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Projekt Abiturprüfungen
<b>Arbeitsgruppe Bildungsforschung </b>
Arbeitsgruppe Bildungsforschung
Antragsteller    
Prof. Dr. Klaus Klemm  
Dr. Isabell van Ackeren  
 
Projektmitarbeiter  
Dr. Rainer Block  
 
Projektzeitraum:      
04.2007-12.2009
Förderkennziffer: KL 1006/5-1 & FI477/20-1
Forschungsanliegen
Bedingungen und Wirkungen dezentraler und zentraler Abschlußprüfungen im Naturwissenschaftlichen Unterricht  
 

Der organisatorische Rahmen und die Wirkung der Prüfungsmodalität beim Abitur (dezentral/zentral) auf schulische Arbeitsprozesse und -ergebnisse sind – gerade auch im Hinblick auf fachspezifische Differenzierungen – bisher kaum untersucht. Vor diesem Hintergrund werden zunächst die Prüfungsverfahren von der Themenbekanntgabe über die Aufgabenentwicklung bis hin zu den Korrekturverfahren für die Bundesländer sowie für ausgewählte internationale Referenzstaaten fach-/fächergruppenspezifisch vergleichend analysiert (Dokumentenanalyse und Expertenbefragungen). Dies dient –über eine aktuelle Bestandsaufnahme der Praxis hinaus– der länderspezifischen Vorbereitung der Erhebungsinstrumente für den zweiten Projektabschnitt. In dieser zweiten Phase werden an Gymnasien und in einer kleineren Stichprobe   an Gesamtschulen in drei unterschiedlich prüfenden Ländern (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und NRW) die in der Literatur formulierten und weitgehend ungeprüften Thesen zur Wirkung der Prüfungsform auf schulsystemischer, einzelschulischer, unterrichtlicher und individueller Ebene geprüft. Dies sind u.a. Annahmen zur Qualitäts- und Vergleichbarkeitssicherung, zur Arbeitsbelastung/-erleichterung für Lehrende, zur inhaltlichen Engführung/Breite sowie zum Anforderungsniveau (Anteil reproduktiver oder verständnis- und anwendungsorientierter Arbeitsformen insbesondere in den Naturwissenschaften). Hierzu werden Literaturrecherchen, Reanalysen von PISA-Daten, sowie Schulleitungs-, Lehrkräfte- und Schülerbefragungen durchgeführt. Aufgabenanalysen dienen dazu, den Zusammenhang von Prüfungsorganisation und Unterrichtsinhalten zu analysieren.

Methoden und Auswertung

Das Forschungsprojekt greift die Forschungsdesiderata als Fallstudie im Rahmen explorativer, quantitativ orientierter empirischer Bildungsforschung auf. Eingesetzt werden u.a. standardisierte Befragungsinstrumente im Querschnittdesign und Expertenratings bei Aufgabenanalysen im Längsschnittdesign. Die Auswertungsroutinen beinhalten u.a. Mehrebenenanalysen, die Modellierung von Interaktionseffekten und distanzbasierte Permutationstests zur Signifikanzprüfung von Gruppenunterschieden bei nicht-zufälligen Stichproben.

Datenlage und Ergebnisse
Bedingungen und Wirkungen dezentraler und zentraler Abschlußprüfungen im Naturwissenschaftlichen Unterricht  
Antragsteller: Prof. Dr. Klaus Klemm, Dr. Isabell van Ackeren    
Projektmitarbeiter: Dr. Rainer Block    
Projektzeitraum: 04.2007-12.2009  

