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Professur für Politikwissenschaft, insbesondere Internationale Beziehungen und Politik
Afrikas
 

 

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Forschungsprojekte

Übersicht

In den letzten Jahren befasse ich mich mit zwei unterschiedlichen Forschungsthemen:

Zum einen interessiert mich die Dynamik des Wandels politischer Institutionen in afrikanischen Ländern. Mein Hauptinteresse besteht dabei in der vergleichenden Betrachtung unterschiedlicher formaler Institutionen wie insbesondere Wahl- und Regierungssystemen, der Regulierung von Parteien sowie Fragen der Dezentralisierung und vertikalen Gewaltenteilung.

Aus dieser Beschäftigung resultierte das Forschungsprojekt zur Parteienregulierung in Afrika (Ethnic Party Bans in Africa) und zur Dezentralisierung (DFG-Projekt; Buch mit Gordon Crawford).

In meiner aktuellen Forschung geht es zum einen weiterhin um Fragen der Staatsorganisation insbesondere im Kontext der Beendigung von Gewaltkonflikten. Ich arbeite an einem Projekt mit, das das GIGA in Hamburg koordiniert (Institutions for sustainable peace), und das sich mit der Bedeutung und Wechselwirkung unterschiedlicher Institutionen bei der Befriedung von Gewaltkonflikten dreht. Aus diesem Projektzusammenhang ist ein erster Beitrag entstanden, der sich mit der Bedeutung von Föderalismus und Dezentralisierung für Konfliktregulierung befasst (Hartmann Civil Wars 2013). Derzeit arbeite ich an einem weiteren Beitrag, der nach der Entstehung neuer Machtkonstellationen auf sub-nationaler Ebene im Gefolge von Power-Sharing-Abkommen fragt.

Wahlen, insbesondere in Afrika, haben mich seit jeher als Forschungsgegenstand fasziniert, wobei traditionell die Analyse von Wahlsystemen im Mittelpunkt stand (DFG-Projekt Wahlen; zuletzt Hartmann 2007). Zur Zeit arbeite ich an einem Aufsatz, der sich stärker mit Wahlrecht befasst, und zwar den Wahlrechten von Emigranten in ihren Heimatländern. Hierbei geht es nicht nur um institutionelle Fragen im engeren Sinne, sondern auch ein besseres Verständnis der zugrundeliegenden Vorstellungen von Citizenship.

 

Mein zweites Hauptinteresse gilt regionaler Kooperation in Afrika unter besonderer Berücksichtigung Westafrikas. Im Mittelpunkt steht hier die politische und sicherheitspolitische Dimension regionaler Kooperation und die Frage nach Auswirkungen auf die Mitgliedsstaaten, etwa bei der Bekämpfung unterschiedlicher Sicherheitsprobleme und humanitären Interventionen, aber auch bei der Dynamik innenpolitischer Reformen und der Regimeentwicklung.

Empirisch hat sich diese Forschung primär auf die ECOWAS konzentriert und ich habe zuletzt ein eher deskriptives Mapping von Maßnahmen des Governance Transfers in der ECOWAS vorgelegt (Hartmann, ECOWAS 2013) und einen Aufsatz zur Genese der ungewöhnlichen ECOWAS Interventionsnormen verfasst (mit Kai Striebinger), der 2014 erscheinen wird. Zur Zeit arbeite ich an einem Aufsatz, der versucht, das Linkage-Leverage-Modell von Levitsky/Way auf das Verhältnis zwischen afrikanischen Regionalorganisationen und Mitgliedsstaaten zu übertragen.

 

Party-Bans in Africa (Fritz-Thyssen-Stiftung)

Gemeinsames Projekt mit Mathijs Boogards (International University Bremen); Matthias Basedau (Institut für Afrikakunde Hamburg) und Peter Niesen (TU Darmstadt)

During the 1990s the number of African states to hold multi-party elections increased dramatically. Paradoxically, the spread of democracy and the extension of political rights in Africa has been accompanied in the majority of countries by legal bans on, among others, religious, ethnic, regional, and linguistic parties. The main official reason for such party bans has been the aim of preventing the politicization of ethnicity as this is feared to lead to ethnic conflict and political instability.

Surprisingly, the unprecedented scale of party bans in Africa has received little attention from international organizations, donors, non-governmental organizations and scholars. To date, there has been no research on party bans in Africa, their origin, their implementation, their effects on party competition and their success in preventing ethnic conflict. Nor has the place of ethnic party bans in democratic theory been scrutinized. This project seeks to fill the gap through a study that integrates empirical, theoretical, and normative approaches to the study of party bans in Africa.

