Gruppenarbeitsphasen hat sich in der durchgeführten Pilotstudie als nicht ausreichend erwiesen. Die Strukturierungshilfen wurden daraufhin überarbeitet und durch eine zweite Interventionsmaßnahme – Fehlerkorrektur durch Feedback – ergänzt. Das Projekt wurde im Vergleich zum ursprünglichen Antrag dahingehend verändert, dass die Wirksamkeit zweier Interventionen (statt einer Intervention) und deren Interaktionen untersucht wurden. Auf die Umsetzung verschiedener Interventionsdauern wurde in Hinblick darauf verzichtet, dass zunächst die generelle Wirksamkeit der Interventionsmaßnahmen nachzuweisen ist.  
In einem 2*2-Design wurden die Interventionsmaßnahmen Strukturierungshilfen und Fehlerkorrektur an 7 Schulen mit 320 Probanden über einen Zeitraum von jeweils 5 Schulstundenumgesetzt. Dabei wurden zu drei Testzeitpunkten (Prä, Post, Follow-up) Faktenwissen, vernetztes Wissen und Kenntnisse über naturwissenschaftliche Arbeitsweisen erhoben. Prozessbegleitend wurden 140 Unterrichtsaufnahmen erstellt und nach jeder Unterrichtsstunde Kurztests zum Fachwissen eingesetzt. Als Kontrollvariablen wurden kognitive Fähigkeiten und sozialer Hintergrund ermittelt.  
Die Analyse der Testergebnisse zeigt, dass die Schüler mit Fehlerkorrektur den Schülern der anderen Treatmentgruppen signifikant überlegen sind. Am deutlichsten fällt dieser Unterschied für das Faktenwissen im Prä-Post-Vergleich aus. Das Ergebnis wird dabei durch den Triadentest und den 3. Messzeitpunkt ebenso untermauert wie durch die prozessbegleitenden Tests. Eine erste Analyse der Videodaten zeigt, dass die Kleingruppen mit Fehlerkorrektur mehr richtige Ideen aufbringen und mehr sinnvolle Experimente machen als die anderen Gruppen. Für die Strukturierungshilfen lassen sich keine signifikanten Effekte nachweisen, auch signifikante Interaktionseffekte sind nicht vorhanden.  
 
Fortsetzungsprojekt: TP 05 Kleingruppen/Strukturierungstraining (2006-2009)

Projekt Visualisierung
Selbstreguliertes Visualisieren von Sachverhalten als Lernstrategie im naturwissenschaftlichen Unterricht  
 
Antragsteller: Prof. Dr. Detlev Leutner, Prof. Dr. Elke Sumfleth  
Projektmitarbeiterin: Claudia Leopold  
Projektzeitraum: 10/2004 bis 09/2007  