Fast alle deutschen Bundesländer schließen mit der Einführung zentraler Prüfungen am Ende der Sekundarstufen II an internationale Entwicklungen an. Die Standardisierung des Prüfungsverfahrens wird als eine wesentliche bildungspolitische Maßnahme zur Sicherung von Qualitätsstandards angesehen. Bemerkenswert ist, dass sich diese Erwartungen kaum auf empirische Forschung, welche die Komplexität schulischer Bildungsprozesse berücksichtigt, stützen können. Eine Durchsicht der Forschungsbefunde die insbesondere auf Reanalysen von TIMSS und PISA-Datensätzen beruhen, zeigt tendenziell Vorteile zentraler Prüfungen für das Erreichen hoher Standards. Über die Studien hinweg erweist sich das Bild jedoch als inkonsistent und variiert fach- und altersgruppenspezifisch  
Die Wirkungen der Prüfungsorganisation auf schulische und unterrichtliche Prozesse wurden zudem bislang nicht hinreichend differenziert analysiert. Im Rekurs auf die Educational Governance-Theorie kann davon ausgegangen werden, dass Steuerungshandeln auf der Bildungs¬systemebene auf unterschiedliche institutionelle und individuelle Handlungs¬bedingungen hin adaptiert wird. Die Adaption wird von selbstreflexiven und situativen Konstellationen multifaktoriell beeinflusst, so dass sich Auftragsplan (z.B. die Steuerung von Unterricht und Lernerträgen durch zentrale Prüfungen) und Realisierung durch die schulischen Akteure substanziell unterscheiden können.  
Das als Querschnittstudie angelegte Forschungsprojekt greift dieses Forschungsdesiderat auf und untersucht im Rahmen einer Befragung mit standardisierten Erhebungsinstrumenten die Wirkungen unterschiedlicher Prüfungsmodalitäten (zentrale/dezentral) auf schulische Arbeitsprozesse in drei Bundesländern mit jeweils unterschiedlichen Prüfungstraditionen im Abitur (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen).  
Im Vorfeld der derzeit laufenden Haupterhebung (Stand Dezember 2008) wurden im Projektzusammenhang zwei zentrale Forschungsvorhaben umgesetzt. Dabei handelt es sich zum einen um eine Sekundäranalyse der PISA E 2003-Daten zum Zusammenhang von Prüfungsorganisation und Leistungsniveau. Die Ergebnisse der Reanalyse zeigen, im Gegensatz zu den verbreiteten Forschungsbefunden bildungsökonomischer Provenienz, dass sich anhand der PISA-Daten die unterstellten generellen und substanziellen Effekte des Zentralabiturs so nicht beobachten lassen, weder in Bezug auf die untersuchten Leistungsvariablen noch hinsichtlich ausgewählter Unterrichtsvariablen. Dort, wo sich signifikante Unterschiede zeigen, sind diese entweder erwartungswidrig, von der Größenordnung her klein bis trivial oder domänenspezifisch variierend.  
Die erstellten nationalen und internationalen Übersichtsstudien zur Prüfungsorganisation in der Sekundarstufe I und II wiederum zeigen, wie heterogen die Prüfungssysteme selbst so genannter ‚zentral prüfender‘ Länder ausgestaltet sind. In Bezug auf die Bundesländer in der BRD überwiegen die Überschiede in der Ausgestaltung der Prüfungselemente beim Zentralabitur die Gemeinsamkeiten. Aus internationaler Perspektive wiederum präferiert die Mehrheit der zentral prüfenden Bundesländer in der BRD – mit Ausnahme der Bewertungsvorgaben für die Benotung – solche Organisationsformen des Zentralabiturs, die einen im internationalen Vergleich nur geringen bis mittleren Standardisierungsgrad repräsentieren. Dies betrifft alle Bereiche der Prüfungsorganisation: Von der Vorbereitung der Prüfung bis hin zum Umgang mit den Prüfungsergebnissen.

 
Veröffentlichungen des Projekts
Veröffentlichungen zu diesem Projket
Artikel  
 
•   Ackeren, I. van (2007). Zentrale Abschlussprüfungen. Entstehung, Struktur und Steuerungsperspektiven. Pädagogik, 59, 3, 12-15.  
•   Ackeren, I. van (2009 im Druck). Internationale Diskussions-, Forschungs- und Theorieansätze zur Governance im Schulwesen. In H. Altrichter, K. Maag-Merki: Ein neues Steuerungsmodell für das Schulwesen? Forschungsstrategien und Ergebnisse der schulischen Governance-Forschung. Wiesbaden: VS-Verlag.  
•   Ackeren, I. van & Block, R. (2009 im Druck). Schulsysteme in der Umstrukturierung. In W. Sacher et al. (Hrsg.): Handbuch Schule. Bad Heilbrunn: Klinkhardt / UTB.  
•   Klein, D., Kühn, S., Ackeren, I. van & Block, R. (2009 im Druck). Wie zentral sind zentrale Prüfungen? Zentrale Abschlussprüfungen am Ende der Sekundarstufe II im nationalen und internationalen Vergleich. Zeitschrift für Pädagogik.  
 
 
Vorträge  
 
•   Block, R., & Ackeren, I. van (2007). Über die Unmöglichkeit fairer Schulleistungsvergleiche, oder: Warum nur gemessen werden sollte, was auch gemessen werden kann. 70. Tagung der Kommission „Arbeitsgruppe Empirische Pädagogik“ der DGfE an der Leuphania Universität Lüneburg.  
•   Ackeren, I. van (2008). Zentrale Abschlussprüfungen. Organisation, Erwartungen, Effekte. Vortrag im Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz.  
•   Ackeren, I. van (2008). Bedingungen und Wirkungen zentraler Abschlussprüfungen. Zentrum für Bildungs- und Hochschulforschung, Universität Mainz.  
•   Ackeren, I. van (2008). Der Stellenwert von Mathematik und Naturwissenschaften an Schule und Hochschule - Eine indikatorengestützte Analyse. Vortragsreihe „Mathematik und Bildung“ zum Jahr der Mathematik. Otto-Friedrich-Universität Bamberg.  
•   Ackeren, I. van (2008). Wirkungswissen über externe Evaluationen: Wie Entwicklungen auslösen?. 8. EMSE-Tagung. Institut für Qualitätsentwicklung, Wiesbaden.  
 
 
Poster  
 
•   Ackeren, I. van, Block, R., Klemm, K., & Kühn, S. (2007). Bedingungen und Wirkungen zentraler und dezentraler Abschlussprüfungen im naturwissenschaftlichen Unterricht. Posterbeitrag zum nwu-Symposium, Mülheim  
•   Klein, E., Kühn, S., & Ackeren, I. van (2009). The Impact of Different Patterns of Standardized Exit Examinations on Learning and Teaching in Upper Secondary Education. Comparing the German Länder and Selected OECD-Countries From a Governance Perspective. Posterbeitrag zum Annual Meeting der American Educational Research Association (AERA), San Diego, California
Seite zuletzt bearbeitet am: 27.08.2010 Alle Inhalte © NWU Essen, soweit nicht anderweitig bezeichnet