In light of the history of ethnic conflict in Africa and the possibility of drawing lessons for other plural societies, the leading question will be: are party bans an effective instrument in preventing and managing ethnic conflict and at what cost to democracy? This main question translates into four sub-questions: 1) Which empirical phenomena might be defined as party-bans and which main types of party-bans do exist? 2) What are the effects of formal bans? Why have ostensibly so few of the countries that adopted party bans actively enforced them? And to what extent are formal bans on ethnic parties an effective instrument in ethnic conflict management?; 3) Why have so many new democratic regimes in Africa adopted party bans? And which variables explain that other countries did not? 4) Given that party bans pose limits to political liberty, how can their existence be squared with the democratic aspirations of new or consolidated constitutional regimes? What are the strategies used and legitimations adduced in order to integrate party bans with the democratic self-understanding of the respective polities?Compared with how democracies in the OECD-world justify bans on political parties, how do these justifications stand up?

The main research activities will be the collection of data on legal-constitutional party bans in the new multi-party electoral regimes of Africa, creating the first-ever inventory of party bans and their implementation in Africa, and their subsequent analysis to answer the research questions formulated above. The project will make use of plural methodologies. As for the effects, causes and justifications of party bans the project will apply both macro-qualitative and ''small N'' comparisons.

Laufzeit: 2006-2008

Weitere Informationen auf der Seite des Forschungsprojektes

Veröffentlichungen:

Bogaards, M./ Basedau, M./ Hartmann, C. (Hg.) 2013: 'Ethnic Party Bans in Africa', Oxon: Routledge.

Bogaards, M./ Basedau, M./ Hartmann, C. 2010: 'Ethnic Party Bans in Africa: An Introduction', in Democratization 17/4, 599-617.

Hartmann, C. 2010: 'Senegal's party system: The limits of formal regulation', in Democratization 17 (2010), 4, 769-786.

Hartmann, C./ Kemmerzell, J. 2010: 'Understanding variations in party bans in Africa', in Democratization 17/4, 642-665.

Basedau, M./ Bogaards, M./ Hartmann, C./ Niesen, P. (2007) 'Ethnic Party Bans in Africa: A Research Agenda' in German Law Journal 8/6, 617-634.

 

Kommunalwahlen, lokale Politik und Demokratisierung im südlichen Afrika' (DFG)

Die gemischte Bilanz der Demokratisierung in den afrikanischen Ländern hat in den letzten Jahren vermehrt Forderungen nach stärker lokal angepassten demokratischen Strukturen in den Mittelpunkt der politischen Reformdebatten rücken lassen. In dem vorliegenden Forschungsvorhaben soll ein politikwissenschaftlicher Beitrag zu dieser Diskussion um lokale Ausprägungen von demokratischen Entscheidungsmechanismen in Afrika geleistet werden. Die kontinentweite Einführung gewählter kommunaler Räte im Gefolge von Demokratisierung und freien Wahlen auf der nationalen Ebene bietet am Ende der 1990er Jahre erstmals genügend Material, um Prozesse lokaler politischer Repräsentation und (partei-) politischen Wettbewerbs empirisch zu untersuchen und zu vergleichen und nicht nur im Rückgriff auf allgemeine Vermutungen über die afrikanische politische Kultur oder vorkoloniale Traditionen zu diskutieren.

Eine eingehende Untersuchung lokaler Wahlen sollte insbesondere zweierlei klären: Stellen diese erstens tatsächlich einen Beitrag zur Konsolidierung und Vertiefung nationaler Demokratisierungsprozesse dar, und inwiefern manifestieren sich in ihnen 'lokal angepasstere' Institutionen bzw. eigenständige Vorstellungen von Repräsentation? Eng damit verbunden soll zweitens vor dem Hintergrund der entwicklungs- und politiktheoretisch motivierten Förderung von Subsidiarität und Dezentralisierung am Beispiel der Kommunalwahlen geprüft werden, inwiefern die in Afrika bei nationalen Demokratisierungsprozessen auftretenden Konsolidierungshemmnisse (wie z.B. politisierte Ethnizität, strukturelle Schwäche der Opposition) auf der lokalen Ebene entschärft, bzw. verschärft werden. Aus forschungsstrategischen Gründen und im Hinblick auf die bestehende hochschulpolitische Kooperation konzentriert sich das Vorhaben auf die Region des südlichen Afrika.