Zusammenfassend beziehen sich die Ergebnisse der hier berichteten Untersuchungen im Wesentlichen auf zwei Aspekte.  
Erstens weisen sie auf die Bedeutung des Designs der Lernmaterialien hin. Beim Lehrbuchtext (vgl. 1. Hauptstudie und Folgestudie) war kein Vorteil der visuellen Elaborationen gegenüber den verbalen Elaborationen zu verzeichnen. Im Gegensatz dazu zeigen beide Untersuchungen mit dem längeren Lehrtext (vgl. Vorstudie 1 und Hauptstudie 2) eine Überlegenheit der visuellen Gruppen gegenüber den verbalen Gruppen (vgl. Mayer, 2001). In der 1. Vorstudie, in der nur die Lernwirksamkeit von selbst erstellten Bildern und Zusammenfassungen untersucht wurde, zeigte sich die lernförderliche Wirkung der visuellen Bedingung in den Leistungen im Transfer- und Visualisierungstest. Die verbale Bedingung erwies sich in allen drei Lernerfolgsmaßen als lernhinderlich. In der 2. Hauptstudie zeigte sich bzgl. aller drei abhängigen Variablen eine Überlegenheit für die Gruppen, die mit Bildern gelernt haben, und eine lernhinderliche Wirkung für die Gruppen, die mit Zusammenfassungen gelernt haben. Kritische Faktoren des Zustandekommens der Effekte sind möglicherweise die im Text enthaltenen erklärenden Komponenten, die Qualität der Bilder und inwieweit der Text den Lernenden dazu anleitet, Modellvorstellungen zum Thema zu entwickeln.  
Zweitens weisen die berichteten Ergebnisse bzgl. der selbst erstellten visuellen Elaborationen auf die Bedeutung der Qualität bzw. Akkuratheit der internen mentalen Repräsentationen hin (vgl. van Meter, 2001; van Meter & Garner, 2005). Für die selbst erstellten visuellen Elaborationen war in der 1. Vorstudie ein lernförderlicher Effekt zu verzeichnen, in der 2. Hauptstudie war dies jedoch nicht der Fall (vgl. Alesandrini, 1981). Die Gruppe, die mit selbst erstellten Bildern gelernt hat, schnitt gegenüber der Kontrollgruppe nicht besser ab. Auf die Bedeutung der Qualität der mentalen Modellvorstellungen weisen besonders die Ergebnisse im Visualisierungstest hin. In der ersten Vorstudie konnten die Lerner, die mit selbst generierten Bildern gelernt haben, wichtige Textkonzepte und Prozesse viel besser visuell darstellen als die nicht-visuellen Gruppen. In der 2. Hauptstudie zeigen lineare Kontrasttests bzgl. der Ergebnisse des Visualisierungstests, dass die Gruppen, die mit selbst erstellten Visualisierungen gelernt haben, gegenüber der Kontrollgruppe nur geringfügig besser abschnitten. Offensichtlich ist die Qualität der mentalen und der externen Repräsentationen ein entscheidender Faktor für die Lernwirksamkeit der selbst generierten Visualisierungen.  
Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse ist für die Restlaufzeit des Projekts in der ersten Förderphase geplant, das Design der Lernmaterialien (insbesondere des Lehrbuchtexts) zu untersuchen, um die Bedingungen zu spezifizieren, unter denen Texte mit Bildern lernförderlich sind. Der Fokus ist dabei auf die Bedeutung der Strukturierung des Textes und auf seine erklärenden Komponenten gerichtet. Weiterhin soll, wie im Antrag beschrieben, untersucht werden, welche Rolle interne (mentale) und externe Prozesse bei der Visualisierung spielen (das Generieren von Visualisierungen „vor dem geistigen Auge“). Es wird angenommen, dass diese Ergebnisse nicht nur spezifische Erkenntnisse zur Lernwirksamkeit von Visualisierungen ermöglichen, sondern auch hinzugezogen werden können, um das für die zweite Förderphase der Forschergruppe vorgesehene Visualisierungswerkzeug zu konstruieren.  
 
Fortsetzungsprojekte: TP04 Visualisieren (2006-2009)  
                                TP02 Visualisieren (2009-2011)  
 
 

Projekt Lernprozesse und Problemlösen
Diagnose und Förderung von Lern- und Problemlöseprozessen im naturwissenschaftlichen Unterricht  
 
Antragsteller: Prof. Dr. Detlev Leutner, Prof. Dr. Hans E. Fischer  
Projektmitarbeiter: Josef Künsting, Dr. Joachim Wirth  
Projektzeitraum: 02/2004 bis 01/2007  

