Grammatikunterricht in inklusiven Lerngruppen

Dr. Matthias Hölzner (Gymnasium Alfred-Krupp-Schule Essen)

Ein konstitutives Merkmal inklusiver Lerngruppen besteht darin, dass sie Schüler*innen unterschiedlichster Lern- und Entwicklungsstände in sich vereinen. Demgegenüber fühlen sich die Lehrer*innen, eine der wesentlichen Gruppen von Akteur*innen im inklusiven Schulalltag, gerade mit der Aufgabe, gemeinsame Lernprozesse innerhalb der heterogenen Schülerschaft zu initiieren, von der Bildungspolitik wie auch der Wissenschaft alleingelassen (vgl. forsa 2015: 4f.). Infolgedessen mehren sich Forderungen nach einer inklusiven Fachdidaktik, die wissenschaftliche Grundlagen für individualisiertes Lernen am gemeinsamen Lerngegenstand definiert und hieraus Handlungsanleitungen für die Unterrichtspraxis ableitet (vgl. Hennies/Ritter 2014). Mit Blick auf die einzelnen Kompetenzbereiche im Fach Deutsch fällt auf, dass inklusive Konzeptualisierungen und unterrichtspraktische Vorschläge mit Ausnahme von Hölzner (2014) bislang für den grammatischen Lernbereich fehlen. Eine Befragung von Lehrer*innen an inklusiv arbeitenden Gymnasien und Gesamtschulen in Nordrhein-Westfalen, die im Rahmen des Forschungsvorhabens von Dr. Matthias Hölzner und Dr. Katharina Böhnert (RWTH Aachen) durchgeführt wurde, ergab darüber hinaus, dass auch in der Unterrichtspraxis ein gemeinsames Lernen im Grammatikunterricht kaum stattfindet.

Im Workshop sollen Planungsschritte zur Konzeptionierung einer inklusiven Unterrichtssequenz in den Blick genommen und dabei auf der Grundlage der von Feuser (1995) vorgeschlagenen Analyseebenen (Tätigkeitsstrukturanalyse, Handlungsstrukturanalyse, Sachstrukturanalyse) die Arbeit an einem gemeinsamen Unterrichtsgegenstand aus dem Kompetenzbereich „Reflexion über Sprache“ für die Sekundarstufe I exemplarisch angebahnt werden. Das Verständnis des Referenten von ‚inklusiven Lehr-Lern-Gruppen‘ orientiert sich hierbei an einem weiten Inklusionsbegriff. In der konkreten Lerngruppe, in der die entwickelten Unterrichtskonzepte erprobt wurden, lernen sechs Schüler*innen mit verschiedenen sonderpädagogischen Förderschwerpunkten (‚Lernen‘, ‚Sprache‘, ‚emotional-soziale Entwicklung‘) gemeinsam mit rund zwanzig Schülern*innen ohne Förderschwerpunkt. Spezifische Bedürfnisse einzelner Schüler*innen, wie sie u.a. aus sonderpädagogischen Förderbedarfen resultieren können, sind zwar Thema des Workshops, Ziel ist es jedoch, eine differenzierte grammatische Förderung zu ermöglichen, durch die alle Lernenden ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie ihren Neigungen und Interessen entsprechend gefördert werden können. Die Unterrichtsplanung ergänzend sollen im Workshop Videographien tatsächlich durchgeführter Unterrichtsstunden analysiert und so das Nachdenken über inklusiven Grammatikunterricht weiter vertieft werden.

Feuser, Georg (1995): Behinderte Kinder und Jugendliche. Zwischen Integration und Aussonderung. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft. • forsa-Umfrage vom 17.04.2015: Inklusion an Schulen aus Sicht der Lehrerinnen und Lehrer – Meinungen, Einstellungen und Erfahrungen. Ergebnisse einer repräsentativen Lehrerbefragung. Online verfügbar unter: http://www.vbenrw. de/downloads/PDF%20Dokumente/Forsa_Inklusion_Ergebnisse.pdf (Letzter Zugriff: 29.12.2017). • Hennies, J./Ritter, M. (2014): Zur Einführung: Deutschunterricht in der Inklusion. In: dies. (Hrsg.): Deutschunterricht in der Inklusion. Auf dem Weg zu einer inklusiven Deutschdidaktik. Stuttgart: Klett Fillibach, 7–17. • Hölzner, M. (2014): Inklusive Deutschdidaktik in der Sekundarstufe I zwischen gemeinsamen Lernsituationen und einem gemeinsamen Lerngegenstand. In: Hennies J./Ritter M. (Hrsg.): Deutschunterricht in der Inklusion. Auf dem Weg zu einer inklusiven Deutschdidaktik. Stuttgart: Klett Fillibach, 47–57.


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