Die Ergebnisse des Projekts deuten daraufhin, dass sich auch im afrikanischen Kontext der besondere Charakter der Lokalpolitik und ihrer Nähe zum Bürger zeigt. Dies gilt jedenfalls für die drei im Projekt untersuchten Staaten Südafrika, Namibia und Mauritius. Dieser lokalspezifische politische Prozess manifestiert sich aber nicht in prinzipiell differierenden Institutionen (in denen z.B. traditionelle Normen eine größere Rolle als auf der nationalen Ebene spielen würden) oder in Formen von Parastaatlichkeit (wie für die Sahel-Zone und Zentralafrika prophezeit). Aufgrund der Abkopplung von den zentralen neo-patrimonialen Verteilungsmechanismen kommt es im Gegenteil zu relativ kontingenten und authentischen Prozessen lokaler Demokratie, die u.U. durch mehr Wettbewerb und Partizipation (also die Kernelemente der Demokratie) gekennzeichnet sind als die nationale Ebene. Dessen ungeachtet wirken sich ungünstige Rahmenbedingungen (dominantes Parteiensystem, stark ungleiche Einkommensverteilung, faktisch unzureichender Bildungsgrad von Amtsträgern) auch auf die lokale Demokratisierung nachteilig aus.

Die oft vernachlässigte Analyse formaler Institutionen birgt weit größeres Potential als zunächst vermutet: Insbesondere die nationalen Regeln über den Zuschnitt, die Größe und die Zusammenlegung von Kommunen sowie das lokale Wahlsystem verraten uns im Ländervergleich erstaunlich viel über die Varianz in den Akteurskonstellationen auf lokaler Ebene und ihre Interaktionsmuster. Die Policy- und Entwicklungsforschung könnte diese Ergebnisse zum Anlass nehmen, diese institutionelle Prägung kommunalpolitischer Entscheidungsprozesse ernst zu nehmen.

Neben die formalen intergouvernementalen Beziehungen, die sich in unseren Länderfällen stark unterscheiden, tritt eine in der Föderalismus- und Autonomieforschung bereits herausgearbeitete informelle Ebene intergouvernementaler Politik, die auch hinsichtlich des Verhältnisses kommunaler und nationaler Politik mit Blick auf Demokratisierungsprozesse stärker beachtet werden sollte. Der Einfluss nationaler auf lokale Politik (durch Parteien, Dezentralisierungsprogramme, direkte politische Einflussnahme) bleibt dabei einstweilen wichtiger als derjenige lokaler auf die nationale Politik (vertikale Gewaltenteilung, Kommunen als Schule der Demokratie und Beginn parteipolitischer Karrieren).

Der Anwendungsnutzen der Ergebnisse liegt auf der Hand: Lässt sich belegen, dass das Design formeller Institutionen tatsächlich von Bedeutung ist, so kann gezielte Beratung hier ansetzen, da sich formale Institutionen in aller Regel durch Gesetze oder Verfassungsänderungen auch reformieren lassen. Das Projekt stellt ein breites empirisches Wissen über die Rolle solcher lokaler Institutionen nicht nur in den drei Feldforschungsländern, sondern in allen Ländern der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft SADC zur Verfügung.

Laufzeit 2001-2005

Veröffentlichungen:

C. Hartmann 2008: Local Government and the Management of Conflict in Fragmented Societies: South Africa, Namibia, and Mauritius Compared', in: Paul Tiyambe Zeleza (ed.), Managing and Resolving African Conflicts: Vol.2 Conflict Resolution and Post-conflict Reconstruction, Oxford: James Currey

C. Hartmann/ G. Crawford 2008: Introduction: Decentralisation as a Pathway out of Poverty and Conflict?, in: Gordon Crawford/ Christof Hartmann (Hg.), Decentralisation in Africa: A Pathway out of Poverty and Conflict?, Amsterdam: Amsterdam University Press, 7-32.

C. Hartmann 2008: Decentralisation and the Legacy of Protracted Conflict – Mauritius, Namibia and South Africa, in: Gordon Crawford/ Christof Hartmann (Hg.), Decentralisation in Africa: A Pathway out of Poverty and Conflict?, Amsterdam: Amsterdam University Press, 169-190.

C.Hartmann/ G. Crawford 2008: Conclusion: Decentralisation – No Shortcut to Development and Peace, in: Gordon Crawford/ Christof Hartmann (Hg.), Decentralisation in Africa: A Pathway out of Poverty and Conflict?, Amsterdam: Amsterdam University Press, 233-252.