Ziel des Projektes ist eine verbesserte Diagnose und Förderung der Regulation von Lern- und Problemlöseprozessen in Schülerexperimenten. Es wird ein computerbasiertes Diagnoseinstrument entwickelt, mit dessen Hilfe prozedurale Aspekte naturwissenschaftlicher Kompetenz beim Lernen in Schülerexperimenten erfasst und bewertet werden können. Das Diagnoseinstrument wird zudem in einem Trainingsprogramm genutzt, um an den individuellen Lernprozess adaptierte metakognitive Hilfen präsentieren zu können und so den Verlauf der Prozessregulation optimal auf ein Lern- oder Problemlöseziel auszurichten. Sowohl das Trainingsprogramm als auch das Diagnoseinstrument werden so gestaltet, dass sie breitflächig, bspw. im schulischen Unterricht oder auch im Rahmen von Large-Scale Assessments, angewandt werden können. In der ersten Projektphase (2003-2006) wird zunächst eine computerbasierte Lern- und Problemumgebung entwickelt und evaluiert. Diese wird, gemäß dem Scientific Discovery as Dual Search-Ansatz nach Klahr & Dunbar (1988), einen Hypothesen- und einen Experimente-Raum bereitstellen, in denen ein Lerner Hypothesen über einen physikalischen Inhaltsbereich aufstellen und durch geeignete Experimente überprüfen kann. Die Umgebung wird zudem Daten aufzeichnen, die zu einem Prozessmaß der Lernregulation verrechnet werden. Die Umgebung wird dann in zwei experimentellen Studien genutzt, in denen der Einfluss von Zielsetzungen und metakognitiven Hilfen untersucht wird. In der zweiten Projektphase wird auf der Basis der Lern- und Problemumgebung zunächst ein Diagnoseinstrument zur Erfassung selbstregulierter Lernprozesse entwickelt. Zusätzlich wird ein Trainingsprogramm mit adaptiven metakognitiven Hilfen realisiert. In der dritten Projektphase sollen in einer quasi-experimentellen Studie Faktoren ermittelt werden, die für die breitflächige Implementation der Diagnose- und Trainingsumgebung relevant sind.  
Fortsetzungsprojekte: TP03 Lernprozesse (2006-2009)  
                              TP01 Experimentieren (2009-2011)  
 

Projekt Zentrale Videoanalyse
Zentrale Videostudie  
 
Antragsteller: Prof. Dr. Hans E. Fischer  
 
Beteiligte Mitarbeiter  
Prof. Dr. Hans E. Fischer  
- Sprecher der Forschergruppe  
Dr. Thomas Reyer  
- Koordinator der Videostudien und zentraler Aufgaben  
Heiner Herriger  
- Videotechniker und Computer-Administrator  
Wilfried Liegener  
- Koordinator für Schulkontakte und -kooperationen  
 

In vier der sieben Forschergruppenteilprojekte sind Videoanalysen von Unterricht durchgeführt und als zentrale Datenbasis eingesetzt worden. Der beträchtliche technische und auswertemethodische Aufwand konnte durch zentrale Betreuung und Koordination meistenteils effizient gelingen. Allerdings zeigte sich, dass eine zentrale Disposition der Stundenkontingente und Termine für die studentischen Mitarbeiter zu erheblichen Abstimmungsschwierigkeiten  
führte, sodass zukünftig die entsprechenden Hilfskraftmittel von den Einzelprojekten verwaltet werden sollten.  
Eine zentrale Koordination der Schulkontakte und Schultermine war von besonderer Bedeutung: Sie erwies sich als unabdingbar für das Gelingen der Unterrichtsstudien der nwu-essen im beantragten Umfang - trotz der relativ hohen Schuldichte in der Region Ruhrgebiet. Der unerwartet hohe Aufwand der Stichprobenakquise konnte bislang nur durch die Einstellung eines weiteren Mitarbeiters aus eigenen Mitteln geleistet werden.  
Zu den Aufgaben des Zentralprojekts, die nicht nur speziell die Videostudien betreffen, gehörten weiterhin die Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere durch die Einrichtung und Überarbeitung des Internetauftritts, die Einrichtung und Pflege eines zentralen Computernetzwerkes, die Einrichtung einer Intranet-Plattform und die Herstellung einer Informationsbroschüre. Der Austausch mit kooperierenden Lehrkräften und Schulleitungen, sowie die Kooperation mit Wissenschaftlern anderer Institute wurde durch zahlreiche Vorträge und Vortragsgäste, Gastwissenschaftleraufenthalte und durch die Ausrichtung mehrerer kleiner Tagungen gefördert.

Seite zuletzt bearbeitet am: 10.09.2010 Alle Inhalte © NWU Essen, soweit nicht anderweitig bezeichnet