C. Hartmann 2004: 'Local Elections in the SADC Countries: A Comparative Analysis of Local Electoral Institutions', Journal of African Elections 3/1, 160-184.

C. Hartmann 2004: 'Kommunalwahlen und die Demokratisierung des Ländlichen Raums' Entwicklung + Ländlicher Raum 38/4, 12-14.

C. Hartmann 2004: ‚Local Elections and Local Government in Southern Africa' Afrika Spectrum 39/2, 223-248.

C. Hartmann 2003: Local Elections in Southern Africa. Bochum: Institut für Entwicklungsforschung und Entwicklungspolitik (IEE Working Papers No.175).

C. Hartmann 2002: ‚Südafrika. Von der Apartheid zur Demokratie', Politische Bildung 35/2, 63-75.

Elections in Asia and the Pacific (DFG)

(Projektleiter Prof. Dr. Dieter Nohlen, Universität Heidelberg)
In Einzelbeiträgen stellen Länderexperten in einer einheitlichen Form die Entwicklung des politischen Systems mit Schwerpunkt auf Wahlen und Parteiensystem dar und erläutern sowohl das aktuelle Wahlsystem als auch dessen Entwicklung. Zusätzlich listen umfangreiche Datenteile die Ergebnisse aller nationalen Wahlen seit Einführung des allgemeinen Männerwahlrechts auf.

Eine Bibliographie mit offiziellen Quellen und Literatur erschließt dem Leser eine Fülle weiterer Informationen. Ein ausführlicher Einleitungsteil führt systematisch vergleichend in die Wahlsysteme der jeweiligen Regionen ein. Ein Glossar mit wichtigen Wahlbegriffen schließt die Bände ab.

Laufzeit 1998-2001

Veröffentlichungen: D. Nohlen/ F.Grotz/ C.Hartmann (Hg.) ,Elections and Electoral Systems in Asia and the Pacific’ , 2 Bände, Oxford: Oxford University Press

Politikberatung

Übersicht

Expertise besteht hauptsächlich in folgenden drei Sektoren:

  • Wahlsystemreform und Wahlhilfe
  • Krisenprävention und Konfliktbearbeitung
  • Demokratieförderung und politische Entwicklungszusammenarbeit

 

Wahlsystemreform und Wahlhilfe

C. Hartmann hat im Auftrag verschiedener politischer Stiftungen Wahlkommissionen, Verfassungskommissionen und Parlamente beraten. Dies gilt insbesondere für das ägyptische Parlament (2002), die kenianische Verfassungskommission (Constitutional Review Commission 2002 und 2003). Er hat 2000 als Experte an einem Roundtable von Politikern, Experten und Verfassungsrechtlern aus dem südlichen Afrika in Kapstadt teilgenommen. Er war 2001/02 Mitglied einer Arbeitsgruppe der Venedig-Kommission des Europarats zur Überarbeitung des Kommunalwahlgesetz Kroatiens. Seit 2002 ist er als Experte der United Nations Electoral Assistance Division registriert.

 

Krisenprävention und Konfliktbearbeitung

C. Hartmann war Gründungsmitglied des von der GTZ finanzierten Netzwerks über Krisenprävention und Konfliktbearbeitung im sub-saharischen Afrika. Er hat in diesem Zusammenhang an Workshops in Kapstadt, Nairobi und Lilongwe (Malawi) teilgenommen, bzw. diese mit organisiert. Er hat 2001 im Auftrag der Europäischen Union und des Conflict Prevention Networks der Stiftung Wissenschaft und Politik eine Desk Study über EU-Optionen des Konfliktbearbeitung in der Côte d'Ivoire erstellt. Im Rahmen einer Evaluierung von Projektaktivitäten der Friedrich-Ebert-Stiftung hat er Projekte der Krisenprävention im Norden Malis begutachtet (2003).

 

Demokratieförderung und politische Entwicklungszusammenarbeit

C. Hartmann hat seit 2001 die gesellschaftspolitischen Beratungsprojekte der Friedrich-Ebert-Stiftung in Mali und im Senegal und die Projekte der Hanns-Seidel-Stiftung in Benin, Burkina Faso, Côte d'Ivoire und im Togo begutachtet. Er ist außerdem seit 2003 Experte der Bertelsmann-Stiftung im Rahmen des Bertelsmann Transformation Index für die Länder Benin und Côte d'Ivoire.